AEVEX Corp. IPO: Defense-Drohnen-Spezialist will an die NYSE

AEVEX Corp. ist ein US-amerikanischer Defense-Tech-Hersteller aus Solana Beach, Kalifornien, der autonome unbemannte Systeme für das US-Verteidigungsministerium und alliierte Streitkräfte entwickelt. Das Unternehmen hat über 6.200 Drohnen ausgeliefert und produziert auf rund 100.000 Quadratfuß Fläche mehr als 1.000 Systeme pro Monat. Mit der proprietären CompassX-Software für GPS-unabhängige Navigation und Großaufträgen wie Phoenix Ghost und EUCOM AOR Deep Strike gehört AEVEX zu den am tiefsten in das US-Militär integrierten UAS-Herstellern.
Overview
AEVEX Corp. plant einen der spannendsten Defense-IPOs des Jahres 2026. Das Unternehmen aus Solana Beach in Kalifornien hat seine S-1-Unterlagen am 23. März 2026 bei der SEC eingereicht und strebt die Erstnotiz an der New York Stock Exchange unter dem Ticker AVEX an. Hinter dem Börsengang steht der Chicagoer Private-Equity-Investor Madison Dearborn Partners, der das Unternehmen seit Jahren kontrolliert.
Gegründet wurde AEVEX 2007 als veteranengeführtes Unternehmen mit dem Fokus auf US-Sicherheitsmissionen. Heute liefert AEVEX autonome, AI-gestützte unbemannte Systeme an das US-Verteidigungsministerium, an Special Operations Forces, an die Intelligence Community und an alliierte Streitkräfte. Im Hintergrund läuft der größte Investitionsschub in unbemannte Systeme seit Jahrzehnten: Das US-Verteidigungsbudget 2026 sieht eine Steigerung der UAS-Förderung um 215 Prozent vor, bei Loitering Munitions sind es 135 Prozent, bei Counter-UAS 273 Prozent und bei unbemannten Wasserfahrzeugen sogar 952 Prozent. Genau in diesen Markt platziert AEVEX seinen IPO.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze von AEVEX steht CEO Roger Wells, der das Unternehmen durch den Börsengang führt. Das Führungsteam bringt nach Angaben des S-1 zusammen über 150 Jahre Erfahrung in Verteidigungsindustrie, militärischen Operationen und Luftfahrttechnik mit. Mehrere Manager haben in verschiedenen Teilstreitkräften der US-Streitkräfte gedient, SOF-Programme geleitet oder bei großen Defense-Konzernen gearbeitet. Rund 30 Prozent der etwa 650 Mitarbeiter sind Veteranen.
Die Stimmrechtskontrolle nach dem IPO liegt klar bei Madison Dearborn Partners (MDP), einer Chicagoer Private-Equity-Gesellschaft mit rund 36 Milliarden Dollar verwaltetem Kapital. AEVEX wird damit als "Controlled Company" nach NYSE-Regeln eingestuft, was das Unternehmen von Standard-Anforderungen wie einer unabhängigen Mehrheit im Board befreit. Als unabhängige Direktoren werden unter anderem Bradley Feldmann und Matthew Klein erwartet. MDP erhält zusätzlich das vertragliche Recht, weitere Direktoren zu benennen.
Die Aktienstruktur ist als sogenannte Up-C-Struktur ausgestaltet, eine bei Private-Equity-geführten Börsengängen häufige Konstruktion mit zwei Holding-Ebenen. Class-A- und Class-B-Aktien haben jeweils eine Stimme, der wirtschaftliche Hebel liegt aber durch die Konstruktion bei den Altinvestoren. Über ein Tax Receivable Agreement gehen 85 Prozent zukünftiger Steuervorteile aus dem IPO an die bestehenden Eigner zurück, AEVEX selbst behält nur 15 Prozent.
Branche
Der globale Markt für unbemannte Verteidigungssysteme erlebt gerade einen historischen Wachstumsschub. AEVEX schätzt das addressierbare Kernmarktvolumen für offensive Systeme wie UAS, Loitering Munitions und USVs auf etwa 11 Milliarden Dollar in den USA und 26 Milliarden Dollar weltweit bis 2030. Inklusive angrenzender Märkte wie Collaborative Combat Aircraft, unbemannten Unterwasserfahrzeugen und elektronischer Kriegsführung wächst die Gesamtchance auf 31 Milliarden Dollar in den USA und 49 Milliarden Dollar global.
