SpaceX IPO ist doppelt überzeichnet

SpaceX IPO ist doppelt überzeichnet
Der Börsengang von SpaceX läuft heiß. Bis zum 6. Juni 2026 sammelten die begleitenden Banken Aufträge über rund 150 Milliarden US-Dollar ein, etwa 138 Milliarden Euro. Das Unternehmen will aber nur 75 Milliarden Dollar einnehmen. Damit ist der Börsengang doppelt überzeichnet. Anleger haben also doppelt so viele Aktien bestellt, wie überhaupt verfügbar sind. Diese Zahl meldete Reuters unter Berufung auf zwei eingeweihte Personen.
Wenige Tage später verdichtete sich das Bild. Laut Bloomberg orderten allein einzelne große Investoren jeweils zehn Milliarden Dollar oder mehr. Die Banken um Goldman Sachs und Morgan Stanley schließen das Orderbuch für institutionelle Anleger am Mittwoch nach Börsenschluss in New York. Die endgültige Preisfestsetzung folgt am 11. Juni, der erste Handelstag an der Nasdaq am 12. Juni.
SpaceX bietet rund 555,6 Millionen Aktien zum festen Preis von 135 Dollar an. Die Bewertung liegt damit bei etwa 1,8 Billionen Dollar. Es wäre der größte Börsengang der Geschichte, deutlich über dem Aramco-Rekord von 29,4 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2019.

Was Überzeichnung überhaupt bedeutet
Überzeichnung beschreibt ein einfaches Verhältnis. Es gibt mehr Kaufaufträge als Aktien. Bei SpaceX kamen Gebote über 150 Milliarden Dollar zusammen, das Angebot umfasst aber nur 75 Milliarden. Daraus ergibt sich der Faktor zwei. Für ein Unternehmen dieser Größe ist starke Nachfrage nicht ungewöhnlich, vor allem in der wachstumsstarken Technologiebranche.
Wichtig ist allerdings ein Punkt, den viele übersehen. Hohe Ordervolumen spiegeln nicht nur langfristige Überzeugung. Oft stecken kurzfristige Spekulation und die Hoffnung auf Kursgewinne am ersten Handelstag dahinter. Anleger ordern absichtlich mehr, als sie erwarten zu bekommen. Denn bei überzeichneten Deals werden die Zuteilungen ohnehin gekürzt. Das blähen die Orderbücher künstlich auf.
Die 150 Milliarden Dollar zeigen deshalb vor allem eines. Das Interesse ist riesig. Ob die Bewertung von 1,8 Billionen Dollar gerechtfertigt ist, beantwortet die Überzeichnung nicht. SpaceX setzte den Preis schon vor der Roadshow fest auf 135 Dollar. Dieser ungewöhnliche Schritt nahm den üblichen Verhandlungsspielraum zwischen Firma und Großinvestoren heraus. Das Kalkül scheint aufzugehen, der Preis hielt und das Buch füllte sich.
SpaceX öffnet die Tür für Privatanleger
Bei den meisten Börsengängen gehen nur 5 bis 10 Prozent der Aktien an Privatanleger. SpaceX reserviert dagegen rund 30 Prozent für diese Gruppe. Das ist ein außergewöhnlich großzügiger Anteil. Elon Musk will den Börsengang ausdrücklich zu einem Ereignis für Kleinanleger machen.
Trotzdem bedeutet die Überzeichnung ein Problem. Wenn doppelt so viele Aktien bestellt sind wie vorhanden, reicht es nicht für alle. Wer eine Order abgibt, bekommt am Ende womöglich nur einen Bruchteil. Manche gehen ganz leer aus. Die tatsächliche Zuteilung entscheidet sich erst bei der Preisfestsetzung am 11. Juni.
Ein Hebel könnte die Lage etwas entspannen. Über die sogenannte Greenshoe-Option dürfen die Banken zusätzliche Aktien ausgeben, um einen Teil der Nachfrage zu bedienen. Sicher ist das aber nicht. Privatanleger sollten sich deshalb nicht darauf verlassen, ihre Wunschmenge zu erhalten.
Die Bewertung wirft weiter Fragen auf
Die Begeisterung trifft auf ernüchternde Geschäftszahlen. SpaceX meldete in seiner Börsenunterlage einen Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar für 2025. Gleichzeitig stand ein Nettoverlust von 4,94 Milliarden Dollar in den Büchern, getrieben durch die Eingliederung der KI-Firma xAI. Bei einer Bewertung nahe 1,8 Billionen Dollar zahlen Anleger also einen sehr hohen Preis für künftige Hoffnungen.
Die Wall Street befeuert diese Hoffnungen kräftig. Morgan Stanley, eine der begleitenden Banken, traut SpaceX bis 2040 einen Jahresumsatz von 3,4 Billionen Dollar zu. Solche Prognosen reichen weit in die Zukunft und sind mit großer Unsicherheit behaftet. Eine Bank, die am Börsengang verdient, ist zudem kein neutraler Beobachter. Diesen Interessenkonflikt sollten Anleger im Hinterkopf behalten.
SpaceX hatte sein Bewertungsziel im späten Mai bereits gesenkt. Ursprünglich kursierten über zwei Billionen Dollar, nach Gesprächen mit Investoren wurden daraus 1,8 Billionen. Selbst bei einem solchen Hype gibt es also Grenzen für die Zahlungsbereitschaft des Marktes.
Für Privatanleger zählt ein kühler Kopf
Eine starke Überzeichnung führt häufig zu Kurssprüngen am ersten Handelstag. Wer Aktien zugeteilt bekommt, kann theoretisch von einem solchen Sprung profitieren. Garantiert ist das nicht. Genauso gut kann der Kurs nach kurzer Euphorie wieder fallen, wenn frühe Käufer Gewinne mitnehmen.
Wer keine Zuteilung erhält, hat weiterhin Wege zur Beteiligung. Nach dem Börsengang lässt sich die Aktie wie jede andere über das Depot kaufen, unter dem Kürzel SPCX. Auch manche Weltraum-ETFs nehmen SPCX automatisch in ihren Korb auf. Damit landet ein kleiner Anteil im Portfolio, ohne dass man bei der Zuteilung erfolgreich sein muss.
Ein nüchterner Blick lohnt sich. Eine Aktie wird nicht dadurch günstig, dass viele sie haben wollen. Die hohe Nachfrage sagt nichts über den fairen Wert. Wer auf den schnellen Gewinn am ersten Tag schielt, geht ein erhebliches Risiko ein. Wer langfristig denkt, sollte die Bewertung und die Verluste genauso ernst nehmen wie die Schlagzeilen über das gefüllte Orderbuch.
Der 11. und 12. Juni bringen Klarheit
Am 11. Juni legt SpaceX den finalen Preis fest und teilt die Aktien zu. Dann zeigt sich, wie viel Privatanleger tatsächlich erhalten. Am 12. Juni startet der Handel an der Nasdaq und der erweiterten Handelsplattform Nasdaq Texas in Dallas.
Die ersten Stunden werden viel verraten. Steigt der Kurs deutlich über 135 Dollar, bestätigt das die Euphorie der Überzeichnung. Bleibt er darunter oder schwankt stark, war das gefüllte Orderbuch womöglich vor allem heiße Luft. Privatanleger tun gut daran, diese ersten Handelstage abzuwarten und nicht in Hektik zu verfallen.
