Wolfspeed-Aktie verdoppelt sich vor den Q3-Zahlen

Wolfspeed (WOLF) vor den Q3-Zahlen im Aufwind | DieSpekulanten

Wolfspeed verdoppelt sich in zwei Wochen

Nordamerika💾4 Min.04.05.2026

Wolfspeed (NYSE: WOLF) liefert Anlegern gerade ein Spektakel. Am Freitag schoss die Aktie des US-Halbleiterherstellers um 25,3 Prozent nach oben und schloss bei 36,76 Dollar. Im Tageshoch waren es sogar 37,55 Dollar. Damit hat sich der Kurs in zwei Wochen mehr als verdoppelt, denn Mitte April notierte WOLF noch bei 18 bis 20 Dollar.

Die Rally hat einen klaren Anlass. Wolfspeed besetzt seine Führungsetage neu und drückt verstärkt nach Asien. Anleger spielen offenbar ein Comeback. Der 50-Tage-Schnitt liegt bei 20,62 Dollar, der 200-Tage-Schnitt bei 20,51 Dollar. Der Kurs steht damit weit über seinen langfristigen Durchschnittslinien. Am Dienstagabend nach US-Börsenschluss legt das Unternehmen seine Q3-Zahlen vor. Genau darauf positionieren sich gerade die Trader.

Vom Pleitekandidaten zum Momentum-Wert

Wer Wolfspeed nicht kennt, dem hilft ein kurzer Rückblick. Das Unternehmen mit Sitz in Durham, North Carolina, ist 1987 gegründet worden und hieß bis 2021 Cree. Der Fokus liegt auf Siliziumkarbid-Chips, einer effizienteren Alternative zu klassischen Silizium-Halbleitern. Solche Chips stecken in Elektroautos, Schnellladern und Industrieanwendungen. Zu den Kunden gehören unter anderem General Motors und große Energiekonzerne.

Die letzten Jahre waren brutal. Wolfspeed hat Milliarden in neue Fabriken gesteckt, vor allem in eine 1-Milliarde-Dollar-Anlage in der Nähe von Utica, New York. Gleichzeitig lief das Geschäft nicht wie geplant. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2025 lag bei 757,6 Millionen Dollar, ein Minus von gut sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Jahresfehlbetrag explodierte auf 1,6 Milliarden Dollar. Das Eigenkapital rutschte ins Negative.

Im vergangenen Jahr stellte Wolfspeed Insolvenzantrag und durchlief eine Restrukturierung nach Chapter 11. Aus der Pleite kam das Unternehmen mit einer neuen Bilanz und einem neuen ISIN-Code heraus. Wer damals investiert war, hat fast alles verloren. Der 52-Wochen-Tiefstand liegt laut Morningstar bei 0,39 Dollar. Vom Tief auf das aktuelle Niveau hat sich die Aktie um den Faktor 90 bewegt. Eine wilde Geschichte.

Personalrochade als Kurstreiber

Was treibt jetzt die Rally? Vor allem eine Reihe von Personalentscheidungen, die Wolfspeed in den letzten Wochen verkündet hat. Am 22. April wurde Yasuhisa Harita zum Regionalpräsidenten Asien-Pazifik ernannt. Der Halbleiter-Veteran soll von Tokio aus den Vertrieb in Japan, Korea und der ASEAN-Region aufbauen. Genau dort sitzen die wichtigsten Kunden für Siliziumkarbid-Chips. Asiatische Autobauer und Industrie-Kunden gelten als zentral für das Wachstum der nächsten Jahre.

Schon im März hatte Wolfspeed Daihui Yu zum Regionalpräsidenten für Greater China gemacht. Ende April folgten zwei weitere prominente Besetzungen. Brad Kohn kehrt als Executive Vice President und Chief Legal Officer zurück, Sonja Burfeind übernimmt die Kommunikation. Vier hochrangige Posten in sechs Wochen zeigen, dass Wolfspeed seine Organisation für die nächste Phase aufstellt.

Dazu kommt eine Refinanzierung über 475,9 Millionen Dollar, die im März abgeschlossen wurde. Wolfspeed hat dabei bestehende Anleihen abgelöst und neue Wandelanleihen mit 3,5 Prozent Kupon begeben. Auch ein Steuergutschrift-Rückfluss von rund 700 Millionen Dollar nach Section 48D des Inflation Reduction Act stärkt die Liquidität. CEO Robert Feurle hat damit operativ Luft, um die Investitionen weiterzufahren.

