Argo Blockchain IPO: Bitcoin-Mining auf dem Weg an die Nasdaq

Argo Blockchain IPO: Bitcoin-Mining auf dem Weg an die Nasdaq
Ticker: ARBK🌐Gründung: 2017Krypto

Overview

Argo Blockchain ist kein klassisches Tech-Startup, das disruptive Software verkauft. Das Unternehmen schürft Bitcoin. Und zwar in einem Ausmaß, das die meisten seiner börsennotierten Wettbewerber in den Schatten stellt. Mit über 21.000 Mining-Maschinen und einer Hashrate von mehr als 1.075 Petahash pro Sekunde zählt Argo per Juni 2021 zu den zehn größten selbst-betreibenden Bitcoin-Minern unter den börsennotierten Unternehmen weltweit.

Gegründet 2017 in London unter dem Namen GoSun Blockchain Limited, hat Argo den Sprung von einer kleinen Mining-Operation zu einer ernstzunehmenden Infrastrukturgesellschaft gemacht. Die Aktien sind bereits an der Londoner Börse (LSE) unter dem Kürzel ARB und am OTCQX Best Market unter ARBKF handelbar. Jetzt folgt das US-Listing: Argo reichte am 19. August 2021 seinen F-1 bei der SEC ein und will künftig an der Nasdaq unter dem Ticker ARBK gehandelt werden.

Warum jetzt? Der Bitcoin-Kurs hat sich erholt, institutionelles Interesse wächst, und Argo hat im ersten Halbjahr 2021 einen Umsatz von umgerechnet rund 43 Millionen US-Dollar erzielt. Das Timing ist kein Zufall. Das Unternehmen will frisches Kapital für eine aggressive Expansion in den USA, vor allem für ein gigantisches Mining-Gelände in West-Texas.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

Das Management-Team wird im F-1 nur knapp vorgestellt, Details finden sich im vollständigen MANAGEMENT-Abschnitt des Prospekts. Was man weiß: Das Unternehmen wird von erfahrenen Fachleuten aus der Krypto- und Technologiebranche geführt, die den Aufbau von Argo seit der Frühphase begleitet haben.

Zur Aktienstruktur macht der F-1 deutlich, dass Argo als ausländischer Privatemittent (Foreign Private Issuer) eingestuft wird. Das bedeutet, es gelten für das Unternehmen geringere Offenlegungspflichten als für US-amerikanische Emittenten. Keine Dual-Class-Struktur, keine bevorzugten Stimmrechte für Insider, wie man sie aus anderen Tech-IPOs kennt. Anleger erhalten ADS (American Depositary Shares), wobei ein ADS einer Stammaktie entspricht. Die Einlagenstelle ist JPMorgan Chase Bank.

Branche

Der Markt für Bitcoin-Mining ist so volatil wie das Asset selbst. Der Erfolg eines Miners hängt von drei Faktoren ab: dem Bitcoin-Preis, der Mining-Schwierigkeit (Difficulty) und den Stromkosten. Wer alle drei im Griff hat, verdient gut. Wer auch nur einen davon unterschätzt, verbrennt Kapital.

Argo konkurriert mit anderen börsennotierten Minern wie Riot Blockchain, Marathon Digital Holdings und Core Scientific sowie zahlreichen nicht-börsennotierten Playern. Der entscheidende Vorteil, den Argo ausbauen will, ist günstiger und sauberer Strom. Die Einrichtungen in Quebec nutzen überwiegend Wasserkraft, der geplante Texas-Standort setzt auf Wind- und Solarenergie.

Regulatorisch ist die Branche ein Moving Target. Die SEC beobachtet den Krypto-Sektor genau, und die Frage, welche digitalen Assets als Wertpapiere einzustufen sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Argo hat sich verpflichtet, jeden geschürften Token auf seinen möglichen Wertpapiercharakter zu prüfen, aber das Restrisiko bleibt. Hinzu kommen staatliche Regulierung von Stromnetzen und mögliche Einschränkungen beim Strombezug als operative Risiken.

Ein Rückenwind kommt vom wachsenden institutionellen Interesse an Bitcoin als Wertanlage. Wenn Bitcoin als Asset-Klasse reifer wird, steigen auch die Anforderungen an eine nachhaltige und professionelle Mining-Infrastruktur, genau dort will Argo punkten.

Produkte

Argos Geschäftsmodell ist vertikal: das Unternehmen kauft Mining-Hardware, betreibt sie in eigenen und gemieteten Rechenzentren und verkauft die geschürften Kryptowährungen.

