Sezzle setzt seinen Höhenflug mit 14 Prozent Tagesplus fort

Hand hält ein Smartphone an ein Bezahlterminal mit Kontaktlos-Symbol als Bezug zum Kurssprung der Fintech-Aktie Sezzle

Ein Kurssprung krönt die Rally des Jahres

Nordamerika💰4 Min.15.07.2026

Die Aktie von Sezzle (NASDAQ: SEZL) hat am Dienstag um 13,82 Prozent auf 182,39 Dollar zugelegt. Der Zahlungsdienstleister aus Minneapolis gehörte damit erneut zu den auffälligsten Gewinnern an der Nasdaq. Am Vortag hatte das Papier noch bei 160,25 Dollar geschlossen. Rückenwind kam vom Gesamtmarkt, der Nasdaq Composite legte nach freundlichen Inflationsdaten um 0,9 Prozent zu.

Für Sezzle-Aktionäre reiht sich der Tag in eine beeindruckende Serie ein. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs fast verdreifacht, Anfang Juli lag das Plus bereits bei rund 179 Prozent. Damit führt der Anbieter von Ratenzahlungen die Gewinnerliste im US-Finanzsektor an, noch vor anderen Highflyern wie der Banking-App Dave oder dem Kreditvermittler Enova. Was hinter dem jüngsten Schub steckt, hat diesmal weniger mit dem Unternehmen selbst zu tun als mit der großen Zinswende-Hoffnung.

Kühle Inflationsdaten beflügeln die Ratenzahler

Am Dienstagmorgen meldete die US-Statistikbehörde Verbraucherpreise für Juni, die auf breiter Front niedriger ausfielen als erwartet. Prompt sanken die Renditen am Anleihemarkt und die Wetten auf Zinssenkungen der Notenbank nahmen zu. Für ein Unternehmen wie Sezzle ist das doppelt gute Nachricht. Sinkende Zinsen verbilligen die Refinanzierung des Kreditbuchs, und eine Entlastung der Verbraucher senkt das Risiko von Zahlungsausfällen. Genau diese beiden Stellschrauben entscheiden im Geschäft mit Buy now, pay later, zu Deutsch kaufe jetzt und zahle später, über die Marge.

Dazu kam eine kleine Meldung aus dem Unternehmen selbst. Sezzle kündigte am Dienstag an, die Zahlen zum zweiten Quartal am 6. August nach US-Börsenschluss vorzulegen. Harte Neuigkeiten waren das nicht, aber die Erinnerung an den nächsten Termin dürfte einige Anleger animiert haben, sich vor dem Bericht zu positionieren. Nach zwei starken Quartalen in Folge spekuliert der Markt erkennbar auf die nächste positive Überraschung. Wer sich an die Prognoseerhöhung vom Mai erinnert, versteht die Logik dahinter, auch wenn Vergangenheit an der Börse bekanntlich keine Garantie für die Zukunft ist.

Vom belächelten Nischenanbieter zum Gewinnbringer

Sezzle wurde 2016 gegründet und bietet Händlern in den USA und Kanada Ratenzahlungen an der Kasse an. Das Kernprodukt teilt den Kaufbetrag in vier zinsfreie Raten über sechs Wochen, verdient wird vor allem an Händlergebühren und an Abo-Diensten wie Sezzle Anywhere, mit denen Kunden die virtuelle Karte überall einsetzen können. Die Zielgruppe ist jung, kreditkartenskeptisch und wächst schnell. Kurios ist die Börsenhistorie, denn Sezzle notierte zunächst jahrelang in Australien, bevor das Unternehmen sein Heimatlisting an die Nasdaq verlegte. Inzwischen baut der Konzern die App zur Shopping-Plattform aus, die mit KI-gestützten Produktempfehlungen zusätzliche Käufe anstoßen soll. Neue Partnerschaften wie mit dem Autoteile-Händler RockAuto und dem Campus-Ausstatter Follett verbreitern das Händlernetz.

