Die drei Säulen der Altersvorsorge

Marc Lewald3. Juli 2026

Die Altersvorsorge in Deutschland ruht auf drei Säulen: der gesetzlichen Rentenversicherung, der betrieblichen Altersvorsorge über den Arbeitgeber und der privaten Vorsorge, die Sie selbst aufbauen. Die gesetzliche Rente bildet für die meisten das Fundament, reicht allein aber selten, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Die Lücke schließen die beiden anderen Säulen.

Dieses Modell zu kennen lohnt sich, weil jede Säule anderen Regeln folgt: Die erste organisiert der Staat, die zweite läuft über Ihren Job, die dritte liegt komplett in Ihrer Hand. Wer alle drei versteht, kann gezielt dort nachlegen, wo es bei ihm hakt.

In dieser Lektion gehen wir die Säulen einzeln durch, schauen auf die berühmte Rentenlücke, und klären, warum die dritte Säule für die meisten jüngeren Menschen die wichtigste Stellschraube ist.

Auf den Punkt

Die gesetzliche Rente ist ein Fundament, kein fertiges Haus. Den Rest bauen Sie über betriebliche und private Vorsorge selbst.

1. Was sind die drei Säulen der Altersvorsorge?

Das Drei-Säulen-Modell ist die klassische Art, die Altersvorsorge in Deutschland zu sortieren. Säule eins ist die gesetzliche Rentenversicherung, in die fast alle Angestellten automatisch einzahlen. Säule zwei ist die betriebliche Altersvorsorge, bei der über den Arbeitgeber fürs Alter gespart wird. Säule drei umfasst alles Private: von der staatlich geförderten Rentenversicherung bis zum selbst besparten Depot.

Die Grundidee: Keine Säule muss alles allein tragen. Fällt eine schwächer aus, gleichen die anderen das aus. Genau deshalb ist es riskant, sich nur auf eine einzige zu verlassen.

Nebenbei: Seit einer Steuerreform von 2005 spricht der Gesetzgeber offiziell eher von drei „Schichten", die nach steuerlicher Behandlung sortiert sind. Für das Grundverständnis bleibt das Säulen-Bild aber das anschaulichste und nach wie vor gebräuchlichste.

2. Wie funktioniert die gesetzliche Rente?

Die gesetzliche Rentenversicherung arbeitet im Umlageverfahren: Ihre heutigen Beiträge werden nicht für Sie angespart, sondern direkt an die heutigen Rentnerinnen und Rentner ausgezahlt. Ihre eigene Rente zahlen später die dann Erwerbstätigen. Im Gegenzug sammeln Sie mit Ihren Beiträgen Ansprüche in Form von Entgeltpunkten.

Dieses System hat eine bekannte Schwachstelle: die Demografie. Auf immer mehr Rentenempfänger kommen immer weniger Beitragszahler, weil die Gesellschaft altert. Das setzt das Rentenniveau unter Druck: also das Verhältnis einer Standardrente zum Durchschnittseinkommen, das derzeit bei rund 48 Prozent liegt.

Vereinfacht heißt das: Selbst wer durchgängig durchschnittlich verdient und einzahlt, bekommt im Ruhestand deutlich weniger als sein letztes Gehalt. Die gesetzliche Rente sichert eine Basis. Den Lebensstandard sichert sie für die meisten nicht allein. Wo Sie persönlich stehen, zeigt Ihnen die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung, die Sie ab 27 Jahren und fünf Beitragsjahren automatisch per Post bekommen.

3. Was bringt die betriebliche Altersvorsorge?

Bei der betrieblichen Altersvorsorge (kurz bAV) sparen Sie über Ihren Arbeitgeber fürs Alter, häufig per Entgeltumwandlung: Ein Teil Ihres Bruttogehalts fließt direkt in einen Vorsorgevertrag, bevor Steuern und Sozialabgaben abgezogen werden. Auf diese Umwandlung haben Sie als Angestellter einen gesetzlichen Anspruch.

