Elmet Group IPO: Wolfram, Molybdän und Mikrowellen für die US-Verteidigung

Die Elmet Group ist ein US-Industriehersteller aus Portland, Maine, der Komponenten aus kritischen Metallen wie Wolfram und Molybdän sowie Hochleistungs-Mikrowellen-Systeme produziert. Das Unternehmen beliefert Lockheed Martin, RTX, Teledyne und die NASA und ist nach eigenen Angaben der einzige US-amerikanische Hersteller dieser Materialien außerhalb chinesischer Lieferketten. 2025 erwirtschaftete Elmet 201,6 Millionen Dollar Umsatz mit zwei Divisionen und sechs Produktionsstandorten.
Overview
Die Elmet Group geht in einem geopolitisch heiklen Moment an die Börse. Im April 2026 hat das Unternehmen seine S-1/A-Unterlagen bei der SEC eingereicht und plant die Erstnotiz an der Nasdaq unter dem Ticker ELMT. Geboten werden 7.692.307 Aktien zu einer Preisspanne von 12 bis 14 US-Dollar. Bei einem Mittelwert von 13 Dollar fließen Elmet rund 90,6 Millionen Dollar netto zu.
Die Story dahinter ist eine Reshoring-Geschichte. Die operativen Töchter haben tiefe Wurzeln. Elmet Tech wurde bereits 1929 gegründet, Microwave Techniques 1989. Die heutige Holdingstruktur ist neu, sie entstand erst 2024 unter dem Dach des Gründers und CEOs Peter V. Anania. Über die letzten 25 Jahre hat Anania sieben Akquisitionen integriert und so einen vertikal integrierten US-Hersteller aufgebaut, der Wolfram, Molybdän und Niob für die kritischsten Anwendungen der amerikanischen Verteidigungsindustrie verarbeitet.
Warum jetzt? China kontrolliert rund 80 Prozent des weltweiten Wolframangebots und hat seit Februar 2025 mehrfach Exportbeschränkungen verhängt und teilweise wieder ausgesetzt. Die Folge: Der Wolframpreis schoss von 330 Dollar pro metrischer Tonne Anfang 2025 auf über 3.000 Dollar im März 2026. Das ist ein Plus von mehr als 800 Prozent. Gleichzeitig stockt die US-Regierung ihre Munitionsbestände auf. Laut S-1 verfügten die USA im Juli 2025 nur über 25 Prozent der für die Pentagon-Pläne nötigen Patriot-Abfangraketen. Im Januar 2026 wurde die Produktion der PAC-3-Raketen mit Lockheed Martin verdreifacht. Elmet positioniert sich genau in diesem Schnittpunkt aus Lieferkettensicherheit und Verteidigungs-Boom.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze steht Peter V. Anania als Gründer, CEO und Chairman. Anania ist die zentrale Figur des Unternehmens und im S-1 explizit als "key person" markiert. Sollte er ausfallen, würde die Suche nach einem Nachfolger nach eigener Einschätzung des Unternehmens erhebliche Zeit kosten und das Management ablenken.
Finanzchef ist Michael Lee als CFO. Auf Divisionsebene leitet Derek Fox als President die Critical Materials Components-Sparte. Auf Lee und Fox plant Elmet den Abschluss von Keyman-Lebensversicherungen ab dem IPO-Zeitpunkt. Auf Anania selbst hingegen nicht, was bei einer derart zentralen Person ungewöhnlich erscheint und im S-1 nicht erklärt wird.
Nach dem Börsengang halten Vorstand und Aufsichtsrat zusammen rund 47,3 Prozent der ausstehenden Aktien. Anders als bei vielen aktuellen IPOs gibt es keine Dual-Class-Struktur mit überproportionalen Stimmrechten für Insider. Alle Aktien sind gleichberechtigt.
