Zehn Fakten zum SpaceX-Börsengang für Anleger

Zehn Fakten zum SpaceX-Börsengang für Anleger
Am 12. Juni 2026 bringt Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX ihre Aktien an die Technologiebörse Nasdaq. Der Börsengang gilt als größter der Geschichte. Die Schlagzeilen überschlagen sich, doch viele Anleger wissen wenig über die Details. Wer 135 Dollar je Aktie zahlen will, sollte die wichtigsten Punkte kennen.
Wir haben die zehn entscheidenden Fakten zusammengetragen. Sie reichen vom Ausgabepreis über die Geschäftszahlen bis zu den Risiken. Alle Angaben stammen aus der offiziellen Börsenunterlage, dem sogenannten S-1-Prospekt, sowie aus Berichten von Reuters und Bloomberg. So lässt sich der Hype von der Substanz trennen.

Der Preis steht fest bei 135 Dollar
SpaceX hat den Ausgabepreis vorab auf 135 US-Dollar je Aktie festgelegt, umgerechnet rund 125 Euro. Das ist ungewöhnlich. Normalerweise nennen Unternehmen vor dem Börsengang eine Preisspanne und ermitteln den endgültigen Wert erst während der Investorenwerbung. SpaceX hat diesen Schritt übersprungen und einen festen Preis gesetzt, noch bevor die Roadshow startete.
Dieser Schritt nimmt den Großinvestoren den üblichen Verhandlungsspielraum. Entweder sie zahlen 135 Dollar oder sie bleiben draußen. Das Kalkül scheint aufzugehen, denn die Nachfrage ist gewaltig. Für Anleger bedeutet der Festpreis vor allem Klarheit. Niemand muss raten, zu welchem Kurs die Aktie ausgegeben wird.
Die Bewertung erreicht 1,77 Billionen Dollar
Bei 135 Dollar je Aktie und rund 556 Millionen ausgegebenen Anteilen ergibt sich eine Gesamtbewertung von etwa 1,77 Billionen Dollar, also gut 1,63 Billionen Euro. Das sammelt SpaceX nicht alles ein. Der Erlös aus dem Börsengang liegt bei rund 75 Milliarden Dollar, etwa 69 Milliarden Euro.
Damit übertrifft der Börsengang den bisherigen Rekordhalter deutlich. Der saudische Ölkonzern Saudi Aramco erlöste 2019 etwa 29 Milliarden Dollar. SpaceX nimmt mehr als das Doppelte ein. Gemessen am Umsatz ist die Firma allerdings extrem hoch bewertet. Auf das Hundertfache des Jahresumsatzes kommt kaum ein anderes Großunternehmen.
Starlink verdient das Geld
SpaceX baut Raketen, doch der eigentliche Gewinnbringer ist Starlink. Dieses Satelliten-Internet versorgt Haushalte weltweit mit Breitband aus dem All. Im Februar 2026 überschritt der Dienst die Marke von zehn Millionen Kunden. Monat für Monat kommen zwischen 750.000 und 1,5 Millionen neue Abonnenten hinzu.
Die Zahlen sprechen für sich. Starlink erwirtschaftete 2025 rund 11,4 Milliarden Dollar Umsatz und einen operativen Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar. Im letzten Quartal allein steuerte das Geschäft 1,19 Milliarden Dollar Gewinn bei. Diese verlässlichen Abogebühren ähneln dem Modell von Netflix oder Spotify und tragen die hohe Bewertung der gesamten Firma.
Das Unternehmen schreibt rote Zahlen
Trotz des starken Satellitengeschäfts macht SpaceX als Ganzes Verlust. Für 2025 weist der Prospekt einen Nettoverlust von 4,94 Milliarden Dollar aus. Der Umsatz lag bei 18,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch 2024 hatte die Firma einen Gewinn von rund 791 Millionen Dollar gemeldet.
Den Umschwung ins Minus verursachte vor allem die KI-Firma xAI. SpaceX hat sie im Februar 2026 übernommen. xAI verbrennt riesige Summen für Rechenzentren und Personal. Hinzu kommt das teure Starship-Programm, das schwere Lasten ins All bringen soll. Wer SpaceX kauft, zahlt also für künftige Hoffnungen, nicht für heutige Gewinne.
Drei Geschäfte in einer Aktie
Die SPCX-Aktie bündelt drei sehr unterschiedliche Bereiche. Das Raketengeschäft transportiert Satelliten und Astronauten und lebt von staatlichen sowie kommerziellen Aufträgen. Starlink ist das wachsende Verbrauchergeschäft mit dem Satelliten-Internet. Das neue KI-Segment rund um xAI und den Chatbot Grok bildet den dritten Teil.
Diese Mischung macht die Bewertung schwierig. Ein Anleger kauft mit einer einzigen Aktie ein profitables Internetgeschäft, ein staatlich getragenes Raketengeschäft und eine kapitalhungrige KI-Wette. Die drei Bereiche teilen sich Infrastruktur, bedienen aber völlig verschiedene Kunden. Nur eines davon verdient zuverlässig Geld.
