Asteroid Mining Aktien bleiben Mangelware

Zwei Sonden, zwei Asteroiden, eine Woche
Anfang Juli lieferte die Raumfahrt gleich zwei Asteroiden-Momente binnen 24 Stunden. Am 5. Juli raste Japans Sonde Hayabusa2 mit rund fünf Kilometern pro Sekunde am Brocken Torifune vorbei und funkte aus weniger als einem Kilometer Abstand Bilder zur Erde. Nur einen Tag später meldete Chinas Raumfahrtbehörde den Vollzug einer noch größeren Aufgabe. Die Sonde Tianwen-2 hat nach gut 400 Tagen Flug den Asteroiden Kamoʻoalewa erreicht und bleibt dort. Sie kartiert den nur wenige Dutzend Meter großen Erdbegleiter und soll ab 2027 mindestens 100 Gramm Material einsammeln. Ende November 2027 soll die Kapsel mit den Proben landen, China wäre dann nach Japan und den USA erst die dritte Nation mit Asteroidengestein.
Parallel läuft ein kommerzielles Rennen an. SpaceX, seit dem Rekordbörsengang Mitte Juni mit einem Erlös von 75 Milliarden Dollar an der Nasdaq, umgerechnet rund 66 Milliarden Euro, nennt im Verkaufsprospekt den Abbau von Metallen auf erdnahen Asteroiden und im Asteroidengürtel als geplantes Geschäftsfeld. Und das kalifornische Start-up AstroForge will im vierten Quartal seine Sonde DeepSpace-2 starten und als erstes Privatunternehmen überhaupt einen Asteroiden aus der Nähe fotografieren.
Für Anleger stellt sich damit die Frage, wie sich das Thema handeln lässt. Die ehrliche Antwort fällt ernüchternd aus. Reine Asteroid Mining Aktien existieren bis heute nicht.

Platin, Wasser und ein Rechenproblem
Die Verlockung ist schnell erklärt. Metallreiche Asteroiden enthalten Platin, Palladium und Iridium in Konzentrationen, von denen irdische Minen nur träumen. Wasserhaltige Brocken könnten künftig Treibstoff für Raumfahrzeuge liefern, direkt im All und ohne teuren Start von der Erde. Analysten des US-Börsendienstes Motley Fool rechneten im Juni vor, dass die per Starship erreichbaren Vorkommen theoretisch 227 Billionen Dollar wert wären, knapp 200 Billionen Euro.
Die Realität ist um viele Größenordnungen kleiner. Weltweit werden pro Jahr nur rund 227 Tonnen Platin gefördert, ein plötzliches Überangebot aus dem All würde den Preis schlicht zerstören. Und bislang hat niemand auch nur ein Gramm kommerziell zurückgebracht. Die NASA-Sonde Osiris-Rex lieferte 2023 gut 120 Gramm vom Asteroiden Bennu, die Mission verschlang knapp 1,2 Milliarden Dollar, gut eine Milliarde Euro. Japans Hayabusa2 brachte 5,4 Gramm heim. Marktforscher von ResearchAndMarkets beziffern die Branche für 2026 auf rund 2,5 Milliarden Dollar, etwa 2,2 Milliarden Euro, gemeint sind damit aber Entwicklung und Vorarbeiten, kein einziges gefördertes Erz.
Sechs Aktien mit echtem Asteroiden-Bezug
Wer investieren will, geht deshalb über Umwege. Diese sechs börsennotierten Unternehmen haben nachweisbaren Bezug zur Branche, keines verdient damit heute Geld.
- •SpaceX ist der einzige Börsenkonzern, der Asteroidenbergbau schwarz auf weiß als Zukunftsgeschäft im eigenen Prospekt führt. Rohstoffe aus dem All sollen einmal Fabriken und Stationen im Orbit versorgen, damit weniger Masse von der Erde gestartet werden muss. Eine Falcon 9 brachte 2024 zudem die europäische Asteroidensonde Hera ins All. Neben Raketen, Starlink und dem KI-Geschäft bleibt das Thema vorerst Zukunftsmusik.
- •OHB aus Bremen hat die ESA-Sonde Hera gebaut, die Anfang Dezember den Doppelasteroiden Didymos erreichen soll. Die italienische Tochter liefert zudem die Spezialkamera für die geplante Apophis-Mission Ramses. Der lange geplante Börsenrückzug wurde Anfang 2026 gestoppt, getragen wird der Kurs derzeit allerdings vom Rüstungsgeschäft im All, nicht von Asteroiden.
- •Lockheed Martin baute für die NASA sowohl Osiris-Rex, die erste amerikanische Probenmission zu einem Asteroiden, als auch die Sonde Lucy, die derzeit mehrere Asteroiden abfliegt. Der Rüstungsriese beherrscht damit Technik, die künftige Schürfer brauchen werden. Gemessen am Konzernumsatz bleibt das ein Randthema.
- •NEC aus Japan fertigte die Sonde Hayabusa2, die Proben vom Asteroiden Ryugu einsammelte und Anfang Juli am Asteroiden Torifune vorbeiflog. Der Elektronikkonzern verdient sein Geld freilich mit IT-Diensten, die Asteroidentechnik ist Prestige.
- •Intuitive Machines fliegt eigentlich zum Mond, nimmt auf seinen Startraketen aber Asteroidensonden als Beifahrer mit. Schon AstroForges erste Tiefraumsonde startete 2025 huckepack mit einer Mondmission der Amerikaner, im vierten Quartal soll die Nachfolgerin DeepSpace-2 gemeinsam mit dem Mondlander IM-3 abheben.