Treiber sind die Erfahrungen aus Ukraine und Nahem Osten. Allein in der Ukraine wurden 2025 schätzungsweise 4 Millionen Drohnen produziert. Das US-Verteidigungsbudget 2026 spiegelt diese Realität mit massiven Steigerungen wider: 4,1 Milliarden Dollar für UAS, 1,4 Milliarden für Loitering Munitions, 2,8 Milliarden für Counter-UAS und 5,2 Milliarden für unbemannte Wasserfahrzeuge. NATO-Mitglieder peilen 5 Prozent BIP-Verteidigungsausgaben bis 2035 an, was zusätzliche Investitionen von über 1 Billion Dollar bedeuten könnte. Auch Taiwan plant für 2026 eine Steigerung der Verteidigungsausgaben um 23 Prozent mit Schwerpunkt auf unbemannten Systemen.
Wettbewerber sind unter anderem AeroVironment, Anduril, Kratos Defense, Shield AI sowie eine wachsende Zahl spezialisierter UAS-Startups. AEVEX positioniert sich gegenüber diesen Konkurrenten durch tiefe Bestandsbeziehungen zu DoW, SOF und Intelligence Community sowie durch eine ausgereifte Serienproduktion mit über 6.200 ausgelieferten Systemen und einer Kapazität von mehr als 1.000 UxS pro Monat.
Produkte
AEVEX operiert in zwei Segmenten. Tactical Systems (74,4 Prozent des Umsatzes 2025) entwickelt und produziert die unbemannten Systeme selbst. Global Solutions (25,6 Prozent) liefert Aufklärungs-Services, C-UAS, additive Fertigung und Engineering rund um militärische Spezialflugzeuge.
- •Group I UAS: Kompakte, handgeführte Multikopter wie X-Frame und Sicario für taktische Aufklärung und Präzisionsschläge im Nahbereich
- •Group II UAS: Modulare Plattformen wie Atlas, Dagger und Vandal für Aufklärung, Loitering Munitions und elektronische Kriegsführung. Atlas hat das Army-Programm Launched Effects-Short Range gewonnen.
- •Group III UAS: Größere Hochleistungssysteme wie Disruptor, Raker, Dominator und Onyx für Tiefschläge und persistente Aufklärung
- •Group IV/V UAS: Strategische Langstreckenflugzeuge wie Nathusius mit bis zu 90 Stunden Flugdauer als kostengünstige Alternative zu MQ-9 Reaper und MQ-1C Gray Eagle
- •CompassX & NAC: Proprietäre AI-Sensorfusions-Software für GPS-unabhängige Navigation und autonome Operationen, bis Ende 2026 in 100 Prozent der UxS-Plattformen integriert
- •ForgeX: Mobile Container-Produktionsfabriken mit additiver Fertigung, die bis zu 1.080 Systeme pro Jahr direkt im Einsatzgebiet herstellen können
- •USV: Unbemannte Wasserfahrzeuge wie Mako und Mako Lite für Aufklärung, Minenräumung und kinetische Missionen
- •ARC: Containerisiertes Startsystem auf 20-Fuß-Plattform mit 40 Startpositionen für skalierbare UxS-Einsätze
Die wichtigsten Großaufträge sind Phoenix Ghost mit 4.400 ausgelieferten Einheiten in sieben verschiedenen Plattformen und der Folgeauftrag EUCOM AOR Deep Strike mit 645,7 Millionen Dollar Vertragswert und über 4.800 geplanten UAS in sieben Plattformen. Zusammen sind das mehr als 9.300 Systeme und ein Gesamtvolumen von über 1,2 Milliarden Dollar. Insgesamt hat AEVEX über 6.200 Systeme ausgeliefert und weitere 3.900 sind bis Ende 2026 vertraglich zugesagt.
Outlook
AEVEX hat im Geschäftsjahr 2025 Umsätze von 432,9 Millionen Dollar erzielt nach 392,2 Millionen Dollar im Vorjahr. Das entspricht einem Wachstum von rund 10 Prozent, was angesichts des Marktumfelds eher konservativ wirkt. Deutlich dynamischer entwickelt sich der Auftragsbestand: Der finanzierte Backlog ist von 179,2 Millionen Dollar Ende 2024 auf 503,1 Millionen Dollar Ende 2025 gesprungen, ein Plus von 181 Prozent. Die Pipeline identifizierter Wachstumschancen wuchs auf 8,1 Milliarden Dollar von 4,1 Milliarden Dollar zwölf Monate zuvor.
