Intel überrascht den Markt mit einem Blowout-Quartal
Lange hat es bei Intel (NASDAQ: INTC) so eine Reaktion nicht gegeben. Der Halbleiterkonzern aus Santa Clara hat am Donnerstagabend seine Zahlen für das erste Quartal 2026 vorgelegt und die Wall Street regelrecht überrumpelt. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 7 Prozent auf 13,6 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt nur mit 12,42 Milliarden gerechnet.
Beim Gewinn ist die Diskrepanz noch krasser. Auf bereinigter Basis verdiente Intel 29 Cent pro Aktie. Der Konsens lag bei einem Cent. Das entspricht einem Beat von 2.800 Prozent. Auf GAAP-Basis steht zwar weiterhin ein Verlust von 73 Cent pro Aktie, der vor allem aus den hohen Investitionen in die Foundry-Sparte resultiert. Doch die operative Erholung ist unverkennbar. Es ist das sechste Quartal in Folge, in dem Intel die eigenen Prognosen schlägt.
Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend heftig aus. Im regulären Handel hatte die INTC-Aktie noch bei 66,78 Dollar geschlossen. Im After-Hours-Handel schoss sie um über 22 Prozent nach oben und durchbrach die Marke von 81 Dollar. Damit nimmt Intel zum ersten Mal seit der Dotcom-Blase wieder das alte Allzeithoch ins Visier. Im August 2000 hatte die Aktie bei 74,88 Dollar geschlossen, ein Rekord, der zwei Jahrzehnte unangetastet blieb.
Das Datacenter-Geschäft trägt das Comeback
Der eigentliche Motor des Quartals sitzt in einer Sparte, die viele Anleger schon abgeschrieben hatten. Das Datacenter- und KI-Geschäft brachte 5,1 Milliarden Dollar an Umsatz, ein Plus von 22 Prozent zum Vorjahr. Die Wall Street hatte hier mit 4,41 Milliarden gerechnet. Der Grund liegt in einer Verschiebung, die Intel jahrelang nicht für sich nutzen konnte. Die boomende Nachfrage nach KI-Anwendungen treibt nicht mehr nur den Verkauf von GPU-Beschleunigern bei Nvidia. Sie zieht auch klassische CPUs mit nach oben, weil jeder KI-Server eine Recheneinheit braucht, die die GPUs ansteuert.
CEO Lip-Bu Tan brachte es im Earnings Call auf den Punkt. Die CPU positioniere sich neu als unverzichtbare Grundlage des KI-Zeitalters. Diese Aussage ist mehr als Marketing. Intel hat im März seine neuen Xeon-6+-Server-Prozessoren auf den Markt gebracht, die auf der hauseigenen Intel-3-Fertigung basieren. Schon kurz danach gab Google bekannt, mehrere Generationen dieser Chips für KI-Workloads in den eigenen Rechenzentren einzusetzen. Das ist ein wichtiger Vertrauensbeweis von einem Hyperscaler, der auch eigene KI-Chips entwickelt.
Parallel läuft der Verkauf der neuen Core-Ultra-Series-3-Notebook-Prozessoren, die als erste Produkte aus der modernen 18A-Fertigung stammen. Beide Produktlinien sind nach Intel-Angaben in vollem Hochlauf und stellen den schnellsten Ramp-up neuer Chips seit fünf Jahren dar. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Im Earnings Call sagte CFO David Zinsner, man arbeite weiter daran, das Fabriknetz für die kommenden Quartale auszulasten und mehr Wafer zu liefern.
Die Foundry kämpft sich aus den roten Zahlen
Der zweite große Schauplatz ist die Foundry-Sparte, mit der Intel zum Auftragsfertiger werden will. Hier liegen kurzfristig die größten Verluste, langfristig aber auch die größte Chance. Der Umsatz lag im ersten Quartal bei 5,4 Milliarden Dollar, ein Plus von 16 Prozent zum Vorjahr und 20 Prozent zum Vorquartal. Davon kamen allerdings nur 174 Millionen Dollar von externen Kunden. Der Rest stammt aus internen Aufträgen, also Chips, die Intel in den eigenen Fabriken für die eigenen Produkte fertigt.
Der operative Verlust der Foundry lag bei 2,4 Milliarden Dollar. Das ist immer noch eine schmerzhafte Zahl, aber 72 Millionen Dollar besser als im Vorquartal. Wichtiger ist, was unter der Oberfläche passiert. Die Yields, also die Ausbeute funktionierender Chips pro Wafer, verbessern sich nach Intel-Angaben um 7 bis 8 Prozent pro Monat. Das senkt die Stückkosten Quartal für Quartal.
Die eigentliche Story spielt in den nächsten zwei Jahren. Intel will mit dem 14A-Prozess die nächste Generation an Fertigungstechnologie anbieten und damit gegen den taiwanischen Marktführer TSMC antreten. Tan bestätigte, dass mehrere große Kunden den 14A-Prozess aktuell aktiv evaluieren. Die Reife des Prozesses liege zum vergleichbaren Zeitpunkt bereits über der von 18A. Im Hintergrund läuft zudem der sogenannte TeraFab-Deal, ein neuartiges Modell, bei dem ein Großkunde möglicherweise die Schlüssel zu einer ganzen Fabrik bekommen könnte. Details nannte Tan dazu nicht, der Hinweis allein sorgte aber im Call für Aufmerksamkeit.
