AIRO Group IPO: Aerospace-Plattform mit Drohnen, Avionik und eVTOL

AIRO Group IPO 2025 | DieSpekulanten

Overview

AIRO Group Holdings ist ein integrierter Aerospace- und Defense-Konzern aus Albuquerque, New Mexico, der das S-1 Filing bei der SEC eingereicht hat und die Erstnotiz an der Nasdaq unter dem Ticker AIRO plant. Das Unternehmen wurde im August 2021 in Delaware gegründet, mit dem Ziel mehrere Aerospace-Firmen zu einer gemeinsamen Plattform zusammenzuführen. In der sogenannten Put-Together Transaction hat AIRO 2022 sechs Unternehmen übernommen und in vier Segmente organisiert: Drohnen, Avionik, Pilotentraining und Elektroflugzeuge.

Der Weg an die Börse war ursprünglich anders geplant. AIRO wollte über einen SPAC-Merger mit der Kernel Group Holdings gehen, doch diese Transaktion wurde nicht vollzogen. Jetzt nimmt das Unternehmen den klassischen Weg über einen IPO. Geplant ist ein Angebot von 5 Millionen Aktien zu einem Preis zwischen 14 und 16 US-Dollar pro Stück. Beim Mittelwert von 15 US-Dollar ergibt sich ein Bruttovolumen von 75 Millionen US-Dollar. Ein Teil der Nettoeinnahmen fließt direkt in die Tilgung von Schulden, da AIRO mehrere Anleihen zurückzahlen muss, die kurz nach dem Börsengang fällig werden.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

An der Spitze von AIRO steht CEO Captain Joseph D. Burns, der das Unternehmen durch die zahlreichen Akquisitionen und den IPO-Prozess geführt hat. Eine zentrale Rolle spielt Dr. Chirinjeev Kathuria als Executive Chairman und Großaktionär. Kathuria hat ein Kaufinteresse von bis zu 5 Millionen US-Dollar im Rahmen des IPOs angekündigt. Diese Absichtserklärung ist allerdings nicht bindend.

Das operative Geschäft verantworten President und COO John Uczekaj sowie CFO Dr. Mariya Pylypiv. Das gesamte Führungsteam bringt nach Angaben des Unternehmens über 150 Jahre kombinierte Erfahrung in Luft- und Raumfahrt mit. Mehrere Mitglieder pflegen enge Beziehungen zu US-Regierungsstellen, NATO-Behörden und Aufsichtsbehörden wie der FAA. Diese Netzwerke sind besonders im Defense-Geschäft entscheidend, da viele Aufträge im behördlichen Umfeld vergeben werden.

Branche

AIRO adressiert nach eigenen Angaben einen kombinierten Markt von über 315 Milliarden US-Dollar bis 2030. Die Aufteilung verteilt sich auf vier Bereiche. Der Markt für militärische Drohnen soll laut Precedence Research bis 2030 auf rund 24,75 Milliarden US-Dollar wachsen. Der kommerzielle Drohnenmarkt liegt deutlich höher und wird auf 163,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. Im Pilotentraining wird der kommerzielle Markt bis 2030 von 1,8 auf rund 4,9 Milliarden US-Dollar wachsen, eine jährliche Wachstumsrate von 15,4 Prozent. Der Markt für elektrische Luftmobilität wird laut Morgan Stanley auf 55 Milliarden US-Dollar bis 2030 und etwa 1 Billion US-Dollar bis 2040 geschätzt.

Treiber dieser Märkte sind geopolitische Spannungen und steigende Verteidigungsausgaben. NATO-Staaten haben ihre Ausgaben in den letzten zehn Jahren um 41,3 Prozent gesteigert und investieren 2024 zusammen über 430 Milliarden US-Dollar. NATO-Generalsekretär Mark Rutte hat angekündigt, dass das 2-Prozent-Ziel auf "deutlich über 3 Prozent" angehoben werden müsse. Im Pilotentraining sorgt ein anhaltender Pilotenmangel für Wachstum, im eVTOL-Segment ist der Markt regulatorisch noch in der Entwicklung. Wettbewerber sind je nach Segment Unternehmen wie DJI, Lockheed Martin, L3Harris und Northrop Grumman bei Drohnen, Garmin, Honeywell und Collins Aerospace bei Avionik sowie Joby Aviation, Archer Aviation, Lilium und BETA Technologies im eVTOL-Segment.

