Anleihen verstehen

Eine Anleihe ist ein Wertpapier, mit dem Sie einem Staat oder einem Unternehmen für eine festgelegte Zeit Geld leihen. Dafür erhalten Sie regelmäßige Zinsen, den Kupon, und am Ende der Laufzeit den Nennwert zurück. Anleihen gelten als planbarer als Aktien, sind aber keineswegs frei von Risiken.
Der Unterschied zur Aktie ist grundlegend: Als Aktionär sind Sie Miteigentümer, als Anleihekäufer sind Sie Gläubiger. Sie haben einen festen Anspruch auf Zinsen und Rückzahlung, aber keinen Anteil am Unternehmen und seinen Gewinnen. Diese Rolle prägt alles, was Anleihen im Depot leisten können.
Auf den Punkt
Mit einer Anleihe werden Sie zum Kreditgeber: Sie leihen Geld gegen feste Zinsen, und tragen das Risiko, dass der Schuldner nicht zurückzahlt.
1. Wie funktioniert eine Anleihe?
Drei Größen bestimmen jede Anleihe: der Nennwert, also der Betrag, der am Ende zurückgezahlt wird; der Kupon, also der feste Zinssatz auf diesen Nennwert; und die Laufzeit, nach der die Rückzahlung fällig ist. Der Herausgeber, etwa ein Staat oder ein Konzern, heißt Emittent.
Während der Laufzeit müssen Sie die Anleihe nicht behalten: Sie wird an der Börse gehandelt, und Sie können sie jederzeit an andere Anleger verkaufen. Der Preis dafür ist der aktuelle Kurs, und der kann deutlich vom Nennwert abweichen, wie Sie gleich sehen werden.
2. Welche Arten von Anleihen gibt es?
Die wichtigste Unterscheidung läuft über den Schuldner. Staatsanleihen werden von Ländern ausgegeben. Deutsche Bundesanleihen gelten dabei als besonders bonitätsstark. Unternehmensanleihen stammen von Firmen und bieten meist höhere Kupons, weil das Ausfallrisiko größer ist.
Wie kreditwürdig ein Emittent ist, bewerten Ratingagenturen mit Noten von AAA abwärts. Je schlechter die Note, desto mehr Zins muss der Schuldner bieten, um Käufer zu finden. Anleihen mit schwachen Ratings heißen Hochzinsanleihen. Der Name klingt verlockend, beschreibt aber vor allem das Risiko.
3. Warum schwanken Anleihekurse?
Der wichtigste Treiber ist das allgemeine Zinsniveau. Steigen die Marktzinsen, bieten neue Anleihen höhere Kupons. Ihre alte Anleihe mit niedrigerem Zins wird unattraktiver, ihr Kurs fällt. Sinken die Zinsen, passiert das Gegenteil. Je länger die Restlaufzeit, desto stärker reagiert der Kurs.
Für Sie heißt das: Kursschwankungen treffen Sie vor allem, wenn Sie vorzeitig verkaufen. Halten Sie die Anleihe bis zum Laufzeitende, erhalten Sie den vollen Nennwert zurück, vorausgesetzt, der Emittent bleibt zahlungsfähig.
4. Welche Risiken haben Anleihen?
Das größte ist das Ausfallrisiko: Kann der Emittent nicht zahlen, sind Zinsen und im schlimmsten Fall der Nennwert verloren. Das hat es bei Unternehmen wie auch bei Staaten schon gegeben. Dazu kommen das Zinsänderungsrisiko für den Kurs und das Inflationsrisiko, weil feste Zinsen bei steigenden Preisen real an Wert verlieren.
Eine einfache Faustregel schützt vor bösen Überraschungen: Ein auffällig hoher Kupon ist kein Geschenk, sondern eine Risikoprämie. Wenn ein Schuldner deutlich mehr Zins bietet als andere, verlangt der Markt diesen Aufschlag aus gutem Grund.
5. Welche Rolle spielen Anleihen im Depot?
Im Zusammenspiel der Anlageklassen übernehmen Anleihen die Rolle des Stabilisators: Sie schwanken meist deutlich weniger als Aktien und liefern planbare Erträge. In vielen Depots dämpfen sie so die Ausschläge des Aktienanteils.
Der einfachste Zugang für Privatanleger sind Anleihen-ETFs: Sie bündeln hunderte Anleihen, streuen damit das Ausfallrisiko und sind schon für kleine Beträge handelbar. Einzelne Anleihen haben dagegen oft Mindeststückelungen von 1.000 € oder mehr.
