Tagesgeld und Festgeld

Tagesgeld und Festgeld sind verzinste Bankeinlagen, und die einfachsten Anlageklassen überhaupt. Beim Tagesgeld kommen Sie jederzeit an Ihr Geld, der Zins kann sich aber täglich ändern. Beim Festgeld legen Sie einen Betrag für eine feste Laufzeit an: zu einem festen Zins, dafür ohne Zugriff zwischendurch.
Beide bilden den Sicherheitsbaustein eines Depots: Sie schwanken nicht im Kurs und sind gesetzlich abgesichert. Warum sie trotzdem kein Ersatz für renditestärkere Anlageklassen sind, klärt diese Lektion.
Auf den Punkt
Tagesgeld gibt Ihnen jederzeitigen Zugriff, Festgeld einen planbaren Zins. Vermögen aufbauen müssen Sie mit anderen Anlageklassen.
1. Was ist Tagesgeld?
Ein Tagesgeldkonto ist ein verzinstes Konto ohne Laufzeit: Sie können jederzeit einzahlen und abheben. Der Zins ist variabel: die Bank kann ihn jederzeit anheben oder senken, je nach Marktlage.
Für den Zahlungsverkehr ist das Konto nicht gedacht: Überweisungen laufen in der Regel über ein verknüpftes Referenzkonto, meist Ihr Girokonto. Achten Sie außerdem auf Aktionszinsen: Besonders hohe Sätze gelten oft nur befristet für Neukunden und sinken danach deutlich.
2. Was ist Festgeld?
Beim Festgeld legen Sie einen festen Betrag für eine feste Laufzeit an: von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Der Zins steht bei Abschluss fest und gilt unverändert bis zum Ende, egal was am Markt passiert.
Der Preis dieser Planbarkeit: Während der Laufzeit kommen Sie in der Regel nicht an Ihr Geld, eine vorzeitige Kündigung ist meist ausgeschlossen oder mit Nachteilen verbunden. Dafür liegt der Festgeldzins üblicherweise etwas über dem Tagesgeldzins.
3. Wie sicher sind Tagesgeld und Festgeld?
Beide fallen unter die gesetzliche Einlagensicherung: Bis 100.000 € pro Kunde und Bank sind Guthaben in der EU geschützt, in Deutschland kommen bei vielen Instituten zusätzliche Sicherungssysteme hinzu. Ein Kursrisiko wie bei Wertpapieren gibt es nicht.
„Sicher" bezieht sich allerdings nur auf den Nominalbetrag. Liegt der Zins unter der Inflationsrate, verliert Ihr Guthaben real an Kaufkraft. Das ist das eigentliche Risiko dieser Anlageklasse, und es wirkt leise, aber dauerhaft.
4. Wofür eignen sich Tagesgeld und Festgeld?
Das Tagesgeld ist der natürliche Ort für den Notgroschen, eine häufige Faustregel sind drei bis sechs Monatsausgaben, und für Geld, das Sie kurzfristig brauchen könnten. Flexibilität ist hier wichtiger als der letzte Zehntelprozentpunkt Zins.
Das Festgeld passt für Beträge mit festem Verwendungstermin, etwa den Autokauf in zwei Jahren: Sie sichern sich den Zins und verzichten bewusst auf Zugriff. Der langfristige Vermögensaufbau gehört dagegen in renditestärkere Anlageklassen. Zinskonten halten dort real selten mit.
5. Tagesgeld oder Festgeld: wie entscheiden Sie?
Die Leitfrage lautet: Wann brauchen Sie das Geld? Ist der Zeitpunkt unklar oder jederzeit möglich, ist das Tagesgeld die richtige Wahl. Steht der Termin fest, kann das Festgeld den besseren Zins liefern.
Auch Mischformen funktionieren: Sie können einen Betrag auf mehrere Laufzeiten verteilen, eine sogenannte Zinstreppe, sodass regelmäßig ein Teil frei wird. Vergleichen Sie in jedem Fall die Konditionen und prüfen Sie, welcher Einlagensicherung die Bank unterliegt.
