Off The Hook YS IPO: Yacht-Wholesaler will an die NYSE American

Off The Hook YS ist einer der größten Marine-Wholesaler der USA und betreibt acht Standorte mit 35 Sales-Reps, die rund 400 Boote pro Jahr handeln. Das Unternehmen aus Wilmington, North Carolina, kombiniert Yacht-Handel mit eigener Finanzierungssparte (Azure Funding), Repossession-Geschäft und einem KI-gestützten CRM-System. 2024 setzte Off The Hook 99 Millionen US-Dollar um.

Overview
Off The Hook YS plant den Sprung an die Börse und hat dafür im August 2025 die zweite Amendment-Version seines S-1 bei der SEC eingereicht. Das Unternehmen aus Wilmington, North Carolina, will fünf Millionen Aktien zwischen 4 und 6 US-Dollar an der NYSE American platzieren. Beim Mittelpunkt von 5 Dollar wären das rund 25 Millionen Dollar Bruttoerlös. Als Konsortialführer wurde ThinkEquity mandatiert.
Gegründet wurde Off The Hook 2012 von Jason Ruegg in North Carolina. Aus einem klassischen Yacht-Händler ist über zwölf Jahre ein vertikal integrierter Marine-Konzern geworden, der Boote nicht nur kauft und verkauft, sondern auch finanziert, repariert und im Falle von Zahlungsausfällen wieder einkassiert. Das Geld aus dem IPO soll vor allem in den Ausbau der Floorplan-Finanzierung fließen, die heute persönlich von Gründer Ruegg garantiert wird, inklusive Pfandrecht auf seinem Privathaus. Genau diese Konstruktion ist einer der Hauptgründe für den Börsengang: Off The Hook will sich von der persönlichen Haftung lösen und institutionelle Kreditlinien nutzen.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
Die operative Führung liegt bei einem Doppel-Setup: Brian S. John ist seit 2024 Chief Executive Officer, Gründer Jason Ruegg ist President und Chairman of the Board. Brian John kommt aus dem Kapitalmarkt-Beratungsumfeld und hat zuvor mehrere Unternehmen an die Nasdaq gebracht, darunter Jupiter Wellness und SRM Entertainment. Jason Ruegg leitet das operative Boots-Geschäft seit Tag eins. Nach eigenen Angaben hat er fast 10.000 Transaktionen abgewickelt und Boote im Wert von rund einer Milliarde Dollar eingekauft. Ruegg behält nach dem IPO die Kontrolle: Er hält direkt und über die Ruegg Capital Group rund 54,7 Prozent der Aktien.
CFO ist Chad Corbin, der aus dem Mittelstand kommt und zuletzt als Finanz-Berater für mehrere Industrieunternehmen tätig war. COO Blake Phillips bringt 17 Jahre Marine-Erfahrung mit, unter anderem bei MarineMax, dem größten Yacht-Händler der Welt. Das Board wird durch fünf unabhängige Direktoren ergänzt. Auffällig: Robert Gonnelli, einer der Independent Directors, ist gleichzeitig CEO von Red Oak Holdings, dem aktuellen Floorplan-Finanzierer von Off The Hook. Eine Konstellation, die Anleger im Auge behalten sollten.
Branche
Der US-Markt für Freizeitboote ist riesig und stabil. Die National Marine Manufacturers Association beziffert die jährlichen Umsätze für Boote, Marine-Produkte und Services auf rund 56,7 Milliarden Dollar (2022), in den USA sind 11,96 Millionen Freizeitboote registriert. Der globale Markt soll bis 2034 auf etwa 43 Milliarden Dollar wachsen.
Off The Hook positioniert sich klar im Pre-Owned-Segment, dem mit Abstand größeren Teil des Marktes. 2023 entfielen laut NMMA 78,2 Prozent aller Boots-Verkäufe auf gebrauchte Vessels. Neuboot-Verkäufe waren 2024 rückläufig (minus 9,1 Prozent), während gebrauchte Boote weiterhin gefragt sind. Das ist Off The Hooks Spielfeld.
Der Wettbewerb ist allerdings hart und fragmentiert. Auf der einen Seite stehen große börsennotierte Händler wie MarineMax und OneWater Marine, auf der anderen unzählige kleine Broker und Online-Marktplätze. Off The Hook will sich über die vertikale Integration aus Verkauf, Finanzierung, Service und Repossession differenzieren, ein Modell, das die Selbstbeschreibung als "CarMax der Bootsbranche" treffend zusammenfasst.
Produkte
Off The Hook ist mehr als ein Yacht-Händler. Das Geschäft verteilt sich auf mehrere Säulen:
- •Off The Hook Yacht Sales NC: Kerngeschäft mit Kauf, Verkauf und Wholesale von gebrauchten Yachten und Booten. Schwerpunkt auf Center Consoles, Sportfish-Yachten und Performance-Booten.
- •WeBuyBoats.com: Eigene Plattform für direkte Ankäufe von Privatverkäufern, die ihre Boote schnell loswerden wollen. Wichtigster Inventory-Funnel.
- •Azure Funding: Tochtergesellschaft für Bootsfinanzierungen. Vermittelt Kredite an Endkunden über ein Netzwerk aus Banken (M&T, BMO, Bank OZK, Truist und andere) und vergibt eigene Hard-Money-Kredite.
- •OTH Yacht Services: Service-Center für Wartung und Reparatur.
