Startabbruch bei SpaceX trifft die Aktie zur Unzeit

Großer Feuerball mit dunklem Rauch vor Gebäudesilhouetten als Bezug zum Startabbruch bei SpaceX und dem Druck auf die Aktie

Triebwerke streiken in letzter Sekunde

Nordamerika🚀4 Min.17.07.2026

SpaceX (NASDAQ: SPCX) wollte am Donnerstagabend die nächste Starship-Rakete auf die Reise schicken. Daraus wurde nichts. Auf dem Startgelände Starbase in Südtexas lief der Countdown zunächst sauber durch, die Wasserflutanlage der Rampe sprang bereits an und die Raptor-Triebwerke des Boosters zündeten. Dann griff die Sicherheitsautomatik ein und stoppte alles exakt bei null. Die größte Rakete der Welt blieb am Boden. Firmenchef Elon Musk lieferte die Erklärung wenig später auf seiner Plattform X nach. Einige Triebwerke seien nicht angesprungen, das habe den automatischen Abbruch ausgelöst.

Zwei Triebwerke will SpaceX jetzt austauschen, einen neuen Versuch plant das Unternehmen frühestens für kommende Woche. Für den frisch gebackenen Börsenkonzern kommt der Fehlschlag zur Unzeit. Die SPCX-Aktie rutschte nachbörslich zeitweise um mehr als 4 Prozent ab und fing sich später bei rund 127 Dollar. Schon im regulären Handel hatte das Papier gut 3 Prozent auf 131,11 Dollar verloren.

Der größte Börsengang aller Zeiten gerät ins Wanken

Erst am 12. Juni feierte SpaceX das größte Börsendebüt aller Zeiten. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk sammelte 75 Milliarden Dollar ein, der Ausgabepreis lag bei 135 Dollar je Aktie. Zum Handelsstart sprang der Kurs auf 150 Dollar, am Ende des ersten Tages standen knapp 161 Dollar und eine Bewertung von rund 2,1 Billionen Dollar auf der Kurstafel. Mehr als 500 Millionen Aktien wechselten allein an diesem Tag den Besitzer, fast so viele wie beim legendären Facebook-Debüt von 2012. Danach kippte die Stimmung Stück für Stück.

Am Mittwoch schloss die Aktie mit 134,85 Dollar erstmals unter ihrem Ausgabepreis. Vom Hoch nach dem Börsenstart hat der Titel rund 40 Prozent eingebüßt. Leerverkäufer, also Investoren, die gezielt auf fallende Kurse wetten, haben den Neuling längst im Visier. Rund 28 Prozent der frei handelbaren Aktien sind laut TradingView leer verkauft, der Datendienst TipRanks beziffert die Gewinne der Short-Seller bereits auf 8,7 Milliarden Dollar. Sogar Musk persönlich spürt die Folgen. Laut Fortune hat ihn der Kursrutsch seinen Status als erster Dollar-Billionär der Welt gekostet. Beim Börsengang erinnerte Musk noch selbst daran, dass er seiner Firma in den Anfangsjahren weniger als 10 Prozent Überlebenschance eingeräumt hatte. Von dieser Demut ist an der Börse wenig übrig, der Markt bewertet SpaceX wie eine sichere Wette auf die Zukunft.

Starship V3 kämpft mit Kinderkrankheiten

Das Starship ist das größte jemals gebaute Raketensystem und soll eines Tages vollständig wiederverwendbar Fracht und Menschen ins All bringen. Der abgebrochene Flug 13 sollte der zweite Einsatz der neuen Generation Starship V3 werden. Der Erstflug im Mai verlief durchwachsen. Die Oberstufe setzte zwar Testattrappen für das Starlink-Netz aus, verlor auf dem Weg ins All aber ein Triebwerk. Der Super-Heavy-Booster ging noch vor der geplanten Wasserlandung im Golf von Mexiko verloren. Die US-Luftfahrtbehörde FAA ordnete daraufhin eine Untersuchung an und gab das System erst Anfang dieser Woche wieder frei.

Diesmal warten an Bord die ersten vollwertigen Starlink-Satelliten der dritten Generation. Sie sind deutlich größer als ihre Vorgänger und passen ausschließlich in das Starship. Daran zeigt sich, wie viel für SpaceX an dieser Rakete hängt. Starlink liefert den Löwenanteil der Konzernumsätze, und ohne zuverlässig fliegendes Starship lässt sich das Satellitennetz nicht im geplanten Tempo ausbauen. Die Mars-Ambitionen, mit denen Musk die gewaltige Bewertung gern begründet, liegen ohnehin noch Jahre in der Zukunft.

