Forgent Power Solutions IPO: Strom für die KI-Revolution

Forgent Power Solutions IPO: Strom für die KI-Revolution
Ticker: FPS🌐Gründung: 2023Energie & Umwelt🌿

Overview

Forgent Power Solutions ist eines der unbekannteren Unternehmen in diesem IPO-Jahrgang, aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Das Unternehmen aus Dayton, Minnesota, baut elektrische Verteilungsanlagen für Rechenzentren, Stromnetze und energieintensive Industriebetriebe. Kurz gesagt: Ohne die Produkte von Forgent kommt kein Strom sicher und zuverlässig dort an, wo er gebraucht wird.

Die Vorgeschichte des Unternehmens ist ungewöhnlich. Forgent entstand nicht organisch, sondern durch eine Serie gezielter Übernahmen des Private-Equity-Investors Neos Partners zwischen Oktober 2023 und Juni 2024. Neos kaufte nacheinander MGM Transformer, PwrQ, States Manufacturing und VanTran Industries zusammen und formte daraus eine vertikale Plattform. Das Ergebnis: ein Unternehmen, das nahezu alle Kategorien elektrischer Verteilungsanlagen selbst herstellt. Die Erstnotiz an der New York Stock Exchange ist unter dem Ticker FPS geplant.

Der Timing des Börsengangs ist kein Zufall. Die Nachfrage nach elektrischer Infrastruktur explodiert, weil Rechenzentren für KI-Modelle gigantische Mengen an Strom brauchen und die US-Wirtschaft massenweise Produktionskapazitäten ins Land zurückholt. Forgent positioniert sich als eine der wenigen Adressen, die den gesamten Powertrain eines neuen Rechenzentrums aus einer Hand liefern kann.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

An der Spitze steht CEO Gary J. Niederpruem, der das Unternehmen seit Mai 2025 führt. Niederpruem kennt die Branche von innen: Er war jahrelang in führender Position bei Vertiv Holdings tätig, dem börsennotierten Rechenzentrums-Ausrüster, den er beim Carve-out aus Emerson Electric mitgestaltete. Davor arbeitete er bei Emerson Network Power und Danaher. Er bringt genau das mit, was Forgent braucht: Erfahrung damit, wie man aus einem fragmentierten Industrieunternehmen einen skalierbaren Konzern formt.

CFO Ryan S. Fiedler kam im Juli 2025 an Bord, direkt von Caterpillar, wo er zuletzt als CFO des Resource-Industries-Segments mit 12,4 Milliarden Dollar Jahresumsatz verantwortlich war. Chief Legal Officer Tyson K. Hottinger kommt von Array Technologies.

Die Kontrollstruktur nach dem Börsengang ist klar: Sponsor Neos Partners hält über die Continuing Equity Owners mehr als 50 Prozent der Stimmrechte. Forgent ist damit ein "Controlled Company" im Sinne der NYSE-Regeln und kann auf bestimmte Corporate-Governance-Anforderungen verzichten. Public-Investoren kaufen Class-A-Aktien mit einem Stimme pro Aktie, Neos hält Class-B-Anteile.

Branche

Die Branche für elektrische Verteilungsanlagen in den USA war 2025 laut der vom Unternehmen beauftragten Marktforschung BCE Consulting 33 Milliarden Dollar schwer. Zwischen 2020 und 2025 wuchs der Markt mit 26 Prozent per anno. Das klingt nach einem reifen Markt, ist es aber nicht: BCE prognostiziert weiteres Wachstum von 20 Prozent jährlich bis 2030, allein getrieben durch den Ausbau von Rechenzentren, die Erneuerung des US-Stromnetzes und das Reshoring von Industriekapazitäten.

Der entscheidende Treiber ist KI. Rechenzentren brauchen pro Megawatt deutlich mehr und komplexere elektrische Infrastruktur als klassische Gebäude, und die Zahl der Megawatts, die gebaut werden, steigt rasant. Dazu kommt, dass die US-Übertragungs- und Verteilungsinfrastruktur mehrheitlich über 30 Jahre alt ist und ersetzt werden muss.

Forgent konkurriert mit großen Namen: Vertiv, Schneider Electric, Eaton und Hitachi Energy sind im Rechenzentrums- und Grid-Segment aktiv. Der entscheidende Unterschied ist laut Unternehmen die Fähigkeit, wirklich alle Produktkategorien eines Powertrains selbst herzustellen und das mit kürzeren Lieferzeiten als die Konkurrenz. BCE bestätigte im November 2025, dass Forgent bei Substation Transformatoren 65 Prozent, bei eHouses 34 Prozent und bei Mittelspannungsschaltanlagen 43 Prozent kürzere Lieferzeiten als der Branchendurchschnitt hat.

Produkte

Forgent verkauft drei Produktkategorien sowie Serviceleistungen:

  • Custom Products (78 % des Umsatzes FY2025): Maßgefertigte Anlagen für spezifische Projekte, von Mittelspannungsschaltanlagen bis zu trockenen Transformatoren. Das Unternehmen entwickelt jährlich über 1.500 einzigartige Designs.
  • Powertrain Solutions (13 %): Komplettlösungen, bei denen mehrere Custom Products zu einem integrierten System zusammengefasst auf einer Skidplattform geliefert werden. Besonders gefragt bei Rechenzentren, weil damit Vor-Ort-Arbeitszeit entfällt.
  • Standard Products (5 %): Standardisierte Anlagen für einfachere Anwendungen, meist über Distributoren vertrieben.
  • Services (4 %): Inbetriebnahme, Wartung und Reparatur der eigenen Produkte.

