ARKO Petroleum IPO: US-Großhändler für Kraftstoffe will an die Nasdaq

ARKO Petroleum IPO: US-Großhändler für Kraftstoffe will an die Nasdaq

Overview

ARKO Petroleum Corp. ist die ausgegliederte Großhandelssparte des US-Tankstellenkonzerns ARKO Corp. und plant jetzt den eigenen Börsengang. Das Unternehmen mit Sitz in Richmond, Virginia hat seine S-1-Unterlagen am 19. Dezember 2025 bei der SEC eingereicht und will an der Nasdaq Stock Market unter dem Ticker-Symbol APC notiert werden.

Die Geschichte hinter dem IPO ist klassischer Carve-Out. ARKO Corp. (Nasdaq: ARKO), einer der größten Tankstellenbetreiber in den USA mit über 25 regionalen Marken, hat in den vergangenen Jahren parallel ein großes Großhandelsgeschäft aufgebaut. Im Oktober 2020 kam die Übernahme von Empire Petroleum Partners, im Juli 2022 die Fleet-Fueling-Sparte von Quarles Petroleum, dazu Akquisitionen von Transit Energy Group und WTG Fuels. Diese drei Geschäftsbereiche werden jetzt unter dem Dach von ARKO Petroleum gebündelt und als eigenständige börsennotierte Gesellschaft an den Markt gebracht. Die zugrunde liegende GPM Petroleum LP existiert dabei bereits seit 2015.

Der Sinn hinter dem IPO ist klar: ARKO Corp. will die unterschiedlichen Bewertungen von Einzelhandel und Großhandel an der Börse trennen. Großhändler mit stabilen, gebührenbasierten Cashflows werden traditionell höher bewertet als reine Tankstellenketten. Gleichzeitig will ARKO Petroleum von Anfang an als Dividendenwert positioniert werden. Anleger sollen also nicht in erster Linie auf Wachstum setzen, sondern auf eine regelmäßige, planbare Quartalsausschüttung. Wichtig zu wissen: ARKO Corp. behält nach dem IPO mit über 80 Prozent die klare Stimmrechtsmehrheit, sodass ARKO Petroleum als sogenannte "Controlled Company" geführt wird.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

An der Spitze von ARKO Petroleum steht Arie Kotler als President und CEO. Kotler ist gleichzeitig CEO der Muttergesellschaft ARKO Corp., die er seit Jahren führt und durch zahlreiche Akquisitionen ausgebaut hat. Diese Doppelrolle ist auf der einen Seite eine Stärke, weil sie für Kontinuität und enge Abstimmung zwischen Mutter und Tochter sorgt. Auf der anderen Seite ist sie ein klassischer Interessenkonflikt, weil Kotler bei strittigen Themen zwischen ARKO Corp. und ARKO Petroleum nicht völlig neutral entscheiden kann.

Das gesamte Management-Team kommt aus der Großhandelssparte von ARKO Corp. und bringt nach Unternehmensangaben über 100 Jahre kumulierte Erfahrung in der Kraftstoffverteilung und im Tankstellengeschäft mit. Der Vorstand wird mehrheitlich aus Direktoren bestehen, die auch im Board von ARKO Corp. sitzen. Für strittige Themen zwischen den beiden Unternehmen ist ein eigenes Conflicts Committee mit unabhängigen Direktoren vorgesehen.

Die Aktionärsstruktur ist für Anleger besonders relevant. Die Aktien sind in zwei Klassen aufgeteilt. Class-A-Aktien für die IPO-Investoren mit jeweils einer Stimme. Class-B-Aktien für ARKO Corp. mit mehreren Stimmen pro Aktie und damit faktischer Kontrolle über das Unternehmen. Class-B-Aktien dürfen ausschließlich von ARKO Corp. gehalten werden.

Branche

Der US-amerikanische Großhandelsmarkt für Kraftstoffe ist auf den ersten Blick ein eher unsexy Geschäft, hat aber einige interessante Eigenschaften. Erstens ist er hochfragmentiert. Laut First Research gibt es rund 6.700 Großhändler in den USA, der größte hat gerade mal acht Prozent Marktanteil. Damit gibt es Konsolidierungspotenzial, das ARKO Petroleum aktiv nutzen will.

