Tech-IPOs 2026: OpenAI, SpaceX und Co. drängen an die Börse

Tech-IPOs 2026: OpenAI, SpaceX und Co. drängen an die Börse

Die größte IPO-Welle seit Jahren steht bevor

Nach einem mauen IPO-Jahr 2025 rüsten sich die Börsenplätze weltweit für einen Paukenschlag. 2026 könnte das größte Jahr für Tech-Börsengänge seit 2021 werden. Bei einem IPO, kurz für Initial Public Offering, verkauft ein Unternehmen zum ersten Mal Aktien an der Börse. Für die Firmen bedeutet das frisches Kapital, für Privatanleger die Chance auf einen Einstieg bei bisher unzugänglichen Namen.

Die Liste der Kandidaten liest sich wie das Who-is-Who der Tech-Welt. OpenAI, SpaceX, Stripe, Anthropic und Databricks wollen den Sprung wagen oder prüfen ihn zumindest. Dazu kommen kleinere, aber spannende Namen wie der KI-Chiphersteller Cerebras und der Fast-Fashion-Riese Shein. Auch aus Deutschland drücken mit TK Elevator und KNDS zwei Schwergewichte an die Börse.

Hintergrund der Welle ist ein gewaltiger Rückstau. Im Jahr 2025 wagten sich in Europa nur 100 Unternehmen aufs Parkett, 31 weniger als noch 2024. Der private Gesamtwert aller IPO-reifen Tech-Firmen wird auf rund 3,6 Billionen Dollar (3,35 Billionen Euro) geschätzt. Viele haben jahrelang gewartet, jetzt drängen sie alle durch dasselbe Fenster.

OpenAI und Anthropic stehen im Mittelpunkt

Der Star unter den Kandidaten heißt OpenAI. Die ChatGPT-Macher wurden in der letzten Finanzierungsrunde mit 300 Milliarden Dollar (rund 277 Mrd. Euro) bewertet. SoftBank hat dabei 40 Milliarden Dollar frisch reingegeben. Für einen möglichen Börsengang kursieren Zahlen zwischen 830 Milliarden und einer Billion Dollar. Das wäre einer der größten Tech-IPOs aller Zeiten.

OpenAI wächst rasant. Die Firma meldet 20 Milliarden Dollar annualisierten Umsatz, 810 Millionen monatlich aktive Nutzer und eine Million zahlende Unternehmenskunden. Der Haken sind die Kosten. 2026 verbrennt OpenAI schätzungsweise 14 Milliarden Dollar. Profitabel soll das Unternehmen erst 2030 werden. CEO Sam Altman hat außerdem öffentlich erklärt, er sei "zu null Prozent" begeistert davon, Chef einer börsennotierten Firma zu werden. Berichten zufolge ist ein Listing eher Ende 2026 oder sogar erst 2027 realistisch.

Der zweite große Name aus der KI-Welt ist Anthropic, die Firma hinter dem Konkurrenzmodell Claude. Die Bewertung explodierte in wenigen Monaten. Im Herbst 2024 lag sie noch bei 40 Milliarden Dollar, im September 2025 waren es bereits 183 Milliarden. Nach einer 30-Milliarden-Runde Anfang 2026 stehen 380 Milliarden im Raum. Anthropic setzt stärker auf Unternehmenskunden und gilt als näher an der Profitabilität als OpenAI. Ein IPO für 2026 oder 2027 wird in Analystenkreisen heiß diskutiert, offiziell bestätigt ist bislang nichts.

SpaceX zielt auf den größten Börsengang aller Zeiten

Elon Musks SpaceX könnte 2026 den Rekord brechen. Berichte von Reuters und The Information sprechen von einer Bewertung um 1,5 Billionen Dollar (etwa 1,4 Billionen Euro) und einem Emissionsvolumen bis zu 30 Milliarden Dollar. Damit würde SpaceX den bisherigen Rekord des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 übertreffen, der bei 26 Milliarden Dollar lag. Anders als die meisten Tech-IPOs ist SpaceX bereits profitabel. Das Satelliten-Internet Starlink liefert stabile Einnahmen, kommerzielle Raketenstarts für staatliche und private Kunden kommen dazu. Musk denkt offenbar sogar über Rechenzentren im Weltall nach, ein Projekt, das erheblich Kapital verschlingen würde.

Bei Stripe ist die Lage komplizierter. Der Online-Bezahldienstleister der irischen Brüder Patrick und John Collison wurde im Februar 2026 mit 159 Milliarden Dollar (rund 147 Mrd. Euro) bewertet. Das Zahlungsvolumen lag 2025 bei 1,9 Billionen Dollar, ein Plus von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotzdem betont John Collison, man habe es nicht eilig. Stripe ist profitabel und braucht kein frisches Geld von der Börse. Unsere Einschätzung: Ein IPO 2026 ist unwahrscheinlich, aber der Druck der Altinvestoren wächst Monat für Monat.

