Himax kehrt aus dem Halbleiter-Tal zurück und springt 30 Prozent

Nahaufnahme einer elektronischen Leiterplatte mit mehreren Mikrochips, Schaltkreisen und Bauteilen in dunklen Blau- und Grautönen. Die Aufnahme vermittelt einen technischen und modernen Eindruck.

Himax-Aktie schießt 30 Prozent nach starken Quartalszahlen hoch

Asien💾5 Min.08.05.2026

Himax Technologies (NASDAQ: HIMX) hat am Donnerstag den größten Tagesgewinn seit Jahren hingelegt. Die Aktie schloss bei 16,03 Dollar und damit 30,01 Prozent über dem Vortagesschluss von 12,33 Dollar. Im Tageshoch markierte der Kurs sogar 17,95 Dollar und damit ein neues 52-Wochen-Hoch. Allein an einem Handelstag legte das Papier 3,70 Dollar zu, die Marktkapitalisierung kletterte auf rund 2,8 Milliarden Dollar.

Auslöser war die Vorlage der Quartalszahlen vor Börsenstart. Himax meldete für das erste Quartal 2026 einen Umsatz am oberen Rand der eigenen Prognose und einen Gewinn, der die hauseigene Spanne übertraf. Wirklich getrieben hat die Aktie aber die Prognose für das zweite Quartal. Die liegt deutlich über dem, was Analysten zuvor eingepreist hatten.

Im nachbörslichen Handel legte die Aktie noch einmal um 2,43 Prozent auf 16,42 Dollar zu. Damit hat sich das Papier innerhalb der letzten vier Wochen mehr als verdoppelt. Mitte April lag der Kurs noch bei rund 9 Dollar. Die Erholung kommt nach einem mehrjährigen Abwärtstrend, den die gesamte Display-Driver-IC-Branche durchlaufen musste.

Wenn das TV-Bild flimmert, fehlt der Display Driver IC

Himax Technologies ist ein Halbleiterhersteller mit Hauptsitz in Tainan, Taiwan. Gegründet 2001, gilt das Unternehmen als einer der weltweit führenden Anbieter für sogenannte Display Driver ICs. Was sich kompliziert anhört, ist im Grunde ein recht enges Geschäft. Display Driver ICs sind kleine Chips, die zwischen dem Hauptprozessor eines Geräts und dem Bildschirm sitzen. Sie übersetzen die digitalen Befehle des Prozessors in elektrische Signale, die jeden einzelnen Pixel auf dem Display ansteuern.

Ohne Display Driver IC bleibt jedes Smartphone, jeder Fernseher und jedes Auto-Cockpit dunkel. Genau deshalb ist der Markt zwar wenig glamourös, aber unverzichtbar. Himax beliefert vor allem Hersteller von Autodisplays und ist in dieser Nische sogar globaler Marktführer. Tesla, BMW oder Mercedes haben in ihren Mittelkonsolen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Himax-Chip verbaut. Daneben kommen Bildschirme in Fernsehern, PC-Monitoren, Tablets und Smartphones hinzu.

Die Firma arbeitet als sogenannter Fabless-Hersteller. Das bedeutet, Himax entwirft die Chips, lässt sie aber bei Auftragsfertigern wie TSMC oder UMC produzieren. In den vergangenen Jahren hat sich Himax zudem in zwei neue Felder vorgewagt. Mit der Marke WiseEye in den Bereich ultra-stromsparender KI-Sensoren für Smart Glasses, Türklingelkameras und Industrieanwendungen. Außerdem mit LCoS-Mikrodisplays für Augmented-Reality-Brillen, also winzigen Bildschirmen in der Größe eines Fingernagels, die Bilder direkt vors Auge projizieren.

Die Quartalszahlen am oberen Rand der Prognose

Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete Himax einen Umsatz von 199,0 Millionen Dollar. Das ist ein leichter Rückgang von 2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, aber das obere Ende der eigenen Prognose, die einen Rückgang zwischen 2 und 6 Prozent angekündigt hatte. Im Vergleich zum Vorjahresquartal liegt das Minus bei 7,5 Prozent. Die Konsensschätzung der Analysten von 195 Millionen Dollar wurde um etwa 2 Prozent übertroffen.

Beim Gewinn überraschte das Unternehmen positiver. Der Gewinn pro ADS lag bei 4,6 Cent und damit über der hauseigenen Spanne von 2 bis 4 Cent. Die Bruttomarge erreichte 30,4 Prozent, ebenfalls am oberen Rand der Prognose. Der operative Gewinn lag bei 10,2 Millionen Dollar, das bereinigte EBITDA bei 16,2 Millionen Dollar. Die Liquidität ist mit 287,6 Millionen Dollar in Cash und Finanzanlagen weiterhin solide.

