Meta streicht 8.000 Stellen und verdoppelt das KI-Budget

Meta streicht 8.000 Stellen und verdoppelt das KI-Budget

Meta entlässt 10 Prozent der Belegschaft

Nordamerika🎧6 Min.24.04.2026

Mark Zuckerberg räumt auf. Am Donnerstagabend europäischer Zeit verschickte Meta Platforms (NASDAQ: META) eine interne Mitteilung an die rund 78.865 Mitarbeiter weltweit. Der Inhalt hat es in sich. Rund 8.000 Stellen werden gestrichen, das sind etwa 10 Prozent der globalen Belegschaft. Gleichzeitig stoppt der Konzern die Besetzung von 6.000 offenen Positionen, die eigentlich für 2026 vorgesehen waren.

Die Kündigungen werden ab dem 20. Mai wirksam. Personalchefin Janelle Gale begründet den Schritt in dem Memo damit, das Unternehmen wolle effizienter arbeiten und so Spielraum für andere Investitionen schaffen. Welche das sind, daran lässt Meta keinen Zweifel. Die Kürzungen sind Teil eines größeren Umbaus, in dem der Mutterkonzern von Facebook, Instagram und WhatsApp seine Ressourcen massiv in Richtung künstliche Intelligenz verschiebt.

Die betroffenen US-Angestellten erhalten 16 Wochen Grundgehalt als Abfindung plus zwei zusätzliche Wochen pro Beschäftigungsjahr. Internationale Pakete sollen vergleichbar ausfallen. Dass die Welle damit beendet ist, glaubt kaum jemand. Wedbush-Analyst Dan Ives rechnet bereits damit, dass weitere Entlassungsrunden noch in diesem Jahr folgen.

Microsoft zieht parallel die Reißleine

Am gleichen Tag wie Meta verkündete auch Microsoft (NASDAQ: MSFT) einen Schritt, den es in 51 Jahren Firmengeschichte noch nie gegeben hat. Der Konzern bietet erstmals freiwillige Abfindungspakete an. Berechtigt sind US-Mitarbeiter bis zur Ebene Senior Director, deren Lebensjahre und Beschäftigungsjahre zusammen mindestens 70 ergeben. Mit 125.000 US-Angestellten kommen damit rund 8.750 Personen für das Programm infrage, also etwa 7 Prozent der US-Belegschaft.

Das Timing ist kein Zufall. Microsoft hatte bereits 2025 in zwei Wellen rund 15.000 Mitarbeiter entlassen, vor allem in den Bereichen Cloud und Engineering. Auch hier ist der Hintergrund klar. Der Konzern pumpt aktuell rund 145 Milliarden Dollar pro Jahr in KI-Infrastruktur, vor allem in den Ausbau von Azure und die Partnerschaft mit OpenAI.

Was sich in dieser Woche bei Meta und Microsoft abspielt, ist nicht isoliert zu betrachten. Der gesamte Big-Tech-Sektor durchlebt seit Monaten einen Umbau. Amazon hat im Januar 16.000 Stellen gestrichen und dies offen mit Effizienzgewinnen durch KI begründet. Salesforce hat 2025 rund 5.000 Mitarbeiter entlassen, davon allein 4.000 im Kundensupport. CEO Marc Benioff sagte später öffentlich, KI erledige bei Salesforce mittlerweile bis zu 50 Prozent der Arbeit. Google läuft seit Monaten ein Programm mit freiwilligen Abfindungen in den Bereichen Search, Ads und Engineering. Nach Daten der Beratungsfirma Challenger, Gray & Christmas waren KI-bedingte Kürzungen 2025 in den USA für rund 55.000 Stellenstreichungen verantwortlich.

Bis zu 135 Milliarden Dollar für die KI-Maschine

Hinter den Personalkürzungen steht ein Investitionsplan, der selbst für Konzerne dieser Größe historisch ist. Meta hat im Januar angekündigt, im laufenden Geschäftsjahr 2026 zwischen 115 und 135 Milliarden Dollar in Investitionsgüter zu stecken. Im Vergleich zu den 72,2 Milliarden Dollar im Jahr 2025 ist das fast eine Verdopplung. Zur Einordnung, der Mittelwert von 125 Milliarden Dollar liegt höher als das Bruttoinlandsprodukt von über 120 Ländern.

