Iran-Abkommen drückt den Ölpreis und entlastet Anleger

Öltanks eines Tanklagers am Wasser unter dunklem Wolkenhimmel als Bezug zum sinkenden Ölpreis nach dem Iran-Abkommen

Der Krieg ist beendet

Nach dreieinhalb Monaten Krieg im Nahen Osten ist die Wende da. In der Nacht zum 18. Juni 2026 haben US-Präsident Donald Trump und Irans Präsident Massud Peseschkian das Rahmenabkommen digital unterzeichnet. Das Papier trägt den Namen Islamabad-Memorandum und tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. Vermittler war Pakistan. Vereinbart ist ein sofortiges Ende der Kämpfe an allen Fronten, auch im Libanon.

Für die Märkte zählt vor allem ein Punkt. Der Iran will die Straße von Hormus unverzüglich wieder öffnen, die USA heben ihre Seeblockade auf. Innerhalb von 30 Tagen soll der Schiffsverkehr durch die Meerenge wieder das Niveau von vor dem Krieg erreichen. Über diese schmale Wasserstraße läuft ein großer Teil des weltweiten Ölhandels.

Die Reaktion war eindeutig. Der Ölpreis ist seit dem Höhepunkt des Konflikts um rund 40 Prozent gefallen. Brent, die wichtigste Sorte für Europa, notiert zuletzt unter 80 US-Dollar, also etwa 68 Euro je Barrel. Die US-Sorte WTI liegt bei rund 75 Dollar, knapp 65 Euro. Asiens Börsen sprangen auf Rekordhochs, der japanische Nikkei kletterte zwischenzeitlich über 69.000 Punkte.

Warum der Ölpreis alles ins Rollen bringt

Um die Tragweite zu verstehen, hilft eine einfache Kette. Der Krieg hatte die Straße von Hormus teilweise lahmgelegt. Weil dadurch Öl knapper wurde, stieg der Preis zeitweise auf rund 120 Dollar je Barrel, umgerechnet gut 100 Euro. Teures Öl verteuert Benzin, Heizen und Transport, und das treibt die Inflation. In den USA kletterten die Verbraucherpreise im Mai auf 4,2 Prozent.

Hohe Inflation zwingt die Notenbanken zum Handeln. Statt die Zinsen zu senken, hielten die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank zuletzt dagegen. Die EZB hob ihren Leitzins am 11. Juni sogar an, die erste Erhöhung seit September 2023. Hohe Zinsen bremsen die Wirtschaft und belasten viele Aktien, weil Kredite teurer werden und sichere Anlagen wie Anleihen im Vergleich attraktiver.

Genau hier setzt das Abkommen an. Öffnet sich Hormus wieder, fließt mehr Öl, der Preis fällt, und der Inflationsdruck lässt nach. Das verschafft den Notenbanken mittelfristig Spielraum. Das Iran-Abkommen drückt den Ölpreis und entlastet Anleger damit gleich an mehreren Stellen. Ein billigeres Fass senkt nicht nur die Energiekosten der Unternehmen, es nimmt auch der Zinsangst etwas von ihrer Schärfe.

Wer an der Börse gewinnt und verliert

Ein fallender Ölpreis sortiert die Branchen neu. Verlierer sind die großen Ölkonzerne, weil ihre Gewinne direkt am Ölpreis hängen. Als sich die Einigung abzeichnete, verloren Werte wie TotalEnergies, BP und Eni zwischen 3,7 und 5,2 Prozent, der europäische Ölindex gab 3,3 Prozent nach.

Auf der Gewinnerseite stehen Branchen, für die Treibstoff ein großer Kostenblock ist. Fluggesellschaften wie die Lufthansa profitieren von billigerem Kerosin, ebenso Logistik- und Reedereifirmen, deren Schiffe und Lkw mit günstigerem Diesel fahren. Auch die Autobranche legte zu, Renault und Stellantis gewannen mehrere Prozent.

