Circle springt fast 20 Prozent nach Stablecoin-Deal in Washington

Die Aktie von Circle (CRCL) legt um nahezu 20 % zu. Ein Kompromiss im CLARITY Act stärkt das USDC-Geschäftsmodell und ermöglicht künftig Stablecoin-Belohnungen.

Circle dreht innerhalb weniger Stunden komplett

Nordamerika💾4 Min.05.05.2026

Die Aktie von Circle Internet Group (NYSE: CRCL) hat am Montag einen ihrer stärksten Handelstage seit dem Börsengang im Juni 2025 erlebt. Das Papier des größten US-Stablecoin-Emittenten schloss 19,9 Prozent im Plus bei rund 121 Dollar. Das Handelsvolumen lag mit 32,6 Millionen Stück mehr als dreimal so hoch wie der Durchschnitt der vergangenen Monate.

Auslöser war ein Kompromiss zum sogenannten Digital Asset Market CLARITY Act, der am Wochenende im US-Senat zustande kam. Die Senatoren Thom Tillis (Republikaner, North Carolina) und Angela Alsobrooks (Demokraten, Maryland) verständigten sich auf einen Text, der monatelang umstrittene Fragen rund um Stablecoin-Belohnungen klärt. Für Circle ist das Ergebnis ein Befreiungsschlag, denn noch im März war die Aktie nach einem früheren Gesetzentwurf um zweistellige Prozentwerte eingebrochen.

Die Kursspanne am Montag zeigt, wie heftig die Reaktion ausfiel. Die Aktie eröffnete bei rund 107 Dollar, kletterte intraday bis 123 Dollar und pendelte sich erst gegen Handelsende ein. CRCL liegt damit seit Jahresbeginn rund 26 Prozent im Plus. Vom Allzeithoch bei knapp 299 Dollar ist die Aktie aber immer noch weit entfernt.

Was Circle macht und woher das Geld kommt

Circle ist ein US-Fintech mit Sitz in Boston und Emittent des USD-Stablecoins USDC sowie des Euro-Stablecoins EURC. Stablecoins sind Krypto-Token, die an eine Währung gekoppelt sind, in diesem Fall an Dollar oder Euro im Verhältnis eins zu eins. Sie werden vor allem für Krypto-Trading, Auslandszahlungen und zunehmend für Geschäftsabwicklung im Online-Handel genutzt.

Das Geschäftsmodell von Circle ist im Kern erstaunlich simpel. Wer einen USDC kauft, hinterlegt dafür einen Dollar bei Circle. Diese Reserven legt das Unternehmen in kurzlaufenden US-Staatsanleihen an. Die Zinsen daraus landen bei Circle. Mehr als 95 Prozent der Umsätze stammen aus dieser Zinseinnahme. Das macht den Konzern extrem abhängig vom Leitzins der US-Notenbank und von der Höhe der USDC-Reserven, die im zweistelligen Milliardenbereich liegen.

Der Jahresumsatz lag 2025 bei rund 2,75 Milliarden Dollar. Unter dem Strich blieb mit knapp 70 Millionen Dollar Verlust ein rotes Ergebnis stehen. Eine wichtige Besonderheit ist die enge Verzahnung mit Coinbase (NASDAQ: COIN). Die größte US-Krypto-Börse hält eine Beteiligung an Circle und kassiert die Hälfte aller USDC-Reserveinnahmen. Diese Kopplung erklärt auch, warum COIN am Montag mit gut sechs Prozent im Plus mitlief.

Der Streit um Stablecoin-Belohnungen ist beigelegt

Im Zentrum des CLARITY Act stand monatelang die Frage, ob Krypto-Firmen ihren Nutzern Renditen auf Stablecoin-Guthaben zahlen dürfen. Banken liefen dagegen Sturm. Aus ihrer Sicht hätten verzinste Stablecoins direkt mit klassischen Bankguthaben konkurriert und Einlagenabflüsse verursacht. Die Krypto-Branche wiederum sah Belohnungsprogramme als zentrales Argument, warum überhaupt jemand Stablecoins hält statt herkömmlicher Dollar.

Der jetzt vorliegende Text geht einen Mittelweg. Passive Verzinsung auf einfach geparkte Stablecoins wird verboten. Wer USDC nur in der Wallet liegen lässt, bekommt also keinen Zins mehr. Erlaubt bleiben dagegen Belohnungen, die an aktive Nutzung geknüpft sind, etwa an Trading, Transaktionen oder Staking. Das Modell entspricht damit eher dem, was Kreditkarten-Anbieter über Cashback-Programme bieten.