Der Großteil dieser Summe fließt in Rechenzentren. Im Bundesstaat Louisiana baut Meta gerade ein Rechenzentrum namens Hyperion mit anfangs 2 Gigawatt Leistung. Voll ausgebaut soll der Komplex bis zu 5 Gigawatt erreichen und damit eine Fläche bedecken, die laut Zuckerberg einen "bedeutenden Teil von Manhattan" einnehmen würde. Allein die Finanzierung läuft über ein Joint Venture mit Blue Owl Capital im Volumen von 27 Milliarden Dollar. Gegenüber Donald Trump hat Zuckerberg laut US-Medien zugesagt, bis 2028 mehr als 600 Milliarden Dollar in US-Infrastruktur zu investieren.

Dazu kommt der Aufbau der Meta Superintelligence Labs, die im April 2026 erstmals das proprietäre Modell Muse Spark vorgestellt haben. Das ist ein Bruch mit der bisherigen Open-Source-Strategie rund um die Llama-Modelle. Meta will offenbar nicht mehr nur Infrastruktur stellen, sondern selbst monetarisierbare KI-Produkte verkaufen. Die alte Metaverse-Vision ist dabei still und leise beerdigt worden. Im März 2026 wurde Horizon Worlds offiziell eingestellt, mit kumulierten Verlusten der Reality-Labs-Sparte von über 83 Milliarden Dollar seit 2020.

Zuckerberg redet Klartext über das neue Arbeitsmodell

Im Januar hatte Zuckerberg bei der Vorlage der Quartalszahlen einen Satz gesagt, der jetzt rückblickend wie eine Ankündigung wirkt. 2026 sei "das Jahr, in dem KI dramatisch zu verändern beginnt, wie wir arbeiten". Und er legte nach. Man sehe inzwischen Projekte, die früher große Teams gebraucht hätten, die jetzt von einer einzigen sehr talentierten Person erledigt würden.

Das ist die ehrliche Begründung für das, was diese Woche bei Meta passiert. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren tausende Software-Ingenieure eingestellt, viele davon im Bereich KI-Entwicklung. Genau diese Investition zahlt sich jetzt aus, allerdings auf eine Art, die für viele Mitarbeiter bitter ist. Die Werkzeuge, die sie selbst gebaut haben, machen einen Teil ihrer Arbeit überflüssig. Bei Meta laufen interne Coding-Assistenten, die nach Konzernangaben einen wachsenden Anteil des Codes selbst schreiben. Bei Microsoft heißt das gleiche Werkzeug GitHub Copilot. Bei Salesforce sind es Agentforce-Bots, die direkt mit Kunden sprechen.

Die Ironie ist offensichtlich. Die KI-Welle hat in den vergangenen drei Jahren erst tausende neue, hochbezahlte Stellen geschaffen, vor allem für Forscher, ML-Ingenieure und Infrastruktur-Spezialisten. Jetzt frisst sie die anderen Jobs gleich nebenan auf. Wedbush-Analyst Ives bringt es auf den Punkt, Meta nutze KI-Tools, um Aufgaben zu automatisieren, die früher große Teams erforderten, und schaffe so eine schlankere Betriebsstruktur bei gleichbleibender Produktivität.

Die Börse reagiert verhalten skeptisch

Die META-Aktie schloss am Donnerstag bei 659,15 Dollar und damit 2,31 Prozent im Minus. Im nachbörslichen Handel stabilisierte sich der Kurs leicht. Die Marktkapitalisierung liegt damit bei rund 1,67 Billionen Dollar. Auf Sicht von zwölf Monaten bewegt sich die Aktie zwischen 517,50 und 796,25 Dollar, das Allzeithoch wurde im Spätsommer 2025 erreicht. Seitdem hat der Kurs rund 17 Prozent vom Hoch verloren.

