OpenAI verbrennt Milliarden und drängt an die Börse

Weißes OpenAI-Logo auf einem türkisfarbenen Würfel vor gleichfarbigem Hintergrund als Bezug zum geplanten Börsengang des KI-Unternehmens

Die Zahlen, die alle aufschrecken

Zum ersten Mal gibt es belastbare Einblicke in die Bücher von OpenAI, und sie haben es in sich. Am 16. Juni 2026 berichtete der Tech-Dienst The Information über interne Finanzkennzahlen aus einem Aktionärsdokument. Kurz darauf veröffentlichte der KI-kritische Blogger Ed Zitron geprüfte Unterlagen, die die Financial Times nach eigenen Angaben unabhängig bestätigte. OpenAI selbst wollte die Zahlen nicht kommentieren.

Im ersten Quartal 2026 setzte das Unternehmen 5,7 Milliarden US-Dollar um, umgerechnet rund 4,9 Milliarden Euro. Das ist etwa dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Gleichzeitig verbrannte OpenAI im selben Zeitraum 3,7 Milliarden Dollar oder etwa 3,2 Milliarden Euro an Barmitteln. Anders gesagt, mehr als die Hälfte der Einnahmen floss sofort wieder ab.

Noch deutlicher wird das Bild im Gesamtjahr 2025. Der Umsatz kletterte auf 13,07 Milliarden Dollar (11,3 Milliarden Euro) und hat sich damit mehr als verdreifacht. Dem stand ein Nettoverlust von 38,5 Milliarden Dollar gegenüber, rund 33 Milliarden Euro. Ein großer Teil davon geht allerdings auf einen einmaligen Buchungsposten aus dem Umbau der Firmenstruktur zurück und ist nicht zahlungswirksam. Der rein operative Verlust lag bei knapp 21 Milliarden Dollar. So sieht ein Unternehmen aus, das mit aller Macht wächst und dabei Geld in nie gesehenem Tempo ausgibt.

Der Börsenantrag ist längst gestellt

Die heiße Frage lautet, wann OpenAI an die Börse geht. Ein erster formaler Schritt ist bereits getan. Am 8. Juni 2026 bestätigte das Unternehmen, einen vertraulichen S-1-Entwurf bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht zu haben. Ein S-1 ist der offizielle Börsenprospekt, den jedes US-Unternehmen vor einem Börsengang vorlegen muss. Vertraulich heißt in diesem Fall, dass die wirklich spannenden Details vorerst geheim bleiben, also Ausgabepreis, Aktienzahl und Emissionsvolumen.

Begleitet wird der Deal von den Wall-Street-Schwergewichten Goldman Sachs, Morgan Stanley und JPMorgan. Ein konkreter Termin steht noch nicht fest. In Branchenkreisen kursieren der September oder das vierte Quartal 2026 als Zeitfenster, gehandelt würde an der Nasdaq oder der NYSE. Die angepeilte Bewertung ist gewaltig. Berichten zufolge will OpenAI mit mehr als einer Billion Dollar an den Start gehen, also über 860 Milliarden Euro. Zum Vergleich, die letzte Finanzierungsrunde im März 2026 bewertete die Firma noch mit 852 Milliarden Dollar.

Eingesammelt werden sollen mindestens 60 Milliarden Dollar, rund 52 Milliarden Euro. Das wäre mehr als das Doppelte des bisherigen Rekord-Börsengangs von Saudi Aramco. Finanzchefin Sarah Friar kündigte zudem an, dass auch Privatanleger zum Zuge kommen sollen. Wie genau das aussieht, ist noch offen.

Warum OpenAI so viel Geld verbrennt

Für Einsteiger wirkt es paradox. Wie kann ein so erfolgreiches Produkt so tief in den roten Zahlen stecken? Die Antwort steckt in den Kosten. Moderne KI ist kein klassisches Softwaregeschäft mehr, bei dem ein Programm einmal entwickelt und dann millionenfach verkauft wird. Jede Anfrage an ChatGPT kostet Rechenleistung, und die ist teuer. Allein die Forschung und Entwicklung verschlang 2025 rund 19 Milliarden Dollar.

OpenAI bedient inzwischen etwa 905 Millionen wöchentliche Nutzer. Je mehr Menschen die Modelle verwenden, desto höher die Rechnung für Chips, Rechenzentren und Strom. Besonders schwer wiegen langfristige Einkaufsverpflichtungen für Rechenleistung von 665 Milliarden Dollar, etwa 573 Milliarden Euro. Diese Summe muss OpenAI bedienen, selbst wenn die Nachfrage einbrechen sollte.