Das Produktportfolio umfasst automatische Transferschalter (ATSs), trockene und flüssigkeitsgefüllte Transformatoren, eHouses (vorgefertigte Modulgebäude für Schaltanlagen), Generator-Anschlusskästen, Panelboards, Power Distribution Units (PDUs), Power Skids, Remote Power Panels (RPPs), Schaltschränke und Tap Boxes.

Besonders strategisch wertvoll: Forgent ist einer der wenigen US-Hersteller, der Mittelspannungsschaltanlagen und trockene Transformatoren in-house produziert. Diese Produkte haben industireweit die längsten Lieferzeiten und ziehen damit automatisch den Rest des Auftrags mit.

Outlook

Forgent hat in den vergangenen zwei Jahren massiv investiert. 205 Millionen Dollar wurden in neue Fertigungskapazitäten gesteckt, verteilt auf fünf neue Standorte in Minnesota, Texas, Maryland, Kalifornien und Mexiko. Das Unternehmen gibt an, seine Produktionskapazität bis Ende 2026 gegenüber FY2025 mehr als verdreifachen zu können und damit Umsätze von bis zu 5 Milliarden Dollar abdecken zu können.

Das Backlog von 1,03 Milliarden Dollar per 30. September 2025 zeigt, dass die Auftragsbücher gut gefüllt sind. 37 Prozent davon kamen von Neukunden, was auf echtes Marktanteilswachstum hindeutet. Der durchschnittliche Auftragswert pro Kunde stieg von 493.000 Dollar im FY2024 auf 814.000 Dollar im FY2025 (plus 65 Prozent). Genau das ist das Ziel: mehr Produkte pro Kunde verkaufen, den gesamten Powertrain aus einer Hand liefern.

Das größte Risiko ist die Abhängigkeit vom Rechenzentrum-Boom. 42 Prozent des Umsatzes kamen im FY2025 aus dem Data-Center-Segment. Wenn die Investitionen in KI-Infrastruktur nachlassen oder sich AI als weniger transformativ herausstellt als erwartet, trifft das Forgent überproportional. Dazu kommt die Schuldenlast: Zum 31. Dezember 2025 standen 600 Millionen Dollar unter der neuen Senior Credit Facility aus. Das ist keine unlösbare Größe bei einem Unternehmen mit 169 Millionen Dollar Adjusted EBITDA, aber es lässt wenig Spielraum für Überraschungen.

Details zum IPO

Forgent Power Solutions plant die Erstnotiz an der NYSE unter dem Ticker FPS. Emissionspreis und genaues Volumen wurden im S-1 noch nicht festgelegt. Als Joint Lead Book-Running Manager wurden Goldman Sachs, Jefferies und Morgan Stanley mandatiert. Weitere Bookrunner sind J.P. Morgan, BofA Securities, Barclays, TD Cowen, MUFG und Wolfe | Nomura Alliance.

Die Kapitalstruktur ist eine sogenannte Up-C-Struktur (Umbrella Partnership C-Corporation), die steuerliche Vorteile für die bestehenden Eigentümer sichert. Neos Partners und verbundene Fonds behalten als Continuing Equity Owners die Stimmrechtsmehrheit. Im Rahmen des IPOs verkaufen auch bestehende Aktionäre Anteile (Secondary-Anteil), Forgent selbst nimmt frisches Kapital ein und leitet es an die Opco-LLC weiter, die damit Anteile der bestehenden Eigentümer zurückkauft. Zusätzlich wird ein Tax Receivable Agreement abgeschlossen, unter dem Forgent 85 Prozent zukünftiger Steuervorteile an die bisherigen Eigentümer abführt.

Bewertungskriterien

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Einer der wenigen US-Hersteller mit vollständigem Powertrain-Portfolio, der Mittelspannungsschaltanlagen und Transformatoren selbst produziert

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Backlog von über 1 Milliarde Dollar mit 37 Prozent Neukunden-Anteil belegt echtes Marktanteilswachstum

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Massiver Kapazitätsausbau fast abgeschlossen, Umsatzpotenzial von bis zu 5 Milliarden Dollar bei kaum weiteren Investitionen

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Strukturelles Rückenwind durch KI-Rechenzentrum-Boom, US-Reshoring und veraltete Netzinfrastruktur gleichzeitig

Up-C-Struktur und Tax Receivable Agreement kosten Aktionäre langfristig erheblich, 85 Prozent der Steuervorteile gehen an frühere Eigentümer

Neos Partners kontrolliert nach dem IPO mehr als 50 Prozent der Stimmrechte, Public-Investoren haben wenig Einfluss

600 Millionen Dollar Nettoverschuldung bei einem Unternehmen, das erst 2025 Profitabilität erreicht hat

Starke Konzentration auf das Rechenzentrum-Segment macht Forgent anfällig, wenn KI-Investitionen nachlassen