Für den deutschen Markt war die Erleichterung spürbar, aber begrenzt. Der DAX kletterte zwischenzeitlich wieder über die Marke von 25.000 Punkten, der EuroStoxx 50 legte rund ein Prozent zu. Gedeckelt wird die Stimmung allerdings von der Geldpolitik. Weil die US-Notenbank unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh einen straffen Kurs signalisiert, bleibt die Begeisterung gebremst. Am Anleihemarkt sorgten die nachlassenden Inflationssorgen für etwas Entspannung, die Renditen gaben leicht nach.

Der Haken am Frieden

So erleichtert die Märkte reagieren, ein paar Fragen bleiben offen. Der Iran besteht weiter auf einer Gebühr für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus und will nicht zu den Bedingungen vor dem Krieg zurückkehren. Nur für die nächsten 60 Tage soll die Passage gebührenfrei bleiben, danach will Teheran die Regeln mit dem Oman aushandeln.

Auch politisch ist nicht alles glatt. Israel sieht den Deal kritisch, vor allem die Klausel zum Libanon. Premierminister Netanyahu lehnt einen Rückzug der israelischen Armee aus dem Libanon bislang ab. Das Atomprogramm des Iran bleibt in den 14 Punkten weitgehend ausgespart und soll erst in den kommenden Wochen verhandelt werden. Zum Vergleich, der Atomdeal von 2015 brauchte fast zwei Jahre. Immerhin sollen rund 24 Milliarden Dollar, knapp 21 Milliarden Euro, an eingefrorenem iranischem Vermögen schrittweise freigegeben werden.

Hinzu kommt die praktische Seite. Die US-Energiebehörde rechnet damit, dass die Straße von Hormus zunächst nur eingeschränkt nutzbar bleibt und sich die vollständige Normalisierung bis weit ins Jahr 2026 ziehen könnte. Für die endgültige Aufhebung der Sanktionen muss am Ende sogar der US-Senat zustimmen.

Was das für Anleger bedeutet

Wer die großen Linien sucht, sollte den Ölpreis im Auge behalten. Er ist derzeit der wichtigste Hebel für die Inflation, und über die Inflation entscheidet sich, wie die Notenbanken bei den Zinsen vorgehen. Fällt das Öl nachhaltig, sinkt der Preisdruck, und die Hoffnung auf eine irgendwann wieder lockerere Geldpolitik wächst. Das ist für die meisten Aktien eine gute Nachricht, weil günstigere Energie die Kosten der Unternehmen senkt und die Kaufkraft der Verbraucher stützt.

Trotzdem lohnt ein nüchterner Blick. Fed und EZB haben ihren Kurs noch nicht gedreht. Kurzfristig ist also nicht mit fallenden Zinsen zu rechnen, eher mit etwas weniger Druck nach oben. Das Abkommen nimmt vom Tisch, was monatelang als größtes Risiko galt, fügt aber ein neues hinzu, nämlich die Frage, ob die Vereinbarung wirklich hält. Vieles davon steckt zudem schon in den Kursen, weil die Börsen den Frieden seit Wochen erwartet haben. Eine seriöse Einordnung heißt deshalb, die Entlastung anzuerkennen, ohne den Frieden für gesichert zu halten.

Die nächsten 60 Tage entscheiden

Das jetzt unterzeichnete Papier ist erst der Rahmen. In den kommenden 60 Tagen müssen die USA und der Iran daraus ein belastbares Abkommen formen, inklusive der heiklen Atomfrage. Gelingt das, dürfte sich die Lage an den Energiemärkten weiter beruhigen.

Für Anleger bleibt der Ölpreis der wichtigste Frühindikator. Solange Brent fällt und der Schiffsverkehr durch Hormus tatsächlich anläuft, spricht vieles für eine anhaltende Entspannung. Stockt die Umsetzung, können Öl und Nervosität schnell zurückkehren.