Für Circle ist das die bestmögliche Lösung. Das eigentliche Geschäftsmodell, also die Zinseinnahmen aus den Reserven, bleibt unangetastet. Gleichzeitig dürfen Vertriebspartner wie Coinbase oder Robinhood weiterhin Anreize schaffen, damit Nutzer USDC tatsächlich verwenden. Circles Strategiechef Dante Disparte begrüßte den Kompromiss in einem öffentlichen Statement und sprach von substanziellem Fortschritt. Auch Coinbase-CEO Brian Armstrong drängte über X zur schnellen Abstimmung im Bankenausschuss.

Auch Coinbase und die Banken atmen auf

Die Reaktion am Markt war breit gestreut. Neben Circle und Coinbase legten auch der Krypto-Verwahrer BitGo um rund zehn Prozent zu, Galaxy Digital gewann knapp vier Prozent. Bitcoin selbst kletterte über die Marke von 80.000 Dollar, erstmals seit Januar. Der gesamte Krypto-Sektor profitierte von der Aussicht auf endlich klare Regeln in den USA.

Bemerkenswert ist die Position der traditionellen Banken. Bank-of-America-Analyst Ebrahim Poonawala bezeichnete den Kompromiss in einer Notiz an Kunden als netto positiv für den Bankensektor. Die Sorge vor Einlagenabflüssen sei abgemildert, gleichzeitig könnten Banken auf kontrollierten Bahnen in das digitale Asset-Geschäft einsteigen. Damit sind Banken und Krypto-Branche erstmals seit langem auf einer Wellenlänge, was die Chancen für eine schnelle Verabschiedung des Gesetzes deutlich erhöht.

Auf der Prognoseplattform Polymarket sprangen die Wettquoten für eine Verabschiedung des CLARITY Act im Jahr 2026 nach dem Kompromiss auf rund 64 Prozent, verglichen mit deutlich niedrigeren Werten während der Verhandlungsphase. Bankenausschuss-Vorsitzender Tim Scott könnte ein Markup, also die formale Beratung im Ausschuss, bereits in der Woche ab dem 11. Mai ansetzen.

Was die Bewegung für Anleger bedeutet

Circle bleibt eine Wette mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite ist die regulatorische Hauptsorge vorerst vom Tisch. Das Geschäftsmodell hat eine politische Rückendeckung, die noch vor einem Monat alles andere als sicher schien. Wer im April Mut zum Einstieg unter 90 Dollar hatte, sitzt heute auf satten Gewinnen.

Auf der anderen Seite zeigt die Aktie weiterhin enorme Volatilität. Vom Allzeithoch bei 299 Dollar hat das Papier in einem halben Jahr fast 60 Prozent eingebüßt. Compass Point hatte CRCL Anfang April auf Sell heruntergestuft, mit Hinweis auf sinkende Bruttomargen und einen erwarteten EBITDA-Rückgang von 19 Prozent im ersten Quartal. Die Bewertung ist mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund elf ambitioniert, gerade weil Circle operativ noch rote Zahlen schreibt.

Die Wall-Street-Analysten sind dementsprechend gespalten. TipRanks listet zuletzt elf Kauf-, sechs Halte- und eine Verkaufsempfehlung. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 127 Dollar, also kaum noch über dem aktuellen Niveau. Wer Circle als langfristige Wette auf den Stablecoin-Markt sieht, sollte sich auf weiter heftige Schwankungen einstellen, vor allem in den kommenden Wochen rund um die Quartalszahlen und die nächste Etappe im Gesetzgebungsprozess.

Zwei Termine, die jetzt alles entscheiden

Der 11. Mai 2026 wird zum Schicksalstag. Circle legt an diesem Tag die Quartalszahlen für das erste Quartal vor. Investoren werden vor allem auf die Reserve-Einnahmen, die USDC-Nachfrage und die Margenentwicklung achten. In der gleichen Woche könnte der Bankenausschuss den CLARITY Act offiziell behandeln. Beide Ereignisse zusammen können die Aktie in jede Richtung treiben.

Mittelfristig hat Circle mehrere Wachstumsthemen im Köcher. Meta hat Ende April USDC-Auszahlungen für Creator auf den Blockchains Solana und Polygon eingeführt. Visa hat seine Blockchain-Unterstützung für Stablecoin-Settlement ausgeweitet. Im April startete Circle das CPN Managed Payments für Geschäftskunden, dazu kommen Partnerschaften mit Triple-A für Auslandsüberweisungen und Sasai Fintech für den afrikanischen Markt. Für 2026 ist außerdem der Mainnet-Start des hauseigenen Zahlungs-Netzwerks Arc geplant. Wer Circle hält, hat in den nächsten Monaten viele potenzielle Kurstreiber, aber auch einige Stolpersteine vor sich.