SpaceX startet mit 1,77 Billionen Dollar an die Börse

Glänzendes X aus Chrom als dreidimensionales Objekt vor hellgrauem Hintergrund, im Bezug zum Börsengang von SpaceX

SpaceX startet mit 1,77 Billionen Dollar an die Börse

Elon Musks Raketenfirma SpaceX bringt am 12. Juni 2026 ihre Aktien an die Technologiebörse Nasdaq. Der Ausgabepreis steht bei 135 US-Dollar je Anteil, umgerechnet rund 125 Euro. Bei 556,6 Millionen ausgegebenen Aktien sammelt das Unternehmen damit etwa 75 Milliarden Dollar ein, also gut 69 Milliarden Euro. Die Gesamtbewertung liegt bei rund 1,77 Billionen Dollar.

Das macht den Börsengang zum größten der Geschichte. Der bisherige Rekord stammt vom saudischen Ölkonzern Saudi Aramco, der 2019 etwa 29 Milliarden Dollar erlöste. SpaceX übertrifft diese Marke um mehr als das Doppelte. Gehandelt wird unter dem Tickerkürzel SPCX.

Laut Berichten von Reuters läuft die Investorenwerbung, die sogenannte Roadshow, bereits seit dem 4. Juni. Die endgültige Preisfestsetzung ist für den 11. Juni nach Börsenschluss geplant. Danach beginnt der freie Handel.

Starlink trägt die gewaltige Bewertung

SpaceX baut Falcon-9-Raketen und das Riesenmodell Starship. Doch der eigentliche Geldbringer ist Starlink. Dieses Satelliten-Internet versorgt Haushalte und Schiffe weltweit mit Breitband aus dem All. Mehr als 10.000 Starlink-Satelliten kreisen um die Erde.

Im Februar 2026 überschritt Starlink die Marke von fünf Millionen Kunden. Seitdem strebt der Dienst Richtung zehn Millionen. Diese Abogebühren fließen Monat für Monat herein und ähneln dem Geschäftsmodell von Netflix oder Spotify. Genau diese verlässlichen Einnahmen rechtfertigen aus Sicht vieler Investoren die hohe Bewertung. Nach Schätzungen von SpaceXStock.com machte Starlink 2024 bereits 58 Prozent des Konzernumsatzes aus.

Der Umsatz wuchs zuletzt um 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. SpaceX schreibt seit Jahren positive Zahlungsströme und kauft regelmäßig eigene Aktien zurück, um Mitarbeitern Liquidität zu verschaffen. Ein Verlustbringer ist die Firma also nicht. Die Frage ist nur, ob 1,77 Billionen Dollar nicht zu viel des Guten sind.

Analysten warnen vor der Luftnummer

Nicht alle teilen die Euphorie. Die Ratingagentur Morningstar hält SpaceX für deutlich überbewertet. Ihre Analysten kommen auf einen fairen Wert von 780 Milliarden Dollar, rund 720 Milliarden Euro. Das liegt etwa 48 Prozent unter der zuletzt am Privatmarkt gehandelten Bewertung von 1,5 Billionen Dollar.

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft xAI, Musks Firma für künstliche Intelligenz. SpaceX hält daran einen Anteil. Morningstar sieht darin eine mögliche Wertvernichtung statt einer Chance, weil der wirtschaftliche Schutzgraben von xAI unklar bleibe. Wer hier einsteigt, kauft also auch ein Stück Unsicherheit mit.

Hinzu kommt die Aktionärsstruktur. Elon Musk behält über eine Konstruktion mit verschiedenen Aktiengattungen rund 85 Prozent der Stimmrechte. Normale Anleger bekommen damit kaum Mitsprache. Eine Besonderheit gibt es trotzdem. Musk diskutiert laut Reuters, bis zu 30 Prozent der Aktien an Privatanleger zu vergeben. Üblich sind sonst nur 5 bis 10 Prozent. Für Kleinanleger ist das ein ungewöhnlich großzügiger Zugang.

