HMH Holding IPO: Bohrtechnik-Spin-off von Baker Hughes und Akastor

HMH Holding entwickelt und produziert hochtechnisierte Bohrausrüstung wie Blowout Preventers, Top Drives und Mud Pumps für die globale Öl- und Gasindustrie sowie zunehmend für den Bergbau. Das Unternehmen aus Houston entstand 2021 durch die Zusammenlegung der Subsea Drilling Systems von Baker Hughes und der MHWirth-Sparte von Akastor und betreibt heute über 1.100 Anlagen in 16 Ländern. Mit Markenlegenden wie Wirth seit 1905 und Hydril seit 1933 erwirtschaftet HMH rund 77 Prozent seines Umsatzes mit wiederkehrenden Aftermarket-Services.
Overview
HMH Holding hat am 12. August 2024 seine S-1-Unterlagen bei der SEC eingereicht und strebt die Erstnotiz an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker HMHW an. Anders als bei vielen Tech-Börsengängen geht es hier nicht um ein junges Unternehmen, das frisches Wachstumskapital sucht. Es ist ein klassischer Spin-off zweier etablierter Konzerne: Baker Hughes und der norwegischen Akastor.
Beide hatten ihre jeweiligen Bohrequipment-Sparten im Oktober 2021 zu HMH B.V. zusammengelegt, jeweils mit 50 Prozent Beteiligung. Baker Hughes brachte die Subsea Drilling Systems Pressure Control-Sparte ein, Akastor die MHWirth-Tochter. Mit dem IPO wollen die beiden Mütter nun einen Teil ihrer Beteiligung monetarisieren und HMH den Weg zur Eigenständigkeit als gelistetes Unternehmen ebnen.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Nach Jahren des Investitionsstaus erlebt der Offshore-Bohrmarkt einen Aufschwung. Rystad Energy rechnet mit weltweiten Investitionen von über 700 Milliarden US-Dollar pro Jahr zwischen 2024 und 2026 in die Öl- und Gasförderung, fast 50 Prozent mehr als 2020. Für ein Unternehmen mit 1.100 installierten Anlagen weltweit, von denen rund 75 Prozent im hochregulierten Offshore-Segment laufen, ist das ein direkter Rückenwind.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
HMH wird laut S-1 von einem Management-Team geführt, das überwiegend mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bohrsektor mitbringt. Das Team hat den Zusammenschluss von Baker Hughes' Subsea Drilling Systems und Akastors MHWirth-Sparte zu HMH B.V. 2021 umgesetzt und in den vergangenen Jahren bereits den Zukauf von Drillform Technical Services (Juli 2024) und ein Joint Venture in Saudi-Arabien (Hydril Arabia mit Tanajib, März 2024) abgeschlossen.
Bemerkenswert sind die Stimmrechtsverhältnisse nach dem IPO. HMH nutzt eine sogenannte Up-C-Struktur, bei der das börsennotierte Vehikel HMH Inc. nur die operative HMH B.V. hält. Anleger erhalten Class-A-Aktien, während Baker Hughes und Akastor über Class-B-Aktien (zwei Aktienklassen mit unterschiedlichen Rechten) die Stimmrechtsverhältnisse mitbestimmen. Beide Großaktionäre dürfen je zwei Direktoren ins Board entsenden, solange sie eine bestimmte Mindestbeteiligung halten.
Hinzu kommt ein Tax Receivable Agreement: 85 Prozent der zukünftigen Steuerersparnisse aus den Reorganisationsschritten fließen langfristig an Baker Hughes und Akastor, nur 15 Prozent verbleiben bei HMH. Im Risikoteil des S-1 räumt das Unternehmen außerdem ein, dass es wesentliche Schwächen in der internen Finanzkontrolle (material weaknesses) festgestellt hat. Bei Spin-offs ist das nicht ungewöhnlich, aber ein Punkt, der in die Risikoabwägung gehört.