Das Forward-KGV liegt aktuell bei etwa 22, deutlich unter dem von Apple (rund 30), Microsoft (rund 32) und Nvidia (über 35). Innerhalb der "Magnificent Seven" ist Meta damit eine der günstigsten Aktien, obwohl der Konzern zuletzt mit 22 Prozent das stärkste Umsatzwachstum gezeigt hat. Die Erklärung für den Abschlag ist das, was Analysten "CapEx-Angst" nennen. Investoren fürchten, dass die enormen KI-Investitionen die Margen drücken und nicht schnell genug zurückverdient werden können. Die operative Marge ist bereits von 48 Prozent in 2024 auf 41 Prozent im vierten Quartal 2025 gefallen.

Der Analystenkonsens bleibt trotzdem klar positiv. Von 39 Analysten, die META covern, empfehlen 54 Prozent "Strong Buy", weitere 41 Prozent "Buy". Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 836 Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von etwa 27 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs entspricht. Bank of America ruft sogar 820 Dollar als Ziel aus. Die Bullen argumentieren, die Stellenkürzungen seien genau das, was es braucht, um die Margen zu stabilisieren, ohne die KI-Wette zu gefährden.

Anleger müssen die Doppelstrategie verstehen

Wer META im Depot hat oder über einen Einstieg nachdenkt, sollte die aktuelle Strategie als zwei Hebel sehen, die gleichzeitig gezogen werden. Auf der einen Seite reduziert Meta aggressiv die Personalkosten. Bei einem durchschnittlichen Vollkosten-Satz von rund 300.000 Dollar pro Mitarbeiter in der Tech-Industrie sind 8.000 Stellen plus 6.000 ungenutzte Hires schnell mehrere Milliarden Dollar an jährlichen Einsparungen. Auf der anderen Seite werden diese Einsparungen sofort wieder in Rechenzentren, Chips und KI-Talente gepumpt.

Unsere Einschätzung: Das ist genau die Wette, die Zuckerberg seit drei Jahren konsequent fährt. Er glaubt, dass derjenige, der zuerst eine echte "persönliche Superintelligenz" baut, das nächste Plattform-Zeitalter gewinnt. Wer das nicht glaubt, sollte die Aktie meiden, denn die Bewertung lebt von dieser Vision. Wer es glaubt, bekommt aktuell ein Unternehmen mit 22 Prozent Umsatzwachstum zum niedrigsten Forward-KGV der Magnificent Seven.

Der Haken bleibt das Reality-Labs-Segment. Die kumulierten Verluste von über 83 Milliarden Dollar sind ein Mahnmal dafür, was passiert, wenn ein Tech-Konzern jahrelang gegen die eigenen Nutzer wettet. Sollte das gleiche Muster jetzt bei der KI-Investition auftreten, wäre der Schaden ungleich größer. Wir glauben, dass die nächsten zwölf Monate über die Glaubwürdigkeit der gesamten Magnificent-Seven-CapEx-Erzählung entscheiden werden. Meta steht dabei besonders im Fokus, weil der Konzern weniger Cloud-Drittgeschäft hat als Microsoft oder Amazon und damit stärker auf interne Monetarisierung über Werbung angewiesen ist.

Q1-Zahlen am 29. April werden zum Lackmustest

Der nächste große Termin steht schon nächste Woche im Kalender. Am 29. April nach US-Börsenschluss legt Meta die Zahlen für das erste Quartal 2026 vor. Das Unternehmen hat den Umsatz auf 53,5 bis 56,5 Milliarden Dollar prognostiziert, was über den bisherigen Wall-Street-Erwartungen lag. Der Markt wird genau auf zwei Punkte achten. Erstens, ob die Werbeumsätze über die Advantage+-KI-Plattform weiter so stark wachsen wie bisher. Zweitens, ob das Management die CapEx-Spanne von 115 bis 135 Milliarden Dollar bestätigt oder sogar nach oben revidiert.

Spannend wird auch, wie Zuckerberg selbst die Stellenkürzungen einordnet. Kurz vor Quartalszahlen so eine Welle anzukündigen, ist kein Zufall. Es signalisiert dem Markt, dass das Management bereit ist, harte Entscheidungen zu treffen, um die Margen zu schützen. Sollten die Q1-Zahlen die hohen Erwartungen verfehlen, dürfte die Aktie unter Druck geraten. Bestätigen sie dagegen das KI-Wachstum, könnte das die nächste Rallye in Richtung Allzeithoch einläuten. Der Kursbereich um 800 Dollar wäre dann wieder in Sichtweite.