Xometry-Aktie springt 39 Prozent nach Rekordzahlen und Siemens-Deal

Mehrere 3D-Drucker in einer Werkstatt oder einem Labor drucken blaue Kunststoffobjekte auf Druckplatten. Die Maschinen stehen nebeneinander auf einem Arbeitstisch in moderner Umgebung.

Xometry-Aktie verdoppelt sich fast an einem einzigen Handelstag

Nordamerika💾4 Min.08.05.2026

Xometry (NASDAQ: XMTR) hat am Donnerstag eine seiner stärksten Handelssitzungen seit dem Börsengang hingelegt. Die Aktie schloss bei 78,50 Dollar und damit 39,18 Prozent über dem Vortagesschluss. Im Hoch lag der Kurs sogar bei 82,11 Dollar. Allein an einem Tag legte das Papier 22,10 Dollar zu, die Marktkapitalisierung kletterte auf rund 4,1 Milliarden Dollar.

Hinter dem Sprung stehen zwei parallele Meldungen. Zum einen lieferte Xometry am Morgen Quartalszahlen, die deutlich über den Erwartungen der Wall Street lagen. Zum anderen kündigte das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit Siemens an, die einen direkten Einstieg des deutschen Industrieriesen in das Aktienkapital beinhaltet. Diese Kombination aus operativem Beat und strategischem Ankerinvestor sorgte für die heftige Kursreaktion.

Damit hat sich die Aktie binnen zwölf Monaten gut verdoppelt. Die 52-Wochen-Spanne reicht von 29,60 bis 82,11 Dollar. Der bisherige durchschnittliche Analysten-Kurszielmittelwert von 62,62 Dollar wurde mit dem Tagesschluss klar übertroffen.

Ein KI-Marktplatz für die Industrie

Xometry ist hierzulande noch wenig bekannt, in den USA gilt das Unternehmen aber als einer der spannendsten Vertreter im Bereich industrieller Plattformen. Gegründet wurde die Firma 2013 in North Bethesda im US-Bundesstaat Maryland. Der Kerngedanke lässt sich grob mit "Uber für Industrieteile" beschreiben.

Konkret läuft das so. Ein Ingenieur lädt eine 3D-CAD-Datei seines Bauteils auf die Plattform. Eine KI analysiert das Modell und schlägt nahezu in Echtzeit Materialien, Fertigungsverfahren und einen Preis vor. Sobald der Auftrag bestätigt wird, vermittelt Xometry den Job an einen passenden Anbieter aus dem eigenen Netzwerk. Dieses Netzwerk umfasst nach Unternehmensangaben mehr als 5.000 aktive Zulieferer rund um den Globus. Abgedeckt werden klassische Verfahren wie CNC-Fräsen, 3D-Druck, Spritzguss und Blechbearbeitung.

Der Kern dieser Plattform ist die Software. Die sogenannte Instant Quoting Engine nutzt maschinelles Lernen, um Geometrien, Materialkosten und Lieferzeiten in Sekunden zu kalkulieren. Über die Tochter Thomas betreibt Xometry zusätzlich ein eigenes Sourcing-Netzwerk in Nordamerika. Verdient wird an der Marge zwischen dem Preis, den der Kunde zahlt, und dem Betrag, der an den Zulieferer fließt.

Die Quartalszahlen lagen klar über den Erwartungen

Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete Xometry einen Umsatz von 205,1 Millionen Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 191,8 Millionen Dollar gerechnet. Das Wachstum gegenüber dem Vorjahresquartal lag bei 36 Prozent und damit deutlich über dem Tempo der vorherigen Quartale.

Besonders auffällig ist die Beschleunigung im Marktplatzgeschäft. Hier kletterte der Umsatz um 40 Prozent auf 191,3 Millionen Dollar. Die Zahl der aktiven Käufer stieg um 20 Prozent auf 85.581. Noch wichtiger für den Investmentfall ist die Entwicklung bei Großkunden. Konten mit einem Umsatz von mindestens 50.000 Dollar in den vergangenen zwölf Monaten wuchsen um 21 Prozent auf 1.864.

Auch die Profitabilität entwickelt sich in die richtige Richtung. Die Bruttomarge im Marktplatzgeschäft erweiterte sich um 290 Basispunkte auf 34,7 Prozent. Das bereinigte EBITDA sprang von praktisch null Dollar im Vorjahresquartal auf 10,5 Millionen Dollar. Auf Non-GAAP-Basis verdiente Xometry pro Aktie 12 Cent, der Konsens hatte 10 Cent erwartet. Unter dem Strich blieb nach US-Bilanzregeln ein Verlust von 5,3 Millionen Dollar, im Vorjahr waren es noch 15,1 Millionen Dollar. Die Liquidität liegt mit 224 Millionen Dollar auf solidem Niveau.

