Overview
HMH wurde im Oktober 2021 als Gemeinschaftsunternehmen von Baker Hughes und der norwegischen Beteiligungsgesellschaft Akastor gegründet. Die beiden Konzerne brachten ihre jeweiligen Sparten für Offshore-Bohrtechnik in das neue Unternehmen ein, Baker Hughes den Bereich Subsea and Surface Drilling Systems und Akastor die Tochter MHWirth. Die Wurzeln der eingebrachten Marken reichen deutlich weiter zurück. Das Traditionsunternehmen Wirth fertigt seit 1895 Bohrequipment, Hydril Company entstand 1933 und Maritime Hydraulics wurde Anfang der 1970er Jahre in Kristiansand vom norwegischen Unternehmer Bjarne Skeie aufgebaut.
Die Eigentümerstruktur war zu Beginn paritätisch zwischen Baker Hughes und Akastor aufgeteilt. Beide Seiten verfolgten von Anfang an das Ziel, das Gemeinschaftsunternehmen mittelfristig an die Börse zu bringen. Operative Schwerpunkte sind die Standorte Houston in Texas und Kristiansand in Norwegen. Über fünf Kontinente hinweg betreibt HMH mehr als 30 Niederlassungen in 15 Ländern und beliefert Kunden in über 80 Märkten.
Heute beschäftigt HMH mehr als 2.000 Mitarbeiter und betreut eine installierte Basis von über 1.100 Ausrüstungspaketen. Mehr als 140 Offshore-Bohrplattformen weltweit nutzen integrierte Systeme des Unternehmens. Mit dem Börsengang im April 2026 wurde aus dem privat gehaltenen Joint Venture eine an der Nasdaq notierte Gesellschaft, in der Baker Hughes und Akastor weiterhin als Hauptaktionäre fungieren.
Management
CEO ist seit dem 1. Januar 2023 Eirik Bergsvik. Er übernahm die Führung von Merrill A. "Pete" Miller, der das Unternehmen seit der Fusion 2021 aufgebaut hatte und seither Chairman des Board of Directors ist. Bergsvik bringt mehr als 35 Jahre Erfahrung in der Ölfeldindustrie mit. Er war zuvor CEO von MHWirth, leitete von 2011 bis 2017 als CEO den norwegischen Bohrtechnik-Spezialisten Interwell und führte zwischen 2006 und 2011 die norwegische Tochter des US-Konzerns NOV.
CFO Thomas W. McGee verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Ölfeldindustrie und im Finanzbereich. Er war zuvor Vice President Corporate Development bei NOV und Executive in Residence bei der Private-Equity-Gesellschaft Warburg Pincus. COO Eugene C. Chauviere III stieß über die Baker-Hughes-Sparte zu HMH und blickt auf mehr als 35 Jahre in der Branche zurück, unter anderem mit Führungsrollen bei Hydril und Cameron. Als General Counsel und Chief Administration Officer verantwortet Dwight W. Rettig den Rechts- und Verwaltungsbereich. Auch er kommt von NOV, wo er mehr als drei Jahrzehnte tätig war.
Finanzdaten
Branche
HMH operiert im globalen Markt für Bohrequipment und Ölfelddienstleistungen. Die Investitionen der Förderkonzerne im Upstream-Bereich, also bei der Exploration und Produktion von Öl und Gas, dürften laut den im S-1 zitierten Industrieanalysen zwischen 2025 und 2027 jährlich über 700 Milliarden Dollar liegen. Das Offshore-Segment, das den Kern des HMH-Geschäfts ausmacht, wächst dabei stärker als die landgestützte Förderung. Die globale Offshore-Produktion soll zwischen 2025 und 2030 um rund 13 Prozent zulegen, die Nachfrage nach schwimmenden Bohrplattformen mit einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 4 Prozent.
Der Wettbewerb wird von wenigen großen Anbietern dominiert. Der wichtigste Konkurrent ist NOV, ein US-Konzern mit deutlich breiterem Ölfeldportfolio. Hinzu kommt die Cameron-Sparte von SLB, die direkt mit den Pressure-Control-Produkten von HMH konkurriert. Im Top-Drive-Segment treffen die Norweger zudem auf Canrig, eine Tochter des Bohrunternehmens Nabors, sowie auf den niederländischen Spezialisten Huisman. Im Servicegeschäft sind Anbieter wie KCA Deutag aktiv, im chinesischen Markt der Hersteller Honghua. HMH selbst verfügt nach eigenen Angaben über die zweitgrößte installierte Basis bei Bohrturmtechnik und Risern und liegt bei den Pressure-Control-Hauptkategorien an dritter Stelle.
Strukturell profitiert die Branche von einem Comeback der Offshore-Investitionen nach den Schwächephasen zwischen 2015 und 2020. Steigende Sicherheits- und Recertification-Anforderungen verlängern zudem die Wartungs- und Aftermarket-Zyklen, was den etablierten Equipment-Anbietern wiederkehrende Umsätze sichert. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage stark vom Ölpreis abhängig, was zu zyklischen Schwankungen führt.
Produkte und Services
Das Produktportfolio gliedert sich in zwei Hauptkategorien. Pressure-Control-Systeme umfassen Blowout-Preventer, Steuerungssysteme dafür, Drilling Riser sowie Wellhead-Connectoren. Diese Komponenten sichern Bohrungen gegen unkontrollierten Austritt von Öl oder Gas und sind besonders im Offshore-Bereich regulatorisch streng vorgeschrieben. Die zweite Kategorie ist die sogenannte Topside-Ausrüstung. Dazu zählen Hebe- und Rotationssysteme wie Top Drives, Iron Roughnecks, Drawworks und Bohrtürme sowie Zirkulationssysteme mit Schlamm- und Slurry-Pumpen. Vermarktet werden die Lösungen unter den Markennamen Hydril, VetcoGray, Wirth und Maritime Hydraulics.
Den größten Umsatzanteil liefert nicht der Verkauf neuer Anlagen, sondern das Geschäft mit Ersatzteilen und Wartung. Im Jahr 2025 entfielen 46,7 Prozent des Umsatzes auf Aftermarket-Services, weitere 27,3 Prozent auf den Verkauf von Spare Parts. Nur 26 Prozent stammten aus Projektgeschäft und Neuanlagen. Diese Verteilung gibt HMH eine vergleichsweise stabile Umsatzbasis, da die installierte Ausrüstung über Jahrzehnte gewartet, zertifiziert und mit Ersatzteilen versorgt werden muss. Auftragsbestand und Book-to-Bill-Verhältnis lagen seit 2023 bei rund 1,0, was auf ein stabiles Auslastungsniveau hindeutet.
Ergänzend baut HMH ein Portfolio digitaler Lösungen aus. Produkte wie DrillPerform, RiCon, DrillCERT, SeaLytics und SeaONYX bieten Funktionen für Echtzeit-Monitoring, Predictive Maintenance und Automatisierung von Bohrprozessen. Über die Kernkundschaft aus Bohrunternehmen und Ölkonzernen hinaus erschließt HMH benachbarte Märkte wie Subsea Mining, Geothermie, Offshore-Wind und den Bau großer Tiefenfundamente. Die Wirth-Pumpentechnologie hat sich in der Bergbauindustrie als Standard für Hochdruckanwendungen etabliert.