Eine der größten Turnaround-Geschichten der Wall Street
Wer Intel vor 18 Monaten im Depot hatte, kennt das Gefühl der Verzweiflung. Im April 2025 lag die Aktie bei rund 18 Dollar und damit auf dem niedrigsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Die Foundry-Strategie galt als gescheitert, der damalige CEO Pat Gelsinger war zurückgetreten, das Vertrauen der Analysten am Boden. Dann übernahm im März 2025 Lip-Bu Tan, ein erfahrener Halbleiter-Veteran und früherer CEO von Cadence Design Systems.
Was seitdem passiert ist, gehört zu den eindrucksvollsten Wendungen, die der US-Aktienmarkt in den letzten Jahren gesehen hat. Die Aktie ist vom Tief bei 18,97 Dollar inzwischen auf über 81 Dollar gestiegen, ein Plus von rund 330 Prozent in zwölf Monaten. 2025 schloss INTC mit einem Plus von 84 Prozent ab, allein im laufenden Jahr 2026 hat die Aktie vor den Quartalszahlen schon weitere 80 Prozent zugelegt. Die Marktkapitalisierung hat sich von rund 80 Milliarden Dollar auf über 350 Milliarden Dollar mehr als vervierfacht.
Hinter dem Turnaround steht nicht nur die operative Verbesserung. Auch eine Reihe spektakulärer Finanztransaktionen hat geholfen. Nvidia investierte im vergangenen Jahr 5 Milliarden Dollar direkt in Intel und nahm damit eine strategische Beteiligung. Apollo Global Management trat als Partner für eine 14,2-Milliarden-Dollar-Transaktion rund um die Intel-Fabrik in Irland auf. Der Foundry-Auftragsbestand soll inzwischen bei rund 15 Milliarden Dollar liegen. AWS, der Cloud-Riese von Amazon, hat einen mehrstelligen Milliardendeal für Foundry-Kapazitäten unterzeichnet.
Anleger sollten den Bewertungssprung im Auge behalten
Bei aller Euphorie lohnt der nüchterne Blick. Intel bleibt ein Konzern, der auf GAAP-Basis weiterhin Verluste schreibt und in den nächsten Jahren zweistellige Milliardenbeträge in den Aufbau seiner Foundry-Sparte stecken muss. Im ersten Quartal lag der Nettoverlust bei 3,7 Milliarden Dollar. Die Bewertung ist zudem nicht mehr das, was sie noch vor einem Jahr war. Auf Forward-EPS-Basis handelt INTC mittlerweile mit einem klaren Premium gegenüber AMD und Nvidia, gemessen am aktuellen Gewinnniveau.
Unsere Einschätzung: Die operative Wende ist real und verdient die Reaktion. Sechs Quartale in Folge über den eigenen Prognosen zu liefern, ist bei einem Konzern dieser Größe kein Zufall. Die Frage für Anleger lautet jedoch, wie viel von dieser Verbesserung im aktuellen Kurs schon eingepreist ist. Bei einem Plus von über 300 Prozent in zwölf Monaten muss Intel nicht mehr nur Erwartungen schlagen, sondern jedes Quartal weiter beschleunigen, um die Bewertung zu rechtfertigen.
Die größte Wette steckt in der Foundry-Strategie. Sollte Intel es schaffen, mit 14A einen oder zwei große externe Kunden langfristig zu binden und die Sparte bis 2028 in die Nähe des Break-even zu bringen, wäre der Bewertungssprung nachvollziehbar. Sollte das nicht gelingen, würde der Markt die Foundry-Investitionen schnell wieder als Belastung sehen. Im Risikofall müsste Intel sogar den Ausbau von 14A pausieren oder einstellen, eine Möglichkeit, die der Konzern in seinem aktuellen Geschäftsbericht selbst als Risiko nennt. Wer heute einsteigt, wettet darauf, dass Lip-Bu Tan den Foundry-Plan zu Ende bringt.
Q2 wird zum nächsten Lackmustest für die Wachstumsstory
Der Ausblick für das zweite Quartal liefert dem Markt zusätzlichen Treibstoff. Intel rechnet mit einem Umsatz zwischen 13,8 und 14,8 Milliarden Dollar. Die Wall Street hatte im Schnitt nur 13,03 Milliarden erwartet. Die bereinigte Bruttomarge soll bei 39 Prozent liegen, der bereinigte Gewinn pro Aktie bei 20 Cent. Auch hier liegt die Prognose deutlich über dem Konsens von 9 Cent. Damit signalisiert Intel, dass die Erholung kein einmaliger Effekt ist, sondern sich in den kommenden Monaten verstetigen sollte.
Im Fokus stehen jetzt drei Themen. Erstens, ob die Foundry-Sparte den Verlust weiter reduzieren kann und ob es bei externen Aufträgen über die symbolischen 174 Millionen Dollar hinausgeht. Zweitens, ob die Datacenter-Sparte das Tempo von 22 Prozent Wachstum halten kann, sobald die einfachen Vergleichsbasen aus dem Vorjahr wegfallen. Drittens, ob Intel mit dem 14A-Prozess endlich einen Hyperscaler oder Fabless-Designer wie Apple, Qualcomm oder Broadcom als Kunden gewinnen kann. Die nächste Bestätigung dafür könnte schon in den kommenden Wochen kommen, wenn Lip-Bu Tan auf einer der großen Tech-Konferenzen weitere Details zur Foundry-Pipeline nennt. Bis dahin dürfte der Kurs anfällig für Profit Taking sein, denn nach einer solchen Rally sind kurzfristige Korrekturen normal.
