AAON-Aktie schießt 31 Prozent nach Rekord und Datacenter-Boom

Leuchtender KI-Mikrochip in futuristischem Design mit violett-blauen Lichteffekten auf einer grauen Oberfläche. In der Mitte des Chips ist das Kürzel ‚AI‘ sichtbar.

AAON-Aktie schießt 31 Prozent hoch und touchiert ein neues Allzeithoch

Nordamerika💾5 Min.08.05.2026

AAON (NASDAQ: AAON) hat am Donnerstag den größten Kurssprung seiner Börsengeschichte hingelegt. Die Aktie schloss bei 129,25 Dollar und damit 31,49 Prozent über dem Vortagesschluss. Im Tagesverlauf stieg der Kurs zeitweise auf 148,88 Dollar und erreichte damit ein neues Allzeithoch. Das entspricht einem Plus von rund 51 Prozent im Hoch, bevor erste Gewinnmitnahmen einsetzten.

Auslöser war die Vorlage der Quartalszahlen am Morgen. AAON meldete einen Rekordumsatz von 496,9 Millionen Dollar im ersten Quartal 2026. Analysten hatten im Schnitt nur 381 Millionen Dollar erwartet. Damit lag der Umsatz 30 Prozent über dem Konsens und das Wachstum gegenüber dem Vorjahresquartal kletterte auf 54 Prozent. Hinzu kamen eine deutlich angehobene Jahresprognose und die Ankündigung eines Aktienrückkaufprogramms über 100 Millionen Dollar.

Mit dem Sprung kletterte die Marktkapitalisierung auf rund 10,6 Milliarden Dollar. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel von 122,75 Dollar wurde im Tagesverlauf bereits durchbrochen. Anleger, die die Aktie vor zwölf Monaten zu Kursen um 62 Dollar gekauft hatten, sitzen jetzt auf mehr als einer Verdopplung.

Ein Klimaspezialist aus Tulsa mit zwei Marken

AAON ist hierzulande nahezu unbekannt, in den USA gilt das Unternehmen aber als einer der profitabelsten Spezialisten für gewerbliche Klimatechnik. Der Hauptsitz liegt in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma. Gefertigt werden vor allem große Klimaanlagen, sogenannte Rooftop Units, sowie Wärmepumpen und Spezialsysteme für Industrie- und Gewerbeimmobilien.

Was AAON von typischen Heizungs- und Klimaanlagenherstellern unterscheidet, ist die Bauweise. Während Konkurrenten oft Massenware liefern, baut AAON jedes System weitgehend nach Kundenwunsch. Hauptabnehmer sind Schulen, Krankenhäuser, Bürotürme und Einzelhandelsketten. Der Markt für solche kommerziellen HVAC-Lösungen, also Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnik, ist allein in den USA mehrere Milliarden Dollar groß.

Wirklich spannend wurde AAON erst durch die Übernahme von BASX im Jahr 2021. BASX ist eine Spezialmarke für extrem leistungsfähige Kühlsysteme und beliefert in erster Linie Datacenter und Industrieanlagen mit besonders hoher Wärmeentwicklung. Über diese Tochter ist AAON mitten im Boom rund um KI-Rechenzentren gelandet. Die BASX-Sparte produziert hochkomplexe Lüftungs- und Kühlsysteme, die in den riesigen Hallen von Cloud- und KI-Anbietern verbaut werden.

Die Quartalszahlen mit Rekord nach Rekord

Im ersten Quartal 2026 verbuchte AAON einen Umsatz von 496,9 Millionen Dollar. Das ist ein Plus von 54,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und der höchste Wert der Firmengeschichte. Der Konsens der Analysten lag bei nur 381 Millionen Dollar. Auch beim Gewinn lieferte AAON ab. Der Gewinn je Aktie erreichte 0,48 Dollar nach 0,35 Dollar im Vorjahr. Erwartet hatte der Markt 0,45 Dollar.

Noch wichtiger als die Q1-Zahlen selbst ist der Auftragsbestand. AAON meldet einen Backlog, also offene Aufträge, von 2,13 Milliarden Dollar zum Quartalsende. Das ist mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor und der sechste Rekordwert in Folge. Der Großteil dieser Aufträge entfällt auf die BASX-Marke. Hier wuchsen die Bestellungen um 160 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die klassische AAON-Marke legte zu, dort stieg der Umsatz um 42 Prozent. Besonders gefragt sind die elektrischen Wärmepumpen der Alpha-Klasse, deren Bestellungen um 56 Prozent anzogen.

Ein Wermutstropfen bleibt aber. Die Bruttomarge fiel auf 25,1 Prozent nach 26,8 Prozent im Vorjahr. CFO Andy Cheung nannte als Gründe Mehrkosten durch ausgelagerte Fertigung, höhere Aufwendungen am neuen Standort Memphis sowie Inflationseffekte bei Material und Zöllen. Das bereinigte EBITDA stieg trotzdem um 44 Prozent auf 78 Millionen Dollar, allerdings sank die EBITDA-Marge von 17,6 auf 15,7 Prozent. Wachstum kostet kurzfristig also etwas an operativer Rendite.