Der große Pluspunkt: Wandeln Sie Gehalt um, muss Ihr Arbeitgeber in der Regel 15 Prozent Zuschuss drauflegen, weil er selbst Sozialabgaben spart. Manche Unternehmen zahlen freiwillig deutlich mehr dazu, quasi geschenktes Vorsorgegeld.

Es gibt aber auch Haken: Auf die spätere Betriebsrente fallen meist Steuern und, bei gesetzlich Krankenversicherten, Sozialabgaben an, und beim Jobwechsel ist die Mitnahme nicht immer reibungslos. Ob sich die bAV rechnet, hängt stark vom Arbeitgeberzuschuss und den Vertragskonditionen ab. Ein Gespräch mit der Personalabteilung lohnt sich in jedem Fall.

4. Welche private Vorsorge gibt es?

Die dritte Säule ist der Teil, den Sie vollständig selbst gestalten. Dazu zählen staatlich geförderte Produkte wie die Riester- oder die Basisrente (oft „Rürup" genannt), private Rentenversicherungen, Immobilien und die freie Geldanlage im eigenen Depot.

Geförderte Produkte locken mit Zulagen oder Steuervorteilen, sind dafür aber oft mit höheren Kosten, Garantien zulasten der Renditechancen und wenig Flexibilität verbunden. Die freie Anlage, etwa ein ETF-Sparplan wie in der letzten Lektion, ist maximal flexibel und kostengünstig, dafür tragen Sie das Marktrisiko allein und bekommen keine Zuschüsse.

Was besser passt, ist eine individuelle Frage von Förderung, Kosten, Flexibilität und Disziplin. Eine pauschale Antwort wäre unseriös. Wichtig ist die Erkenntnis dahinter: Diese Säule ist die einzige, deren Höhe Sie komplett selbst bestimmen. Bei Säule eins und zwei sind Sie weitgehend Passagier; hier sitzen Sie am Steuer.

5. Was ist die Rentenlücke, und wie finden Sie Ihre?

Die Rentenlücke ist der Abstand zwischen dem Geld, das Sie im Ruhestand voraussichtlich brauchen, und dem, was aus gesetzlicher und gegebenenfalls betrieblicher Vorsorge zu erwarten ist. Als grobe Orientierung nennen viele Fachleute einen Bedarf von etwa 80 Prozent der letzten Nettoeinkünfte. Manche Kosten fallen im Alter weg, andere wie Gesundheit kommen dazu.

So nähern Sie sich Ihrer persönlichen Lücke: Nehmen Sie die voraussichtliche Rente aus Ihrer Renteninformation, ziehen Sie überschlägig Steuern und Krankenversicherungsbeiträge ab und vergleichen Sie das Ergebnis mit Ihrem Zielbedarf. Die monatliche Differenz ist die Lücke, die Säule zwei und drei schließen müssen.

Diese Rechnung ist eine Momentaufnahme mit vielen Unbekannten, von der Inflation bis zur eigenen Karriere. Sie muss nicht exakt sein, nur früh genug ins Handeln bringen, denn beim Schließen der Lücke ist Zeit Ihr größter Verbündeter.

6. Wie kombinieren Sie die drei Säulen sinnvoll?

Ein bewährtes Vorgehen in drei Schritten. Erstens: Bestandsaufnahme. Renteninformation lesen, beim Arbeitgeber nach der bAV und den Zuschüssen fragen, vorhandene Verträge sichten.

Zweitens: Geschenke mitnehmen. Zahlt Ihr Arbeitgeber spürbare Zuschüsse zur bAV, ist das oft der einfachste Hebel. Bestehende geförderte Verträge prüfen Sie in Ruhe, statt vorschnell zu kündigen. Das kostet häufig Geld.

Drittens: die dritte Säule konsequent selbst aufbauen, zum Beispiel mit einem breit gestreuten Sparplan, dessen Rate mit Ihrem Einkommen wächst. Und weil das über Jahrzehnte laufen soll, widmet sich die letzte Lektion dieses Kurses genau der Frage, wie Sie dauerhaft dranbleiben.

