Arxis IPO: Komponenten-Spezialist hinter F-35 und Boeing 737 strebt an die Nasdaq

Arxis ist ein US-Hersteller von hochspezialisierten elektronischen und mechanischen Komponenten für Anwendungen in extremen Einsatzumgebungen. Das Unternehmen aus Connecticut beliefert über 5.000 Kunden auf mehr als 600 Plattformen aus den Bereichen Verteidigung, Raumfahrt, Luftfahrt, Medizintechnik und Spezialindustrie. Mit rund 1,6 Milliarden Dollar Umsatz und 35,9 Prozent bereinigter EBITDA-Marge hat sich Arxis vom Private-Equity-Investor Arcline binnen sechs Jahren zu einer Plattform aus 32 Übernahmen entwickelt.
Overview
Arxis ist eines dieser Unternehmen, von denen die meisten Anleger noch nie gehört haben, deren Komponenten aber in fast jedem modernen Kampfjet, Verkehrsflugzeug und Satelliten verbaut sind. Das Unternehmen aus Bloomfield in Connecticut hat seine S-1-Unterlagen am 24. März 2026 bei der SEC eingereicht und plant die Erstnotiz an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker-Symbol ARXS.
Die Geschichte von Arxis ist die eines Private-Equity-Roll-ups. Der Investor Arcline hat seit 2019 insgesamt 32 spezialisierte Hersteller von elektronischen und mechanischen Komponenten aufgekauft und unter einem Dach zusammengeführt. Aus dem Konglomerat ist eine Plattform mit 47 Marken, 72 Produktionsstätten und rund 5.750 Mitarbeitern entstanden. Was die Firmen verbindet: Sie alle bauen Bauteile, die in extremen Einsatzbereichen funktionieren müssen. Im Vakuum des Weltraums, im Inneren des menschlichen Körpers oder bei den hohen Belastungen eines Düsentriebwerks.
Der Zeitpunkt für den Börsengang ist bewusst gewählt. NATO-Länder rüsten massiv auf, das US-Verteidigungsbudget steuert auf eine Billion Dollar zu und Boeing und Airbus arbeiten Rekord-Auftragsbücher ab. Genau in diesen Markt verkauft Arxis seine Komponenten. Mit dem IPO will Arcline den Schritt vom Private-Equity-Vehikel zum eigenständigen Industrieunternehmen vollziehen und gleichzeitig einen Teil der Schulden tilgen, die im Rahmen der vielen Übernahmen aufgelaufen sind.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze von Arxis steht Kevin Perhamus als President und CEO. Er hat das Unternehmen seit der ersten Stunde aufgebaut und war zuvor CEO der beiden zentralen Vorgängerfirmen Quantic und Qnnect. Davor leitete Perhamus den Komponentenhersteller Winchester Interconnect und arbeitete insgesamt 17 Jahre lang in Führungsrollen bei Teradyne und Amphenol, beides etablierte Größen in der Welt der Elektronik-Komponenten. Damit bringt der CEO genau das Profil mit, das ein Unternehmen wie Arxis braucht: tiefe Branchenkenntnis und Erfahrung im Aufbau von Plattform-Strategien.
Das übrige Führungsteam ist ähnlich erfahren. Die Senior-Manager bringen im Durchschnitt mehr als 26 Jahre Erfahrung mit und kommen unter anderem von TransDigm, GE Aerospace, Lockheed Martin und Kratos. Das sind alles Unternehmen, die im selben Marktumfeld unterwegs sind und vergleichbare Plattform-Strategien fahren.
Wichtig für Anleger ist die Aktienstruktur nach dem Börsengang. Arxis wird mit einer Multi-Class-Struktur (mehrere Aktienklassen mit unterschiedlichen Stimmrechten) an die Börse gehen. Class-A-Aktien für die neuen Investoren bekommen eine Stimme pro Aktie, Class-B-Aktien zwanzig Stimmen pro Aktie. Letztere hält ausschließlich der Sponsor Arcline. Damit wird Arxis zur sogenannten Controlled Company, also einem börsennotierten Unternehmen mit klarem Mehrheitseigner. Praktisch bedeutet das: Die freien Anleger besitzen Aktien, aber das Sagen hat weiter Arcline.