Dem steht aber eine Gegenseite gegenüber, die Optimisten betonen. Pro eingenommenem Dollar lag der operative Verlust 2025 bei 1,60 Dollar, nach 2,37 Dollar im Jahr davor. Die Verluste wachsen also langsamer als der Umsatz. Diese Hebelwirkung, im Fachjargon Operating Leverage, ist genau die Wette, die Firmenchef Sam Altman jedem künftigen Investor verkaufen muss. Sein Versprechen lautet, dass aus dem teuren Wachstum irgendwann ein profitables Geschäft wird. Die Gewinnzone peilt OpenAI allerdings erst für 2030 an.

Das Wettrennen mit Anthropic und SpaceX

OpenAI ist nicht allein unterwegs. Der Konkurrent Anthropic, Entwickler des KI-Assistenten Claude, reichte seinen vertraulichen Börsenantrag schon am 1. Juni 2026 ein, eine Woche vor OpenAI. Kolportiert wird dabei eine Bewertung von 965 Milliarden Dollar, etwa 830 Milliarden Euro. Auf Wettplattformen hatten die meisten darauf getippt, dass OpenAI zuerst geht. Tatsächlich kam es anders herum.

Dazu kommt SpaceX. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk ging bereits am 12. Juni an die Nasdaq und legte einen starken Start hin. Drei Schwergewichte mit zusammen weit über drei Billionen Dollar Bewertung drängen also fast gleichzeitig aufs Parkett. Die Großbank JPMorgan schätzt, dass OpenAI, Anthropic und SpaceX zusammen mehr als 155 Milliarden Dollar bei Anlegern einsammeln könnten.

Dieses Gedränge erhöht den Druck auf alle Beteiligten. Niemand will als Nachzügler dastehen, wenn die Stimmung für KI-Börsengänge gerade auf dem Höhepunkt ist. Genau das könnte erklären, warum OpenAI trotz der heiklen Zahlen aufs Tempo drückt.

Worauf Anleger jetzt achten sollten

Für Privatanleger ist die Lage zwiespältig. Auf der einen Seite steht eine Marke, die fast jeder kennt, mit rasant wachsender Nutzerzahl. Auf der anderen Seite steht eine Bewertung jenseits der Billionengrenze für ein Unternehmen, das pro Jahr zweistellige Milliardenverluste schreibt und dessen Profitabilität noch Jahre entfernt liegt. Manche Beobachter ziehen bereits Vergleiche zur Dotcom-Blase um das Jahr 2000.

Wichtig ist auch der Status des Antrags. Solange der Prospekt vertraulich bleibt, fehlen die entscheidenden Zahlen für eine seriöse Einschätzung. Ohne festen Termin, Ausgabepreis und endgültiges Emissionsvolumen ist jede Aussage über das Timing zunächst Spekulation. Wer den Börsengang verfolgen will, sollte auf die Veröffentlichung des öffentlichen S-1 warten, denn dort stehen die belastbaren Details.

Sollte OpenAI tatsächlich an die Börse gehen, dürfte sich die Aktie ähnlich wie zuletzt bei SpaceX auch über Neobroker zeichnen lassen, etwa über Trade Republic [AFFILIATE-LINK TRADE REPUBLIC EINFÜGEN]. Garantiert ist eine Zuteilung dabei nie, gerade bei einem so heiß erwarteten Börsengang. Erfahrungsgemäß ist die Nachfrage dann deutlich größer als das Angebot.

Der Herbst wird zum Stresstest

Die kommenden Monate dürften zeigen, wie viel die KI-Euphorie an der Börse wirklich wert ist. OpenAIs Antrag gilt als erster großer Stimmungstest für die zweite Jahreshälfte 2026. Bislang entstanden die extrem hohen Bewertungen der KI-Labore hinter verschlossenen Türen, ohne jede Prüfung durch den freien Markt.

Entscheidend wird, ob Sam Altman die Anleger von seiner Wette überzeugt, dass aus den gewaltigen Investitionen irgendwann ein Gewinn wird. Eines steht aber jetzt schon fest. OpenAI verbrennt Milliarden und drängt an die Börse. Spätestens mit dem öffentlichen Prospekt entscheidet sich, ob aus der Spekulation ein fester Termin wird.