Gold stürzt trotz Krieg ab und Bitcoin leidet mit

Gold verliert ein Viertel seit dem Januar-Rekord
Gold gilt als der sichere Hafen schlechthin. Wenn die Welt brennt, kaufen Anleger das gelbe Metall. So lautet zumindest die Theorie. Gerade passiert das Gegenteil. Mitten im Krieg im Iran ist der Goldpreis tief gefallen.
Ende Januar 2026 kostete eine Feinunze noch knapp 5.600 Dollar, also rund 4.830 Euro. Das war ein Allzeithoch. Aktuell sind es nur noch etwa 4.170 Dollar oder gut 3.600 Euro. Ein Minus von rund 25 Prozent gegenüber dem Rekord und der tiefste Stand des Jahres. Silber traf es noch härter. Die Feinunze rutschte auf rund 65 Dollar, umgerechnet etwa 56 Euro, und verlor prozentual deutlich mehr als Gold.
Für viele junge Anleger wirkt das paradox. Krieg, hohe Inflation, politische Unsicherheit. Eigentlich das perfekte Umfeld für Gold. Warum es trotzdem abwärts geht, hat mit Zinsen, dem Dollar und einer großen Portion Spekulation zu tun.

Warum der Krieg Gold nicht mehr stützt
Als Ende Februar die Straße von Hormus gesperrt wurde, schoss Gold nach oben. Anleger flüchteten in Sicherheit. Die Angst vor Energieknappheit und steigenden Preisen trieb den Kurs. Genau dieser Treiber fällt jetzt weg.
In den vergangenen Tagen verdichteten sich die Hinweise auf einen Frieden. US-Präsident Donald Trump deutete an, ein Abkommen mit dem Iran könne noch am Wochenende unterschrieben werden und die Straße von Hormus wieder öffnen. Der Ölpreis fiel daraufhin unter 85 Dollar je Fass, rund 73 Euro. Weniger Kriegsangst heißt weniger Nachfrage nach dem sicheren Hafen. Gold verliert seinen Kriegsbonus.
Dazu kommt ein Effekt, den viele unterschätzen. Ein großer Teil des Anstiegs der vergangenen Monate kam von Spekulanten mit geliehenem Geld. Die Investmentbank Goldman Sachs deutet den Rückgang vor allem als Auflösung dieser fremdfinanzierten Wetten, nicht als fundamentalen Bruch. Wenn der Kurs dreht, müssen diese Anleger schnell verkaufen. Das verstärkt den Fall zusätzlich.
Ein starker Arbeitsmarkt dreht die Zinswende
Der eigentliche Auslöser kam von einer Stelle, die kaum jemand auf dem Schirm hatte. Vom US-Arbeitsmarkt.
Anfang Juni meldete die US-Regierung überraschend starke Jobzahlen. Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen, erwartet waren nur 85.000. Die Arbeitslosenquote blieb stabil bei 4,3 Prozent. Klingt erstmal nach guter Nachricht. Für Gold war es eine schlechte. Ein robuster Arbeitsmarkt zerstörte die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank Fed. Plötzlich wetteten mehr als die Hälfte der Marktteilnehmer sogar auf eine Zinserhöhung in diesem Jahr.
Warum trifft das Gold so hart? Gold wirft keine Zinsen ab. Es liegt im Tresor und zahlt nichts. Wenn Anleihen und Sparkonten dagegen ordentlich Rendite bringen, wird Gold im Vergleich unattraktiv. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg über 4,50 Prozent. Jeder Prozentpunkt mehr bei den Zinsen erhöht die Kosten, Gold im Depot zu halten.
Gleichzeitig legte der Dollar zu. Der Dollar-Index kletterte auf den höchsten Stand seit dem 9. April. Ein starker Dollar macht Gold für den Rest der Welt teurer und bremst die Nachfrage. Auch die Gold-ETFs drehten ins Minus. Nach drei Wochen mit Zuflüssen zogen Anleger erstmals wieder Geld ab. Charttechnisch fiel Gold unter die vielbeachtete 200-Tage-Linie, das erste Mal seit Oktober 2023. Für viele Trader ein Warnsignal.
Spannend ist die Lage diesseits des Atlantiks. Die Europäische Zentralbank hob den Leitzins erstmals seit 2023 wieder an, um 0,25 Punkte auf 2,25 Prozent. Hintergrund sind steigende Energiepreise und eine anziehende Inflation. Höhere Zinsen in Europa und den USA gleichzeitig. Ein schwieriges Umfeld für ein Metall, das selbst nichts abwirft.
