Ryan Specialty Group IPO: Der Spezialist für komplexe Versicherungsrisiken

Ryan Specialty Group IPO: Der Spezialist für komplexe Versicherungsrisiken
Ticker: RYAN🌐Gründung: 2010Dienstleistungen🎧

Overview

Ryan Specialty Group geht an die Börse, und dahinter steckt eine Geschichte, die man so im Versicherungsmarkt selten sieht. Patrick G. Ryan, der Mann, der Aon aufgebaut und 41 Jahre lang geführt hat, gründete RSG 2010 noch einmal von vorn. Diesmal mit dem Fokus auf Spezialversicherungen, also genau die Risiken, die kein normaler Versicherer anfassen will.

Das S-1 wurde im Juni 2021 bei der SEC eingereicht. Die Erstnotiz soll an der New York Stock Exchange unter dem Ticker-Symbol RYAN erfolgen. RSG ist eine sogenannte Up-C-Struktur, die oft von Partnerships und LLCs bei Börsengängen genutzt wird. Bestehende Inhaber behalten damit steuerliche Vorteile, während neue Aktionäre Klasse-A-Aktien mit einem Stimmrecht pro Aktie erhalten.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

Gründer, Chairman und CEO ist Patrick G. Ryan, der im Versicherungsmarkt eine Legende ist. Er baute Aon zu einem der weltgrößten Versicherungsbroker auf und hat dort 41 Jahre die Führung übernommen. Wer so einen Track Record mitbringt, hat klare Glaubwürdigkeit, wenn er einen neuen Anlauf startet.

Die Dual-Class-Aktienstruktur gibt der Gründerfamilie das entscheidende Wort: Klasse-B-Aktien sind mit je 10 Stimmen ausgestattet. Dieses 10-fache Stimmrecht erlischt 12 Monate nach dem Tod oder der Beeinträchtigung von Patrick G. Ryan oder wenn die Klasse-B-Aktien unter 10% des Gesamtbestands fallen. Die sogenannten Ryan Parties kontrollieren damit nach dem IPO weiterhin die Stimmrechtsmehrheit.

Jeremiah R. Bickham verantwortet als CFO die Finanzseite. Das Führungsteam wird ergänzt durch Timothy W. Turner als President und Tom Clark als CEO der Underwriting-Managers-Sparte. Bemerkenswert ist außerdem die Mitarbeiterbeteiligung: 404 Mitarbeiter sind als Aktionäre eingetragen, darunter 47 der 50 umsatzstärksten Vertriebsmitarbeiter.

Branche

RSG operiert im US-amerikanischen Excess-and-Surplus-Markt (E&S), also dem Teil des Versicherungsmarkts, der nicht durch klassische, regulierte Carrier abgedeckt wird. Laut AM Best hatte dieser Markt 2019 ein Volumen von 55 Milliarden US-Dollar an geschriebenen Prämien und wuchs zwischen 2010 und 2019 mit einer CAGR von 6,4% schneller als der Admitted-Markt mit 4,0%.

Der Markt ist strukturell im Vorteil, weil komplexe Risiken nicht einfach wegfallen: Cyber-Angriffe, extreme Wetterereignisse, soziale Inflation bei Gerichtsurteilen und die Verlagerung der Wirtschaft in Richtung digitale Geschäftsmodelle sorgen dafür, dass immer mehr Risiken nicht mehr im Standardmarkt platziert werden können. Wer im E&S-Markt die Infrastruktur und das Spezialwissen hat, profitiert davon.

Die Wettbewerber im Wholesale-Brokerage-Markt umfassen andere spezialisierte Wholesale-Broker wie CRC Insurance Services, AmWINS und Burns & Wilcox. RSG positioniert sich als zweitgrößter US-Wholesale-Broker und drittgrößter MGA/MGU nach Prämienvolumen. Ein entscheidender Unterschied zum Wettbewerb: RSG hat kein eigenes Retail-Geschäft und vermeidet damit Interessenkonflikte mit seinen 15.500 Retail-Broker-Partnern.

