Overview
Brian Raduenz gründete AEVEX 2017 unter dem Dach des Private-Equity-Investors Trive Capital. Das Unternehmen entstand aus der Fusion der Defense-Spezialisten Merlin Global Services, CSG Solutions und Special Operations Solutions. Raduenz selbst hatte zuvor 20 Jahre in der US Air Force gedient. Im Pentagon verantwortete er nach dem 11. September die Aufsicht über die Drohnenprogramme. Der Sitz des neuen Unternehmens wurde Solana Beach in Kalifornien. Das Geschäft konzentrierte sich anfangs auf flugzeugbasierte Aufklärung für US-Geheimdienste, Spezialeinheiten und das Verteidigungsministerium.
2020 übernahmen die Private-Equity-Gesellschaften Madison Dearborn Partners und CoVant Management die Mehrheit. Unter den neuen Eigentümern verlagerte AEVEX den Schwerpunkt von klassischen Aufklärungsdienstleistungen hin zu eigenen unbemannten Systemen. Übernahmen wie IKHANA Aircraft Services und Geodetics 2020 erweiterten die Fertigungs- und Wartungskapazitäten. Mit der Akquisition von Veth Research Associates kam Technologie für Navigation in GPS-gestörten Umgebungen hinzu.
Den Durchbruch brachte die Phoenix-Ghost-Drohnenfamilie. Ursprünglich für die US Air Force entwickelt, wurde die Plattform ab April 2022 in großen Stückzahlen an die Ukraine geliefert. AEVEX beschäftigt rund 700 Mitarbeiter an Standorten in Kalifornien, Florida, Ohio, North Carolina, Virginia und Massachusetts. Bis Ende 2025 hat das Unternehmen über 6.200 unbemannte Systeme ausgeliefert.
Management
Roger Wells führt AEVEX seit November 2025 als CEO. Wells war zuvor COO und Executive Vice President bei Mercury Systems. Dort verantwortete er ein Defense-Electronics-Portfolio mit knapp einer Milliarde Dollar Jahresumsatz. Davor hatte er Führungspositionen bei FLIR Systems, ICX Technologies und Northrop Grumman inne. Er war im April 2025 zunächst als President zu AEVEX gekommen, um die schrittweise Übernahme der CEO-Rolle vorzubereiten.
Gründer Brian Raduenz fungiert seit November 2025 als Executive Chairman. In dieser Rolle konzentriert er sich auf strategische Übernahmen, Partnerschaften und das internationale Wachstum. CFO ist seit Oktober 2025 Todd Booth, der zuvor CFO bei Teledyne FLIR war. Brett Hush leitet seit September 2025 die Tactical-Systems-Sparte. Er baute zuvor als Executive Vice President bei AeroVironment die Switchblade-Loitering-Munition-Sparte auf. Madison Dearborn Partners stellt mit Matt Norton, Brandon Levitan und Ben Spacapan zentrale Vertreter im Board of Directors.
Finanzdaten
Branche
AEVEX operiert im Markt für unbemannte Systeme und militärische Aufklärungstechnologie. Durch den Krieg in der Ukraine und den verstärkten Wettbewerb zwischen Großmächten hat dieser Markt massiv an Bedeutung gewonnen. Die weltweiten Verteidigungsausgaben sind seit 2024 um etwa neun Prozent gestiegen, der höchste Zuwachs seit dem Ende des Kalten Krieges. Im Haushaltsentwurf des Pentagons für das Geschäftsjahr 2027 sind über 50 Milliarden Dollar für unbemannte autonome Systeme vorgesehen. AEVEX schätzt den adressierbaren Markt für Kerntechnologien bei unbemannten Systemen auf rund elf Milliarden Dollar in den USA. Weltweit beziffert das Unternehmen die jährliche Opportunität bis 2030 auf rund 26 Milliarden Dollar.
Der Wettbewerb ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Mit AeroVironment (Hersteller der Switchblade-Loitering-Munitions) und Kratos Defense steht AEVEX zwei börsennotierten US-Konkurrenten gegenüber. Größer und finanzkräftiger sind die privaten Spezialisten Anduril Industries und Shield AI. Beide adressieren ähnliche Produktkategorien und haben in den letzten Finanzierungsrunden Milliardenbewertungen erreicht. Im Bereich Aufklärungstechnologie konkurriert AEVEX zudem mit etablierten Konzernen wie General Dynamics, L3Harris und Elbit Systems.
AEVEX positioniert sich über kampferprobte Plattformen und eine vertikal integrierte Fertigung mit rund 100.000 Quadratfuß Produktionsfläche. Hinzu kommt eigene Software für Navigation in GPS-gestörten Umgebungen. Der Krieg in der Ukraine hat die Nachfrage nach kostengünstigen, in Massen produzierbaren Drohnen verschoben. Allein 2025 wurden in der Ukraine schätzungsweise vier Millionen Drohnen gefertigt. AEVEX setzt darauf, sich mit dem proprietären CompassX-Navigationssystem und einem modularen Plattformansatz vom Wettbewerb abzugrenzen.
Produkte und Services
AEVEX gliedert sein Geschäft in zwei Segmente. Tactical Systems steht für rund drei Viertel des Umsatzes und umfasst die Entwicklung und Produktion autonomer unbemannter Systeme. Hierzu gehört die Phoenix-Ghost-Familie aus Loitering Munitions. Das sind unbemannte Flugkörper, die über einem Zielgebiet kreisen und sich auf Befehl gegen ein Ziel stürzen. Zur Produktpalette zählen Atlas, Disruptor und Dominator. Atlas ist eine Gruppe-2-Drohne mit rund 120 Kilometern Reichweite. Disruptor und Dominator sind größere Gruppe-3-Systeme mit Reichweiten zwischen 600 und 1.300 Kilometern. Daneben fertigt AEVEX unbemannte Wasserfahrzeuge und sogenannte Threat Replicators, die im Training oder bei Tests gegnerische Drohnen simulieren.
Das zweite Segment Global Solutions trägt rund ein Viertel zum Umsatz bei. Hier bündelt AEVEX klassische Aufklärungsdienstleistungen, Modifikationen bemannter und unbemannter Flugzeuge sowie Sensorintegration und Mission Support. Diese Sparte stammt im Kern aus den Vorgängerunternehmen. Sie liefert wiederkehrende Umsätze über mehrjährige Wartungs- und Betriebsverträge mit US-Behörden und Spezialeinheiten.
Eine Schlüsseltechnologie über beide Segmente hinweg ist die hauseigene CompassX-Plattform. Sie verbindet künstliche Intelligenz mit Sensorfusion und visueller Navigation. So bleiben Drohnen auch dann einsatzfähig, wenn GPS gestört oder unterdrückt wird. Diese Fähigkeit ist auf Schlachtfeldern wie der Ukraine zentral geworden, weil russische Streitkräfte mit elektronischer Kriegsführung GPS-Signale großflächig stören. Bis Ende 2025 hatte AEVEX mehr als 6.200 unbemannte Systeme ausgeliefert, weitere knapp 4.000 sind für 2026 verbindlich beauftragt.
