Paramount schluckt Warner Bros mit Segen aus Washington

Historisches Eingangstor mit Schriftzug Paramount Pictures, Palmen und Springbrunnen als Bezug zur Übernahme von Warner Bros

Washington gibt grünes Licht für den Mega-Deal

Das US-Justizministerium hat am 12. Juni 2026 die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance freigegeben. Die Behörde stellte keine einzige Bedingung. Keine Verkäufe von Firmenteilen, keine Auflagen zum Verhalten. Damit fällt die größte regulatorische Hürde für einen der größten Medien-Deals der Geschichte.

Paramount zahlt 31 Dollar je Aktie in bar, umgerechnet rund 26,70 Euro. Der gesamte Unternehmenswert liegt bei etwa 110 Milliarden Dollar oder gut 95 Milliarden Euro. Unter einem Dach landen damit Hollywood-Größen wie das Warner-Filmstudio, der Streamingdienst HBO Max, die Nachrichtensender CNN und CBS sowie Paramount+. So entsteht eine der größten Streaming-Plattformen der Welt und der wohl mächtigste Kino-Verleiher der USA.

Für junge Anleger ist der Fall ein Lehrstück. Hier sieht man, wie ein Bieterkrieg, eine Kartellprüfung und ein Berg aus Schulden zusammenspielen, bis aus zwei Konzernen einer wird.

Wie aus zwei Studios eines wird

Der Deal ist eine reine Barübernahme. Wer WBD-Aktien hält, bekommt für jede Aktie 31 Dollar aufs Konto, keine Paramount-Aktien im Tausch. Das ist für Aktionäre der einfachste Fall, weil der Preis fix ist und nicht von Kursschwankungen abhängt.

Wie attraktiv das Angebot war, zeigt der Aufschlag. Bevor die Übernahmegerüchte aufkamen, notierte WBD bei 12,54 Dollar. Die 31 Dollar bedeuten ein Plus von 147 Prozent gegenüber diesem unbeeinflussten Kurs. Vom Gesamtpreis entfallen rund 81 Milliarden Dollar, etwa 70 Milliarden Euro, auf das Eigenkapital. Der Rest ist die Schuldenlast, die Paramount mit übernimmt.

Bezahlt wird klassisch, ohne exotische Konstruktionen. Die Familie Ellison und der Finanzinvestor RedBird stecken rund 47 Milliarden Dollar frisches Eigenkapital hinein. Dazu kommen eine Kapitalerhöhung und milliardenschwere Bankkredite. Paramount rechnet mit über 6 Milliarden Dollar an Einsparungen pro Jahr, sobald beide Konzerne verschmolzen sind. Die Schulden steigen dadurch kräftig, das Verhältnis von Nettoschulden zum operativen Gewinn liegt zunächst bei rund dem 4,3-Fachen. Das Management will binnen drei Jahren wieder zu soliden Kreditkennzahlen zurückfinden.

Eine Klausel sorgt für Tempo. Schließt der Deal nicht bis zum 30. September 2026, fällt für jeden weiteren Tag eine kleine Gebühr zugunsten der WBD-Aktionäre an. Diese sogenannte Ticking Fee macht das Warten für Paramount teurer und drückt aufs Tempo.

Der Bieterkrieg mit Netflix

Spannend wird die Geschichte durch den Verlierer. Ursprünglich wollte Netflix das Streaming- und Filmgeschäft von WBD kaufen. Der Vertrag dazu stammt vom 4. Dezember 2025. Dann grätschte Paramount dazwischen.

Paramount legte ein Barangebot auf den Tisch, zunächst 30 Dollar je Aktie, später aufgestockt auf 31 Dollar. Ende Februar 2026 entschied der WBD-Vorstand, dass dieses Angebot besser sei als das von Netflix. Netflix hätte je Aktie nur etwa 27,75 Dollar geboten, und das auch nur über eine komplizierte Aufspaltung des Konzerns. Bargeld schlägt Bastelei. Netflix zog sich aus dem Rennen zurück.

Billig war der Rückzieher für WBD nicht. Um aus dem Netflix-Vertrag herauszukommen, zahlte WBD eine Abschlagsgebühr von 3 Milliarden Dollar, rund 2,6 Milliarden Euro, an Netflix. Dieser Posten drückte prompt den ausgewiesenen Gewinn von WBD.

Danach wurde es ruppig. Paramount warf Netflix vor, mit einer Kampagne gezielt Regulierer und andere Beteiligte gegen den Deal aufzubringen. Netflix nannte diese Vorwürfe absurd und betonte, man habe sich längst zurückgezogen und kümmere sich um das eigene Geschäft. Der Schlagabtausch macht klar, wie hart im Streaming-Markt um Geld und Marktmacht gekämpft wird.

