ASICS legt 45 Prozent zu, der Hype-Flip verliert

ASICS legt 45 Prozent zu, der Hype-Flip verliert
Wer die Berichterstattung über den Sneakermarkt verfolgt, liest zwei gegensätzliche Geschichten. Wiederverkäufer klagen über eingebrochene Margen, während die Plattformen steigende Preise melden.
Beides stimmt. Nike und Jordan gingen nach dem Jahresbericht von StockX mit durchschnittlichen Wiederverkaufspreisen ins Jahr 2026, die 5 beziehungsweise 6 Prozent über dem Vorjahr lagen. ASICS legte sogar um 45 Prozent zu. Mit dem Gel-1130 in der Farbvariante Black und Pure Silver stellt die Marke den meistverkauften Sneaker der gesamten Plattform.
Der Widerspruch löst sich auf, sobald man zwei völlig verschiedene Geschäftsmodelle auseinanderhält. Das eine steckt in der Krise, das andere nicht.

Der Hype-Flip war eine Phase, kein Modell
Zwischen etwa 2018 und 2021 funktionierte eine simple Rechnung. Man kaufte ein limitiertes Modell zum Ladenpreis, stellte es am selben Abend auf eine Plattform und kassierte einen Aufschlag. Knappheit plus kulturelle Nachfrage ergaben eine Marge.
Diese Marge ist weitgehend verschwunden. Der Anteil der Neuerscheinungen, die überhaupt über dem Ladenpreis gehandelt werden, ist gesunken, die Zahl der Wiederverkäufer dagegen gestiegen. Wer heute auf denselben Drop wartet wie zehntausend andere, konkurriert um wenige Prozentpunkte. Hinzu kommt, dass die Hersteller ihre Stückzahlen inzwischen an der Nachfrage ausrichten und Knappheit gezielt dosieren.
Ein anderes Segment läuft davon unbeeindruckt. Wer gebrauchte Alltagsschuhe im Volumen handelt, erzielt nach Branchenangaben 25 bis 40 Dollar Nettogewinn je Paar. Eingekauft wird im Großhandel zwischen 8 und 25 Dollar. Das ist kein spektakuläres Geschäft, aber ein funktionierendes.
Entsprechend haben sich zwei Verkäufertypen herausgebildet. Der Sammler zwischen 25 und 35 kauft fünf bis zehn Paar im Jahr, trägt sie überwiegend selbst und verkauft gelegentlich. Der Wiederverkäufer zwischen 22 und 40, zu rund drei Vierteln männlich, bewegt 20 bis 50 Paar und mehr.
Diese Trennung erklärt die widersprüchlichen Meldungen. Wer über schlechte Geschäfte klagt, spricht fast immer vom Hype-Segment. Wer im Volumen mit Gebrauchtware handelt, taucht in keiner Schlagzeile auf, weil ein funktionierendes Kleingewerbe keine Nachricht ist.
Die Marken haben sich neu sortiert
Der interessanteste Teil der Marktdaten betrifft die Verschiebung zwischen den Herstellern. Wer weiterhin ausschließlich auf Jordan-Retros und Dunks setzt, handelt in einem Segment mit sinkender Knappheit.
Die Wachstumsraten liegen woanders. ASICS führte 2026 mit einem Plus von 45 Prozent. Noch drastischer fiel 2024 die Entwicklung bei Anta aus, wo die Handelsvolumina auf StockX um 1.901 Prozent und auf GOAT um 799 Prozent zulegten. Getragen wurde das von der Signature-Reihe eines bekannten Basketballspielers. Solche Sprünge zeigen, wie schnell sich Aufmerksamkeit in diesem Markt verlagert.
Kooperationen bewegen den Markt weiterhin stark. Eine gemeinsame Kollektion von Levi's und Nike löste auf StockX eine Suchspitze von 2.591 Prozent aus. Für 2026 nennt die Plattform vor allem laufinspirierte Silhouetten von Mizuno, Saucony und Salomon als Treiber.
Für Wiederverkäufer folgt daraus eine unbequeme Erkenntnis. Der Vorteil liegt nicht mehr bei denen, die am schnellsten klicken, sondern bei denen, die früh erkennen, welche Marke als Nächstes gesucht wird.
Ein Blick auf die Suchdaten hilft dabei mehr als der Blick auf Preislisten. Beide großen Plattformen veröffentlichen, wonach ihre Nutzer suchen, und diese Zahlen laufen der Preisentwicklung voraus.
Die Käuferschaft hat sich verändert
Zwei Zahlen beschreiben den Wandel besser als jede Trendanalyse. Der Anteil weiblicher Käuferinnen stieg von 18 Prozent im Jahr 2019 auf knapp 45 Prozent des Umsatzes im Jahr 2025. Das jährliche Wachstum lag bei 12,4 Prozent.