Strategisch will AEVEX in drei Richtungen wachsen. Erstens den Anteil an stark steigenden US-Verteidigungsbudgets für unbemannte Systeme ausbauen. Zweitens die internationale Präsenz vertiefen: Aktuell laufen Gespräche mit 55 alliierten Ländern, mit Schwerpunkt auf Taiwan, Großbritannien und Finnland. Drittens in angrenzende Märkte wie größere USVs, schnellere Präzisionsschlag-UAS und elektronische Kriegsführung expandieren. Auch Akquisitionen sollen weiterhin Teil der Strategie bleiben, frühere Zukäufe wie Matrix (2021), Spark und Tribe (2022) sowie Veth Research Associates (2024) haben nach Aussage des Unternehmens Technologie und Kundenbasis erweitert.
Bei "Full-and-Open"-Wettbewerben gewann AEVEX im Jahr 2025 etwa 28,4 Prozent der Vergaben, gemessen am Auftragsvolumen. Bei Optionen, sole-source Folgeaufträgen und Recompetes liegt die Gewinnquote bei über 99 Prozent, was die Tiefe der Kundenbindung zeigt. Zu den größten Risiken zählen 259 Millionen Dollar bestehende Schulden mit Zinssätzen um 9,9 Prozent, eine vom Unternehmen selbst eingestandene material weakness in der internen Finanzberichterstattung und die hohe Abhängigkeit von US-Regierungsaufträgen.
Details zum IPO
AEVEX strebt die Erstnotiz an der New York Stock Exchange unter dem Ticker AVEX an. Emissionspreis und Volumen wurden im S-1 noch nicht festgelegt. Als Konsortialführer wurden Goldman Sachs, BofA Securities, Jefferies und J.P. Morgan mandatiert, weitere Co-Manager sind RBC Capital Markets, Baird, William Blair, Raymond James und Needham.
Der IPO erfolgt über die sogenannte Up-C-Struktur, bei der das börsennotierte Unternehmen AEVEX Corp. nur eine Holding ist und das operative Geschäft in der darunter liegenden Athena Technology Solutions Holdings LLC läuft. Mehrheitsaktionär Madison Dearborn Partners behält über die Holding ATS Investment Holdings die Stimmrechtskontrolle und macht AEVEX zur "Controlled Company" nach NYSE-Regeln. Die bestehenden Series-A-Preferred-Units werden zum IPO in Class-A-Aktien umgewandelt, der Umtauschpreis liegt bei 80 Prozent des Emissionspreises.
Die Erlöse aus dem IPO will AEVEX teilweise zur Rückzahlung der bestehenden Kreditfazilität nutzen, unter der zum 31. Dezember 2025 noch 259 Millionen Dollar offen waren, verzinst mit rund 9,9 Prozent. Parallel plant das Unternehmen neue Kreditlinien über insgesamt 375 Millionen Dollar, davon 100 Millionen Dollar Term Loan, 75 Millionen Dollar Delayed Draw Term Loan und 200 Millionen Dollar revolvierende Kreditlinie. Auch Altinvestoren wollen Aktien im Rahmen des IPOs verkaufen, das genaue Volumen steht noch nicht fest.
Bewertungskriterien
Backlog-Wachstum von 181 Prozent auf 503 Millionen Dollar und Pipeline-Verdoppelung auf 8,1 Milliarden Dollar zeigen massiven Geschäftsschub
Über 6.200 ausgelieferte Systeme an mehr als 30 aktive Kunden inklusive DoW, SOF und Intelligence Community schaffen tiefe Lock-in-Effekte
Marktposition in einem Sektor mit dreistelligen Budget-Steigerungen, US-UAS-Förderung wächst 2026 um 215 Prozent gegenüber Vorjahr
Über 99 Prozent Gewinnquote bei Optionen und sole-source Folgeaufträgen zeigen extrem starke Kundenbindung
Material Weakness in der internen Finanzberichterstattung wurde im S-1 explizit als Risiko genannt
259 Millionen Dollar Schulden mit hohen Zinsen um 9,9 Prozent belasten die Bilanz, neue Kreditlinien werden nach IPO benötigt
Controlled-Company-Status durch Madison Dearborn Partners begrenzt Aktionärseinfluss und schützt vor Abwahl der Geschäftsführung
Starke Abhängigkeit von US-Regierungsaufträgen, insbesondere DoW, mit Risiken durch Budget-Verschiebungen oder Vertragsstornierungen