Siemens steigt mit 50 Millionen Dollar ein

Die zweite große Nachricht des Tages war der Siemens-Deal. Der Münchner Industriekonzern beteiligt sich mit rund 50 Millionen Dollar am Aktienkapital von Xometry und kauft dafür Class-A-Stammaktien. Gleichzeitig wird die Xometry-Software direkt in die Siemens-Xcelerator-Plattform integriert. Damit erhält Siemens einen nativen Zugriff auf Fertigungspreise, Lieferzeiten und Sourcing-Daten innerhalb seiner eigenen Design- und Engineering-Tools.

Aus Sicht von Siemens schließt der Deal eine Lücke. Die Münchner haben mit Supplyframe bereits ein eigenes Geschäft für elektronische Bauteile aufgebaut. Mit Xometry kommt jetzt die mechanische Seite hinzu, also klassische Frästeile, Spritzgussteile und Bleche. Tony Hemmelgarn, Chef von Siemens Digital Industries Software, sprach davon, "die Grenze zwischen Design und Fertigung" für Kunden aufzulösen.

Für Xometry-CEO Randy Altschuler ist die Beteiligung mehr als ein Geldfluss. Er sieht in der Integration einen Vertriebskanal in Industrieunternehmen, an die seine Plattform sonst kaum herankäme. Siemens-Software wird in tausenden Konzernen weltweit genutzt, von Autoherstellern über Maschinenbauer bis zu Luftfahrtfirmen. Wenn deren Konstrukteure zukünftig direkt aus dem Designtool ein Xometry-Angebot abrufen können, dürfte das die Nutzung deutlich erhöhen.

Was die Aktie für Anleger jetzt bedeutet

Wer heute über einen Einstieg nachdenkt, sollte sich der Bewertung bewusst sein. Bei einem erwarteten Jahresumsatz von rund 870 bis 880 Millionen Dollar nach der angehobenen Prognose ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von gut 4,7. Für einen Marktplatz mit 36 Prozent Wachstum ist das nicht völlig überzogen, aber auch nicht günstig. Profitabel ist das Unternehmen unter US-Bilanzregeln noch nicht, das Adjusted EBITDA dreht aber sichtbar ins Positive.

Im Wettbewerbsvergleich fällt der Hauptkonkurrent Protolabs (NYSE: PRLB) auf, der ein deutlich anderes Modell fährt. Protolabs produziert vieles in eigenen Werken und ergänzt das durch ein Partnernetzwerk von rund 250 Anbietern. Die Stärke liegt bei sehr schnellen Prototypen mit Lieferzeiten von teilweise nur einem Tag, der Nachteil bei der geringeren Flexibilität für Spezialprozesse. Xometry setzt mit seinen über 5.000 Zulieferern auf maximale Bandbreite. Weitere Wettbewerber wie Fictiv oder das zu Protolabs gehörende Hubs haben deutlich kleinere Netzwerke.

Über dem gesamten Sektor schwebt das Reshoring-Thema. US-Unternehmen verlagern Produktion zurück nach Nordamerika oder zumindest näher an ihre Endmärkte. Gründe sind die Erfahrungen aus den Lieferkettenproblemen der vergangenen Jahre, geopolitische Spannungen mit China und neue Importzölle. Marktplätze wie Xometry profitieren überproportional, weil sie zusätzliche lokale Kapazitäten schnell bündeln können. Genau auf diese These hatte Cantor Fitzgerald die Aktie kurz vor den Zahlen auf Overweight hochgestuft, mit einem Kursziel von 62 Dollar. Nach dem Sprung auf 78,50 Dollar dürfte das Kursziel zeitnah nach oben angepasst werden.

Risiken bleiben trotzdem. Xometry hängt von der Investitionsbereitschaft seiner Kunden ab und damit indirekt am Konjunkturzyklus. Eine Industrierezession in den USA würde die Auftragslage spürbar treffen. Auch der bevorstehende CEO-Wechsel zum 1. Juli 2026 ist ein Faktor, den Anleger im Blick behalten sollten.

Der Ausblick verspricht weiteres Wachstum

Für das zweite Quartal 2026 hat Xometry einen Umsatz zwischen 214 und 216 Millionen Dollar in Aussicht gestellt. Das entspräche einem Wachstum von 32 bis 33 Prozent. Beim bereinigten EBITDA peilt das Management 11 bis 12 Millionen Dollar an. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet erwartet Xometry jetzt 27 bis 28 Prozent Umsatzwachstum. Die bisherige Prognose lag bei mindestens 21 Prozent.

Der nächste große Termin für Anleger ist die Veröffentlichung der Q2-Zahlen im Sommer. Spannend wird, wie schnell die Siemens-Integration konkrete Umsätze produziert. Erste Effekte könnten sich bereits in der zweiten Jahreshälfte zeigen, der volle Hebel dürfte aber erst 2027 sichtbar werden. Bis dahin bleibt die Frage, ob das Unternehmen das hohe Wachstumstempo halten kann, ohne die Profitabilität wieder zu opfern. Die nächsten beiden Quartale werden Antworten liefern.