Beispiel aus der Praxis
Angenommen, Sie haben 10.000 € übrig (fiktive Zahlen). Auf dem Tagesgeld bekommen Sie 2 % variabel: nach einem Jahr wären das 200 € Zinsen, sofern der Satz konstant bleibt. Ein zwölfmonatiges Festgeld bietet 3 % fest, also sichere 300 €. Klingt nach klarem Sieg fürs Festgeld, aber geht mitten im Jahr die Waschmaschine kaputt, kommen Sie an das Geld nicht heran. Und liegt die Inflation im selben Jahr bei 3 %, hat selbst das Festgeld real nur den Kaufkraftverlust gestoppt, kein Vermögen aufgebaut.
Häufiger Irrtum
„Auf dem Tagesgeld ist mein Geld absolut sicher, also lasse ich am besten alles dauerhaft dort." Nominal stimmt das: Der Betrag schwankt nicht und ist bis 100.000 € gesetzlich abgesichert. Real aber nagt die Inflation: Liegt sie über dem Zins, können Sie sich jedes Jahr etwas weniger von Ihrem Guthaben leisten. Wer sein gesamtes Vermögen langfristig parkt, tauscht das Kursrisiko nur gegen einen schleichenden Kaufkraftverlust.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓Tagesgeld ist täglich verfügbar und variabel verzinst, Festgeld bindet Geld für eine feste Laufzeit zu festem Zins.
- ✓Beide sind pro Kunde und Bank bis 100.000 € gesetzlich abgesichert.
- ✓Liegt der Zins unter der Inflationsrate, verliert das Guthaben real an Kaufkraft.
- ✓Der Notgroschen, oft drei bis sechs Monatsausgaben, gehört aufs Tagesgeld.
- ✓Für den langfristigen Vermögensaufbau sind Tages- und Festgeld Ergänzung, nicht Ersatz für andere Anlageklassen.
Testen Sie Ihr Wissen
1. Was ist der zentrale Unterschied zwischen Tagesgeld und Festgeld?
2. Bis zu welcher Höhe greift die gesetzliche Einlagensicherung?
3. Welches Risiko bleibt auch bei Tagesgeld bestehen?
Häufige Fragen
Kann ich Festgeld vorzeitig kündigen?
In der Regel nicht, oder nur mit deutlichen Nachteilen wie Zinsverlust. Legen Sie deshalb nur Geld fest an, das Sie während der Laufzeit sicher nicht brauchen.
Was passiert mit meinem Geld bei einer Bankpleite?
Die gesetzliche Einlagensicherung erstattet Guthaben bis 100.000 € pro Kunde und Bank. Wer mehr anlegen möchte, kann den Betrag auf mehrere Banken verteilen, damit die Grenze jeweils eingehalten wird.
Wie viel Notgroschen sollte ich haben?
Eine häufige Faustregel sind drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeld. Die passende Höhe hängt von Ihrer Lebenssituation ab: etwa davon, wie sicher Ihr Einkommen ist und welche Fixkosten laufen.
Zählt das Guthaben auf dem Verrechnungskonto meines Depots zur Einlagensicherung?
In der Regel ja: Das Verrechnungskonto Ihres Depots ist eine Bankeinlage und fällt damit unter die Einlagensicherung. Die Wertpapiere selbst sind davon getrennt. Sie bleiben auch bei einer Bankpleite Ihr Eigentum.
Warum ist der Festgeldzins meist höher als der Tagesgeldzins?
Weil Sie der Bank Ihr Geld verbindlich für eine feste Zeit überlassen. Diese Planbarkeit ist für die Bank wertvoll, und sie vergütet sie mit einem Zinsaufschlag gegenüber dem jederzeit abrufbaren Tagesgeld.
Ganz einfach erklärt
Tagesgeld ist ein Sparschwein mit Deckel: Sie können es jederzeit öffnen. Festgeld ist ein Sparschwein mit Zeitschloss: Es gibt ein paar Bonbons extra, aber es öffnet sich erst am vereinbarten Tag. Für Notfälle nehmen Sie das mit dem Deckel, fürs Warten-Können das mit dem Schloss.
Lektion 5 von 5
Thema abgeschlossen