Die Zahlen geben der Strategie recht. 2025 steigerte Sezzle den Umsatz um 66 Prozent auf 450,3 Millionen Dollar und verdiente dabei 133,1 Millionen Dollar. Im ersten Quartal 2026 lag der Umsatz mit 135,5 Millionen Dollar klar über den erwarteten 129,2 Millionen Dollar, das Handelsvolumen über die Plattform kletterte um 37,3 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar. Die Zahl der zahlenden Abonnenten wuchs um 48,4 Prozent, die durchschnittliche Kauffrequenz erreichte mit 7,1 Transaktionen pro Quartal einen Firmenrekord. Das Management hob daraufhin die Umsatzprognose für 2026 auf ein Wachstum von 30 bis 35 Prozent an, zuvor waren 25 bis 30 Prozent angepeilt. Zur Finanzierung des Wachstums steht seit Mai eine neue Kreditfazilität über 300 Millionen Dollar mit dem Vermögensverwalter Mesirow bereit.

Analysten kommen mit dem Kurs kaum hinterher

Die Wall Street rennt der Rally regelrecht hinterher. Needham hob sein Kursziel nach den Quartalszahlen auf 122 Dollar an, B. Riley auf 141 Dollar, Keefe Bruyette und Woods zuletzt sogar auf 190 Dollar. Bemerkenswert ist, dass gleich zwei Häuser die Aktie trotz höherer Kursziele herabstuften. Oppenheimer senkte sein Votum ausdrücklich nur wegen der Bewertung, Keefe Bruyette zog mit derselben Begründung nach. Das mittlere Kursziel der beobachtenden Analysten liegt mit rund 164 Dollar inzwischen unter dem aktuellen Kurs.

Die Bewertung hat sich entsprechend ausgedehnt. Auf Basis der letzten zwölf Monate kostet die Aktie etwa das 43-fache des Gewinns. Für ein Unternehmen mit über 40 Prozent Gewinnwachstum ist das kein absurdes Niveau, aber der Puffer für Enttäuschungen schrumpft mit jedem Kurssprung. Auch intern wird Kasse gemacht, Insider verkauften in den letzten drei Monaten Aktien im Wert von rund 17,5 Millionen Dollar.

Starkes Geschäft, sportlicher Preis

Wer die Aktie hält, kann sich auf ein operativ intaktes Wachstumsunternehmen stützen. Sezzle wächst schneller als die meisten Wettbewerber, verdient dabei Geld und hat mit dem Abo-Modell eine Einnahmequelle gefunden, die weniger stark am Kreditrisiko hängt. Aus unserer Sicht liegt das Hauptrisiko woanders. Nach fast 180 Prozent Kursplus seit Januar preist der Markt eine nahezu fehlerfreie Zukunft ein. Schwächere Kreditkennzahlen, ein enttäuschendes Quartal oder ein Umschwung bei den Zinserwartungen könnten heftige Rücksetzer auslösen, wie sie bei diesem Wert schon öfter zu sehen waren. Auch mehrere US-Kanzleien prüfen derzeit öffentlichkeitswirksam mögliche Ansprüche gegen den Verwaltungsrat, was zwar zum Standardrepertoire bei heiß gelaufenen Aktien gehört, die Nervosität aber erhöhen kann.

Dazu bleibt der Wettbewerb hart. Affirm, Klarna, PayPal und Afterpay kämpfen um dieselben Händler und Kunden, und die Branche steht unter wachsender Beobachtung der Regulierer. Kurzfristig handelt die Aktie zudem stark im Takt der Zinserwartungen, was der Dienstag eindrucksvoll gezeigt hat. Dreht der Wind bei den Inflationsdaten, dreht er meist auch bei Sezzle.

Der 6. August wird zum Gradmesser

Alle Blicke richten sich nun auf den Quartalsbericht am 6. August. Entscheidend wird, ob das Handelsvolumen weiter mit über 30 Prozent wächst, wie sich die Ausfallraten im Kreditbuch entwickeln und ob das Management die erst im Mai erhöhte Prognose erneut anheben kann. Nach der Kursrally dürfte der Markt auf jedes Detail empfindlich reagieren. Historisch schwankt die Aktie an Berichtstagen zweistellig, in beide Richtungen, weshalb kurzfristig orientierte Anleger den Termin fest im Kalender haben sollten.

Danach folgt ein dichter Konferenzkalender mit Auftritten bei Needham am 13. August sowie bei Oppenheimer und FT Partners Mitte September. Auch der schwelende Kartellstreit, in dem ein Gericht Sezzles zentrale Monopolvorwürfe gegen einen großen Plattformbetreiber zur Verhandlung zugelassen hat, könnte für Schlagzeilen sorgen. Langweilig wird es bei diesem Wert also so schnell ganz sicher nicht.