Spannend ist der Blick in die einzelnen Sparten. Bei den großen Displays für Fernseher zog der Umsatz um 11,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal an. Hier bestellte ein großer Panel-Hersteller mehr Chips als erwartet, weil die Lager nach Monaten der Zurückhaltung wieder aufgefüllt werden. Das kleinere Geschäft mit Smartphone- und Tablet-Chips schwächelte saisonbedingt um 2,4 Prozent. Die Non-Driver-Sparte mit Tcon, WiseEye und AR-Mikrodisplays gab um 7,7 Prozent nach, was vor allem an Lagerabbau bei Auto-Kunden und Projektor-Herstellern lag.

Die Q2-Prognose ist der eigentliche Knaller

Was die Aktie wirklich getrieben hat, war der Ausblick auf das zweite Quartal. Himax erwartet einen Umsatzanstieg von 10 bis 13 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Daraus ergibt sich ein Quartalsumsatz zwischen 219 und 225 Millionen Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 213 Millionen Dollar gerechnet. Damit liegt die Mitte der Prognose etwa 4 Prozent über dem Konsens.

Noch deutlicher fällt der Beat beim Gewinn aus. Himax stellt einen Gewinn von 8,6 bis 10,3 Cent pro ADS in Aussicht. Der Konsens hatte lediglich 5,6 Cent erwartet. Die Mitte der Spanne von 9,45 Cent übertrifft die Wall-Street-Erwartung damit um fast 70 Prozent. Auch die Bruttomarge soll von 30,4 auf rund 32 Prozent steigen, getrieben durch einen Mix mit höheren Anteilen profitabler Non-Driver-Produkte.

Hinzu kam die Ankündigung einer Dividende von 25,2 Cent pro ADS, zahlbar am 10. Juli 2026. Insgesamt schüttet Himax damit rund 44 Millionen Dollar aus, was 100 Prozent des Vorjahresgewinns entspricht. Für eine Aktie, die zuletzt eher als Verlierer des Halbleiterzyklus wahrgenommen wurde, ist das ein klares Signal des Managements an Anleger.

Was die Aktie für Anleger jetzt bedeutet

Im Display-Driver-IC-Markt steht Himax in direkter Konkurrenz zu zwei taiwanesischen Wettbewerbern. Der größte Rivale ist Novatek Microelectronics. Novatek ist die Nummer eins in Taiwan beim Umsatz, mit besonderer Stärke in den Bereichen Fernseher, Monitore und mobile OLED-Treiber. Sitronix Technology ist der zweite große Player aus Taiwan, fokussiert vor allem auf LCD-Treiber für Smartphones und Tablets. Beide Konkurrenten sind in Taipei börsennotiert und damit für deutsche Anleger nicht ganz so leicht zugänglich wie das ADR von Himax an der NASDAQ.

Himax hat sich bewusst eine andere Position gesucht. Statt im Massengeschäft mit Smartphone-Chips zu kämpfen, setzt das Unternehmen auf den Automotive-Bereich, in dem es globaler Marktführer ist. Dazu kommen die neuen Felder rund um KI-Sensoren und AR-Brillen. Das macht Himax langfristig weniger abhängig vom klassischen Konsumelektronik-Zyklus. Eine Allianz mit Tata Electronics und Powerchip aus dem Sommer 2025 soll zudem eine Fertigungs-Pipeline in Indien aufbauen und die Abhängigkeit von Taiwan-Foundries reduzieren.

Die Bewertung ist nach dem Sprung allerdings nicht mehr günstig. Mit einem KGV von rund 67 auf Trailing-Basis preist der Markt eine deutliche Erholung bereits ein. Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 3 ist für einen zyklischen Halbleiter-Wert kein Schnäppchen. Das einzige Analystenhaus, das die Aktie aktiv covert, ist Robert W. Baird mit einem Kursziel von 10 Dollar. Das liegt mehr als 35 Prozent unter dem aktuellen Niveau und unterstreicht, dass die Wall Street dem Comeback noch nicht ganz traut.

Der Ausblick verspricht weiteres Wachstum

Mehrere Katalysatoren stehen in den kommenden Monaten an. Im zweiten Halbjahr 2026 sollen mehrere neue Automotive-Projekte in die Massenproduktion gehen, darunter Cockpit-Displays für mehrere große Autobauer. Das dürfte den Umsatz im Auto-Geschäft spürbar nach oben treiben. Zusätzlich bringt Himax in Kürze ein neues hochkontrastiges LCoS-Mikrodisplay für AR-Brillen auf den Markt, das auf der SID Display Week 2026 Ende Mai vorgestellt wird.

Spannend ist auch die Entwicklung im Bereich Co-Packaged Optics, kurz CPO. Himax arbeitet mit dem Spezialisten FOCI Fiber Optic Communications an Chips für die optische Datenübertragung in KI-Rechenzentren. Erste Lieferungen der ersten Generation laufen bereits, die zweite Generation ist für 2027 geplant. Damit hat Himax neben Auto und AR-Brillen ein drittes Wachstumsfeld eröffnet, das vom KI-Boom direkt profitiert. Die nächsten Quartalszahlen Anfang August werden zeigen, ob die ambitionierte Q2-Prognose gehalten wird und ob die Erholung wirklich nachhaltig ist.