Branche
Elmet bedient fünf Endmärkte: Luftfahrt, Verteidigung und Regierung, Industrie, Medizintechnik, Halbleiter und Elektronik sowie Energie. Der gemeinsame Nenner sind Komponenten, die in extremen thermischen, elektromagnetischen oder mechanischen Umgebungen funktionieren müssen. Wolfram und Molybdän gehören zu den dichtesten und hitzebeständigsten Metallen überhaupt und sind für viele dieser Anwendungen schlicht alternativlos.
Der politische Rückenwind ist erheblich. China dominiert nicht nur die Wolframförderung, sondern auch einen großen Teil der Molybdän- und Seltenerdmineralien-Verarbeitung. Die wiederholten Exportbeschränkungen der vergangenen Jahre haben den US-Markt für inländische Alternativen geöffnet. Elmet bezieht über 99 Prozent seiner Rohmaterialien aus Nicht-China-Quellen, hauptsächlich aus Vietnam, Spanien und Chile. Auf der Wolfram-Seite ist das Unternehmen damit nach eigenen Angaben der einzige US-eigene vertikal integrierte Hersteller von hochengineerten Wolfram- und Molybdän-Produkten.
Wettbewerb gibt es trotzdem. Im RF- und Mikrowellen-Bereich konkurrieren spezialisierte US-Firmen und einige europäische Anbieter. Bei den kritischen Materialien sind die Optionen begrenzter. Die größte strukturelle Herausforderung ist die Magnetversorgung: Etwa 70 Prozent der in Elmets Mikrowellen-Geräten verbauten Magneten kommen aus China. Hier ist das Unternehmen also nicht so unabhängig, wie es bei den Rohmetallen ist.
Produkte
Elmet operiert in zwei Divisionen mit insgesamt sechs Produktionsstandorten und über 600.000 Quadratfuß Fläche. Den Wiederbeschaffungswert dieses Anlagenparks beziffert das Unternehmen selbst auf über eine Milliarde Dollar.
- •Critical Materials Components (CMC): Vertikal integrierte Produktion von Wolfram- und Molybdän-Komponenten. Vom Pulver über Pressen, Sintern, Walzen und Fräsen bis zum fertigen Bauteil läuft alles im Haus. Die 5.500-Tonnen-Strangpresse im Werk Coldwater ist eine von nur zwei aktiven Refraktärmetall-Pressen in den USA.
- •Engineered Microwave Products (EMP): Hochleistungs-RF- und Mikrowellen-Komponenten für Radar, Raketenverfolgung, gerichtete Energiesysteme, Halbleiterfertigung und Fusionsforschung. Spitzenwerte: 60 Megawatt Spitzenleistung, Frequenzbereich von 50 MHz bis 40 GHz.
- •Anwendungsbereich: Komponenten in über 100 laufenden US-Verteidigungsprogrammen, darunter Flugzeuge, Raketen und U-Boot-Komponenten.
- •Forschung: Lieferungen an mehr als 95 nationale Laborprogramme weltweit, darunter Fermi National Accelerator Laboratory und Los Alamos National Laboratory.
- •Patente: 20 erteilte sowie zwei angemeldete US- und internationale Patente allein im Bereich additive Fertigung von kritischen Materialien.
- •Geplante Erweiterung: Neuer Wolfram-Ofen für das Werk Coldwater. Installation Q1 2026, Inbetriebnahme Q1 2027. Solarfeld für das Werk Lewiston über die Tochter Elmet Solar.
Zu den wichtigsten Kunden gehören Lockheed Martin, RTX (Raytheon), Teledyne und die NASA. Im Geschäftsjahr 2024 entfielen auf die zwei größten Kunden zusammen rund 15 Prozent des Umsatzes. 2025 lag kein einzelner Kunde mehr über 10 Prozent. Die Konzentration nimmt also ab, was für Anleger ein gutes Zeichen ist.