Was die Kartellfreigabe wirklich bedeutet

Eine Fusion dieser Größe geht nie ohne die Wettbewerbshüter über die Bühne. Wenn zwei große Firmen verschmelzen, schauen sie genau hin. Die Sorge ist immer dieselbe. Entsteht ein Koloss, der Preise diktieren oder Konkurrenten verdrängen kann? In den USA prüft das Justizministerium genau diese Frage.

Rund acht Monate dauerte die Prüfung. Am Ende fand die Behörde keine ernsten Wettbewerbsprobleme und verlangte weder Verkäufe noch Auflagen. Eine Freigabe ohne Bedingungen gilt als das bestmögliche Ergebnis für die Käufer. Paramount hatte zudem argumentiert, der eigene Deal sei weniger problematisch als eine Übernahme durch Netflix, das im Streaming ohnehin schon führt.

Die Sache ist damit aber nicht durch. Mehrere US-Bundesstaaten könnten noch klagen, allen voran Kalifornien, dessen Generalstaatsanwalt Rob Bonta rechtliche Schritte angedeutet hat. Auch Brüssel muss zustimmen. Die EU-Kommission hat ihre Prüfung gestartet und sich bis zum 14. Juli 2026 Zeit gegeben. Australien hat bereits abgenickt, Deutschland gab schon im Januar grünes Licht aus Sicht der Investitionskontrolle.

Begleitet wird der Deal von politischen Fragen. Berichten zufolge pflegt Larry Ellison, der Vater von Paramount-Chef David Ellison, enge Kontakte zu Präsident Donald Trump, und auch dessen Schwiegersohn Jared Kushner unterstützt das Geschäft. Einige Demokraten äußerten Bedenken zur Finanzierung. Belege für eine Bevorzugung gibt es nicht, und die Behörde begründete die Freigabe mit fehlenden Wettbewerbsproblemen. Für ein Sicherheitsnetz sorgt eine weitere Klausel. Platzt der Deal an regulatorischen Hürden, zahlt Paramount eine Strafe von 7 Milliarden Dollar an WBD.

Was der Deal für die Streaming-Konkurrenz heißt

Mit der Fusion entsteht ein Schwergewicht. HBO Max zählte Ende 2025 rund 131,6 Millionen Abonnenten, Paramount+ kam auf 78,9 Millionen. Zusammen sind das über 200 Millionen zahlende Kunden. Das rückt den neuen Konzern nah an Branchenführer Netflix heran und schiebt ihn vor viele andere Anbieter.

Für die Konkurrenz verschiebt sich das Kräfteverhältnis. Netflix bleibt mit Abstand die Nummer eins im Streaming, verliert aber die Chance, sich die WBD-Inhalte selbst einzuverleiben. Walt Disney mit Disney+, Hulu und ESPN bekommt einen größeren Rivalen, der ähnlich tiefe Inhaltskataloge und ein eigenes Kino-Geschäft besitzt. Comcast wiederum, Mutter von Peacock und NBCUniversal, hatte sein Kabelgeschäft erst kürzlich in die neue Firma Versant ausgegliedert und steht im Vergleich nun kleiner da.

Wer als Anleger auf die beteiligten Aktien schaut, erkennt zwei Welten. Die WBD-Aktie ist im Grunde an die 31 Dollar gekoppelt, notierte zuletzt aber etwas darunter. Diese Lücke zwischen Börsenkurs und Angebotspreis nennen Profis Übernahme-Arbitrage. Sie spiegelt das Restrisiko, dass der Deal doch noch scheitert oder sich verzögert. Paramount-Aktien dagegen leiden unter der hohen Schuldenlast und notieren rund um 10 Dollar, deutlich unter ihrem Jahresdurchschnitt. Der Markt zeigt sich also skeptisch, ob sich der teure Zukauf für die Käufer auszahlt.

Wie es jetzt weitergeht

Paramount peilt den Abschluss für das dritte Quartal 2026 an, möglichst vor Ende September. Davor müssen Klagen einzelner US-Bundesstaaten ausbleiben oder scheitern, und Brüssel muss seinen Segen geben. Die EU-Frist bis Mitte Juli ist der nächste wichtige Termin.

Gelingt der Abschluss, beginnt die eigentliche Arbeit. Zwei riesige Konzerne mit doppelten Strukturen müssen zusammengeführt werden, und der Schuldenberg will abgetragen sein. Für die Branche steht eine neue Runde der Konzentration an. Aus vielen mittelgroßen Studios werden wenige große Blöcke, die im Kampf um Zuschauer und Werbegeld gegeneinander antreten.