AgomAb Therapeutics IPO: Belgischer Fibrose-Spezialist strebt an die Nasdaq

AgomAb Therapeutics IPO: Belgischer Fibrose-Spezialist strebt an die Nasdaq

Overview

AgomAb Therapeutics ist ein belgisches Biopharma-Unternehmen aus Antwerpen, das sich auf die Behandlung von chronischen Fibrose-Erkrankungen spezialisiert hat. Das Unternehmen hat seine F-1-Unterlagen bei der SEC eingereicht und plant die Erstnotiz am Nasdaq Global Market unter dem Ticker-Symbol AGMB. Anders als bei US-Unternehmen werden dabei keine direkten Aktien ausgegeben, sondern sogenannte American Depositary Shares (ADSs), bei denen eine ADS einer belgischen Stammaktie entspricht. Als Konsortialführer wurden J.P. Morgan, Morgan Stanley, Leerink Partners und Van Lanschot Kempen mandatiert.

Gegründet wurde AgomAb 2017 als belgische Gesellschaft. Die Hauptwirkstoffe kamen 2022 ins Unternehmen durch die Übernahme des spanischen Biotechs Origo Biopharma, wo sowohl Ontunisertib als auch AGMB-447 entwickelt wurden. Seit der Gründung hat AgomAb rund 300 Millionen Euro von einem hochkarätigen Investoren-Konsortium eingesammelt, darunter die Pharmakonzerne Pfizer und Sanofi, der Boehringer Ingelheim Venture Fund, KKR (über die Plattform Dawn Biopharma), Fidelity und EQT Life Sciences.

Der Zeitpunkt des IPOs passt zur Pipeline: Im November 2025 hat AgomAb positive Topline-Daten aus der Phase-2a-Studie STENOVA zum Hauptkandidaten Ontunisertib veröffentlicht. In der zweiten Hälfte 2026 stehen mehrere wichtige Datenveröffentlichungen und der Start der Phase-2b-Studie an. Das frische Kapital soll genau diese Entwicklungsschritte finanzieren.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

An der Spitze von AgomAb steht CEO Tim Knotnerus, der aus dem Corporate-Development-Bereich kommt. Zuvor war er bei AM-Pharma Vice President Corporate Development und verhandelte dort einen 600-Millionen-Dollar-Deal mit Pfizer. CMO Dr. Philippe Wiesel war CMO bei Genkyotex und hat bei EMD Serono die Spätphasen-Entwicklung und Zulassung von Raptiva geleitet. Chief Development Officer Dr. Andrea Sáez war zuvor COO und CSO bei Origo Biopharma, dem spanischen Unternehmen, aus dem AgomAb seine beiden klinischen Kandidaten übernommen hat.

CFO Pierre Kemula kam 2024 von CureVac, wo er als CFO den Nasdaq-IPO und mehrere Folgeemissionen begleitet hat. Chief Business Officer Dr. Paul van der Horst und General Counsel Ellen Lefever haben beide Erfahrung bei Galapagos, wo sie unter anderem den 5-Milliarden-Dollar-Deal mit Gilead und den Galapagos-IPO an der Nasdaq mitverhandelt haben. Insgesamt bringt das Team also deutlich mehr Deal- und Kapitalmarkt-Erfahrung mit als bei vielen anderen Biotech-IPOs dieser Größe.

Wichtig für Anleger: AgomAb erwähnt keine Dual-Class-Struktur, aber im F-1 wird offen eingeräumt, dass es wesentliche Schwächen in der internen Finanzberichterstattung gibt. Das Unternehmen arbeitet an der Behebung, ist aber noch nicht fertig.

Branche

Fibrose ist eine krankhafte Vernarbung von Gewebe, die praktisch jedes Organ betreffen kann. Dahinter steht oft das gleiche Signalmolekül: TGFβ (Transforming Growth Factor Beta). Dieser Botenstoff sorgt normalerweise für Wundheilung, gerät bei chronischer Entzündung aber außer Kontrolle und führt zu dauerhafter Gewebszerstörung. Die Hemmung dieses Signalwegs gilt seit Jahren als vielversprechender Ansatz, ist aber auch ein Minenfeld: Frühere TGFβ-Hemmer sind wegen toxischer Nebenwirkungen am Herz und den großen Blutgefäßen gescheitert.