Zweitens ist das Geschäft weitgehend resistent gegen Rohstoffpreis-Schwankungen. ARKO Petroleum verdient den Großteil der Erlöse über Cost-Plus-Verträge, bei denen die Beschaffungskosten plus eine feste Marge an die Kunden weitergegeben werden. Das ist ähnlich wie bei einem Pipelinebetreiber: Der Ölpreis kann steigen oder fallen, der Großhändler verdient seine Marge weitgehend unabhängig davon.

Drittens ist der Kraftstoffmarkt in den USA überraschend stabil. 2024 wurden 194,8 Milliarden Gallonen Benzin und Diesel in den USA verbraucht. Trotz E-Auto-Wachstum, Homeoffice und besserer Verbrauchswerte liegt der aktuelle Verbrauch bei 94,4 Prozent des Vorpandemie-Niveaus. Elektroautos hatten 2024 nur 8,1 Prozent Anteil an den Light-Vehicle-Verkäufen, und Schätzungen rechnen erst 2035 mit einem E-Auto-Anteil von 26 Prozent am gesamten US-Fahrzeugbestand. Mit anderen Worten: Verbrennungsmotoren werden noch lange den Großteil des Marktes ausmachen.

Hauptlieferanten sind die großen Mineralölkonzerne BP, ExxonMobil, Marathon, Motiva, Shell und Valero. Konkurrenten gibt es viele, vor allem regionale Großhändler. Größere börsennotierte Vergleichswerte sind World Fuel Services und Sunoco LP, die beide ähnliche Geschäftsmodelle verfolgen.

Produkte

ARKO Petroleum betreibt drei klar abgegrenzte Geschäftssegmente, die zusammen ein vollständiges Großhandelsökosystem für Kraftstoffe abdecken:

  • Wholesale-Segment: Belieferung von 2.053 Tankstellen unabhängiger Pächter und Sub-Wholesaler in über 30 US-Bundesstaaten mit langfristigen Cost-Plus- oder Konsignations-Verträgen. Durchschnittliche Restlaufzeit der Verträge: rund 5,2 Jahre. 949 Millionen Gallonen Kraftstoff in 2024, 90 Millionen US-Dollar Treibstoff-Marge.
  • Fleet-Fueling-Segment: 288 unbemannte Cardlock-Tankstellen, an denen Geschäftsflotten und Kommunen direkt mit Spezialkarten tanken können. Hauptprodukt ist Diesel mit rund 80 Prozent Anteil. Zusätzlich Provisionen aus einem nationalen Netz von über 320.000 angeschlossenen Tankstellen. 149 Millionen Gallonen in 2024, 64 Millionen US-Dollar Treibstoff-Marge.
  • GPMP-Segment: Interne Belieferung von 1.158 ARKO-Retail-Tankstellen mit einer festen Marge von 5,0 Cent pro Gallone. Dieses Segment generiert die stabilste, aber auch margenmäßig dünnste Ertragslage. 1.023 Millionen Gallonen in 2024.
  • Preferred Vendor Program: Ein zusätzliches Loyalty-Programm für Wholesale-Pächter, das ihnen Vorteile bei Drittanbietern verschafft und gleichzeitig ARKO Petroleum Rabatte zurückbringt.

Insgesamt umfasst das Netzwerk 3.499 Tankstellen über alle Segmente hinweg. In den vergangenen fünf Jahren ist das Unternehmen organisch und durch Akquisitionen jährlich um durchschnittlich elf Prozent bei den ausgelieferten Gallonen gewachsen.

Outlook

Die Wachstumsstrategie ruht auf vier Säulen. Erstens die weitere Konvertierung von ARKO-Retail-Tankstellen zu unabhängigen Pächterbetrieben im Rahmen eines mehrjährigen Transformationsplans der Muttergesellschaft. Bis Ende September 2025 wurden bereits 347 ARKO-Retail-Tankstellen umgewandelt, weitere rund 185 sind in der Pipeline. Zweitens organisches Wachstum durch Gewinnung neuer Pächter mit der bestehenden Vertriebsmannschaft von rund 50 Mitarbeitern. Drittens Akquisitionen in einem stark fragmentierten Markt mit über 6.700 potenziellen Übernahmezielen. Viertens der Ausbau des Fleet-Fueling-Segments durch neue Cardlock-Standorte und höhere Volumen bei Bestandskunden.