Analysten streiten über die richtige Richtung

Die Wall Street blickt gespalten auf den Neuzugang. JPMorgan riet unmittelbar vor dem Test zum Kauf und erwartete, dass ein erfolgreicher Flug dem Kurs frischen Schwung verleiht. Auch die UBS empfahl Anlegern noch am Mittwoch den Einstieg vor dem Starship-Start. Piper Sandler nahm die Bewertung dagegen nur mit Neutral auf. Nach Ansicht dieser Analysten ist die Kursfantasie für die kommenden zwölf Monate bereits eingepreist. Der von Benzinga erfasste Analystenkonsens taxiert das mittlere Kursziel trotzdem auf gut 236 Dollar und damit weit über das aktuelle Niveau.

Starinvestorin Cathie Wood nutzte den Rücksetzer unterdessen zum Nachkaufen, ihre Fondsgesellschaft Ark Invest griff mitten im Kursrutsch zu. Deutlich nüchterner klingt der Analysedienst Morningstar. Die stolze Bewertung unterstelle, dass Anleger Jahrzehnte warten müssen, bis die Gewinne in den Aktienkurs hineinwachsen. Zwischen diesen Polen pendelt die Aktie seit Wochen, und jeder Testflug verschiebt das Kräfteverhältnis ein Stück.

Was der Fehlstart für Anleger bedeutet

Technisch betrachtet ist der Abbruch kein Drama. Genau für solche Situationen existiert die Automatik, und die Rakete steht unbeschädigt auf der Rampe. Der Abend zeigt trotzdem, wie sehr sich die Lage für SpaceX verändert hat. Als Privatfirma konnte der Konzern Rückschläge intern abarbeiten und vor allem die Erfolge groß verkünden. Jetzt reagiert der Aktienkurs in Echtzeit auf jede verschobene Zündung. Wer SPCX im Depot hat, braucht Nerven für diese Art von Nachrichtenlage. Ein einzelner Startabbruch ändert am Gesamtbild wenig, er erinnert Investoren aber daran, dass Raumfahrt kein planbares Quartalsgeschäft ist.

Aus unserer Sicht bleibt die Bewertung der eigentliche Knackpunkt. Auch nach der Korrektur bringt SpaceX rund 1,7 Billionen Dollar auf die Börsenwaage, verdienen soll das Unternehmen einen Großteil davon erst in ferner Zukunft. Dem steht eine Marktstellung gegenüber, die kein Wettbewerber auch nur annähernd erreicht. Branchenschätzungen zufolge wickelt SpaceX rund 90 Prozent aller kommerziellen Raketenstarts ab. Kleinere börsennotierte Rivalen wie Rocket Lab (NASDAQ: RKLB) oder AST SpaceMobile (NASDAQ: ASTS) spielen umsatzseitig in einer anderen Liga. Kurzfristig drücken zudem die auslaufenden Haltefristen auf die Stimmung. Nach diesen Sperrfristen dürfen Altaktionäre und Mitarbeiter ihre Papiere erstmals verkaufen, was zusätzliches Angebot in den Markt spülen kann. Wer hier investiert, sollte solche Sondereffekte junger Börsengänge einkalkulieren.

Nächste Woche folgt der zweite Versuch

In den kommenden Tagen tauscht SpaceX die defekten Triebwerke aus, dann steht der zweite Anlauf für Flug 13 an. Gelingt er, dürfte sich die Debatte rasch wieder auf Starlink und die vollen Auftragsbücher verlagern. Frontier Airlines etwa will ihre Flotte ab 2027 mit Starlink-Internet ausrüsten, solche Deals füttern die Wachstumsstory. Misslingt der Flug erneut, gewinnt die Bewertungsdiskussion weiter an Schärfe.

Im August folgt der nächste Pflichttermin, dann legt SpaceX erstmals als börsennotiertes Unternehmen Quartalszahlen vor. Spätestens dort muss der Konzern zeigen, wie viel messbares Geschäft hinter der gigantischen Story steckt. Spannend wird vor allem, ob SpaceX erstmals belastbare Zahlen zum Starlink-Geschäft offenlegt, bislang kursieren dazu hauptsächlich Schätzungen. Bis dahin sollten sich Anleger auf turbulente Wochen einstellen, und zwar in beide Richtungen.