Bester Tag seit dem Jahr 2000 für Texas Instruments
Die Aktie von Texas Instruments (NASDAQ: TXN) hat am Donnerstag den stärksten Handelstag seit dem Jahr 2000 hingelegt. Nach den am Mittwoch Abend vorgelegten Quartalszahlen sprang der Kurs um 19,4 Prozent nach oben. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von rund 63 Prozent zu Buche. Die Marktkapitalisierung liegt deutlich über 250 Milliarden Dollar.
Der Grund für den Sprung sind die Zahlen für das erste Quartal 2026. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 19 Prozent auf 4,83 Milliarden Dollar. Damit hat Texas Instruments die Schätzungen der Analysten um fast sieben Prozent übertroffen. Beim Gewinn fiel der Sprung noch deutlicher aus. Der Konzern verdiente 1,68 Dollar je Aktie, der Konsens hatte nur mit 1,36 Dollar gerechnet. Der Nettogewinn kletterte auf 1,55 Milliarden Dollar und damit um 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Was Texas Instruments eigentlich macht
Viele kennen Texas Instruments vor allem von den grafischen Taschenrechnern aus der Schulzeit. Diese sind aber ein kleines Nischengeschäft. Der Kern des Unternehmens besteht aus Analog-Chips und Embedded-Prozessoren. Das sind Halbleiter, die in fast jedem elektronischen Gerät der Welt stecken. In der E-Auto-Ladesäule, im Industrieroboter, im Flugzeug-Cockpit, in der Waschmaschine, im Server-Rack eines Rechenzentrums.
Gegründet wurde der Konzern 1930 in Dallas. 1958 erfand TI-Ingenieur Jack Kilby den integrierten Schaltkreis und legte damit das Fundament der modernen Halbleiterindustrie. Dafür erhielt er im Jahr 2000 den Physik-Nobelpreis. Heute ist Texas Instruments der weltgrößte Anbieter von Analog-Chips. Über 80.000 verschiedene Produkte verkauft das Unternehmen an mehr als 100.000 Kunden. Der Umsatz kommt zu rund drei Vierteln aus dem Industrie- und Automobilsektor. Der Rest verteilt sich auf Konsumelektronik, Kommunikationsausrüstung und das neu boomende Rechenzentrums-Geschäft.
Ein wichtiger Punkt zum Verständnis. Analog-Chips sind keine Hochleistungs-Prozessoren wie die von Nvidia oder AMD. Sie machen etwas anderes, aber nicht weniger Wichtiges. Sie wandeln reale Signale wie Temperatur, Strom oder Spannung in digitale Werte um, steuern Energieflüsse oder verstärken Signale. Ohne diese Bausteine läuft kein digitales System. Und jedes Elektronikgerät braucht davon Dutzende, oft Hunderte.
Rechenzentren treiben das Wachstum
Der Treiber hinter dem Umsatzsprung im ersten Quartal ist eindeutig. Das Geschäft mit Rechenzentren wuchs um 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr und um 25 Prozent allein im Vergleich zum Vorquartal. Damit profitiert Texas Instruments direkt vom globalen KI-Boom. Jedes neue Rechenzentrum, das Nvidia-GPUs beherbergt, braucht dazu Tausende Analog-Chips für Stromversorgung, Signalaufbereitung und Kühlsteuerung.
CEO Haviv Ilan, der seit 2024 den Konzern führt, sprach im Earnings Call von einer Beschleunigung quer durch die Endmärkte. Neben Rechenzentren zog auch das Industriegeschäft kräftig an und legte um mehr als 30 Prozent zu. Das Kommunikationssegment wuchs um rund 25 Prozent. Einzig der Bereich Konsumelektronik blieb hinter diesen Zahlen zurück.
Bemerkenswert ist die Profitabilität. Die operative Marge lag im ersten Quartal bei 37 Prozent. Die Bruttomarge kletterte auf 58 Prozent. Der freie Cashflow über die letzten zwölf Monate summiert sich auf 4,35 Milliarden Dollar. Gegenüber dem entsprechenden Zwölfmonatszeitraum des Vorjahres entspricht das einer Steigerung um 154 Prozent. Genau hier zeigt sich, warum Investoren die Aktie gerade wieder entdecken. Die hohen Investitionen der letzten Jahre drücken nicht mehr auf die Kasse, sondern beginnen sich auszuzahlen.
Die umstrittene Manufacturing-Wette zahlt sich aus
Zum Verständnis der aktuellen Bewegung lohnt ein Blick zurück. Texas Instruments hat seit 2022 eine massive Investitionsoffensive gefahren und neue 300-Millimeter-Fabriken in Texas und Utah gebaut. Im Juni 2025 kündigte der Konzern an, insgesamt über 60 Milliarden Dollar in sieben US-Fabriken zu investieren. Das ist das größte Investitionsprogramm der US-Halbleiterindustrie überhaupt.
Die Entscheidung kostete lange Nerven an der Börse. Wall Street-Analysten kritisierten die hohen Capex-Ausgaben, weil sie den freien Cashflow in den Jahren 2023 und 2024 stark belasteten. Viele Investoren fragten sich, ob Texas Instruments zur falschen Zeit zu viel Kapazität aufbaut. Die Aktie lief in dieser Phase deutlich schlechter als die Halbleiter-Peers Nvidia oder Broadcom.