Diese Firmen hängen mit am Raketenstart

Der Börsengang verändert nicht nur SpaceX selbst. Er liefert erstmals einen öffentlichen Maßstab für die gesamte Weltraumbranche. Sobald SPCX gehandelt wird, bewerten Analysten die börsennotierten Konkurrenten neu. Das beflügelt seit der ersten Einreichung der Börsenunterlagen viele kleinere Werte.

Als nächster großer Spieler nach SpaceX gilt Rocket Lab. Die Firma baut kleine und mittlere Raketen und übernimmt Satellitenstarts. Ihr Auftragsbestand liegt nach eigenen Angaben bei rund 2,2 Milliarden Dollar, etwa 2 Milliarden Euro. Die Aktie kletterte seit Jahresbeginn um etwa 75 Prozent. Über zwölf Monate hat sie sich mehr als vervierfacht.

Ähnlich gelagert ist AST SpaceMobile. Diese Firma baut ein Mobilfunknetz im All, das mit ganz normalen Smartphones funktioniert. Aktuell hat sie 25 Satelliten im Orbit. Daneben tauchen in vielen Analysen Namen wie Intuitive Machines, Redwire und Planet Labs auf. Intuitive Machines legte seit Jahresanfang über 110 Prozent zu, der Erdbeobachter Satellogic sogar mehr als 440 Prozent.

Spannend ist auch die Zuliefererseite. SpaceX fertigt vieles selbst, kauft aber Spezialteile zu. Hersteller von Metallkomponenten, Halbleitern und Funktechnik profitieren vom wachsenden Raketenbau. Ein Wall-Street-Analyst brachte es gegenüber CNBC auf den Punkt. Wer Falcon-Teile liefere, sei gut positioniert. Redwire etwa stellt Infrastruktur und Satellitenkomponenten her und verteuerte sich binnen eines Monats um über 130 Prozent.

Für Anleger zählt der Unterschied zwischen Hype und Substanz

Ein Börsengang dieser Größe zieht Geld in die ganze Branche. Doch nicht jede Aktie, die auf SpaceX-Schlagzeilen steigt, hat denselben Bezug zur Firma. Analysten der Beratung Vanda beobachten, dass Privatanleger zuletzt vor allem auf sogenannte Picks-and-Shovels-Werte setzen. Gemeint sind Ausrüster und Infrastrukturbauer statt direkter Startkonkurrenten. Das Bild stammt aus dem Goldrausch, wo nicht die Goldgräber reich wurden, sondern die Verkäufer von Schaufeln.

Wer kein Einzelrisiko tragen will, findet auch Sammelfonds. Manche Weltraum-ETFs enthalten viele dieser Namen gebündelt. Der VanEck-Weltraumfonds führt Redwire mit rund fünf Prozent. Einige dieser Indexfonds nehmen nach dem Börsengang automatisch auch SPCX-Aktien auf. Damit landet ein Stück SpaceX im Depot, ohne dass man die Einzelaktie kaufen muss.

Wichtig bleibt der Realitätscheck. Viele kleinere Weltraumwerte sind spekulativ und schreiben rote Zahlen. Kurssprünge von mehreren hundert Prozent zeigen vor allem eines. Die Stimmung ist heiß gelaufen. Solche Bewegungen können schnell kippen, wenn die Begeisterung nachlässt.

Der 12. Juni wird zur Nagelprobe

Am Donnerstag, den 12. Juni, fällt der Startschuss an der Nasdaq. Dann zeigt sich, ob der Markt die geforderten 1,77 Billionen Dollar tatsächlich zahlt. SpaceX-Berater haben selbst eingeräumt, dass sich das Vorhaben bei schlechtem Börsenumfeld auf 2027 verschieben könnte.

Für die gesamte Branche ist die Premiere ein Test. Hält der Kurs nach dem ersten Handelstag, dürfte das auch Rocket Lab, AST SpaceMobile und die Zulieferer stützen. Enttäuscht SpaceX dagegen, könnte die Euphorie rund um Weltraumaktien rasch abkühlen. Anleger sollten die ersten Handelstage deshalb genau verfolgen.