Space-Mining: Der Rohstoffrausch im Weltall beginnt

Space-Mining: Der Rohstoffrausch im Weltall beginnt

Aus Science-Fiction wird ein Milliardenmarkt

Was lange nach Hollywood klang, hat sich 2026 in ein reales Geschäftsfeld verwandelt. Private Unternehmen bauen Maschinen, die Rohstoffe von Asteroiden und vom Mond zur Erde zurückbringen sollen. Der Branchendienst Mordor Intelligence beziffert den weltweiten Space-Mining-Markt für 2026 auf 3,07 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 2,86 Milliarden Euro. Bis 2031 soll das Volumen auf 7,39 Milliarden Dollar (rund 6,88 Milliarden Euro) wachsen, bei einer jährlichen Wachstumsrate von 19,2 Prozent.

Der Analysedienst ResearchAndMarkets sieht den enger gefassten Asteroidenbergbau-Markt sogar noch dynamischer. 2,05 Milliarden Dollar 2025, 5,42 Milliarden Dollar 2030, Wachstum von 21,4 Prozent pro Jahr. Noch fließt dieses Geld fast ausschließlich in Forschung, Prototypen und Prospektions-Missionen. Abgebaut wurde bisher kein einziges Gramm kommerziell. Aber die ersten Testflüge laufen, und die Branche organisiert sich.

Platin von Asteroiden, Helium-3 vom Mond

Zwei Rohstoffgruppen treiben das Geschäft. Auf erdnahen Asteroiden, besonders den metallreichen M-Typ-Objekten, vermuten Geologen enorme Mengen an Platingruppenmetallen. Platin, Palladium, Rhodium, Iridium und Co. werden auf der Erde nur in wenigen Ländern gefördert, vor allem in Südafrika und Russland. Gleichzeitig braucht die Industrie sie für Katalysatoren, Elektronik und Wasserstofftechnologie. Das kalifornische Startup AstroForge rechnet vor, dass die Margen beim Erdabbau bei rund sieben Prozent liegen. Auf Asteroiden könnten sie theoretisch 85 Prozent erreichen. Vorausgesetzt natürlich, die Technik funktioniert.

Beim Mond geht es um etwas anderes. Helium-3, ein seltenes Isotop, das der Sonnenwind über Milliarden Jahre in die Mondoberfläche eingelagert hat. Das Seattler Startup Interlune baut zusammen mit dem Landmaschinenhersteller Vermeer an einem Prototyp, der 100 Tonnen Mondstaub pro Stunde verarbeiten soll. Das Unternehmen spricht davon, bereits Vorbestellungen im Wert von über einer halben Milliarde Dollar (etwa 466 Millionen Euro) in den Büchern zu haben. Ein Großkunde ist die finnische Firma Bluefors, die Kältesysteme für Quantencomputer baut und bis zu 10.000 Liter Helium-3 pro Jahr abnehmen will. Weitere Anwendungen sind medizinische Bildgebung, Neutronendetektoren und perspektivisch Kernfusion.

Hinzu kommt eine dritte Ressource, die selten im Rampenlicht steht. Wasser. In den Polkratern des Mondes liegt Eis, das sich in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten lässt. Also Raketentreibstoff. Wer Tanken im All anbietet, muss nicht jedes Kilo Sprit teuer von der Erde hochfliegen. Die Branche nennt das "Space-for-Space", im Gegensatz zum Rohstoff-Rücktransport zur Erde.

Die Startups im Rennen um die erste Weltraum-Mine

AstroForge hat 2022 in Huntington Beach bei Los Angeles den Anfang gemacht. Rund 13 Millionen Dollar Seed-Kapital, eine Mitarbeitertruppe um die zwanzig Ingenieure, und mittlerweile zwei Missionen. Der erste Satellit Brokkr-1 startete 2023 und verlor den Funkkontakt. Die zweite Sonde Odin flog im Februar 2025 als Mitfahrer auf einer SpaceX-Rakete Richtung Asteroid 2022 OB5 und bekam ebenfalls Kommunikationsprobleme. Für 2026 plant AstroForge mit der Mission Vestri die erste private Landung auf einem Himmelskörper außerhalb des Mond-Erde-Systems. Ambitioniert. Hochriskant.

In Colorado sitzt Karman+, das ebenfalls 2026 zu einem Asteroiden starten und Grabausrüstung testen will. TransAstra baut Teleskope und Software zum Aufspüren interessanter Objekte. Die chinesische Origin Space hat einen Beobachtungssatelliten im Erdorbit und testet Mining-Technik im Kleinen. Die britische Asteroid Mining Corporation hat mit ihrer SCAR-E ein sechsbeiniges Roboterwesen entwickelt, das 2026 auf dem Mond Bodenproben nehmen soll. Weil das Geld im All schnell verbrannt ist, vermietet das Unternehmen seine Roboter vorerst zur Inspektion von Schiffsrümpfen auf der Erde. Ein Nebengeschäft, das die Kasse füllt, bis die echte Mission reif ist.

Interlune zieht auf dem Mond eine andere Spur. Gründer Rob Meyerson war früher Präsident von Jeff Bezos' Raumfahrtfirma Blue Origin. Mit im Team sitzt Harrison Schmitt, Geologe und Apollo-17-Astronaut. Bislang 18 Millionen Dollar eingesammelt, dazu Aufträge vom US-Militär und der NASA. Eine Kartierungsmission zum lunaren Südpol soll 2026 Helium-3-Vorkommen vermessen, 2027 folgt eine Probenahme, ab 2029 eine Pilotanlage, der erste kommerzielle Abbau Anfang der 2030er Jahre. So weit der Plan.

