Tagesgeld und Festgeld

Marc Lewald3. Juli 2026

Tagesgeld und Festgeld sind verzinste Bankeinlagen, und die einfachsten [Anlageklassen](/akademie/glossar#anlageklasse "Eine Anlageklasse ist eine Gruppe von Vermögenswerten mit ähnlichen Eigenschaften bei Rendite, Risiko und [Liquidität](/akademie/glossar#liquiditaet "Liquidität bezeichnet an der Börse, wie schnell und ohne Kursabschlag sich ein Wertpapier kaufen oder verkaufen lässt.").") überhaupt. Beim Tagesgeld kommst du jederzeit an dein Geld, der Zins kann sich aber täglich ändern. Beim Festgeld legst du einen Betrag für eine feste Laufzeit an: zu einem festen Zins, dafür ohne Zugriff zwischendurch.

Beide bilden den Sicherheitsbaustein eines Depots: Sie schwanken nicht im Kurs und sind gesetzlich abgesichert. Warum sie trotzdem kein Ersatz für renditestärkere Anlageklassen sind, klärt diese Lektion.

Auf den Punkt

Tagesgeld gibt dir jederzeitigen Zugriff, Festgeld einen planbaren Zins. Vermögen aufbauen musst du mit anderen Anlageklassen.

1. Was ist Tagesgeld?

Ein Tagesgeldkonto ist ein verzinstes Konto ohne Laufzeit: Du kannst jederzeit einzahlen und abheben. Der Zins ist variabel: die Bank kann ihn jederzeit anheben oder senken, je nach Marktlage.

Für den Zahlungsverkehr ist das Konto nicht gedacht: Überweisungen laufen in der Regel über ein verknüpftes Referenzkonto, meist dein Girokonto. Achte außerdem auf Aktionszinsen: Besonders hohe Sätze gelten oft nur befristet für Neukunden und sinken danach deutlich.

2. Was ist Festgeld?

Beim Festgeld legst du einen festen Betrag für eine feste Laufzeit an: von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Der Zins steht bei Abschluss fest und gilt unverändert bis zum Ende, egal was am Markt passiert.

Der Preis dieser Planbarkeit: Während der Laufzeit kommst du in der Regel nicht an dein Geld, eine vorzeitige Kündigung ist meist ausgeschlossen oder mit Nachteilen verbunden. Dafür liegt der Festgeldzins üblicherweise etwas über dem Tagesgeldzins.

3. Wie sicher sind Tagesgeld und Festgeld?

Beide fallen unter die gesetzliche Einlagensicherung: Bis 100.000 € pro Kunde und Bank sind Guthaben in der EU geschützt, in Deutschland kommen bei vielen Instituten zusätzliche Sicherungssysteme hinzu. Ein Kursrisiko wie bei Wertpapieren gibt es nicht.

„Sicher" bezieht sich allerdings nur auf den Nominalbetrag. Liegt der Zins unter der Inflationsrate, verliert dein Guthaben real an Kaufkraft. Das ist das eigentliche Risiko dieser Anlageklasse, und es wirkt leise, aber dauerhaft.

4. Wofür eignen sich Tagesgeld und Festgeld?

Das Tagesgeld ist der natürliche Ort für den Notgroschen, eine häufige Faustregel sind drei bis sechs Monatsausgaben, und für Geld, das du kurzfristig brauchen könntest. Flexibilität ist hier wichtiger als der letzte Zehntelprozentpunkt Zins.

Das Festgeld passt für Beträge mit festem Verwendungstermin, etwa den Autokauf in zwei Jahren: Du sicherst dir den Zins und verzichtest bewusst auf Zugriff. Der langfristige Vermögensaufbau gehört dagegen in renditestärkere Anlageklassen. Zinskonten halten dort real selten mit.

5. Tagesgeld oder Festgeld: wie entscheidest du?

Die Leitfrage lautet: Wann brauchst du das Geld? Ist der Zeitpunkt unklar oder jederzeit möglich, ist das Tagesgeld die richtige Wahl. Steht der Termin fest, kann das Festgeld den besseren Zins liefern.