Jetzt dreht das Bild. Die neue Kapazität in den Werken RFAB2 in Richardson, SM1 in Sherman und LFAB in Lehi steht bereit, während die Nachfrage aus Rechenzentren und Industrie schlagartig anzieht. Texas Instruments kann liefern, wenn die Konkurrenz teils noch Engpässe hat. Das Unternehmen baut zudem auf größeren 300-Millimeter-Wafern, was die Stückkosten senkt. Intern rechnet TI mit rund 40 Prozent günstigerer Fertigung gegenüber den älteren 200-Millimeter-Fabriken.
Dazu kommt der politische Rückenwind. Die Trump-Administration treibt die Rückverlagerung von Chipfertigung in die USA voran. Texas Instruments profitiert davon fast wie kein anderer Halbleiterhersteller, weil das Unternehmen ohnehin stark in den USA produziert. Apple, Ford, Medtronic, Nvidia und SpaceX gehören zu den bekannten Abnehmern der neuen Kapazitäten. Das Unternehmen spricht selbst davon, mit dem Investitionsprogramm über 60.000 Arbeitsplätze in den USA abzusichern.
Was Anleger aus dem Kurssprung mitnehmen sollten
Nach dem Kurssprung notiert die TXN-Aktie bei rund 283 Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt auf Basis der kommenden zwölf Monate bei etwa 35. Das ist für einen reifen Halbleiterkonzern mit Dividende ambitioniert, aber angesichts der Wachstumsraten nachvollziehbar. Die Dividendenrendite liegt bei rund 2 Prozent. Texas Instruments hat die Dividende in den vergangenen 21 Jahren jedes Jahr erhöht und zählt damit zu den wenigen Halbleiter-Dividendenaristokraten.
Allein im ersten Quartal zahlte das Unternehmen 1,3 Milliarden Dollar an Dividenden aus und kaufte für 158 Millionen Dollar eigene Aktien zurück. CFO Rafael Lizardi stellte im Call in Aussicht, dass der freie Cashflow je Aktie für das Gesamtjahr 2026 leicht über 8 Dollar liegen könnte. Das wäre fast eine Verdopplung gegenüber 2024, als Texas Instruments aufgrund der hohen Capex-Belastung nur 4,37 Dollar je Aktie ausgewiesen hatte.
Unsere Einschätzung: Texas Instruments ist der klassische Gegenentwurf zur Nvidia-Story. Wer die KI-Rallye ohne Extremrisiko mitnehmen will, bekommt hier einen Infrastruktur-Zulieferer mit hoher Dividendenqualität und breit diversifiziertem Geschäft. Das Risiko liegt in der zyklischen Natur der Branche und in der Tatsache, dass der aktuelle Kurs bereits viel Optimismus einpreist. Nach dem 19-Prozent-Tag ist der einfache Einstieg vorbei. Rücksetzer in den kommenden Wochen sind möglich, weil kurzfristige Gewinnmitnahmen wahrscheinlich sind.
Interessant wird auch der Vergleich mit dem größten Analog-Konkurrenten Analog Devices. ADI hat ähnliche Endmärkte, allerdings einen höheren Anteil im Automobilgeschäft und eine schwächere Exposure zu Rechenzentren. Die TXN-Aktie ist nach dem Sprung ambitionierter bewertet, hat aber das bessere Wachstumsmomentum. Wer nur den Halbleiter-Zyklus spielen will, bekommt bei ADI derzeit günstigere Einstiegskurse.
Die nächsten Monate bringen Aufträge und eine Übernahme
Texas Instruments hat für das zweite Quartal 2026 eine Prognose von 5,0 bis 5,4 Milliarden Dollar Umsatz ausgegeben. Das entspricht einem Wachstum von weiteren 12 bis 20 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025. Der Gewinn je Aktie soll in der Spanne von 1,77 bis 2,05 Dollar landen. Wenn das Unternehmen diese Schätzung übertrifft, wovon der Markt nach dem starken ersten Quartal ausgeht, sind weitere Kurssprünge denkbar.
Auf der Agenda steht außerdem die Integration von Silicon Labs. Der Spezialist für drahtlose Kommunikationslösungen in eingebetteten Systemen passt strategisch perfekt ins Portfolio. Die Übernahme stärkt TI besonders im Internet-der-Dinge-Segment, das bisher nicht zu den Kernstärken zählte. Die Transaktion muss noch kartellrechtlich freigegeben werden.
Langfristig bleibt das große Thema der Rechenzentrumsboom. Sollte die KI-Investitionswelle 2026 oder 2027 ins Stocken geraten, würde das Texas Instruments treffen. Im Moment sieht die Nachfrage aber ungebrochen aus. Die nächsten Quartalszahlen erscheinen voraussichtlich Ende Juli. Anleger werden dann genau darauf schauen, ob die Rechenzentrumssparte das Tempo halten kann und ob die Industrienachfrage über das zweite Quartal hinaus stabil bleibt.