Japan mischt mit ispace mit, die USA mit Magna Petra. Und dann gibt es die Zulieferer. Rocket Lab bringt die Nutzlasten ins All und hat 2025 einen Umsatz von 602 Millionen Dollar gemeldet, ein Plus von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Intuitive Machines hat sich auf Mondlandungen spezialisiert, kam 2025 auf 210 Millionen Dollar Umsatz und meldet nach einer Übernahme einen Auftragsbestand von 943 Millionen Dollar. Beide Firmen werden wichtiger, je mehr Missionen die Mining-Startups planen.

Juristisches Niemandsland mit nationalem Flickenteppich

Wem gehört eigentlich ein Asteroid? Juristisch bleibt die Frage heikel. Der Weltraumvertrag von 1967, den auch Deutschland unterzeichnet hat, erklärt das Weltall zum Erbe der Menschheit. Kein Staat darf den Mond oder einen Asteroiden für sich beanspruchen. Über private Firmen und geschürfte Rohstoffe schweigt der Vertrag allerdings. Diese Lücke nutzen einzelne Länder.

2015 verabschiedete der US-Kongress den Commercial Space Launch Competitiveness Act. US-Bürger dürfen seitdem im All gewonnene Rohstoffe besitzen. Luxemburg zog 2017 nach und bietet seither Firmen, die sich im Großherzogtum ansiedeln, Eigentum an extraterrestrischen Rohstoffen an. Italien hat 2025 ein eigenes Weltraumgesetz verabschiedet, die EU-Kommission arbeitet an einer Harmonisierung, Deutschland wird ebenfalls über einen nationalen Rahmen diskutiert. Stephan Hobe, Direktor des Instituts für Luft- und Weltraumrecht in Köln, hält die nationalen Alleingänge übrigens für völkerrechtswidrig.

Dazu kommen die Artemis Accords, ein von den USA angeführtes Rahmenwerk mit mittlerweile über 60 Unterzeichnerstaaten, darunter Deutschland seit 2023. China und Russland machen nicht mit und haben eigene Regeln angekündigt. Die Folge ist eine Zweiteilung des Weltraumrechts, ähnlich wie bei Handelsabkommen auf der Erde. Für Investoren bedeutet das ein Klumpenrisiko. Wer im falschen Rechtsraum operiert, riskiert im Streitfall Enteignung oder Sanktionen.

Was das Thema für Anleger bedeutet

Direkt in Space-Mining investieren geht an der Börse noch nicht. AstroForge, Interlune, Karman+ und die anderen sind allesamt privat finanzierte Startups, meist über Wagniskapital. Wer dabei sein will, kann aktuell nur indirekt mitfahren. Rocket Lab (RKLB) und Intuitive Machines (LUNR) sind die offensichtlichsten Namen, beide an der Nasdaq gelistet. Rocket Lab bringt die Satelliten ins All und ist ein Pflicht-Zulieferer für fast alle Mining-Missionen. Intuitive Machines setzt stärker auf Mondlandungen und NASA-Verträge. Beide Aktien sind 2025 und 2026 deutlich gelaufen, die Bewertungen entsprechend sportlich.

Ein zweiter Weg führt über die terrestrischen Profiteure. Wenn Space-Mining in den 2030er Jahren tatsächlich Rohstoffe zur Erde bringt, könnten die Preise von Platin, Palladium und bestimmten Seltenen Erden mittelfristig unter Druck geraten. Kurzfristig aber passiert das Gegenteil. China hat im ersten Quartal 2026 die Preise für Seltenerdoxide laut Branchendienst Digitimes um über 44 Prozent erhöht. Westliche Minenbetreiber wie MP Materials oder Lynas Rare Earths profitieren von dieser Knappheit. Genau diese Knappheit ist auch der ökonomische Treiber hinter dem Space-Mining-Boom.

Wer spekulativer unterwegs sein will, kann über thematische ETFs nachdenken. Fonds wie der Procure Space ETF (UFO) oder der ARK Space Exploration & Innovation ETF (ARKX) bündeln Raumfahrtaktien und geben ein breites Engagement. Reine Mining-ETFs für den Weltraum gibt es noch nicht. Das Feld ist zu jung, die Umsätze zu gering. Klar sollte jedem sein: Der Zeithorizont liegt bei zehn Jahren und mehr, das Totalausfallrisiko einzelner Startups ist hoch, und technische Rückschläge sind die Regel, nicht die Ausnahme.

Der Weg zur ersten echten Weltraum-Mine

Bis tatsächlich Rohstoffe industriell aus dem All geliefert werden, muss sehr viel klappen. Interlune peilt die 2030er Jahre an, AstroForge will vorher erste Proben heimbringen. Was 2026 auf dem Spiel steht, sind die ersten Demonstrationsmissionen. Wenn Vestri zum Asteroiden kommt und verwertbare Daten liefert, wenn Interlunes Kartierungssonde brauchbare Helium-3-Messungen abliefert, wenn Karman+ seine Grabtechnik erfolgreich testet, ändert sich das Bild rasch. Kommen mehrere Missionen hintereinander zurück mit leeren Händen oder kaputten Sonden, kühlt der Hype deutlich ab.

Aus wirtschaftlicher Sicht ist Space-Mining heute das, was die Internet-Branche Mitte der 1990er Jahre war. Viele Visionen, wenige Umsätze, ein paar laute Gründer. Ob daraus ein Google oder ein Webvan wird, entscheidet sich in den nächsten Jahren. Unsere Einschätzung: Für Privatanleger lohnt es sich, das Thema auf dem Radar zu behalten und einzelne Entwicklungen im Auge zu halten. Der große Coup ist es heute noch nicht. Aber er könnte kommen.