Branche
Der Markt für Öl- und Gasbohrausrüstung steckt in einem mehrjährigen Aufschwung, nachdem die Branche zwischen 2014 und 2020 unter Investitionszurückhaltung gelitten hatte. Rystad Energy prognostiziert für Floater-Rigs (schwimmende Bohrplattformen) eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von über 7 Prozent zwischen 2023 und 2026. Bei Neubauten kann ein Komplettpaket Erlöse zwischen 200 und 300 Millionen US-Dollar pro Floater bringen, 45 Millionen für eine Jack-up-Plattform und 15 bis 25 Millionen für eine Land-Bohranlage.
Die Wettbewerber sind die üblichen Verdächtigen aus dem Oilfield-Services-Segment: National Oilwell Varco, Schlumberger (mit der übernommenen Cameron-Sparte), TechnipFMC und Aker Solutions. HMH positioniert sich vor allem über die Tiefe seines Aftermarket-Geschäfts. Bei Pressure-Control-Equipment wie Blowout Preventers schreibt die Regulierung vor, dass alle fünf Jahre eine Rezertifizierung stattfinden muss. In der Praxis übernimmt das fast immer der ursprüngliche Hersteller. Eine durchschnittliche Bohranlage läuft 20 bis 30 Jahre, und HMH betreut seine BOPs nach eigenen Angaben im Schnitt über 25 Jahre.
Wachstumspotenzial sieht HMH außerdem im Bergbau. Die eigenen Mud Pumps wurden zu Slurry Pumps weiterentwickelt, die im Bergbau zum Transport von Erzschlamm zum Einsatz kommen. Auch im Subsea-Mining, dem Abbau von Rohstoffen am Meeresgrund, will HMH eine Rolle spielen. Beides profitiert vom steigenden Bedarf an Lithium, Kobalt und seltenen Erden für Erneuerbare Energien.
Produkte
HMH gliedert sein Portfolio in Equipment-Verkauf (rund 23 Prozent des Umsatzes) und Aftermarket-Services (rund 77 Prozent):
- •Blowout Preventers (BOPs): Sicherheitsventile, die im Notfall den unkontrollierten Austritt von Öl oder Gas aus dem Bohrloch verhindern. HMH ist einer der wenigen anerkannten Hersteller für Subsea-BOPs in regulierten Märkten wie dem Golf von Mexiko oder der norwegischen Nordsee.
- •BOP Control Systems und Drilling Risers: Steuerungssysteme und Steigrohre, die den BOP mit der Plattform verbinden.
- •Wellhead Connectors: Die H-4-Wellhead-Connectors gelten laut HMH als Industriestandard, auch auf BOP-Stacks anderer Hersteller.
- •Top Drives, Iron Roughnecks, Derricks und Drawworks: Die Hebe- und Rotationssysteme, die den Bohrstrang antreiben und tragen. Maritime Hydraulics hat seit den 1980ern fast 400 Top Drives ausgeliefert.
- •Mud Pumps und Slurry Pumps: Hochleistungspumpen für Bohrflüssigkeit und Bergbau-Anwendungen.
- •Digitale Lösungen: Plattformen wie DrillPerform, RiCon, DrillCERT, SeaLytics und DEAL ermöglichen Fernüberwachung, Predictive Maintenance und automatisierte Bohrprozesse.
- •Aftermarket Services und CSAs: Wartung, Ersatzteile und Rezertifizierungen, oft als langfristige Service-Verträge (Contractual Service Agreements) mit Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren.
Markenseitig läuft HMH unter den etablierten Namen Hydril (seit 1933), VetcoGray, Wirth (seit 1905) und Maritime Hydraulics (seit 1968). In Entwicklung ist nach eigenen Angaben ein vollelektrischer BOP, der traditionelle hydraulische Systeme ablösen und Wartungskosten senken soll.