  • Bitcoin-Mining: Kerngeschäft. Argo betreibt über 21.000 Maschinen und hat seit Gründung mehr als 4.515 Bitcoin und Bitcoin-Äquivalente geschürft. Im ersten Halbjahr 2021 lag die Mining-Marge bei 81%, was bedeutet, dass nur 19% der Mining-Einnahmen direkte Betriebskosten sind.
  • Eigene Infrastruktur: Argo besitzt und betreibt zwei eigene Mining-Standorte in Kanada (kombiniert 20 Megawatt) und nutzt zusätzlich vier gemietete Standorte in Kanada und den USA (kombiniert 23,5 Megawatt).
  • Texas-Projekt: Das mit Abstand größte Vorhaben. Argo hat 160 Acres Land in West-Texas erworben, mit Zugang zu bis zu 800 Megawatt Strom. Phase 1 soll 100 Megawatt im ersten Halbjahr 2022 liefern, Phase 2 weitere 100 Megawatt. Das wäre eine Vervielfachung der aktuellen Kapazität.
  • Argo Labs: Eine interne Abteilung, die in DeFi-Projekte (Decentralized Finance) und Proof-of-Stake-Netzwerke wie Ethereum investiert. Ziel ist die Diversifizierung der Einnahmen jenseits des reinen Bitcoin-Minings. Argo hat bereits in Pluto Digital PLC investiert.
  • Terra Pool: Ein von Argo betriebener Green Mining Pool, der ausschließlich mit sauberer Energie betrieben wird. Der erste seiner Art laut Unternehmensangaben.

Outlook

Die Zahlen zeigen, wie stark das Momentum ist. Der Umsatz im ersten Halbjahr 2021 betrug umgerechnet rund 42,9 Millionen US-Dollar, ein Wachstum von 179% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Das EBITDA lag bei umgerechnet rund 22,1 Millionen US-Dollar. Argo ist damit in einem schwierigen und zyklischen Markt tatsächlich profitabel.

Strategisch will Argo drei Dinge gleichzeitig: die Texas-Kapazitäten aufbauen, eigene Infrastruktur ausbauen statt externe Hosting-Dienstleistungen zu nutzen, und durch Argo Labs langfristig unabhängiger vom Bitcoin-Kurs werden. Das Texas-Projekt ist dabei der entscheidende Hebel, weil günstigerer und zuverlässigerer Strom direkt die Profitabilität steigert.

Die Risiken sind real. Bitcoin-Preisverfall trifft Argo doppelt: geringere Mining-Einnahmen und Wertverluste auf gehaltene Bitcoin. Hinzu kommt technologischer Verschleiß der Hardware und ein potenzieller Wechsel von Bitcoin zu einem Proof-of-Stake-Mechanismus, der Mining als Konzept überflüssig machen würde, auch wenn das für Bitcoin mittelfristig unwahrscheinlich ist. Außerdem ist das Texas-Projekt noch in der Entwicklung und mit Zeitplan- und Kostenrisiken verbunden.

Details zum IPO

Argo strebt über den US-Börsengang maximal 75 Millionen US-Dollar ein. Der genaue Emissionspreis und die Aktienanzahl wurden im F-1 noch nicht festgelegt. Die Erlöse sollen primär für die Finanzierung des Texas-Projekts und sonstiges Wachstum, darunter DeFi-Investitionen und Working Capital, verwendet werden.

Als gemeinsame Konsortialführer (Joint Book-Running Managers) sind Jefferies und Barclays mandatiert. Argo ist als Foreign Private Issuer eingestuft und bereitet seine Finanzberichte nach IFRS auf, nicht nach US-GAAP. Die Finanzangaben werden in Britischen Pfund (GBP) ausgewiesen. Eine Dual-Class-Struktur gibt es nicht, ADS-Inhaber erhalten jedoch keine direkten Aktionärsrechte, sondern die Rechte als ADS-Holder gemäß Depotvertrag mit JPMorgan Chase.

Bewertungskriterien

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Top-10 der börsennotierten Bitcoin-Miner weltweit mit über 21.000 Maschinen und 1.075 Petahash Hashrate

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Hohe Mining-Marge von 81% im ersten Halbjahr 2021 zeigt operative Effizienz durch günstigen Strom (Wasserkraft Quebec)

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Texas-Projekt mit Zugang zu 800 Megawatt öffnet den Weg zu einer Vervielfachung der Kapazitäten und günstigeren Stromkosten

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Tatsächlich profitabel: 7,2 Millionen Pfund Nettogewinn im ersten Halbjahr 2021 bei 179% Umsatzwachstum

Volles Exposure zu Bitcoin-Preisschwankungen, kein stabiler Einnahmestrom unabhängig vom Kryptomarkt

Texas-Projekt noch in der Entwicklung, Zeitplan- und Kostenrisiken sind hoch und könnten den Kapitalverbrauch erhöhen

Als Foreign Private Issuer gelten geringere Offenlegungspflichten, was Transparenz für neue US-Investoren einschränkt

Regulatorisches Risiko: Gesetzliche Einschränkungen für Krypto-Mining in den USA oder weltweit könnten das Geschäftsmodell direkt treffen