Operativ schlägt das Unternehmen außerdem eine neue Richtung ein. Wolfspeed positioniert sich verstärkt als Zulieferer für KI-Rechenzentren. Das neue TOLT-Modulportfolio für besonders dichte Stromversorgung soll genau diese Nische bedienen. KI-Server brauchen effiziente Spannungswandler, weil jedes Watt Verlustleistung in Wärme umschlägt und gekühlt werden muss. Genau hier glänzen Siliziumkarbid-Chips. Wenn Wolfspeed sich neben dem klassischen EV-Geschäft im KI-Boom platzieren kann, eröffnet das einen zweiten Wachstumstreiber.

Wall Street bleibt deutlich skeptisch

Die Frage drängt sich auf, ob die Rally fundamental gerechtfertigt ist. Analysten haben dazu eine klare Meinung. Das durchschnittliche Kursziel liegt laut MarketBeat bei rund 14,33 Dollar. Damit traut die Wall Street der Aktie auf Sicht von zwölf Monaten ein Minus von gut 60 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs zu.

Susquehanna hat das Kursziel zuletzt von 30 auf 20 Dollar gesenkt und stuft mit "Neutral" ein. Wall Street Zen und Weiss Ratings sehen WOLF auf "Sell". Piper Sandler hält dagegen und bewertet die Aktie mit "Overweight" bei einem Kursziel von 20 Dollar. Insgesamt verteilen sich die Empfehlungen auf einen Buy, zwei Hold und drei Sell. Das Konsensrating lautet "Reduce".

Der Grund für die Skepsis ist die Bilanz. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahrs 2026 lag der Umsatz bei 168 Millionen Dollar, die Bruttomarge bei minus 34 Prozent. Beim Verlust pro Aktie verfehlte Wolfspeed die Erwartungen deutlich. Statt minus 0,74 Dollar wurden minus 6,11 Dollar gemeldet. Das Unternehmen verbrennt weiter Cash und ist von einer schwarzen Null Jahre entfernt. Die Marktkapitalisierung von rund 1,78 Milliarden Dollar steht damit einem operativ defizitären Geschäft gegenüber. Wer heute kauft, kauft die Vision, nicht die Zahlen.

Was die Aktie für Anleger bedeutet

Für Anleger ist Wolfspeed gerade ein Lehrstück über Momentum. Der Kurs läuft, weil eine Story funktioniert. Asien-Expansion, frische Führung, sauberere Bilanz. Hinzu kommt vermutlich ein Short-Squeeze-Effekt, denn viele Investoren hatten die Aktie noch im April leerverkauft. Wenn solche Positionen unter Druck geschlossen werden müssen, treibt das den Kurs zusätzlich.

Wer jetzt einsteigt, übernimmt drei Risiken auf einmal. Die Q3-Zahlen am Dienstag erzeugen extrem hohe Erwartungen. Das operative Geschäft steckt tief in der Verlustzone. Und die Bewertung liegt deutlich über allen Analystenzielen. Bei einer von Optionsmärkten eingepreisten Kursreaktion von rund 25 Prozent rund um Earnings ist die Volatilität enorm.

Wer dagegen seit April investiert ist, sitzt auf einem schönen Buchgewinn. Die Frage lautet dann, ob man Gewinne realisiert oder weiterspielt. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber das Risiko-Rendite-Verhältnis hat sich seit April klar verschoben. Wolfspeed gehört in den spekulativen Teil eines Depots und nicht ins Kernportfolio. Wer Halbleiter mit weniger Risiko spielen möchte, findet bei Infineon, STMicroelectronics oder NXP Alternativen mit echtem operativen Cashflow.

Dienstagabend wird zur Bewährungsprobe

Am Dienstag, 5. Mai, legt Wolfspeed nach US-Börsenschluss die Q3-Zahlen vor. Die Analystenkonsens-Schätzung sieht einen Verlust von 3,78 Dollar pro Aktie und einen Umsatz von 150 Millionen Dollar. Beides liegt unter den Werten des Vorquartals. Der Markt erwartet also keinen operativen Befreiungsschlag. Spannend wird, was CEO Feurle und CFO Gregor van Issum zu Auftragseingang, Asien-Pipeline und Kapazitätsausbau sagen.

Die Optionsmärkte preisen eine Kursreaktion von rund 25 Prozent in eine der beiden Richtungen ein. Wer die Zahlen abwarten will, hat damit eine klare Marke. Liefert Wolfspeed solide Guidance und positive Signale aus Asien, könnte der Kurs den Schwung weiter mitnehmen. Enttäuscht das Unternehmen, dürften Gewinnmitnahmen schnell und heftig kommen. An den Q3-Zahlen entscheidet sich, ob die Story trägt oder nur eine Erholungsrally war.