Zeichnung und Zuteilung: So kommst du an die Aktien

Eine Aktie zu zeichnen bedeutet, während der Zeichnungsfrist verbindlich zu erklären, dass du Aktien aus einem Börsengang zum Ausgabepreis kaufen möchtest. Diesen Auftrag gibst du über deine Bank oder deinen Broker ab. Ob und wie viele Aktien du am Ende bekommst, entscheidet die Zuteilung, und die fällt bei hoher Nachfrage oft kleiner aus als gewünscht oder ganz aus.
In Der Ausgabepreis erklärt hast du gesehen, dass nur Zeichner mit Zuteilung die Aktien zum Ausgabepreis bekommen. Diese Lektion zeigt, wie du überhaupt an eine solche Zuteilung kommst, und warum „zeichnen" nicht dasselbe ist wie „sicher bekommen".
Ziel ist, den Weg vom Zeichnungsauftrag bis ins Depot zu verstehen: was du tust, was danach passiert und worauf du achten solltest.
Auf den Punkt
Zeichnen ist die verbindliche Kaufabsicht für Aktien aus einem Börsengang: ob du sie in gewünschter Menge erhältst, entscheidet erst die Zuteilung.
1. Was bedeutet „eine Aktie zeichnen"?
Zeichnen heißt, dass du dich vor dem Handelsstart für Aktien aus dem Börsengang anmeldest. Du gibst an, wie viele Stücke du zum Ausgabepreis kaufen möchtest. Dieser Zeichnungsauftrag ist verbindlich: Wirst du bedient, kommt der Kauf zustande.
Wichtig ist der Zeitpunkt. Die Zeichnung läuft nur während der Zeichnungsfrist, einem festen Zeitraum von meist wenigen Tagen, der vor der Erstnotiz endet. Wer diese Frist verpasst, kann die Aktie erst später an der Börse kaufen, dann aber zum Marktkurs statt zum Ausgabepreis.
Zeichnen ist damit die einzige Möglichkeit, direkt beim Börsengang zum festgelegten Preis dabei zu sein, aber keine Garantie auf die gewünschten Aktien.
2. Wie und wo zeichnest du?
Zeichnen kannst du über deine depotführende Bank oder deinen Online-Broker. Dort erscheint der Börsengang, sofern das Institut ihn anbietet, als zeichenbares Angebot mit Ausgabepreis beziehungsweise Preisspanne und Zeichnungsfrist.
Wichtig zu wissen: Nicht jeder Broker bietet jeden Börsengang an. Ob ein bestimmter Börsengang bei dir zeichenbar ist, hängt davon ab, ob deine Bank am Konsortium beteiligt ist oder Zugang vermittelt. Gerade bei kleineren oder internationalen Börsengängen kann das eingeschränkt sein.
Die Zeichnung selbst ist bei den meisten Anbietern kostenfrei; Gebühren können je nach Institut anfallen. Ist der Auftrag verbindlich abgegeben, entscheidet nun die Nachfrage, wie es weitergeht.
3. Was ist Zuteilung, und warum bekommst du nicht immer alles?
Die Zuteilung ist die Entscheidung, wie viele der gezeichneten Aktien du tatsächlich erhältst. Ist genug für alle da, bekommst du deine volle Menge. Häufig übersteigt die Nachfrage aber das Angebot. Dann spricht man von einer Überzeichnung.
Bei einer Überzeichnung ist eine Kürzung unvermeidlich: Es gibt schlicht weniger Aktien, als bestellt wurden. Du erhältst dann nur einen Teil deiner gezeichneten Stücke, oder bei sehr großer Nachfrage gar keine. Je stärker ein Börsengang überzeichnet ist, desto kleiner fällt die durchschnittliche Zuteilung aus.
Das ist der Kern dieser Lektion: Deine Zeichnung ist ein Wunsch, kein Anspruch. Wie viele Aktien am Ende in deinem Depot landen, bestimmst nicht du allein, sondern die Gesamtnachfrage und das Zuteilungsverfahren.