Die Finanzentwicklung ist solide, aber nicht spektakulär. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 6,37 Milliarden US-Dollar bei einem Nettogewinn von 40 Millionen US-Dollar und einem bereinigten EBITDA von 139 Millionen US-Dollar. In den ersten neun Monaten 2025 lag der Umsatz bei 4,27 Milliarden US-Dollar mit 25 Millionen US-Dollar Nettogewinn und 107 Millionen US-Dollar bereinigtem EBITDA. Wichtig: Der Umsatz schwankt vor allem mit den Kraftstoffpreisen, die Marge pro Gallone ist dagegen sehr stabil bei rund 14,4 Cent im Wholesale-Segment.

Das Unternehmen plant nach dem IPO eine reguläre Quartalsdividende für alle Aktionäre. Damit positioniert sich ARKO Petroleum klar als Yield-Play für einkommensorientierte Anleger, vergleichbar mit Pipeline-MLPs oder ähnlichen Infrastrukturwerten. Die Verschuldung soll nach dem IPO unter den 2,5-fachen bereinigten EBITDA gedrückt werden, aktuell liegt sie beim 3,4-fachen.

Der größte Risikofaktor neben der starken Abhängigkeit von ARKO Corp. ist die langfristige Verkehrswende. Auch wenn Verbrennungsmotoren noch Jahrzehnte dominieren werden, bleibt der globale Trend zum E-Auto eine strukturelle Belastung für das Geschäftsmodell. Dazu kommen regulatorische Risiken durch Klimaschutzauflagen und potenziell steigende Versicherungs- und Compliance-Kosten.

Details zum IPO

ARKO Petroleum plant die Erstnotiz an der Nasdaq Stock Market unter dem Ticker-Symbol APC. Es werden ausschließlich Class-A-Aktien an die Öffentlichkeit ausgegeben. Emissionspreis und Volumen wurden im S-1 noch nicht festgelegt. Als Konsortialführer wurden UBS Investment Bank, Raymond James und Stifel mandatiert, ergänzt durch Mizuho und Capital One Securities. Das Konsortium ist damit deutlich kleiner als bei den großen Tech-IPOs, was zu einem mittelgroßen Energie-Listing passt.

Die Mittelverwendung sieht zwei Hauptpunkte vor. Erstens die Rückzahlung bestehender Schulden, um die Verschuldungskennzahl auf das Zielniveau unter dem 2,5-fachen bereinigten EBITDA zu drücken. Zweitens allgemeine Unternehmenszwecke. Anders als bei vielen Tech-IPOs fließt das Kapital also nicht primär in Wachstumsinvestitionen, sondern in den Schuldenabbau.

Die Dual-Class-Struktur stellt sicher, dass ARKO Corp. nach dem IPO weiterhin alle wesentlichen Entscheidungen kontrolliert, einschließlich der Wahl des Vorstands und Änderungen der Satzung. ARKO Petroleum hat allerdings angekündigt, die für Controlled Companies erlaubten Ausnahmen von Corporate-Governance-Regeln vorerst nicht zu nutzen. Damit gibt es zumindest formal die gleichen Mindeststandards wie bei einem normalen Listing.

Bewertungskriterien

+

Geplante reguläre Quartalsdividende mit klarem Yield-Play-Charakter und stabilen, weitgehend rohstoffpreis-resistenten Cashflows

+

Einer der größten Kraftstoff-Großhändler in Nordamerika mit 3.499 Standorten und 2,1 Milliarden Gallonen Volumen jährlich

+

Konsolidierungschancen in einem fragmentierten Markt mit 6.700 Wettbewerbern und nur acht Prozent Marktanteil des größten Spielers

+

Cost-Plus-Vertragsstruktur mit langfristigen Verträgen (5,2 Jahre Restlaufzeit) sorgt für planbare Margen unabhängig vom Ölpreis

ARKO Corp. behält über Class-B-Aktien die Stimmrechtsmehrheit und kann alle wichtigen Entscheidungen alleine treffen

47 Prozent der Erlöse stammen direkt von ARKO Corp., damit hohes Klumpenrisiko gegenüber einem einzigen Kunden

Langfristiger Strukturtrend zur Elektromobilität bleibt eine Belastung für das Geschäftsmodell, auch wenn die Verschiebung sich hinzieht

CEO Arie Kotler führt sowohl Mutter als auch Tochter, was bei Interessenkonflikten zu Spannungen führen kann