Produkte

AIRO ist in vier Segmente organisiert:

  • Drohnen (AIRO Drone und Sky-Watch): Sky-Watch ist ein etablierter Lieferant für europäische NATO-Staaten und produziert unter anderem die RQ-35 Heidrun. Ein technisches Alleinstellungsmerkmal sind GPS-denied-Fähigkeiten, also der Betrieb der Drohnen ohne GPS-Signal. AIRO arbeitet hier mit Partnern wie Palantir und Helsing zusammen. Die kommerzielle Sparte plant Anwendungen unter anderem in Landwirtschaft, Sicherheit und Industrie.
  • Avionik (Aspen Avionics): Aspen Avionics existiert seit über 20 Jahren und ist im Aftermarket für allgemeine Luftfahrt etabliert. Zu den OEM-Kunden zählen Robinson Helicopters, Pilatus und Honeywell. Produkte sind Flugdisplays, sogenannte Connected Panels und GPS/GNSS-Sensoren.
  • Pilotentraining (Agile Defense und CDI): Im Trainingssegment bedient AIRO US-Militär, NATO-Staaten und Verbündete. CDI ist Teil eines IDIQ-Rahmenvertrags mit einem Volumen von 5,7 Milliarden US-Dollar. Zu den Kunden zählen die SEAL Teams, das US Naval Air Warfare Center und das USAF Air Combat Command. AIRO plant zusätzlich einen Einstieg in die zivile Pilotenausbildung.
  • Electric Air Mobility (Jaunt): Jaunt entwickelt einen eVTOL auf Basis einer patentierten Compound-Rotorcraft-Technologie. Über 300 Pilotenflugstunden sind mit Demonstrator-Flugzeugen absolviert. Die Zertifizierung soll zunächst für eine 33% verkleinerte Cargo-Version unter Drohnenregeln ab 2027 erfolgen, die passagiertaugliche Vollversion ist erst 2031 oder später unter den Rotorcraft-Regeln der TCCA geplant.

Outlook

AIRO geht mit einer schwierigen Ausgangslage an die Börse. Der kumulierte Verlust lag Ende März 2025 bei 208 Millionen US-Dollar, die Wirtschaftsprüfer haben in den geprüften Jahresabschlüssen ausdrücklich Zweifel an der Fortführungsfähigkeit (Going Concern) geäußert. Die ausstehenden Schulden lagen bei rund 103 Millionen US-Dollar. Mehrere sogenannte Investor Notes mit Zinssätzen zwischen 10,5 und 15 Prozent werden zwischen Mai und Juni 2025 fällig. Ein Teil der IPO-Erlöse fließt direkt in die Tilgung dieser Verbindlichkeiten.

Operativ konnte AIRO im Geschäftsjahr 2024 den Umsatz auf 86,9 Millionen US-Dollar mehr als verdoppeln (Vorjahr: 43,3 Millionen US-Dollar). Der Nettoverlust lag bei 38,7 Millionen US-Dollar, belastet durch eine einmalige Goodwill-Abschreibung von 38 Millionen US-Dollar. Die Profitabilität ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Vor allem das eVTOL-Segment wird über Jahre hinweg Investitionen erfordern. Positiv ist die geopolitische Großwetterlage. Die Verteidigungsbudgets sind weltweit steigend, und AIRO ist mit Sky-Watch und der Trainingssparte direkt davon profitierender Akteur.

Details zum IPO

AIRO bietet 5 Millionen Stammaktien zu einer Preisspanne von 14 bis 16 US-Dollar pro Aktie an. Beim Mittelwert von 15 US-Dollar ergibt sich ein Bruttoemissionsvolumen von 75 Millionen US-Dollar, die Nettoeinnahmen werden auf rund 64,8 Millionen US-Dollar geschätzt. Die Konsortialführer sind Cantor, BTIG und Mizuho, ergänzt durch Bancroft Capital. Eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) über 750.000 zusätzliche Aktien wurde den Banken eingeräumt.

Executive Chairman Dr. Chirinjeev Kathuria hat ein nicht-bindendes Kaufinteresse von bis zu 5 Millionen US-Dollar im Rahmen des Angebots signalisiert. Nach dem Börsengang sollen rund 24,9 Millionen Aktien ausstehen. Die Mittelverwendung ist breit gestreut: 3,5 Millionen US-Dollar für die Avionik-Sparte, 4 Millionen US-Dollar für die eVTOL-Entwicklung, 3,7 Millionen US-Dollar für Drohnen-Akquisitionen, 5,6 Millionen US-Dollar für zusätzliche Trainingsflugzeuge und 23,8 Millionen US-Dollar für die Tilgung von Investor Notes und sogenannten Fixed Conversion Obligations. Der Rest fließt in das Working Capital.

Bewertungskriterien

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Vier Segmente in wachsenden Aerospace- und Defense-Märkten mit kombiniertem TAM von über 315 Milliarden US-Dollar bis 2030

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Etablierte Marken: Sky-Watch als NATO-Drohnenlieferant, Aspen Avionics mit über 20 Jahren Marktpräsenz

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Umsatzverdopplung 2024 auf 86,9 Millionen US-Dollar bei zugleich gestiegener Bruttomarge

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Strategische Partnerschaften mit Palantir und Helsing im Drohnensegment

Going-Concern-Hinweis im Prospekt, kumulierter Verlust von 208 Millionen US-Dollar per März 2025

Material Weaknesses in der internen Finanzkontrolle, mehrfach angepasste Abschlüsse

103 Millionen US-Dollar ausstehende Schulden, mehrere Investor Notes mit hohen Zinssätzen

eVTOL-Zertifizierung weit in der Zukunft: Cargo-Version frühestens 2027, Passagiermodell erst 2031