Sonderdividende von 3,25 Dollar treibt National Beverage an

Verschiedene Getränkeflaschen und -dosen unterschiedlicher Marken auf einem Regal als Bezug zur Getränkebranche rund um die Sonderdividende

Ein Kurssprung trotz schwacher Zahlen

Nordamerika🏷️4 Min.02.07.2026

Die Aktie von National Beverage (NASDAQ: FIZZ) ist am Donnerstag kräftig gestiegen. Gegen Mittag New Yorker Zeit notierte das Papier rund 13 Prozent im Plus bei knapp 35 Dollar. Zum vorherigen Schlusskurs von 31 Dollar bedeutet das einen deutlichen Sprung. Hinter dem Unternehmen steckt der Hersteller von LaCroix, der bekanntesten Sprudelwasser-Marke der USA.

Der Auslöser kam am Mittwochabend nach US-Börsenschluss. National Beverage legte die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor und verkündete gleichzeitig eine Sonderdividende von 3,25 Dollar je Aktie. Bemerkenswert ist die Reaktion der Anleger. Denn beim Umsatz und beim Gewinn verfehlte das Unternehmen die Erwartungen der Wall Street. Trotzdem greifen Investoren zu. Der Grund liegt fast vollständig in der üppigen Ausschüttung.

Warum die Sonderdividende so viel Gewicht hat

Eine Sonderdividende ist eine einmalige Zahlung an die Aktionäre, zusätzlich zu einer möglichen regulären Dividende. National Beverage zahlt keine laufende Dividende, sondern greift stattdessen alle paar Jahre tief in die Kasse. Die jetzt beschlossenen 3,25 Dollar entsprechen rund 10,5 Prozent des Kurses vom Vortag. Damit erklärt allein die Ausschüttung den größten Teil des heutigen Anstiegs.

Wer die Aktie am Stichtag 13. Juli im Depot hält, bekommt die 3,25 Dollar bis spätestens 30. Juli ausgezahlt. Wichtig für das Verständnis ist der sogenannte Ex-Tag. An diesem Tag wird die Aktie erstmals ohne Anspruch auf die Dividende gehandelt, und der Kurs sinkt üblicherweise um ungefähr den ausgeschütteten Betrag. Die Sonderdividende ist also kein geschenktes Geld. Sie verschiebt lediglich Kapital aus der Firmenkasse in die Depots der Aktionäre.

Für National Beverage hat diese Praxis Tradition. Nach eigenen Angaben ist es bereits die dreizehnte Sonderausschüttung in 22 Jahren. Zusammengerechnet flossen so 19,78 Dollar je Aktie und mehr als 1,8 Milliarden Dollar an die Anteilseigner. Zuletzt gab es im Juli 2024 ebenfalls 3,25 Dollar, damals summierte sich die Zahlung auf gut 304 Millionen Dollar. Möglich macht das eine schuldenfreie Bilanz mit einem Cash-Bestand von zuletzt 349,5 Millionen Dollar.

Die Geschäftszahlen im Detail

Bei den nackten Zahlen lief das Schlussquartal weniger rund. Für die drei Monate bis Anfang Mai meldete National Beverage einen Gewinn von 0,43 Dollar je Aktie. Analysten hatten im Schnitt mit rund 0,48 Dollar gerechnet. Der Umsatz lag bei 297,1 Millionen Dollar und verfehlte die erwarteten 302,3 Millionen ebenfalls leicht.

Auch im Gesamtjahr ging es minimal bergab. Der Jahresumsatz sank auf 1,18 Milliarden Dollar, nach 1,20 Milliarden im Vorjahr. Der Nettogewinn fiel von 186,8 auf 183,6 Millionen Dollar, der Gewinn je Aktie von 1,99 auf 1,96 Dollar. Ein Teil des Rückgangs erklärt sich technisch, weil das Vorjahr eine Woche länger war. Die Bruttomarge blieb mit 37 Prozent stabil, was für die Preissetzungsmacht der Marke spricht.

Das Gesamtbild zeigt ein Unternehmen, das seit Jahren auf der Stelle tritt. Der Umsatz bewegt sich seit geraumer Zeit um die 1,2 Milliarden Dollar, echtes Wachstum fehlt. Dass die Aktie die Verfehlung so gelassen wegsteckt, liegt an ihrem Charakter. Getränkehersteller gelten als defensiv, die Nachfrage schwankt kaum mit der Konjunktur. In Kombination mit der fetten Sonderdividende wiegt der kleine Ausrutscher bei den Quartalszahlen für viele Anleger wenig.