Beim Fast-Fashion-Konzern Shein wird die Sache politisch. Das aus China stammende, in Singapur angesiedelte Unternehmen hat Börsenpläne in New York und London begraben und peilt jetzt Hongkong an. Die angestrebte Bewertung liegt bei 30 bis 50 Milliarden Dollar, deutlich unter den 66 Milliarden aus dem Jahr 2022. Shein hat 2024 zwar 38 Milliarden Dollar Umsatz gemacht, der Gewinn fiel aber um fast 40 Prozent auf rund 1 Milliarde. Dazu kommen politische Bedenken rund um Xinjiang-Baumwolle und die US-Zölle auf Kleinsendungen aus China. Ein IPO 2026 ist möglich, aber alles andere als sicher.

TK Elevator und KNDS bringen Schwung nach Frankfurt

Aus deutscher Sicht wird 2026 vor allem deshalb interessant, weil endlich wieder Leben in den Markt kommt. Die Beratungsfirma EY rechnet mit bis zu zehn deutschen IPOs im kommenden Jahr. Zwei Namen stehen dabei ganz oben auf der Liste.

TK Elevator, der frühere Aufzugsbereich von Thyssenkrupp, könnte der größte deutsche Börsengang seit Porsche im Jahr 2022 werden. Die Eigentümer Advent, Cinven und Thyssenkrupp haben das Unternehmen zuletzt mit rund 23 Milliarden Euro bewertet. Als Börsenplatz steht Frankfurt im Fokus, ein Listing in den USA wird aber geprüft. Für Anleger wäre TK Elevator ein solider Value-Titel mit stabilem Wartungsgeschäft und globaler Präsenz.

Der zweite heiße Kandidat ist KNDS, der deutsch-französische Rüstungskonzern hinter dem Leopard-2-Panzer und dem französischen Leclerc. KNDS hat den Börsengang für 2026 bereits bestätigt und plant eine Doppelnotierung in Frankfurt und Paris. Marktbeobachter diskutieren Bewertungen um 20 Milliarden Euro. Dass ausgerechnet ein Rüstungskonzern im aktuellen Umfeld an die Börse will, passt ins Bild. Im ersten Quartal 2026 hat die Frankfurter Börse bereits drei IPOs gesehen, zwei davon aus dem Verteidigungssektor. Der Gesamterlös lag bei 678 Millionen Euro, genauso viel wie im ganzen Jahr 2025.

Was das für dein Depot bedeutet

Wer bei einem der großen IPOs dabei sein will, sollte realistisch bleiben. Bei Mega-Debüts wie OpenAI oder SpaceX werden Kleinanleger in der Regel kaum Aktien zum Ausgabepreis bekommen. Die ersten Tranchen gehen an institutionelle Investoren, Hedgefonds und große Vermögensverwalter. Privatanleger steigen meist erst nach dem Handelsstart ein, und da ist der Kurs oft schon deutlich höher.

Ein weiteres Thema ist die Bewertung. Viele Kandidaten kommen mit extremen Multiples, die historisch an die Dotcom-Zeit erinnern. Bei OpenAI ergibt eine mögliche Billion-Dollar-Bewertung gegenüber 20 Milliarden Umsatz ein Verhältnis von 50. Der Branchenschnitt liegt deutlich niedriger. Für Anleger heißt das, der Spielraum für Enttäuschungen ist klein. Fällt ein Mega-IPO unter den Ausgabepreis, kann das die Stimmung in der ganzen KI-Branche schnell kippen. Umgekehrt könnte ein starker Start weitere Kurs-Fantasien entfachen und bestehende Tech-Aktien mit nach oben ziehen.

Wer ohne Direkteinstieg indirekt profitieren will, hat Alternativen. Fondsanbieter wie Baillie Gifford oder der Renaissance IPO ETF (Ticker IPO) bündeln junge Aktiengesellschaften. Auch klassische Tech-ETFs auf Nasdaq-100 oder MSCI World Information Technology profitieren von einem freundlichen IPO-Umfeld. Bei deutschen Kandidaten wie TK Elevator ist der Zugang für Privatanleger einfacher, da Frankfurt eine direkte Beteiligung über die Hausbank erlaubt.

Das Börsenfenster bleibt fragil

Der nächste Meilenstein ist das zweite Quartal 2026. Cerebras plant in diesem Zeitraum seinen Chip-IPO, Shein peilt eine Einreichung in Hongkong an. Die ernsthaften Signale zu SpaceX und OpenAI werden für die zweite Jahreshälfte erwartet. Vieles hängt am Marktumfeld. Wenn die geopolitischen Spannungen rund um den Iran-Konflikt anhalten und die Fed ihre Zinsen weiter nicht senkt, könnte sich das Fenster schnell wieder schließen.

Anleger sollten wachsam bleiben und Bewertungen kritisch prüfen. Ein IPO-Boom bringt Chancen, aber auch die Gefahr, dass die Euphorie aus dem Ruder läuft. Wer Hype von Substanz unterscheidet, hat in diesem Börsenjahr die besseren Karten.