Outlook
Die Wachstumsstrategie ruht auf vier Säulen. Erstens will HMH vom Aufschwung im Offshore-Capex profitieren, wo die installierte Basis am größten ist und die Aftermarket-Erlöse direkt mit der Bohraktivität steigen. Zweitens sollen Onshore-Märkte stärker erschlossen werden, vor allem im Nahen Osten, wo die Nachfrage nach hochleistungsfähigen Bohrgeräten steigt. Drittens baut HMH das Bergbau-Geschäft aus, sowohl an Land als auch im Subsea-Bereich. Viertens setzt das Unternehmen auf Zukäufe nach dem Muster von Drillform.
Die finanzielle Ausgangslage ist ordentlich. Im ersten Halbjahr 2024 erzielte HMH 401 Millionen US-Dollar Umsatz und 25 Millionen Dollar Nettogewinn nach Steuern, gegenüber knapp 1,5 Millionen im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr 2023 lag der Umsatz bei 785 Millionen Dollar mit 17 Millionen Nettogewinn, nach einem Verlust von 27 Millionen 2022. Das Capex-Niveau ist mit 1,9 Prozent des Umsatzes ungewöhnlich niedrig für einen Equipment-Hersteller, was HMH selbst als asset-light bezeichnet.
Die größten Risiken bleiben die Zyklik des Öl- und Gasgeschäfts, die identifizierten Material Weaknesses in der Finanzkontrolle, die Tax-Receivable-Verpflichtungen und die fortbestehende Kontrolle der beiden Altaktionäre. Wer in HMH investiert, kauft im Kern eine Wette auf einen mehrjährigen Capex-Zyklus im Offshore-Segment.
Details zum IPO
HMH plant die Erstnotiz an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker HMHW. Emissionspreis und Volumen wurden im S-1 noch nicht festgelegt. Als Konsortialführer wurden J.P. Morgan, Piper Sandler und Evercore ISI mandatiert, ergänzt durch Citigroup, DNB Markets und Stifel.
Das Angebot umfasst Class-A-Stammaktien, während Baker Hughes und Akastor über Class-B-Aktien sowie eine spezielle Up-C-Struktur die Stimmrechtskontrolle behalten. Aus den Nettoerlösen will HMH unter anderem rund 125 Millionen US-Dollar Shareholder Loans an Baker Hughes und Akastor zurückzahlen sowie einen Teil der Class-A- und Class-B-Stimmrechtsanteile von beiden zurückkaufen. Der Rest fließt in allgemeine Unternehmenszwecke einschließlich möglicher Akquisitionen.
Im Rahmen des Tax Receivable Agreements werden 85 Prozent der zukünftigen Steuerersparnisse aus der Reorganisation an Baker Hughes und Akastor weitergereicht. HMH qualifiziert sich nach dem JOBS Act als Emerging Growth Company und kann daher reduzierte Berichtspflichten in Anspruch nehmen.
Bewertungskriterien
Über 1.100 installierte Anlagen weltweit mit rund 75 Prozent Offshore-Anteil und 77 Prozent Aftermarket-Umsatz im ersten Halbjahr 2024
Profitabel und asset-light mit 25 Millionen US-Dollar Nettogewinn in H1 2024 bei nur 1,9 Prozent Capex-Quote
Starker Branchenrückenwind durch Rystad-Prognose von über 700 Milliarden Dollar Öl- und Gas-Capex pro Jahr bis 2026 und 7 Prozent CAGR bei Floater-Rigs
125-jährige Markenhistorie über Wirth und Hydril mit Quasi-Monopol-Stellung im Aftermarket regulierter BOP-Märkte
Material Weaknesses in der internen Finanzkontrolle laut eigenem S-1 identifiziert
Baker Hughes und Akastor behalten über Class-B-Aktien faktische Stimmrechtskontrolle und stellen vier von voraussichtlich neun Boardmitgliedern
Tax Receivable Agreement leitet 85 Prozent der Steuerersparnisse langfristig an die Altaktionäre weiter
Stark zyklisches Geschäft, eng gekoppelt an Öl- und Gaspreise sowie an die Capex-Disziplin der großen E&P-Unternehmen