LaCroix und der Kampf um das Sprudelwasser

National Beverage stammt aus Fort Lauderdale in Florida und wurde 1985 von Nick Caporella gegründet. Das Herzstück ist LaCroix, eine Marke für aromatisiertes Sprudelwasser ohne Zucker und Kalorien, die den größten Teil des Konzernumsatzes trägt. Daneben gehören Limonaden wie Shasta und Faygo, der Energydrink Rip It sowie mehrere Saftmarken zum Portfolio. Caporella hatte LaCroix Mitte der Neunziger übernommen und über Jahre am unteren Regal der Getränkeabteilung geparkt.

Der große Durchbruch kam ab 2013. Junge Konsumenten kehrten dem zuckrigen Softdrink den Rücken und griffen zum kalorienfreien Sprudel. Getrieben von bunten Dosen und einer starken Präsenz in den sozialen Medien vervielfachte sich der LaCroix-Umsatz innerhalb weniger Jahre. Laut Marktschätzungen zählt die Marke bis heute zu den Marktführern beim Sprudelwasser in den USA, auch wenn National Beverage genaue Absatzzahlen unter Verschluss hält.

Der leichte Vorsprung ist längst umkämpft. Coca-Cola drängt mit Topo Chico und AHA in den Markt, PepsiCo mit der Marke bubly, dazu kommt Keurig Dr Pepper. Besonders schmerzhaft sind die günstigen Eigenmarken der Supermärkte, die LaCroix beim Preis unterbieten. Parallel wächst eine neue Konkurrenz aus funktionalen Limonaden mit Ballaststoffen heran, etwa Olipop oder Poppi. PepsiCo schluckte Poppi im Jahr 2025 und unterstreicht damit, wie hart der Wettbewerb um gesundheitsbewusste Trinker geworden ist. National Beverage hält dagegen mit neuen Geschmacksrichtungen, gezieltem Marketing und Partnerschaften im Frauensport, verzichtet aber auf teure Werbeschlachten.

Was der Kurssprung für Anleger bedeutet

Ein Detail sollte jeder kennen, der sich für die Aktie interessiert. Caporella kontrolliert als Gründer und langjähriger Chef rund 74 Prozent der Anteile. Der frei handelbare Streubesitz ist entsprechend klein. Das hat zwei Folgen. Zum einen bewegt sich der Kurs bei größeren Nachrichten oft heftig, weil wenige Aktien den Markt bestimmen. Zum anderen deckt kaum ein Analyst den Wert ab. Praktisch nur ein einziges Haus verfolgt FIZZ aktiv und steht der Aktie mit einer Verkaufsempfehlung skeptisch gegenüber.

Genau hier liegt der Widerspruch des heutigen Tages. Das durchschnittliche Kursziel der wenigen Beobachter liegt bei rund 33 Dollar. Mit dem Sprung auf knapp 35 Dollar notiert die Aktie also bereits über dieser Marke. Unsere Einschätzung fällt daher zurückhaltend aus. Der Reiz von National Beverage liegt in der schuldenfreien Bilanz und den regelmäßigen Sonderdividenden, nicht in Wachstum. Wer wegen der Ausschüttung einsteigt, sollte bedenken, dass ein guter Teil des Kursgewinns am Ex-Tag rechnerisch wieder verschwindet. Die niedrige Schwankungsbreite mit einem Beta von 0,73 macht das Papier eher zu einem ruhigen Depotbaustein als zu einer Wachstumswette.

Was als nächstes wichtig wird

Der erste Termin im Kalender ist der 13. Juli, der Stichtag für die Sonderdividende. Rund um den anschließenden Ex-Tag lohnt der Blick auf den Kurs, der die Ausschüttung dann einpreist. Danach richtet sich die Aufmerksamkeit auf das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres, dessen Zahlen National Beverage traditionell im September vorlegt. Der Sommer ist für den Sprudelhersteller stets die stärkste Phase und gilt als Fingerzeig für den weiteren Jahresverlauf.

Entscheidend wird, ob die neuen Geschmacksrichtungen und das Marketing die Verkäufe wieder ankurbeln oder ob die günstige Konkurrenz weiter Marktanteile abknabbert. Offen bleibt zudem die Frage der Nachfolge, denn der Konzern hängt eng an seinem betagten Gründer. Solange National Beverage jedoch verlässlich Bargeld abwirft, dürften die Sonderdividenden das schlagende Argument für die Aktie bleiben.