SL Science bricht nach wildem Börsendebüt ein

Behandschuhte Hände ziehen mit einer Spritze Flüssigkeit aus einem Fläschchen, im Hintergrund Probenständer, als Bezug zum Biotech-Wert SL Science

SL Science bricht nach wildem Börsendebüt ein

Asien⚕️3 Min.18.06.2026

Ein Börsenstart kann auch zum Albtraum werden. SL Science Holding Limited (NASDAQ: SLBT) liefert dafür gerade ein Lehrstück. Erst am 15. Juni nahm die Aktie den Handel an der Nasdaq auf. Wenige Tage später ist von der anfänglichen Euphorie wenig übrig. Am 17. Juni schloss das Papier bei 6,38 Dollar und damit rund 28 Prozent im Minus. Vorbörslich am 18. Juni ging es um weitere knapp 18 Prozent abwärts auf 5,25 Dollar.

Hinter dem Kürzel SLBT steckt ein Biomedizin-Unternehmen aus Taiwan, früher unter dem Namen SL BIO bekannt. Die Firma forscht an Zell- und Gentherapien gegen Krebs und verkauft daneben Kosmetikprodukte. Trotz der jüngsten Verluste bringt das Unternehmen noch immer rund 3,6 Milliarden Dollar auf die Waage. Die Aktie hat in ihrer kurzen Geschichte bereits zwischen 3 und über 14 Dollar geschwankt.

Das alles hat wenig mit dem operativen Geschäft zu tun. Im Mittelpunkt steht ein überhitztes Börsendebüt, das sich nun abkühlt.

Vom SPAC-Deal an die Nasdaq

Den Weg an die Börse ging SL Science nicht über einen klassischen Börsengang. Stattdessen nutzte die Firma eine Mantelgesellschaft, einen sogenannten SPAC. Ein SPAC ist ein leeres Börsenvehikel, das zunächst Geld einsammelt und später ein echtes Unternehmen übernimmt, um es schnell an die Börse zu bringen. Im Fall von SL Science hieß dieser Partner Horizon Space Acquisition II.

Der Zusammenschluss wurde am 12. Juni abgeschlossen. Drei Tage später startete der Handel unter dem neuen Kürzel. Auf dem Papier brachte der Deal dem Unternehmen eine Bewertung von rund 5,6 Milliarden Dollar ein. Zusätzlich floss über eine begleitende Finanzierung frisches Geld von 7,8 Millionen Dollar in die Kasse. Geführt wird der Konzern von William Wang als Vorstandschef.

Die wissenschaftliche Idee dahinter klingt ambitioniert. SL Science arbeitet an speziellen Immunzellen, die solide Tumore wie Bauchspeicheldrüsen- und Hirntumore bekämpfen sollen. Bis daraus zugelassene Therapien werden, ist es allerdings ein weiter Weg. Bisher erzielt das Unternehmen seinen Umsatz vor allem mit Kosmetik.

Eine Achterbahn nach dem Börsenstart

Schon der erste volle Handelstag geriet außer Kontrolle. Am 16. Juni schoss die Aktie im frühen Handel von rund 8 Dollar auf über 22 Dollar nach oben. Ein Plus von zeitweise 200 Prozent. Doch so schnell wie der Kurs stieg, fiel er auch wieder. Zum Handelsschluss notierte SLBT nur noch bei gut 3 Dollar.

Am Folgetag setzte eine Gegenbewegung ein, die jedoch nicht hielt. Unterm Strich verlor die Aktie am 17. Juni fast 30 Prozent. Vorbörslich ging die Talfahrt weiter. Solche Ausschläge von mehreren hundert Prozent innerhalb von Stunden sind kein Zeichen eines funktionierenden Marktes. Sie zeigen vielmehr, dass hier kurzfristige Spekulanten den Ton angeben.

Was hinter dem Einbruch steckt

Für den Absturz gibt es mehrere Gründe, die zusammenwirken. Bei vielen SPAC-Deals ziehen Anleger im letzten Moment ihr Geld zurück. Diese sogenannten Redemptions sorgen dafür, dass am Ende nur wenige frei handelbare Aktien übrig bleiben. Ein so dünner Streubesitz lässt Kurse extrem schwanken, nach oben wie nach unten.

Dazu kommt die Angst vor Verwässerung. Gibt ein Unternehmen später neue Aktien aus, sinkt der Anteil der bestehenden Eigner. Bei einer frisch über einen SPAC gelisteten Firma ist dieses Risiko besonders präsent. Hinzu kommt, dass kaum große Investoren an Bord sind. Der Anteil institutioneller Anleger liegt bei verschwindend geringen 0,4 Prozent. Auch Analysten decken die Aktie bislang nicht ab. Ohne diese Anker richtet sich der Kurs fast ausschließlich nach der Stimmung in Internetforen und bei Kleinanlegern.

Hohe Bewertung trifft auf dünnen Markt

Der Blick auf die Fundamentaldaten erklärt die Nervosität. Der eingebrachten Bewertung von 5,6 Milliarden Dollar stehen Umsätze von nur rund 3,4 Millionen Dollar gegenüber. Das Unternehmen schreibt zudem Verluste. Das Verhältnis von Börsenwert zu Buchwert erreicht astronomische Höhen. Eine Firma ohne eine einzige zugelassene Therapie wird hier bewertet wie ein etablierter Konzern.

SL Science reiht sich damit in eine lange Liste von Unternehmen ein, die über einen SPAC an die Börse kamen und kurz darauf einbrachen. Viele dieser Werte starteten mit großer Fantasie und verloren danach den Großteil ihres Wertes. Unsere Einschätzung dazu fällt klar aus. Wer hier einsteigt, kauft keine Beteiligung an einem bewährten Geschäft, sondern wettet auf eine sehr frühe und hochriskante Geschichte. Die enorme Schwankungsbreite kann in beide Richtungen ausschlagen, das Verlustrisiko ist dabei beträchtlich.

Ausblick auf die kommenden Wochen

Wie es weitergeht, hängt nun vor allem von zwei Dingen ab. Zum einen muss sich zeigen, ob der Kurs einen Boden findet oder ob die Talfahrt anhält. Frische Aktien aus auslaufenden Sperrfristen könnten den Druck zusätzlich erhöhen. Zum anderen braucht das Unternehmen echte Belege für seine Wissenschaft. Positive Studiendaten oder eine Partnerschaft mit einem größeren Pharmakonzern wären solche Signale.

Bis dahin bleibt SLBT ein hochspekulativer Wert. Die kommenden Tage dürften weiter von heftigen Ausschlägen geprägt sein. Anleger sollten sich bewusst machen, dass bei frisch gelisteten SPAC-Aktien der erste Hype und die spätere Ernüchterung oft dicht beieinander liegen. Ob aus SL Science ein ernstzunehmender Biotech-Wert wird, hängt von den nächsten Geschäftszahlen und klinischen Fortschritten ab.