Branche
Arxis bewegt sich in einem Markt, der gerade von mehreren Seiten gleichzeitig Rückenwind bekommt. Der mit Abstand wichtigste Endmarkt ist Verteidigung und Raumfahrt mit rund 47 Prozent des Umsatzes 2025. Das US-Verteidigungsministerium hat sein Budget von etwa 780 Milliarden Dollar im Jahr 2022 auf einem Pfad Richtung einer Billion Dollar bis 2026 angehoben. Besonders interessant für Arxis: Der Etat für Forschung, Entwicklung und Tests soll 2026 auf 179 Milliarden Dollar wachsen, ein Plus von 36 Milliarden gegenüber dem Vorjahr. Genau dort entstehen die nächsten Generationen von Plattformen, in die Arxis-Komponenten designed-in werden können.
In Europa gibt es ein vergleichbares Bild. Die NATO-Mitglieder haben ihre Verteidigungsausgaben von 236 Milliarden Dollar im Jahr 2015 auf 484 Milliarden 2024 mehr als verdoppelt. Das langfristige Ziel der Allianz liegt bei fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts bis 2035. Asien-Pazifik kommt von 234 auf über 315 Milliarden, getrieben von Indien, Japan und Südkorea.
Der zweite große Markt ist die kommerzielle Luftfahrt mit 23 Prozent Umsatzanteil. Boeing und Airbus haben so volle Auftragsbücher wie selten zuvor. Die globalen Auslieferungen sollen laut IATA von 2024 bis 2028 um rund 74 Prozent steigen. Arxis liefert Komponenten in alle großen Plattformen wie Boeing 737, Airbus A320 und die Triebwerke LEAP, PW1000G, PW4000 und CFM56. Im Geschäftsjet-Segment ist der Konzern mit Bauteilen für die Gulfstream G650, G700 und G800 vertreten.
Die restlichen 30 Prozent des Umsatzes kommen aus Industrial Technology, was Medizintechnik und spezialisierte Industrieanwendungen umfasst. Hier ist Arxis in Bereichen wie minimalinvasiver Chirurgie, Halbleiter-Testsystemen und Industrie-Automatisierung positioniert. Konkrete Wettbewerber benennt das S-1 nicht, aber im Markt für hochspezialisierte Aerospace- und Defense-Komponenten sind Namen wie TransDigm, Heico, Amphenol und Curtiss-Wright die typischen Konkurrenten.
Produkte
Arxis ist in zwei operativen Segmenten aufgestellt:
- •Electronic Components (44 Prozent des Umsatzes): Steckverbinder, Kabelbaugruppen, Mikroelektronik-Gehäuse, Hochfrequenz- und Mikrowellen-Produkte, Stromversorgungsprodukte, Sensoren, Kondensatoren und Widerstände. Diese gehen vor allem in Verteidigungs-, Raumfahrt- und Hochleistungs-Industrieanwendungen.
- •Mechanical Components (56 Prozent des Umsatzes): Präzisionslager und selbstschmierende Lager, Dichtungen, Federn, Hochtemperatur-Kanäle und radarabsorbierende Materialien. Hier liegt der Schwerpunkt auf Luftfahrt, Triebwerken und Verteidigung.
- •47 kundenbezogene Marken: Arxis tritt nicht unter einem Namen auf, sondern führt Marken wie Quantic, Qnnect, Kaman, Kamatics oder Bal Conn weiter. Diese sind in ihren Nischen oft seit Jahrzehnten etabliert.
- •67 proprietäre Basistechnologien: Aus diesen 67 Technologie-Kernen entwickelt das Unternehmen tausende kundenspezifische Produkte. Beispiel ist der Kryoflex-Stecker, der bei extremen Temperaturen funktioniert, oder die Bal-Conn-Kontakte aus Platin-Iridium, die über 15 Jahre im menschlichen Körper überleben.
- •600+ Plattformen: Designed-in auf großen Programmen wie F-35 Joint Strike Fighter, DDG-51 Zerstörer, Virginia-Class U-Boote, SPY-6 Radar, Boeing 737, Airbus A320 und die Gulfstream-Familie. Diese Plattformen bleiben oft über 20 Jahre in Produktion und über 40 Jahre im Einsatz.
- •5.000+ Kunden, 11.000+ "Layers": Jede einzigartige Kombination aus Bauteil, Kunde und Plattform ist eine eigene Umsatzquelle. Der Top-10-Kunde macht nicht mehr als sieben Prozent des Umsatzes aus.
- •Arxis EDGE: Das eigene datenbasierte Geschäftssystem, mit dem Cross-Selling-Möglichkeiten zwischen den Marken systematisch identifiziert werden. Die Pipeline ist von rund 50 Cross-Selling-Opportunitäten in 2021 auf über 2.000 im Juni 2025 gewachsen.