Produkte

RSG operiert über drei Vertriebskanäle, sogenannte Specialties:

  • Wholesale Brokerage (RT Specialty): Verteilung von Spezialversicherungen für Property, Casualty, Professional Lines und Workers' Compensation an Retail-Broker. Größte Sparte mit rund 66% des Gesamtumsatzes 2020.
  • Binding Authority (RT Specialty / RT Binding Authority): Delegierte Zeichnungsvollmacht für transaktionale Risiken mit klar definierten Zeichnungsrichtlinien. Schnelles Binden von Policen ohne manuelle Carrier-Rückfrage. Rund 13% des Umsatzes 2020.
  • Underwriting Management (RSG Underwriting Managers): 21 MGAs und MGUs sowie 29 nationale Programme für spezialisierte Nischenmärkte wie Cyber, erneuerbare Energien, Life Sciences, Mega-Yachten und M&A-Haftpflicht. Rund 21% des Umsatzes 2020.

Ergänzend dazu betreibt RSG The Connector, eine digitale Plattform, über die Retail-Broker Angebote einholen und Policen online binden können, ohne manuell mit einem Underwriter sprechen zu müssen. Das Unternehmen bearbeitet jährlich über 1,6 Millionen Einreichungen über Wholesale Brokerage und Binding Authority.

Outlook

RSG befindet sich klar im Wachstumsmodus. Der organische Umsatz wuchs 2020 um 20,4% und im ersten Quartal 2021 um 18,4%. Der Gesamtumsatz stieg 2020 auf 1,018 Milliarden US-Dollar, nach 765 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Das ist ein Zuwachs von 33%, getrieben durch organisches Wachstum und die Akquisition von All Risks im September 2020.

Die wichtigsten Wachstumshebel nach dem IPO sind die weitere Talentgewinnung, gezielte M&A und die Vertiefung der Beziehungen zu bestehenden Retail-Broker-Partnern. RSG hat seit 2018 53 neue Vertriebsmitarbeiter eingestellt, die mittlerweile 289 Millionen US-Dollar an Jahresprämien verantworten. Die Producer-Retention liegt bei 97%.

Das Adjusted EBITDAC-Margenniveau von rund 29% zeigt, dass das Geschäftsmodell profitabel skaliert. Der Net Income war im ersten Quartal 2021 durch einmalige Aufwendungen und die Neubewertung von Finanzinstrumenten kurzfristig negativ, spiegelt aber nicht die operative Ertragskraft wider.

Das größte Risiko ist die Abhängigkeit von Patrick G. Ryan als zentraler Führungsfigur. Das S-1 listet keinen ausgearbeiteten Nachfolgeplan auf.

Details zum IPO

RSG plant die Erstnotiz an der NYSE unter dem Ticker RYAN. Der genaue Emissionspreis und das Emissionsvolumen lagen zum Zeitpunkt der S-1-Einreichung noch nicht fest. Als Joint-Lead-Bookrunner wurden J.P. Morgan, Barclays, Goldman Sachs und Wells Fargo mandatiert, ergänzt durch weitere Co-Manager wie UBS, William Blair, RBC Capital Markets und BMO.

Die Dual-Class-Struktur (zwei Aktienklassen mit unterschiedlichen Stimmrechten) sichert den Ryan Parties die Stimmrechtsmehrheit. Die bestehenden LLC-Inhaber, darunter Private-Equity-Investor Onex, werden im Rahmen des IPOs einen Teil ihrer Anteile veräußern. RSG nutzt dabei eine sogenannte Up-C-Struktur, bei der die Altgesellschafter steuerliche Vorteile durch die LLC-Struktur behalten können.

Bewertungskriterien

+

Bewährter Gründer mit einzigartigem Track Record: Patrick G. Ryan baute Aon über vier Jahrzehnte auf

+

Starkes organisches Wachstum von 20% im Jahr 2020 trotz COVID-Umfeld

+

Marktführende Position mit bevorzugten Beziehungen zu 97 der Top-100-Retail-Broker

+

Struktureller Rückenwind durch wachsende Komplexität im E&S-Versicherungsmarkt

Starke Abhängigkeit von CEO Patrick G. Ryan ohne klar kommunizierten Nachfolgeplan

Up-C-Struktur und Dual-Class-Aktien geben Altgesellschaftern dauerhaft überproportionale Kontrolle

Stimmrechtsmehrheit bei den Ryan Parties schränkt Einfluss neuer Aktionäre erheblich ein

Wachstum teilweise durch Akquisitionen getrieben, Integrationsrisiken nicht unerheblich