4. Nach welchen Prinzipien wird zugeteilt?
Ein festes Standardverfahren gibt es nicht. Die Zuteilung legen Unternehmen und Konsortialbanken fest. Verbreitet sind mehrere Ansätze, die auch kombiniert werden können.
Bei einer anteiligen Zuteilung bekommt jeder denselben Prozentsatz seiner Order, etwa jeder ein Fünftel. Bei einem Losverfahren entscheidet der Zufall, wer zum Zug kommt. Manche [Emittenten](/akademie/glossar#emittent "Der Emittent ist der Herausgeber eines Wertpapiers, also das Unternehmen, der Staat oder die Bank, die Aktien, Anleihen oder Zertifikate ausgibt.") bevorzugen bestimmte Gruppen: zum Beispiel Kunden des eigenen Hauses oder langfristig orientierte Investoren. Große institutionelle Anleger erhalten oft einen festen Anteil der Emission, sodass für Privatanleger nur ein begrenztes Kontingent übrig bleibt.
Für dich heißt das: Das genaue Verfahren steht meist erst im Nachhinein fest, und du hast darauf keinen Einfluss. Sich darauf einzustellen, eventuell nur wenige oder keine Aktien zu bekommen, gehört zum Zeichnen dazu.
5. Was passiert nach der Zeichnung?
Nach dem Ende der Zeichnungsfrist wird zugeteilt. Erhältst du eine Zuteilung, werden dir die entsprechenden Aktien zum Ausgabepreis ins Depot gebucht und der Kaufpreis abgebucht. Ab der Erstnotiz kannst du sie dann frei über die Börse handeln.
Gehst du leer aus, kommt kein Kauf zustande, reserviertes Geld wird wieder freigegeben, und du zahlst für nicht zugeteilte Aktien nichts. Du kannst die Aktie danach immer noch über die Börse kaufen, dann jedoch zum aktuellen Marktkurs.
Genau hier schließt sich der Kreis zum Ausgabepreis: Wer zeichnet und zugeteilt bekommt, steigt zum festen Ausgabepreis ein. Wer erst am ersten Handelstag kauft, zahlt den Kurs, den der Markt gerade aufruft, mehr dazu in der nächsten Lektion.
6. Worauf solltest du bei der Zeichnung achten?
Erstens: Zeichne nur, was du auch als normale Anlage kaufen würdest. Ein Börsengang ist kein Grund, die eigene Prüfung auszusetzen. Die Fragen aus Was ist ein Börsengang? und dem Prospekt gelten weiter. Der Reiz des Neuen ersetzt keine Bewertung.
Zweitens: Rechne mit Unsicherheit bei der Menge. Weil die Zuteilung ungewiss ist, solltest du dein Vorgehen nicht auf eine bestimmte Stückzahl aufbauen. Eine sehr hohe Nachfrage bedeutet außerdem nicht automatisch, dass die Aktie ein gutes Geschäft ist, sie bedeutet nur, dass viele dabei sein wollen.
Und drittens: Trenne Ausgabepreis und späteren Kurs im Kopf. Ob sich eine Zeichnung „gelohnt" hat, zeigt sich nicht am ersten Tag, sondern an der langfristigen Entwicklung des Unternehmens, ein Gedanke, der die weiteren Lektionen dieses Kapitels durchzieht.
Beispiel aus der Praxis
Stell dir vor, du zeichnest 100 Aktien eines gefragten Börsengangs zum Ausgabepreis von 20 €. Der Börsengang ist jedoch fünffach überzeichnet. Es wollen also fünfmal so viele Aktien gekauft werden, wie vorhanden sind. Bei einer anteiligen Zuteilung erhältst du dann rund 20 Aktien statt der gewünschten 100. Für diese 20 Stück zahlst du 400 €; die restlichen 80 bekommst du nicht. Willst du mehr, musst du sie ab der Erstnotiz über die Börse kaufen, zum dann gültigen Kurs. Die Zahlen sind ein illustratives Beispiel.
