Iran-Deal rückt näher und der Ölpreis kommt ins Rutschen

Industrieanlage mit rauchendem Schornstein und Tankschiffen am Wasser in der Abenddämmerung als Bezug zum fallenden Ölpreis

Friedenshoffnung drückt den Ölpreis

Seit Monaten hält der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran die Energiemärkte in Atem. Jetzt zeichnet sich eine Wende ab. US-Präsident Donald Trump erklärte, ein Abkommen zur Beendigung des Kriegs solle am Sonntag unterschrieben werden, danach werde die Straße von Hormus sofort wieder geöffnet. Der Iran gibt sich vorsichtiger und nennt einen festen Termin verfrüht. Sicher ist die Unterschrift also noch nicht, aber sie rückt näher.

Die Ölmärkte reagieren bereits. Die Nordseesorte Brent fiel zum Wochenschluss auf 87,33 Dollar je Fass, umgerechnet rund 75 Euro, ein Minus von 3,4 Prozent an einem einzigen Tag. Die US-Sorte WTI rutschte auf 84,88 Dollar, etwa 73 Euro, und damit auf den tiefsten Stand seit April. Über die Woche verlor Öl rund 6 Prozent.

Selten wirkt Politik so direkt auf die Kurse wie in diesem Fall. Ein einziges Abkommen bewegt eine ganze Anlageklasse.

Der Krieg trieb den Ölpreis nach oben

Um die aktuelle Bewegung zu verstehen, lohnt ein Blick zurück. Anfang Februar kostete US-Öl noch rund 63 Dollar, etwa 54 Euro. Dann griffen die USA und Israel am 28. Februar den Iran an, und der Preis schoss nach oben.

Der Grund liegt in der Straße von Hormus. Durch diese schmale Meerenge am Persischen Golf läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. Drohte der Iran, sie zu sperren, fürchteten Händler einen Engpass. Solche Ängste treiben einen Risikoaufschlag in den Preis. Niemand weiß, ob morgen weniger Öl ankommt, also zahlen alle heute lieber etwas mehr.

Genau dieser Aufschlag schmilzt nun dahin. Öffnet sich Hormus wieder, fließt das Öl ungehindert, und die Sorge vor Knappheit verschwindet. Trotz des jüngsten Rückgangs liegt der Preis übrigens noch immer mehr als 20 Prozent über dem Niveau von vor dem Kriegsausbruch. Nach unten ist also noch Luft, falls der Frieden wirklich hält.

Was im Abkommen stehen soll

Die Eckpunkte sind bereits durchgesickert, auch wenn beide Seiten um Details ringen. Berichten zufolge handelt es sich um eine Vereinbarung mit 14 Punkten. Der Iran soll die Straße von Hormus binnen 30 Tagen wieder öffnen, im Gegenzug fallen die Öl-Sanktionen weg. Dazu kommen eine verlängerte Waffenruhe und die Freigabe eingefrorener iranischer Gelder in Höhe von 24 Milliarden Dollar, rund 21 Milliarden Euro. Auch der Streit ums Atomprogramm soll entschärft werden.

So weit die Theorie. In der Praxis bleibt Unsicherheit. Der Iran spielte eine eigene Version der Vereinbarung in die Medien, woraufhin Trump erklärte, diese Punkte hätten mit dem Vereinbarten nichts zu tun. Ein hochrangiger US-Vertreter bezifferte die Chance auf eine Unterschrift in den kommenden Tagen auf rund 80 Prozent. Hundert sind es eben nicht. Für die Märkte heißt das, der Friedensbonus steckt schon in den Kursen, kann aber auch wieder verfliegen.

Billiges Öl schafft Gewinner und Verlierer

Ein fallender Ölpreis verteilt die Karten neu. Auf der Verliererseite stehen zuerst die großen Ölkonzerne. Wer Öl fördert und verkauft, verdient bei niedrigeren Preisen weniger. Das trifft US-Riesen wie ExxonMobil und Chevron ebenso wie die europäischen Schwergewichte Shell, BP und TotalEnergies. Auch breit gestreute Energie-ETFs, die solche Aktien bündeln, geraten in einem solchen Umfeld unter Druck. Dazu kommen Zulieferer der Branche, etwa Firmen für Bohrtechnik.

Auf der Gewinnerseite stehen all jene, für die Sprit und Kerosin ein dicker Kostenblock sind. Fluggesellschaften wie Lufthansa, Ryanair oder die British-Airways-Mutter IAG geben einen großen Teil ihres Geldes für Treibstoff aus. Sinkt der Ölpreis, sinken ihre Kosten, und die Gewinne können steigen. Ähnliches gilt für Reedereien, Logistiker und Teile der Chemieindustrie, die Öl als Rohstoff brauchen.

Den größten Effekt spüren am Ende die Verbraucher. Billigeres Öl bedeutet günstigeren Sprit an der Tankstelle und niedrigere Heizkosten. Das dämpft die Inflation, und hier schließt sich der Kreis zur großen Bühne. Sinkende Energiepreise nehmen Druck von den Notenbanken, die zuletzt wegen teurer Energie die Zinsen anheben mussten.

Was das für Anleger und die Märkte heißt

Die Aussicht auf Frieden hat in den vergangenen Tagen nicht nur Öl bewegt. Die US-Börsen legten kräftig zu, der Dow Jones verbuchte seinen besten Tag seit April. Tech-Aktien erholten sich, der Dollar gab nach, und auch der Euro profitierte. Gold dagegen verlor weiter an Wert, weil in friedlicheren Zeiten die Flucht in den sicheren Hafen nachlässt.

Für Anleger ist das ein zweischneidiges Schwert. Niedrigere Energiepreise und weniger Kriegsangst sind gut für die breite Wirtschaft und damit für viele Aktien. Gleichzeitig hängt vieles an einer Unterschrift, die noch fehlt. Platzt der Deal in letzter Minute, kann der Ölpreis genauso schnell wieder nach oben schnellen, wie er gefallen ist. Wer jetzt allein auf billiges Öl wettet, geht ein Risiko ein, das er kaum steuern kann.

Sinnvoller ist der nüchterne Blick aufs eigene Depot. Wer breit gestreut investiert ist, hat sowohl Ölkonzerne als auch deren Gegenspieler im Portfolio und muss die Schwankungen nicht jeden Tag fürchten. Einzelwetten auf eine geopolitische Schlagzeile gehen ebenso oft schief wie auf.

Wie es jetzt weitergeht

Der nächste wichtige Moment ist die Unterschrift selbst. Kommt sie, richtet sich der Blick sofort auf die Straße von Hormus. Öffnet sie sich wie versprochen binnen 30 Tagen, dürfte der Ölpreis weiter nachgeben. Verzögert sich alles oder scheitert es, kehrt die alte Nervosität zurück.

Parallel schaut die Finanzwelt am 17. Juni auf die US-Notenbank Fed und ihre Zinsentscheidung. Billiges Öl und eine ruhigere Lage im Nahen Osten könnten ihr mittelfristig den Weg für sinkende Zinsen ebnen. Bis dahin bleibt der Ölpreis das Barometer für die Lage. Wer ihn beobachtet, erkennt früh, ob aus der Friedenshoffnung echter Frieden wird.