Beispiel aus der Praxis
Angenommen, Sie kaufen eine Anleihe mit 1.000 € Nennwert, 3 % Kupon und fünf Jahren Laufzeit (fiktives Beispiel). Sie erhalten jedes Jahr 30 € Zinsen, über die Laufzeit also 150 €, plus die 1.000 € Rückzahlung am Ende. Steigt der Marktzins zwischenzeitlich auf 4 %, will niemand mehr den vollen Preis für Ihre 3-%-Anleihe zahlen: Ihr Kurs fällt, vereinfacht gerechnet, auf rund 955 €. Halten Sie trotzdem bis zum Laufzeitende durch, bekommen Sie dennoch die vollen 1.000 € zurück, vorausgesetzt, der Emittent bleibt zahlungsfähig.
Häufiger Irrtum
„Anleihen sind sicher, da kann man nichts falsch machen." So pauschal stimmt das nicht. Die Sicherheit einer Anleihe hängt vollständig vom Schuldner ab: Auch Unternehmen und sogar Staaten sind schon ausgefallen. Dazu kommen Kursverluste bei steigenden Zinsen und der schleichende Kaufkraftverlust durch Inflation. Anleihen sind meist ruhiger als Aktien. Risikofrei sind sie nie.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓Eine Anleihe ist ein Kredit an einen Staat oder ein Unternehmen mit festem Zins (Kupon) und fester Laufzeit.
- ✓Am Laufzeitende wird der Nennwert zurückgezahlt, sofern der Emittent zahlungsfähig ist.
- ✓Steigende Marktzinsen lassen die Kurse bestehender Anleihen fallen, fallende Zinsen lassen sie steigen.
- ✓Ein auffällig hoher Kupon ist ein Warnsignal für ein höheres Ausfallrisiko.
- ✓Anleihen-ETFs streuen über viele Schuldner und sind für Einsteiger der einfachste Zugang.
Testen Sie Ihr Wissen
1. Was bekommen Sie als Käufer einer Anleihe?
2. Was passiert mit dem Kurs einer bestehenden Anleihe, wenn die Marktzinsen steigen?
3. Worauf deutet ein ungewöhnlich hoher Kupon hin?
Häufige Fragen
Was bedeutet der Kupon einer Anleihe?
Der Kupon ist der feste Zinssatz, den der Emittent jährlich auf den Nennwert zahlt. Eine Anleihe mit 1.000 € Nennwert und 3 % Kupon bringt also 30 € Zinsen pro Jahr, unabhängig vom aktuellen Börsenkurs.
Was ist der Unterschied zwischen einer Anleihe und einer Aktie?
Mit einer Aktie werden Sie Miteigentümer und tragen unternehmerische Chancen und Risiken. Mit einer Anleihe sind Sie Gläubiger: Sie haben Anspruch auf Zinsen und Rückzahlung, profitieren aber nicht von steigenden Gewinnen des Unternehmens.
Kann ich eine Anleihe vor dem Laufzeitende verkaufen?
Ja, Anleihen werden an der Börse gehandelt. Sie verkaufen dann zum aktuellen Kurs, der kann über oder unter Ihrem Kaufpreis liegen, je nachdem, wie sich Zinsen und Bonität entwickelt haben.
Was ist ein Anleihen-ETF?
Ein Anleihen-ETF bündelt hunderte Anleihen verschiedener Emittenten in einem Wertpapier. Das streut das Ausfallrisiko einzelner Schuldner und umgeht die hohen Mindestbeträge, die bei einzelnen Anleihen üblich sind.
Sind Bundesanleihen sicher?
Die Bundesrepublik gilt als Schuldner höchster Bonität, ein Ausfall ist entsprechend unwahrscheinlich. Kursschwankungen bei Zinsänderungen und der Kaufkraftverlust durch Inflation bleiben aber auch bei Bundesanleihen bestehen.
Ganz einfach erklärt
Sie leihen Ihrer Freundin 10 € für ein Jahr. Als Dankeschön bekommen Sie jeden Monat ein Gummibärchen, und nach dem Jahr gibt sie Ihnen die 10 € zurück. Genau so funktioniert eine Anleihe, nur leihen Sie das Geld einem Land oder einer Firma. Und wie immer beim Verleihen gilt: Es klappt nur, wenn der andere zurückzahlen kann.
Lektion 2 von 5
Gold und Rohstoffe