Der Clou von AgomAb: Die beiden klinischen Wirkstoffe sollen nur lokal im Zielgewebe wirken und danach im Körper schnell inaktiviert werden. Damit will AgomAb die Wirksamkeit der TGFβ-Hemmung nutzen, ohne die systemischen Nebenwirkungen in Kauf nehmen zu müssen.

Die Märkte sind groß. Beim ersten Zielmarkt Fibrostenosing Crohn's Disease (der fibrotischen Form von Morbus Crohn) gibt es in den sieben wichtigsten Industrieländern rund 620.000 Patienten, und es existiert kein einziges zugelassenes Medikament dafür. Nahezu alle diese Patienten müssen früher oder später operiert werden. Beim zweiten Zielmarkt, der idiopathischen Lungenfibrose (IPF), sind etwa 240.000 Menschen weltweit betroffen, die aktuellen Medikamente Esbriet (Roche), Ofev und Jascayd (beide Boehringer Ingelheim) erzielen zusammen rund 4,1 Milliarden Dollar Jahresumsatz, können aber den Verlauf nur verlangsamen, nicht aufhalten. Das mediane Überleben nach Diagnose liegt unter fünf Jahren.

Produkte

AgomAb hat eine fokussierte Pipeline mit zwei klinischen und mehreren präklinischen Wirkstoffen:

  • Ontunisertib (AGMB-129, Phase 2a abgeschlossen): Oraler ALK5-Inhibitor für Fibrostenosing Crohn's Disease. Die Substanz wirkt lokal im Darm und wird in der Leber schnell inaktiviert, um systemische Nebenwirkungen zu vermeiden. Die globale Phase-2a-Studie STENOVA mit 103 Patienten hat im November 2025 den primären Endpunkt zu Sicherheit und Verträglichkeit erreicht. Daten zur 48-Wochen-Verlängerung und Start der Phase 2b sind für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant. Hat von der FDA 2023 eine Fast-Track-Einstufung erhalten.
  • AGMB-447 (Phase 1): Inhalierbarer ALK5-Inhibitor für idiopathische Lungenfibrose. Wird direkt in die Lunge verabreicht und im Blutkreislauf schnell abgebaut. In präklinischen Studien war die Wirkstoffkonzentration in der Lunge 800 bis 1.000 mal höher als im Blutplasma. Phase-1-Studie mit 108 gesunden Probanden abgeschlossen, IPF-Patienten werden aktuell rekrutiert. Daten für zweites Halbjahr 2026 erwartet. FDA-Orphan-Drug-Status seit Mai 2024.
  • AGMB-101 (präklinisch): Monoklonaler Antikörper, der den HGF-Wachstumsfaktor nachahmt und den MET-Rezeptor aktiviert. In präklinischen Modellen sowohl antifibrotische als auch regenerative Aktivität gezeigt. Erste klinische Studien sind grundsätzlich genehmigt.
  • Weitere Discovery-Programme: Mehrere Wirkstoffe in früher Entwicklung.

Ein wichtiger Hinweis für Anleger: Die beiden fortgeschrittensten Kandidaten stammen ursprünglich aus der Origo-Übernahme 2022. AgomAb hat also keine eigene Technologieplattform im klassischen Sinne, sondern verfolgt einen Target-orientierten Ansatz mit einer Mischung aus Zukauf und interner Forschung.

Outlook

Die nächsten 18 Monate werden für AgomAb entscheidend. Im zweiten Halbjahr 2026 werden gleich drei wichtige Datenpakete erwartet: die 48-Wochen-Offenphase der STENOVA-Studie bei Morbus Crohn, erste IPF-Patientendaten für AGMB-447 und der Start der Phase 2b für Ontunisertib sowie der Phase 2 für AGMB-447. Das ist ein dichter Katalysator-Fahrplan, der den Kurs in beide Richtungen deutlich bewegen könnte.