Der KI-Datacenter-Boom als großer Treiber

Hinter den Rekordzahlen steckt eine sehr konkrete Story. KI-Rechenzentren brauchen weit mehr Kühlung als klassische Server-Hallen. Die Grafikprozessoren von Nvidia, allen voran die GB200-Serie, erzeugen Wärme in einer Dimension, die mit einfacher Luftkühlung kaum noch in den Griff zu bekommen ist. Hyperscaler wie Microsoft, Amazon, Google und Meta investieren deshalb hunderte Milliarden Dollar in neue Datacenter-Kapazität. Ein erheblicher Teil dieser Mittel fließt in Strom- und Kühlinfrastruktur.

Hier kommt BASX ins Spiel. Die Tochter liefert maßgeschneiderte Kühlsysteme für genau solche Hochleistungs-Rechenzentren. Das Werk in Memphis wurde 2024 ausgebaut, zusätzlich wurden Kapazitäten in Oregon hochgefahren. Trotzdem reichen die Produktionsmengen aktuell nicht aus, um die Nachfrage zeitnah zu decken. Daher die Outsourcing-Kosten, die kurzfristig auf den Margen lasten. Aus Sicht des Managements ein vertretbarer Preis, um Marktanteile zu sichern.

Für 2026 erwartet AAON nun ein Umsatzwachstum von 40 bis 45 Prozent. Die alte Prognose lag bei 18 bis 20 Prozent. Die Bruttomargen-Erwartung wurde dagegen leicht zurückgenommen, von 29 bis 31 Prozent auf 27 bis 28 Prozent. Das Management priorisiert offenbar Marktanteile vor kurzfristiger Profitabilität. Eine nachvollziehbare Strategie, solange der Datacenter-Boom anhält.

Was die Aktie im Vergleich zur Konkurrenz wert ist

AAON spielt in einer eigenen Liga, hat aber Wettbewerber, die Anleger im Blick haben sollten. Der reinste KI-Cooling-Profiteur an der Börse ist Vertiv (NYSE: VRT). Vertiv ist mit einer Marktkapitalisierung von über 60 Milliarden Dollar und einem Backlog von rund 15 Milliarden Dollar deutlich größer und gilt als wichtigster Partner von Nvidia für Flüssigkühlung. Die Vertiv-Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 250 Prozent zugelegt und wird mit dem 47-fachen des erwarteten Gewinns gehandelt.

Auf der anderen Seite steht Trane Technologies (NYSE: TT). Trane ist ein viel breiter aufgestellter HVAC-Konzern mit fast 16 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Datacenter-Kühlung macht dort aber nur einen Bruchteil des Geschäfts aus. Wer rein auf den KI-Boom setzen will, ist mit Trane unterdosiert. Schneider Electric, Carrier und Eaton sind weitere Namen, die im Sektor mitspielen, aber alle mit deutlich geringerer Datacenter-Konzentration als Vertiv oder BASX.

AAON nimmt eine interessante Mittelposition ein. Anders als Trane bietet das Unternehmen mit BASX eine echte Reinexposition gegen den Datacenter-Trend. Anders als Vertiv ist AAON aber kein reiner KI-Spieler, weil das angestammte Geschäft mit gewerblicher Klimatechnik weiter rund 60 Prozent des Umsatzes ausmacht. Das bedeutet weniger Kursrisiko bei einer Abkühlung des KI-Themas, aber auch weniger Hebel nach oben. Bei einem geschätzten Jahresumsatz von rund 2,2 bis 2,3 Milliarden Dollar 2026 ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 4,7. Das ist für einen Industrieanbieter mit hohen Margen ein deutlicher Premium, aber weniger gestreckt als bei Vertiv.

Der Ausblick verspricht weiteres Wachstum

Auf das Gesamtjahr 2026 hat AAON die Umsatzprognose deutlich angehoben. Erwartet werden jetzt 40 bis 45 Prozent Wachstum, was in der Spitze auf rund 2,3 Milliarden Dollar Umsatz hinausläuft. Begleitet wird das Ganze von einem Aktienrückkaufprogramm über 100 Millionen Dollar, mit dem das Management seine Zuversicht unterstreicht. Bei den Bruttomargen rechnet AAON mit 27 bis 28 Prozent. Sollte der Memphis-Standort schneller als erwartet ans Laufen kommen, könnten die Margen positiv überraschen.

Der nächste relevante Termin sind die Q2-Zahlen Anfang August. Anleger werden besonders darauf achten, ob die Bruttomarge wieder anzieht und ob der Backlog weiter wächst. Außerdem wird die Investitionspolitik der Hyperscaler im zweiten Halbjahr ein wichtiger Indikator. Sollten Microsoft, Amazon oder Google ihre Capex-Pläne deutlich kürzen, würde das BASX direkt treffen. Bislang deuten die Signale aber in die andere Richtung. AAON dürfte damit noch eine Weile auf den Wachstums-Schienen bleiben.