- •Marine Asset Recovery (MAR): Repossession-Sparte, die Boote für Banken einzieht und im Anschluss über die eigenen Kanäle wieder verkauft. Ein Closed-Loop-System, das eingezogene Boote direkt zurück ins Inventar bringt.
- •The Boat Center: Exklusiver Yellowfin-Händler in Miami, Tochter von OTH Simon Marine YF.
- •OTHYS CRM: Eigenentwickeltes, KI-gestütztes Kundenmanagement-System, für das ein Patent angemeldet wurde. Im Februar 2025 wurde dazu eine Partnerschaft mit NexGen AI geschlossen, um externe Marktdaten zu integrieren.
Geplant sind außerdem eine eigene Online-Auktionsplattform, eine Premium-Yacht-Brokerage-Sparte und Marina-Akquisitionen, mit denen Off The Hook eigene Standorte für Lagerung und Service aufbauen will.
Outlook
Die Wachstumsstrategie steht und fällt mit der Floorplan-Finanzierung. Aktuell liegt das Limit bei rund 27 Millionen Dollar bei Red Oak Inventory Finance. Off The Hook verhandelt eine Aufstockung auf 40 Millionen und peilt mit den IPO-Erlösen ein Gesamtvolumen von 50 Millionen Dollar oder mehr für 2026 an. Mehr Floorplan-Kapazität bedeutet mehr Inventar, längere Haltedauer und bessere Verhandlungsposition beim Einkauf, was wiederum die Margen heben soll. Aktuell liegen die Bruttomargen bei 15 bis 20 Prozent, mit der neuen Struktur sollen sie steigen.
Die Mittel aus dem IPO sind klar zugeteilt: 10 Millionen Dollar fließen direkt in den Floorplan, 8 Millionen in den Erwerb einer Waterfront-Immobilie in Florida für Lager und Service, 2,9 Millionen in die Tilgung einer Promissory Note bei der First Carolina Bank und eine Million in Marketing. Der Rest dient als Working Capital. Parallel dazu plant Off The Hook die Akquisition eines Neuboot-Händlers mit 65 bis 75 Millionen Dollar Jahresumsatz, allerdings ohne konkrete Vereinbarung bislang.
Die Risiken sind nicht zu unterschätzen. Off The Hook arbeitet mit einem negativen Working Capital von rund 700.000 Dollar (Stand März 2025) und ist stark von Jason Ruegg abhängig, sowohl operativ als auch über die persönliche Bürgschaft. Hinzu kommen zwei laufende Klagen: Ein Käufer fordert 2,6 Millionen Dollar zurück wegen einer angeblich beschädigten Yellowfin 54, die Republic Bank verklagt Azure Funding auf 1,9 Millionen Dollar wegen drei ausgefallener Marine-Kredite.
Details zum IPO
Off The Hook will bis zu 5 Millionen Aktien zu einem geplanten Preis zwischen 4 und 6 US-Dollar emittieren. Die Mitte der Spanne liegt bei 5 Dollar, woraus sich Bruttoerlöse von rund 25 Millionen Dollar ergeben. Nach Abzug von Underwriting-Gebühren (7,5 Prozent) und sonstigen Kosten erwartet das Unternehmen einen Nettoerlös von etwa 22 Millionen Dollar. Eine Greenshoe-Option über zusätzliche 750.000 Aktien (15 Prozent) hat ThinkEquity als alleiniger Bookrunner erhalten. Das Ticker-Symbol war im S-1/A Amendment No. 2 noch nicht final festgelegt.
Nach dem IPO wird Off The Hook ein "Controlled Company" sein, da Jason Ruegg über die Mehrheit der Stimmrechte verfügt. Das erlaubt dem Unternehmen, bestimmte Corporate-Governance-Anforderungen der NYSE American zu umgehen, etwa die Mehrheit unabhängiger Direktoren im Board. Eine Lock-up-Periode von 12 Monaten gilt für Officers und Directors, alle anderen bestehenden Aktionäre sind 6 Monate gebunden. Ein interessantes Detail: 25 Prozent der Aktien wurden vor dem IPO an die Off The Hook Acquisition Corp übertragen, eine Florida-Gesellschaft, die dafür 3 Millionen Dollar an die Altaktionäre zahlt. Diese Aktien sind nicht Teil des öffentlichen Angebots.
Bewertungskriterien
99 Millionen Dollar Jahresumsatz 2024 mit 7,8 Prozent Wachstum gegenüber Vorjahr und Q1 2025 mit 30,8 Prozent Plus
Vertikal integriertes Geschäftsmodell aus Handel, Finanzierung, Service und Repossession schafft mehrere Ertragsströme pro Transaktion
Profitabel mit 992.000 Dollar Nettogewinn 2024, im Gegensatz zu vielen anderen kleinen IPO-Kandidaten
Klare Use-of-Proceeds-Story: IPO-Erlöse lösen die persönliche Bürgschaft des Gründers ab und ermöglichen institutionelle Floorplan-Finanzierung
Stark abhängig von einem einzelnen Gründer mit Stimmrechtsmehrheit, ohne den das Unternehmen in seiner heutigen Form kaum funktioniert
Negatives Working Capital und hohe Verschuldung über Floorplan-Kredite (24,7 Millionen Dollar zum 31. März 2025)
Independent Director Robert Gonnelli ist gleichzeitig CEO des aktuellen Floorplan-Finanzierers Red Oak, eine fragwürdige Governance-Konstellation
Zwei laufende Rechtsstreitigkeiten mit Forderungen von zusammen 4,5 Millionen Dollar belasten die kleine Bilanz