Häufiger Irrtum
„Wenn ich zeichne, bekomme ich die Aktien auch in der gewünschten Menge." Das ist der häufigste Irrtum rund um die Zeichnung. Eine Zeichnung ist eine Kaufabsicht, kein garantierter Kauf. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, bei gefragten Börsengängen die Regel, wird gekürzt: Du erhältst nur einen Teil oder gehst leer aus. Wer fest mit einer bestimmten Stückzahl plant, wird deshalb oft enttäuscht.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓Zeichnen bedeutet, während der Zeichnungsfrist verbindlich Aktien aus dem Börsengang zum Ausgabepreis zu bestellen.
- ✓Gezeichnet wird über die eigene Bank oder den Broker, aber nicht jedes Institut bietet jeden Börsengang an.
- ✓Bei Überzeichnung übersteigt die Nachfrage das Angebot, und die Zuteilung wird gekürzt, bis hin zu null Aktien.
- ✓Ein festes Zuteilungsverfahren gibt es nicht; Unternehmen und Banken entscheiden, und Privatanleger erhalten oft nur ein begrenztes Kontingent.
- ✓Eine Zeichnung ist ein Wunsch, kein Anspruch. Die tatsächliche Stückzahl steht erst mit der Zuteilung fest.
Teste dein Wissen
1. Was bedeutet es, eine Aktie zu zeichnen?
2. Was passiert bei einer Überzeichnung?
3. Was gilt für die Zuteilung von Aktien?
Häufige Fragen
Was heißt es, eine Aktie zu zeichnen?
Zeichnen bedeutet, sich während der Zeichnungsfrist über die eigene Bank oder den Broker für Aktien aus einem Börsengang anzumelden und verbindlich zu erklären, wie viele man zum Ausgabepreis kaufen möchte. Der Kauf kommt zustande, wenn und soweit man eine Zuteilung erhält.
Wo kann ich einen Börsengang zeichnen?
Über deine depotführende Bank oder deinen Online-Broker, sofern dieser den Börsengang anbietet. Nicht jedes Institut hat Zugang zu jedem Börsengang: das hängt davon ab, ob es am Konsortium beteiligt ist oder Zugang vermittelt. Gerade bei kleineren oder internationalen Angeboten ist das oft eingeschränkt.
Warum bekomme ich weniger Aktien, als ich gezeichnet habe?
Weil die Nachfrage das Angebot übersteigt: der Börsengang ist überzeichnet. Dann wird die Zuteilung gekürzt, und du erhältst nur einen Teil deiner Order oder gar nichts. Wie stark gekürzt wird, hängt vom Ausmaß der Überzeichnung und vom gewählten Zuteilungsverfahren ab.
Was ist eine Überzeichnung?
Von einer Überzeichnung spricht man, wenn Anleger insgesamt mehr Aktien zeichnen, als beim Börsengang angeboten werden. Eine fünffache Überzeichnung bedeutet, dass fünfmal so viele Aktien nachgefragt werden wie vorhanden. Je höher die Überzeichnung, desto kleiner fällt die durchschnittliche Zuteilung aus.
Was passiert, wenn ich keine Zuteilung bekomme?
Dann kommt kein Kauf zustande, und du zahlst für die nicht zugeteilten Aktien nichts; reserviertes Geld wird wieder freigegeben. Du kannst die Aktie anschließend trotzdem erwerben, allerdings erst ab der Erstnotiz über die Börse und zum dann gültigen Marktkurs statt zum Ausgabepreis.
Ganz einfach erklärt
Stell dir vor, für ein sehr beliebtes Konzert gibt es weniger Karten als Interessenten. Du trägst dich in eine Liste ein und sagst, wie viele Karten du willst: das ist die Zeichnung. Weil so viele mitmachen, wird verlost oder gekürzt: Am Ende bekommst du vielleicht nur eine Karte statt vier, oder gehst leer aus. Anmelden heißt eben noch nicht bekommen.