Beispiel aus der Praxis

Stellen Sie sich vor, Ihr aktuelles Netto liegt bei 2.400 Euro, und Sie planen im Ruhestand mit 80 Prozent davon: also 1.920 Euro im Monat. Ihre Renteninformation stellt Ihnen nach heutigem Stand 1.400 Euro gesetzliche Rente in Aussicht; nach Abzügen bleiben davon beispielhaft rund 1.200 Euro. Ihre Lücke: etwa 720 Euro pro Monat. Beim Schließen entscheidet der Startzeitpunkt: Bei einer angenommenen Rendite von sechs Prozent pro Jahr erfordern 100.000 Euro Zielkapital über 25 Jahre rund 145 Euro Sparrate im Monat. Über 10 Jahre dagegen schon gut 600 Euro. Alle Zahlen sind vereinfachte Beispielwerte ohne Inflation, Kosten und Steuern.

Häufiger Irrtum

„Ich zahle doch mein Leben lang in die Rentenkasse ein, dann wird die Rente schon reichen." Leider nein. Ihre Beiträge werden nicht für Sie angespart, sondern sofort an die heutigen Rentner ausgezahlt, und das Rentenniveau liegt nur bei rund 48 Prozent des Durchschnittseinkommens. Wer seinen Lebensstandard halten will, braucht in aller Regel zusätzliche Vorsorge: je früher sie beginnt, desto kleiner ist die nötige Sparrate.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Altersvorsorge in Deutschland ruht auf drei Säulen: gesetzlich, betrieblich und privat.
  • Die gesetzliche Rente läuft im Umlageverfahren und ersetzt nur einen Teil des früheren Einkommens.
  • Bei der betrieblichen Altersvorsorge gibt es auf Entgeltumwandlung in der Regel 15 Prozent Arbeitgeberzuschuss, manchmal deutlich mehr.
  • Die private Vorsorge ist die einzige Säule, deren Höhe Sie vollständig selbst bestimmen.
  • Ihre jährliche Renteninformation ist der Startpunkt, um die persönliche Rentenlücke abzuschätzen.

Testen Sie Ihr Wissen

1. Welche drei Säulen hat die Altersvorsorge in Deutschland?

2. Wie funktioniert die gesetzliche Rentenversicherung?

3. Was zeigt Ihnen Ihre jährliche Renteninformation?

Häufige Fragen

Was sind die drei Säulen der Altersvorsorge?

Die gesetzliche Rentenversicherung als Basis, die betriebliche Altersvorsorge über den Arbeitgeber und die private Vorsorge, die Sie eigenständig aufbauen, etwa über geförderte Verträge oder ein eigenes Depot.

Reicht die gesetzliche Rente zum Leben?

Für die meisten reicht sie allein nicht, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Das Rentenniveau liegt bei rund 48 Prozent des Durchschnittseinkommens; die entstehende Lücke sollen betriebliche und private Vorsorge schließen.

Habe ich Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge?

Als Angestellter haben Sie einen gesetzlichen Anspruch darauf, Teile Ihres Gehalts per Entgeltumwandlung fürs Alter anzusparen. Der Arbeitgeber muss diese Umwandlung in der Regel mit 15 Prozent bezuschussen.

Was ist das Drei-Schichten-Modell?

Eine steuerliche Sortierung der Altersvorsorge, die 2005 eingeführt wurde: Basisversorgung, geförderte Zusatzvorsorge und private Kapitalanlageprodukte. Inhaltlich beschreibt es dieselbe Welt wie das Säulen-Modell, nur aus Sicht des Finanzamts.

Wann sollte ich mit der Altersvorsorge anfangen?

So früh wie möglich. Je länger Ihr Geld angelegt ist, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt, und desto kleiner ist die monatliche Rate, die Sie für dasselbe Ziel brauchen.

Ganz einfach erklärt

Stellen Sie sich Ihre Altersvorsorge wie einen Hocker mit drei Beinen vor. Ein Bein baut der Staat, eins hilft Ihnen Ihr Arbeitgeber zu bauen, und eins zimmern Sie selbst. Auf einem Bein kippelt der Hocker gewaltig. Auf drei Beinen sitzen Sie im Alter stabil.

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