Auch Mischformen funktionieren: Du kannst einen Betrag auf mehrere Laufzeiten verteilen, eine sogenannte Zinstreppe, sodass regelmäßig ein Teil frei wird. Vergleiche in jedem Fall die Konditionen und prüfe, welcher Einlagensicherung die Bank unterliegt.

Beispiel aus der Praxis

Angenommen, du hast 10.000 € übrig (fiktive Zahlen). Auf dem Tagesgeld bekommst du 2 % variabel: nach einem Jahr wären das 200 € Zinsen, sofern der Satz konstant bleibt. Ein zwölfmonatiges Festgeld bietet 3 % fest, also sichere 300 €. Klingt nach klarem Sieg fürs Festgeld, aber geht mitten im Jahr die Waschmaschine kaputt, kommst du an das Geld nicht heran. Und liegt die Inflation im selben Jahr bei 3 %, hat selbst das Festgeld real nur den Kaufkraftverlust gestoppt, kein Vermögen aufgebaut.

Häufiger Irrtum

„Auf dem Tagesgeld ist mein Geld absolut sicher, also lasse ich am besten alles dauerhaft dort." Nominal stimmt das: Der Betrag schwankt nicht und ist bis 100.000 € gesetzlich abgesichert. Real aber nagt die Inflation: Liegt sie über dem Zins, kannst du dir jedes Jahr etwas weniger von deinem Guthaben leisten. Wer sein gesamtes Vermögen langfristig parkt, tauscht das Kursrisiko nur gegen einen schleichenden Kaufkraftverlust.

Das Wichtigste in Kürze

  • Tagesgeld ist täglich verfügbar und variabel verzinst, Festgeld bindet Geld für eine feste Laufzeit zu festem Zins.
  • Beide sind pro Kunde und Bank bis 100.000 € gesetzlich abgesichert.
  • Liegt der Zins unter der Inflationsrate, verliert das Guthaben real an Kaufkraft.
  • Der Notgroschen, oft drei bis sechs Monatsausgaben, gehört aufs Tagesgeld.
  • Für den langfristigen Vermögensaufbau sind Tages- und Festgeld Ergänzung, nicht Ersatz für andere Anlageklassen.

Teste dein Wissen

1. Was ist der zentrale Unterschied zwischen Tagesgeld und Festgeld?

2. Bis zu welcher Höhe greift die gesetzliche Einlagensicherung?

3. Welches Risiko bleibt auch bei Tagesgeld bestehen?

Häufige Fragen

Kann ich Festgeld vorzeitig kündigen?

In der Regel nicht, oder nur mit deutlichen Nachteilen wie Zinsverlust. Lege deshalb nur Geld fest an, das du während der Laufzeit sicher nicht brauchst.

Was passiert mit meinem Geld bei einer Bankpleite?

Die gesetzliche Einlagensicherung erstattet Guthaben bis 100.000 € pro Kunde und Bank. Wer mehr anlegen möchte, kann den Betrag auf mehrere Banken verteilen, damit die Grenze jeweils eingehalten wird.

Wie viel Notgroschen sollte ich haben?

Eine häufige Faustregel sind drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeld. Die passende Höhe hängt von deiner Lebenssituation ab: etwa davon, wie sicher dein Einkommen ist und welche Fixkosten laufen.

Zählt das Guthaben auf dem Verrechnungskonto meines Depots zur Einlagensicherung?

In der Regel ja: Das Verrechnungskonto deines Depots ist eine Bankeinlage und fällt damit unter die Einlagensicherung. Die Wertpapiere selbst sind davon getrennt. Sie bleiben auch bei einer Bankpleite dein Eigentum.

Warum ist der Festgeldzins meist höher als der Tagesgeldzins?

Weil du der Bank dein Geld verbindlich für eine feste Zeit überlässt. Diese Planbarkeit ist für die Bank wertvoll, und sie vergütet sie mit einem Zinsaufschlag gegenüber dem jederzeit abrufbaren Tagesgeld.

Ganz einfach erklärt

Tagesgeld ist ein Sparschwein mit Deckel: Du kannst es jederzeit öffnen. Festgeld ist ein Sparschwein mit Zeitschloss: Es gibt ein paar Bonbons extra, aber es öffnet sich erst am vereinbarten Tag. Für Notfälle nimmst du das mit dem Deckel, fürs Warten-Können das mit dem Schloss.

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