Die Finanzlage ist solide, aber nicht üppig. Zum 30. September 2025 verfügte AgomAb über 129,6 Millionen Euro Liquidität. In den ersten neun Monaten 2025 betrug der Nettoverlust 45,1 Millionen Euro, was einer jährlichen Burn-Rate von etwa 60 Millionen Euro entspricht. Der kumulierte Verlust lag bei 164,3 Millionen Euro. Das Unternehmen selbst gibt an, dass die Mittel aus dem IPO plus die bestehende Liquidität voraussichtlich einige Jahre für die laufende Entwicklung reichen werden. Bis zur möglichen Zulassung sind aber weitere Finanzierungsrunden oder Partnerschaften mit Pharmakonzernen wahrscheinlich.

Ein wichtiger Punkt: Der primäre Endpunkt der Phase 2a bei Ontunisertib war Sicherheit und Verträglichkeit, nicht Wirksamkeit. AgomAb spricht von "positiven Signalen bei mehreren explorativen Endpunkten", aber belastbare Wirksamkeitsdaten fehlen noch. Für Morbus Crohn mit Strikturen gibt es zudem keinen etablierten Wirksamkeitsendpunkt, was den Weg zur Zulassung zusätzlich komplex macht.

Details zum IPO

AgomAb Therapeutics plant die Erstnotiz am Nasdaq Global Market unter dem Ticker-Symbol AGMB. Die Notierung erfolgt über American Depositary Shares (ADSs), wobei eine ADS einer belgischen Stammaktie entspricht. Die eigentlichen Aktien werden bei der Bank of New York Mellon als Depotbank verwahrt. Emissionspreis und Emissionsvolumen sind im F-1 noch nicht festgelegt. Als Konsortialführer wurden J.P. Morgan, Morgan Stanley, Leerink Partners und Van Lanschot Kempen mandatiert.

Als belgisches Unternehmen nutzt AgomAb den Status eines "Foreign Private Issuer" nach US-Recht. Das bedeutet reduzierte Offenlegungspflichten gegenüber der SEC im Vergleich zu US-Unternehmen: Quartalsberichte sind nicht verpflichtend, die Berichterstattung erfolgt auf IFRS statt US-GAAP, und die Zahlen werden in Euro ausgewiesen. AgomAb qualifiziert sich zusätzlich als "Emerging Growth Company" und nutzt weitere Erleichterungen bei der Berichterstattung.

Für deutsche Anleger interessant: Belgische Unternehmen haben oft komplexe Anteilsstrukturen. AgomAb hat aktuell nur 25.000 Stammaktien ausstehend, daneben 1,55 Millionen Vorzugsaktien, die im Rahmen des IPOs umgewandelt werden. Zusätzlich werden 94.869 Aktien an argenx BV ausgegeben. Ausstehende Optionen und Warrants liegen bei rund 277.000 Stück mit gewichteten Ausübungspreisen zwischen 14,67 und 37,29 Euro. Vor dem Börsengang findet ein Reverse Stock Split statt, das endgültige Verhältnis steht noch nicht fest.

Bewertungskriterien

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Erster potenzieller Wirkstoff gegen Fibrostenosing Crohn's Disease mit 620.000 Patienten in den wichtigsten Märkten ohne zugelassene Therapie, FDA Fast Track-Status seit 2023

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Starkes Investorenkonsortium mit Pfizer, Sanofi, Boehringer Ingelheim, KKR, Fidelity und EQT, insgesamt 300 Millionen Euro eingesammelt

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Erfahrenes Management mit Track Record bei CureVac-IPO, Galapagos-Gilead-Deal (5 Mrd. USD) und AMPharma-Pfizer-Deal (600 Mio. USD)

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Dichter Daten-Fahrplan mit mehreren Katalysatoren in der zweiten Jahreshälfte 2026 inklusive Phase-2b-Start

Phase-2a-Primärendpunkt war nur Sicherheit und Verträglichkeit, belastbare Wirksamkeitsdaten aus kontrollierten Studien fehlen noch

Wesentliche Schwächen in der internen Finanzkontrolle vom Management selbst eingeräumt, noch nicht behoben

Beide klinische Wirkstoffe aus Origo-Übernahme, keine eigene Technologieplattform im klassischen Sinne

Foreign-Private-Issuer-Status bedeutet weniger Transparenz: keine Quartalsberichte, IFRS statt US-GAAP, Zahlen in Euro