Outlook
Elmet ist anders als viele junge IPO-Kandidaten bereits profitabel. 2025 lag der Umsatz bei 201,6 Millionen Dollar gegenüber 190,4 Millionen im Vorjahr. Das Bruttomargen-Niveau bewegt sich bei rund 20 Prozent, der bereinigte EBITDA-Margenwert bei 11,8 Prozent. Der Nettogewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen lag bei 7,9 Millionen Dollar. Allerdings ist das ein Rückgang gegenüber 2024 mit 9,7 Millionen, vor allem weil die Bruttomarge unter Druck steht und die Verwaltungskosten gestiegen sind.
Die Wachstumsstrategie ruht auf drei Säulen. Erstens: vorhandene Infrastruktur ausnutzen. In den letzten sechs Jahren hat Elmet 41,8 Millionen Dollar in die Modernisierung der Fertigung investiert. Zweitens: Technologie weiterentwickeln, insbesondere bei neuen Niob-Legierungen wie C-103 und FS85, die in der Luft- und Raumfahrt zunehmend an Bedeutung gewinnen. Drittens: ergänzende Akquisitionen, das bewährte Spielbuch des Managements seit dem Jahr 2000.
Risiken bleiben. Elmet hat 53,5 Millionen Dollar Schulden, davon 17,3 Millionen gegenüber verbundenen Parteien. Ein Teil der Erlöse aus dem IPO soll genau hierfür verwendet werden. Das S-1 weist außerdem ausdrücklich auf "material weaknesses" in der internen Finanzkontrolle hin. Das ist für ein Unternehmen, das gerade Public Company wird, ein roter Punkt im Risikoprofil. Hinzu kommt die hohe Abhängigkeit von US-Regierungsausgaben, Tarif-Entscheidungen und der Verfügbarkeit knapper Rohstoffe.
Details zum IPO
Elmet plant die Notierung an der Nasdaq Capital Market unter dem Ticker ELMT. Ausgegeben werden 7.692.307 Aktien zu einer Preisspanne von 12 bis 14 US-Dollar, der Mittelwert liegt bei 13 Dollar. Zusätzlich haben die Konsortialführer eine 30-tägige Mehrzuteilungsoption über weitere 1.153.846 Aktien. Bei vollständiger Ausübung könnte das Bruttovolumen rund 115 Millionen Dollar erreichen.
Als Lead-Underwriter fungiert Cantor Fitzgerald, ergänzt durch Needham & Company, Canaccord Genuity und Roth Capital Partners. Cantor erhält zusätzlich Broker-Warrants über 1,5 Prozent der ausgegebenen Aktien mit einem Ausübungspreis von 125 Prozent des IPO-Preises.
Die Mittelverwendung verteilt sich auf drei Bereiche: Schuldenabbau, Wachstumsfinanzierung und allgemeines Working Capital. Vorstand, Aufsichtsrat und bestehende Großaktionäre sind durch eine 180-tägige Lock-up-Vereinbarung gebunden. Bis zu 2 Prozent der angebotenen Aktien sind über ein Directed Share Program für Mitarbeiter und Insider reserviert.
Bewertungskriterien
Einziger US-eigener vertikal integrierter Wolfram- und Molybdän-Hersteller mit Lieferkette außerhalb Chinas
Etablierter Kundenstamm mit Lockheed Martin, RTX, Teledyne und NASA in über 100 Verteidigungsprogrammen
Bereits profitabel mit 201,6 Millionen Dollar Umsatz und 11,8 Prozent bereinigter EBITDA-Marge in 2025
Replacement Value des Anlagenparks von über einer Milliarde Dollar als hohe Markteintrittsbarriere
Material Weaknesses in der internen Finanzkontrolle laut eigenem S-1, ein Warnsignal für eine Public Company
Schuldenstand von 53,5 Millionen Dollar mit teils variablen Zinsen und 17,3 Millionen aus Related-Party-Darlehen
Etwa 70 Prozent der verbauten Magnete stammen aus China, also keine vollständige PRC-Unabhängigkeit
Starke Abhängigkeit von US-Verteidigungsausgaben, politischen Spending-Entscheidungen und Rohstoffpreisvolatilität