Cook macht Platz, Ternus übernimmt
Apple (NASDAQ: AAPL) hat in dieser Woche zum ersten Mal Quartalszahlen vorgelegt, seit feststeht, dass Tim Cook im September abtritt. Der Konzern hatte die Personalie am 20. April angekündigt. Cook führt Apple noch durch den Sommer, am 1. September übernimmt Hardware-Chef John Ternus den CEO-Posten. Cook bleibt dem Unternehmen als Executive Chairman erhalten und soll vor allem den Kontakt zu Politikern weltweit pflegen. Der Aufsichtsrat hat den Wechsel einstimmig beschlossen.
Die Q2-Zahlen lieferten den passenden Rahmen für die Übergabe. Apple meldete einen Umsatz von 111,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Cook bezeichnete das als bestes März-Quartal aller Zeiten. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 2,01 Dollar und übertraf damit die Analystenprognose von 1,95 Dollar. Die Aktie legte am Freitag im US-Handel rund 3 Prozent zu und notierte über 280 Dollar. Die Marktkapitalisierung liegt damit bei etwa 4,1 Billionen Dollar.
Vom Schwimmer aus Penn zum Apple-CEO
John Ternus ist 50 Jahre alt und seit einem Vierteljahrhundert bei Apple. Der gebürtige Kalifornier studierte Maschinenbau an der University of Pennsylvania, war dort im Schwimmteam und entwickelte als Abschlussarbeit einen mechanischen Fütterungsarm für Menschen mit Querschnittslähmung. 1997 ging er zu Virtual Research Systems, einer Firma für Virtual-Reality-Headsets. Vier Jahre später wechselte er zu Apple ins Produktdesign-Team. Dort blieb er.
Mit der Beförderung 2013 zum Vice President wurde Ternus zur Schlüsselfigur der Hardware-Sparte. Er prägte praktisch jedes wichtige Apple-Produkt der letzten zehn Jahre. Vom iPad über die AirPods bis zum kürzlich vorgestellten MacBook Neo. Sein wichtigster strategischer Erfolg war wahrscheinlich der Umstieg der Macs auf Apples eigene Silicon-Chips, gemeinsam mit dem heutigen Chief Hardware Officer Johny Srouji. Seit 2021 leitete er als Senior Vice President die gesamte Hardware-Entwicklung des Konzerns.
Wer mit Apple-Mitarbeitern über Ternus spricht, hört oft denselben Satz. Er sei ein "super nice guy". In einem Konzern, der historisch für scharfe interne Konflikte bekannt war, gilt das als Empfehlung. Bloomberg beschrieb seinen Stil als ruhig, methodisch und kostenbewusst. Mit Software-Chef Craig Federighi pflegt Ternus eine enge Arbeitsbeziehung, was die historische Kluft zwischen Hardware- und Software-Welt im Unternehmen abgemildert hat. Ternus wird der achte CEO in der Geschichte Apples. Erst der dritte seit der Rückkehr von Steve Jobs im Jahr 1997.
15 Jahre Cook, ein neues Kapitel
Tim Cook übernahm Apple 2011 von Steve Jobs. Damals lag die Marktkapitalisierung bei rund 350 Milliarden Dollar. Heute sind es mehr als 4 Billionen. Cook hat den Konzern operativ aufgebaut, die globalen Lieferketten optimiert, das Services-Geschäft zur zweitgrößten Sparte ausgebaut und mit dem Buyback-Programm einen der größten Kapitalrückführer der Wall Street geschaffen. Sein 15-jähriger Lauf gilt als einer der erfolgreichsten in der modernen Tech-Geschichte.
Im Earnings Call am Donnerstag trat Ternus zum ersten Mal vor die Wall Street. Cook stellte ihn kurz vor, dann sprach Ternus selbst. Er werde Cooks "tiefgehende Bedachtsamkeit, Besonnenheit und Disziplin" bei finanziellen Entscheidungen fortführen. Über die Produktstrategie wollte er nichts verraten, kündigte aber eine "unglaubliche Roadmap" an. Cook gab seinem Nachfolger den Rat mit, den er einst selbst von Jobs bekommen hatte. Den Nordstern nicht aus den Augen zu verlieren. Apple existiere, um das Leben der Menschen durch seine Produkte zu bereichern.
Die Kontinuität ist Apple wichtig. Ternus war kein Überraschungskandidat. Schon seit 2025 berichteten Bloomberg und das Wall Street Journal, dass er die interne Favoritenrolle innehabe. Apple hat den Wechsel offenbar bewusst vor den Quartalszahlen angekündigt, damit die Earnings unter guten Bedingungen das neue Kapitel einläuten konnten.