Bitcoin und der Mythos vom digitalen Gold
Jetzt zu Bitcoin, das viele als digitales Gold bezeichnen. Die Idee dahinter klingt überzeugend. Begrenztes Angebot, unabhängig von Staaten, ein Schutz in Krisen. In der Praxis hält dieses Versprechen gerade nicht.
Bitcoin überschritt im Oktober 2025 noch 126.000 Dollar und rutschte seitdem in den mittleren 70.000er-Bereich ab. Anfang Juni 2026 pendelte der Kurs je nach Börse zwischen rund 72.000 und 74.000 Dollar, umgerechnet etwa 62.000 bis 64.000 Euro. Über das laufende Jahr steht damit ein Minus.
Besonders aufschlussreich war das Wochenende der ersten Militärschläge im Februar. Als die Nachricht kam, waren Aktien- und Anleihemärkte geschlossen. Krypto handelte weiter. Bitcoin fiel rund 3,8 Prozent auf etwa 63.300 Dollar. Große Investoren behandelten die Kryptowährung wie eine Technologieaktie unter Beschuss und schichteten in Dollar und physisches Gold um. Genau in dem Moment, in dem digitales Gold seine Stärke hätte zeigen sollen, verhielt es sich wie ein riskantes Wachstumspapier.
Eine Sache spricht trotzdem für die Krypto-Anhänger. Das Interesse großer Investoren bleibt hoch. Die US-Bitcoin-ETFs sammelten seit ihrem Start im Januar 2024 mehr als 53 Milliarden Dollar an Zuflüssen ein. Für eine vergleichbare Summe brauchten die Gold-ETFs einst rund fünf Jahre. Die Geschichte der Akzeptanz ist also intakt. Nur die These vom verlässlichen Krisenschutz hat einen Dämpfer bekommen.
Wir bei DieSpekulanten sehen darin vor allem eine Lektion über Erwartungen. Gold und Bitcoin werden gern in einen Topf geworfen. Im Stresstest dieses Jahres verhielten sie sich grundverschieden.
Was der Goldrutsch für Anleger bedeutet
Wer Gold oder Silber im Depot hat, sollte die Bewegung einordnen können. Trotz des Rückgangs steht Gold im Jahresvergleich weiter klar im Plus. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt der Preis rund 30 Prozent höher als vor einem Jahr. Aus diesem Blickwinkel ist das eine Korrektur, kein Zusammenbruch.
Für den Boden unter dem Preis sorgen vor allem die Notenbanken. Allein im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken weltweit 244 Tonnen Gold. Diese Käufer denken in Jahren, nicht in Tagen, und reagieren kaum auf einzelne Wirtschaftsdaten. Solange dieser Strom anhält, bleibt ein totaler Absturz unwahrscheinlich.
Wichtig für deutsche Anleger ist der Wechselkurs. Gold wird in Dollar gehandelt. Ein Euro war zuletzt rund 1,16 Dollar wert. Steigt der Dollar, federt das den Preisrückgang für Euro-Anleger etwas ab. Fällt der Dollar wieder, verstärkt sich der Verlust in Euro. Diesen Effekt sollte man bei jedem Gold-Investment mitdenken.
Wer breit gestreut ist, spürt den Rutsch ohnehin abgeschwächt. Gold und Silber sind Bausteine in einem Portfolio, nicht das ganze Haus. Wer dagegen voll auf Edelmetalle oder Krypto als alleinigen Krisenschutz gesetzt hat, lernt gerade, wie heftig solche Wetten schwanken können.
Wie es mit dem Goldpreis weitergeht
Die nächste große Weichenstellung kommt von der Fed. Am 17. Juni entscheidet die US-Notenbank über die Zinsen. Signalisiert sie eine Pause oder gar eine Senkung, könnte Gold schnell wieder Rückenwind bekommen. Bleibt der harte Kurs, dürfte der Druck anhalten.
Viel hängt am Frieden im Nahen Osten und an der Inflation. Beruhigt sich die Lage und sinken die Energiepreise, fehlt Gold ein Treiber. Eskaliert es erneut, kann die alte Sicherheitsnachfrage zurückkehren. Für Anleger zählt vor allem eines. Ruhe bewahren und die großen Linien im Blick behalten, statt jeder Tagesmeldung hinterherzulaufen.