Noch aufschlussreicher ist die Motivation. Rund 64 Prozent der Nutzer von Wiederverkaufsplattformen nennen ökologische Verantwortung als wesentlichen Kaufgrund. Auf dem Höhepunkt des Booms kauften viele, um zu spekulieren. Heute kaufen die meisten, um zu tragen. Das verändert, welche Modelle und Größen sich überhaupt noch schnell verkaufen lassen.
Millennials und Generation Z stehen zusammen für rund 58 Prozent des Plattformvolumens. Diese Gruppen erweitern zudem die Kategorien. StockX-Kunden gaben 2025 über 6 Millionen Dollar allein für Kameras eines japanischen Herstellers aus, dazu wachsen Elektronik, Sammelkarten und Streetwear-Bekleidung.
Aus einem Sneakermarktplatz ist damit eine allgemeine Handelsplattform für begehrte Objekte geworden. Wer die Entwicklung verfolgt, sieht dort dieselben Muster wie bei Sammelkarten und Uhren.
Für Wiederverkäufer verschiebt das die Anforderungen. Wer an Menschen verkauft, die tragen wollen statt zu spekulieren, braucht gängige Größen in gutem Zustand statt seltener Sammlerstücke in Karton.
Was das für Wiederverkäufer bedeutet
Die Marktgrößen klingen zunächst verlockend. Der weltweite Sekundärmarkt für gebrauchte Sneaker wird für 2026 auf rund 11,97 Milliarden Dollar geschätzt. Bis 2035 soll er auf 26,3 Milliarden wachsen, was 11,9 Prozent im Jahr entspricht. Für den Gesamtmarkt sind bis 2030 rund 30 Milliarden Dollar im Gespräch, was einem Zuwachs von etwa 15 Prozent im Jahr entspräche.
Marktwachstum ist allerdings keine persönliche Rendite. Wer verkauft, zahlt Plattformgebühren im hohen einstelligen Prozentbereich, dazu Versand und gegebenenfalls Lagerkosten. Das Kapital ist zwischen Einkauf und Auszahlung gebunden. Nicht jede Größe verkauft sich gleich schnell, und ein ungünstiges Paar kann Monate liegen.
Steuerlich gilt in Deutschland bei gelegentlichen Verkäufen aus dem Privatvermögen die einjährige Haltefrist nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz. Wer regelmäßig ein- und verkauft, gilt schnell als gewerblicher Händler mit Gewerbeanmeldung und Umsatzsteuerpflicht. Die Plattformen melden Verkäufe zudem nach der europäischen Meldepflicht an die Finanzverwaltung.
Zusätzlichen Druck bringt ein neuer Wettbewerber aus dem eigenen Lager. Die GOAT Group startete am 31. März 2026 mit Sneakers.com einen Ableger für stark rabattierte Ware. Wer im unteren Preissegment handelt, konkurriert damit gegen die eigene Plattform.
Als Depotbaustein taugt das Ganze nicht. Ein breit gestreuter Aktien-ETF kostet unter 0,2 Prozent im Jahr und verlangt keinen Lagerraum. Sneakerhandel ist ein Nebengewerbe mit Arbeitsaufwand, kein passives Investment. Wer Fotografieren, Verpacken und Versenden nicht mag, sollte gar nicht erst anfangen.
Aus unserer Sicht ist das die wichtigste Einordnung. Der Markt wächst, der einzelne Wiederverkäufer verdient aber nur, wenn er billiger einkauft als andere. Das ist ein Handelsgeschäft und keine Kapitalanlage.
Das Jubiläumsjahr verschiebt die Aufmerksamkeit
Für 2026 nennt StockX in seinem Ausblick drei Treiber. Den allgemeinen Wiederverkaufsmarkt, das Wachstum bei Sammelkarten rund um das 30-jährige Bestehen des Pokémon-Sammelkartenspiels und die laufinspirierten Silhouetten.
Für Wiederverkäufer heißt das, den Blick über die eigene Kategorie hinaus zu richten. Die Plattformen selbst streuen längst breiter. Wer ausschließlich Sneaker handelt, arbeitet damit in dem Segment mit dem härtesten Wettbewerb.
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Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einschätzung der DieSpekulanten-Redaktion und gibt den Stand vom 17.08.2026 wieder. Unsere Inhalte dienen ausschließlich der Information und sind weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Mitglieder unserer Redaktion können Positionen in den besprochenen Wertpapieren halten. Wir finanzieren uns unter anderem über gekennzeichnete Affiliate-Links, etwa im Broker-Vergleich oder bei Amazon. Auf unsere Bewertungen und Inhalte hat das keinen Einfluss. Wie wir arbeiten und wie unsere Inhalte entstehen, können Sie auf der Seite Unsere Logik nachlesen. Alle weiteren rechtlichen Angaben finden Sie in unserem Disclaimer.