- •ispace aus Tokio hat mit der britischen Asteroid Mining Corporation vereinbart, deren sechsbeinigen Schürfroboter SCAR-E mit einem Mondlander zu transportieren, als Technikprobe für spätere Asteroiden-Einsätze. Die bisherigen zwei Landeversuche der Japaner auf dem Mond scheiterten allerdings.
Die eigentlichen Pioniere sind nicht börsennotiert
Die spannendsten Wetten laufen abseits der Börse. AstroForge aus Kalifornien hat seit 2022 rund 55 Millionen Dollar eingesammelt, knapp 50 Millionen Euro, und baut Sonden zu Kampfpreisen. Die komplette DeepSpace-2-Mission kostet nach Firmenangaben weniger als 10,5 Millionen Dollar, gut neun Millionen Euro. Das Ziel sind platinreiche Brocken, aus einer Liste von rund 28 Kandidaten wird erst kurz vor dem Start ausgewählt. Der erste Versuch namens Odin verstummte 2025 schon einen Tag nach dem Start.
Daneben arbeiten weitere Wagniskapital-Firmen an eigenen Konzepten. TransAstra aus Los Angeles will Asteroiden mit gebündeltem Sonnenlicht aufbrechen und gewann dafür NASA-Aufträge. Karman+ aus Denver sammelte rund 20 Millionen Dollar ein, etwa 18 Millionen Euro, und peilt für 2027 einen ersten Abbautest an. Die britische Asteroid Mining Corporation entwickelt den Kletterroboter SCAR-E und verdient ihr Geld übergangsweise mit Inspektionen von Schiffsrümpfen auf der Erde. In China testet Origin Space seine Technik im Orbit. Kleinanleger bleiben bei all dem außen vor.
Zur Wahrheit gehört auch der Friedhof der Branche. Die erste Gründerwelle scheiterte komplett. Planetary Resources, einst von Google-Mitgründer Larry Page unterstützt, wurde 2018 an eine Blockchain-Firma verkauft. Der Rivale Deep Space Industries verschwand ein Jahr später in einem Zulieferer. Prominente Geldgeber schützen in diesem Geschäft vor gar nichts.
Ein Investment mit sehr langem Atem
Wer heute auf Asteroid Mining setzt, kauft immer ein stark verdünntes Versprechen. Bei SpaceX mit einem Börsenwert von knapp zwei Billionen Dollar, rund 1,6 Billionen Euro, ist der Asteroidenplan ein Nebensatz im Prospekt, der Kurs hängt an Starlink und künstlicher Intelligenz. Bei Lockheed Martin und NEC dominieren Rüstung und IT, bei OHB die Satellitenaufträge der Bundeswehr. Ein Erfolg oder Misserfolg am Asteroiden bewegt diese Papiere kaum. Dazu kommt für Euro-Anleger das Währungsrisiko, denn fast alle Kandidaten notieren in Dollar oder Yen.
Der Zeithorizont verlangt zusätzliche Geduld. Selbst Optimisten wie AstroForge peilen erste echte Bergbau-Missionen zum Ende des Jahrzehnts an, kommerzielle Mengen sind frühestens in den 2030er Jahren denkbar. Rechtlich bewegt sich die Branche in einer Grauzone. Der Weltraumvertrag von 1967 verbietet Staaten die Aneignung von Himmelskörpern, die USA und Luxemburg erlauben ihren Firmen per Gesetz trotzdem das Eigentum an geförderten Rohstoffen. Und selbst ein technischer Durchbruch löst das Grundproblem nicht, dass massenhaft Platin aus dem All den Platinpreis ruinieren würde.
Immerhin flog deutsche Technik längst mit. Der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt mitentwickelte Lander Mascot hüpfte 2018 über den Asteroiden Ryugu. Zum Vergleich lohnt außerdem der Blick in die Tiefsee, über die wir zuletzt berichtet haben. Dort warten börsennotierte Firmen immerhin schon auf konkrete Abbaugenehmigungen, beim Asteroid Mining fehlt selbst dieser Reifegrad noch.
Die nächsten Etappen bis 2029
Langweilig wird es trotzdem nicht. Im vierten Quartal startet DeepSpace-2, Anfang Dezember erreicht die Bremer Hera-Sonde den Asteroiden Didymos. Im April 2027 verlässt Tianwen-2 sein Ziel, Ende November 2027 sollen die Proben in China landen. Der große Moment folgt am 13. April 2029, wenn der Asteroid Apophis in rund 32.000 Kilometern an der Erde vorbeizieht, näher als viele Satelliten und in Europa mit bloßem Auge sichtbar. NASA und ESA schicken Sonden hinterher, im selben Jahr erreicht die NASA-Mission Psyche den gleichnamigen Metallasteroiden.
Unsere Einschätzung: Als Wissenschaft ist Asteroid Mining längst real, als Geschäft bleibt es ein Konzept mit Jahrzehnthorizont. Eine investierbare reine Asteroid Mining Aktie fehlt weiterhin, und die Umwege über Großkonzerne verdünnen das Thema bis zur Unkenntlichkeit. Interessant wird es, falls AstroForge und Co. irgendwann den Sprung an die Börse wagen oder DeepSpace-2 im Winter tatsächlich Bilder liefert. Bis dahin bleibt der Asteroidenbergbau, was er seit einem Jahrzehnt ist, eine sehr große Erzählung mit bislang sehr kleinen Raumsonden.