Die KI-Baustelle wartet auf den neuen Chef
Eines der ersten großen Themen, die Ternus erbt, ist Apples Position im KI-Wettrennen. Der Konzern hat mit der Einführung von Apple Intelligence einen schwierigen Start hingelegt. Das versprochene personalisierte Siri verzögerte sich mehrfach, im März 2025 musste Apple öffentlich einräumen, dass die Umsetzung länger dauert als geplant. Es folgte eine Reorganisation der KI-Teams. John Giannandrea verlor die Verantwortung für Siri, der frühere Vision-Pro-Chef Mike Rockwell rückte nach.
Im Januar 2026 zog Apple die Notbremse und schloss eine mehrjährige Partnerschaft mit Google. Der Deal sieht vor, dass Apple ein speziell angepasstes Gemini-Modell mit 1,2 Billionen Parametern für die nächste Siri-Generation nutzen darf. Bloomberg berichtet, dass Apple dafür rund 1 Milliarde Dollar pro Jahr an Google zahlt. Damit wird Google zum bevorzugten Cloud-Anbieter für Apples KI-Foundation-Modelle. Die Partnerschaft ist nicht exklusiv, parallel läuft die bestehende ChatGPT-Integration weiter.
Im Earnings Call sagte Cook, die Zusammenarbeit mit Google laufe gut. Apple sei zufrieden mit dem aktuellen Stand und auch mit der eigenen Arbeit. Das neue Siri soll noch im Jahresverlauf 2026 ausgerollt werden, voraussichtlich vollständig erst mit iOS 27 zum iPhone 18 im Herbst. Google selbst hat den Zeitplan auf der Cloud Next 2026 öffentlich bestätigt.
Auffällig ist, dass Apple seinen eigenen Capex im März-Quartal sogar zurückgefahren hat. Die Sachinvestitionen lagen bei 1,9 Milliarden Dollar, ein Rückgang um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Apple geht beim Thema KI-Infrastruktur damit einen anderen Weg als die meisten Konkurrenten. Statt selbst Hyperscale-Rechenzentren zu bauen, mietet sich Apple Rechenleistung bei Google. Ob diese Strategie aufgeht, wird unter Ternus eine der größeren Bewährungsproben.
Was der Wechsel für Anleger bedeutet
Die unmittelbare Marktreaktion war klar positiv. Apple hat den Aktienrückkauf um zusätzliche 100 Milliarden Dollar aufgestockt und die Dividende um 4 Prozent auf 27 Cent je Aktie angehoben. Auszahlung ist am 14. Mai. Gleichzeitig verkündete Finanzchef Kevan Parekh eine Abkehr von der jahrelangen Net-Cash-Neutral-Strategie. Apple wird Cash und Schulden künftig unabhängig voneinander steuern, was dem Konzern mehr Flexibilität bei der Kapitalallokation gibt.
Der iPhone-Umsatz wuchs im Quartal um 22 Prozent auf rund 57 Milliarden Dollar, getrieben vom iPhone 17. Cook nannte die Nachfrage "außergewöhnlich". In China stieg der Umsatz um 28 Prozent. Die Bruttomarge kletterte auf 49,3 Prozent und damit über die Erwartungen der Analysten. Die Services-Sparte legte um 16 Prozent auf rund 31 Milliarden Dollar zu und bleibt der profitabelste Wachstumsmotor des Konzerns.
Trotzdem ist die Aktie sportlich bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 34, deutlich über dem Fünfjahres-Median von etwa 30. Wer hier neu einsteigt, zahlt einen Premium-Preis für Stabilität, Cash-Returns und das Vertrauen, dass Ternus die operative Disziplin von Cook fortführt. Unsere Einschätzung: Der Wechsel ist sauber moderiert und für Aktionäre gut planbar. Das Risiko liegt weniger in der Übergabe selbst, sondern in der Frage, ob Apple unter Ternus die KI-Lücke schließt, ohne die eigene Marken-DNA zu verwässern.
Der Sommer entscheidet
Die nächsten Monate sind dicht getaktet. Am 8. Juni öffnet die WWDC 2026 ihre Tore. Der Markt rechnet mit der Vorstellung von iOS 27 und mit ersten konkreten Demos des neuen Siri. Cook führt das Unternehmen offiziell bis zum 31. August, am 1. September übernimmt Ternus. Im selben Monat wird traditionell die neue iPhone-Generation gezeigt, dieses Jahr also das iPhone 18. Damit fällt der erste große Produktauftritt unter dem neuen CEO ebenfalls auf den September.
Für das Juni-Quartal gibt Apple eine Umsatzprognose von 14 bis 17 Prozent Wachstum aus, getrübt nur durch die anhaltende Knappheit bei Speicherchips, die laut Cook so schnell nicht verschwinden wird. Der Markt wird genau beobachten, wie Ternus die ersten Wochen im Amt nutzt. Klar ist eines schon jetzt. Wenn das neue Siri pünktlich kommt und das iPhone 18 zündet, startet der neue CEO unter optimalen Bedingungen.