Outlook
Arxis hat 2025 den Sprung in die Profitabilität geschafft. Nach Verlusten von 60 Millionen Dollar in 2023 und 55 Millionen Dollar in 2024 wies das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2025 einen Nettogewinn von 46 Millionen Dollar aus. Der Umsatz hat sich auf 1,59 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Das organische Wachstum lag bei 8,9 Prozent. Der Rest kam aus Akquisitionen. Die bereinigte EBITDA-Marge stieg auf 35,9 Prozent. Das ist für ein Unternehmen mit Industrie-Anteil ein bemerkenswerter Wert.
Die Wachstumsstory für die kommenden Jahre stützt sich auf drei Säulen. Erstens das sogenannte Layer-Cake-Modell: Jedes neu gewonnene Bauteil auf einer neuen Plattform wird zu einer zusätzlichen Schicht im wiederkehrenden Umsatz, weil die Plattformen jahrzehntelang gebaut und gewartet werden. Zweitens disziplinierte Preiserhöhungen, möglich durch den geringen Anteil der Arxis-Komponenten am Gesamtpreis einer Plattform, oft unter 0,01 Prozent. Drittens weitere Übernahmen. Die M&A-Pipeline umfasst nach Unternehmensangaben über 1.500 Targets.
Auf der Risiken-Seite ist die Verschuldung das offensichtlichste Thema. Der Zinsaufwand lag 2025 bei 220 Millionen Dollar. Ein erheblicher Teil der IPO-Erlöse ist deshalb für die Rückzahlung von Krediten unter der bestehenden Revolving Credit Facility und dem Term Loan Credit Facility vorgesehen. Hinzu kommt die hohe Abhängigkeit von US-Verteidigungsbudgets und der allgemeinen Konjunktur in der kommerziellen Luftfahrt. Beide Endmärkte machen zusammen 70 Prozent des Geschäfts aus.
Details zum IPO
Arxis plant die Erstnotiz an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker-Symbol ARXS. Der Emissionspreis und das genaue Volumen wurden im S-1 noch nicht festgelegt. Als Joint Bookrunning Managers wurden Goldman Sachs, Morgan Stanley und Jefferies mandatiert. Im erweiterten Konsortium sind Citigroup, RBC Capital Markets, Baird, Guggenheim Securities, Wells Fargo Securities, William Blair, Rothschild & Co und das Wolfe-Nomura-Bündnis vertreten.
Vor dem IPO kommt es zu einer Reorganisation, in deren Verlauf die vier operativen Einheiten IPS, Quantic, Qnnect und Ovation rechtlich unter Arxis, Inc. zusammengeführt werden. Die Aktienstruktur sieht vier Klassen vor: Class-A-Aktien für die neuen Investoren mit einer Stimme pro Aktie, Class-B-Aktien für Arcline mit 20 Stimmen pro Aktie, eine nicht stimmberechtigte Class C und eine spezielle Convertible-Common-Aktie an Arcline Investment Management.
Arcline behält damit nicht nur die Stimmrechtsmehrheit, sondern profitiert zusätzlich von einem sogenannten Tax Receivable Agreement. In diesem Rahmen muss Arxis 85 Prozent bestimmter Steuerersparnisse über viele Jahre hinweg an Arcline abführen. Diese Konstruktion ist bei PE-getriebenen Börsengängen üblich, schmälert aber langfristig den Cashflow für die freien Aktionäre. Ein konkreter Zeitplan für den Börsengang wurde im S-1 noch nicht genannt.
Bewertungskriterien
Rund 90 Prozent des Umsatzes aus proprietären Produkten, designed-in auf über 600 Plattformen mit Lebenszyklen von oft mehr als 40 Jahren
Hohe Diversifikation mit kein Kunde über sieben Prozent des Umsatzes und Top-10-Kunden zusammen nur 36 Prozent
Sprung in die Profitabilität: 46 Millionen Dollar Nettogewinn 2025 nach zwei Jahren mit Verlusten und bereinigte EBITDA-Marge von 35,9 Prozent
Bewährte M&A-Maschinerie mit 32 Akquisitionen seit 2019 und einer Pipeline von über 1.500 weiteren Targets
Hohe Verschuldung mit 220 Millionen Dollar Zinsaufwand 2025, IPO-Erlös fließt zu großen Teilen in die Schuldentilgung
Controlled-Company-Status, Arcline behält über 20-fach stimmberechtigte Class-B-Aktien dauerhaft die Kontrolle
Tax Receivable Agreement zugunsten Arcline, 85 Prozent bestimmter Steuervorteile fließen langfristig an den PE-Investor ab
Konzentration auf Aerospace und Defense mit rund 70 Prozent Umsatzanteil, abhängig von US- und NATO-Verteidigungsbudgets