Privatanleger bekommen ungewöhnlich viel
SpaceX reserviert rund 30 Prozent der Aktien für Privatanleger. Bei den meisten Börsengängen sind es nur 5 bis 10 Prozent. Elon Musk will den Börsengang ausdrücklich zu einem Ereignis für Kleinanleger machen. Am 11. Juni plant die Firma sogar eine eigene Veranstaltung für rund 1.500 Privatinvestoren.
Diese Großzügigkeit erstreckt sich über mehrere Länder. Teilnehmen dürfen nicht nur US-Bürger, sondern auch Anleger aus Großbritannien, der EU, Australien, Kanada, Japan und Südkorea. In den USA läuft die Zuteilung über Broker wie Fidelity, Robinhood und Charles Schwab. Für deutsche Anleger bleibt der direkte Zugang zum Ausgabepreis trotzdem schwierig.
Die Nachfrage übersteigt das Angebot massiv
Der Börsengang ist deutlich überzeichnet. Bis zum 6. Juni sammelten die Banken Aufträge über rund 150 Milliarden Dollar ein. Das ist doppelt so viel wie die angebotenen 75 Milliarden. Anleger haben also doppelt so viele Aktien bestellt, wie überhaupt verfügbar sind.
Diese Zahl klingt beeindruckend, hat aber einen Haken. Bei überzeichneten Börsengängen kürzen die Banken die Zuteilung. Deshalb ordern viele Anleger absichtlich mehr, als sie erwarten zu bekommen. Das blähen die Orderbücher künstlich auf. Die hohe Nachfrage zeigt großes Interesse, beweist aber nicht, dass der Preis von 135 Dollar fair ist.
Musk behält die Kontrolle
Wer SPCX-Aktien kauft, bekommt kaum Mitsprache. Elon Musk behält über eine spezielle Aktiengattung mit erhöhtem Stimmrecht rund 85 Prozent der Stimmen. Normale Anleger erhalten Aktien mit deutlich geringerem Gewicht. Bei Abstimmungen auf der Hauptversammlung zählt ihre Stimme also wenig.
Diese Struktur ist bei Tech-Gründern nicht selten. Auch Meta oder Alphabet kennen ähnliche Modelle. Für Anleger bedeutet das ein Vertrauensverhältnis. Wer investiert, setzt vollständig auf Musks Urteil. Strategische Fehlentscheidungen lassen sich von außen kaum korrigieren. Das sollte jeder einkalkulieren, der langfristig dabei sein will.
Analysten zweifeln an der Bewertung
Nicht alle teilen die Euphorie. Die Ratingagentur Morningstar hält SpaceX für deutlich überbewertet. Ihre Analysten kommen auf einen fairen Wert von rund 780 Milliarden Dollar. Das liegt etwa 48 Prozent unter der zuletzt gehandelten Bewertung von 1,5 Billionen Dollar. Besonders xAI sehen sie kritisch und sprechen von möglicher Wertvernichtung.
Auch historische Daten mahnen zur Vorsicht. Die zehn größten Börsengänge der Geschichte verloren im ersten Jahr nach dem Listing im Schnitt zwölf Prozent an Wert. Der erste Handelstag bringt oft Kursgewinne. Nach einigen Monaten kehrt sich das Bild jedoch häufig um, sobald die erste Quartalsbilanz die Anleger ernüchtert.
Der Handel startet am 12. Juni
Den finalen Preis legt SpaceX am 11. Juni nach Börsenschluss fest. Dann entscheidet sich auch, wie viele Aktien Privatanleger tatsächlich erhalten. Der freie Handel beginnt am 12. Juni unter dem Kürzel SPCX. Gelistet wird an der Nasdaq und an der neuen Handelsplattform Nasdaq Texas in Dallas.
Wer keine Zuteilung bekommt, hat weiterhin Wege zur Beteiligung. Nach dem Start lässt sich die Aktie wie jede andere über das Depot kaufen. Auch manche Weltraum-ETFs nehmen SPCX automatisch in ihren Korb auf. Der anfängliche Streubesitz ist allerdings klein und liegt bei nur rund drei Prozent. Das kann in den ersten Tagen für starke Kursschwankungen sorgen.
Vor dem Start lohnt ein kühler Kopf
Der SpaceX-Börsengang ist ein historisches Ereignis, doch Größe allein macht keine gute Geldanlage. Die hohe Nachfrage und die ehrgeizigen Umsatzprognosen treffen auf rote Zahlen und eine Bewertung, die selbst Optimisten ins Grübeln bringt. Wer auf den schnellen Gewinn am ersten Tag schielt, geht ein erhebliches Risiko ein.
Anleger sollten die ersten Handelstage in Ruhe beobachten. Steigt der Kurs deutlich über 135 Dollar, bestätigt das die Euphorie. Schwankt er stark oder fällt er, war das gefüllte Orderbuch womöglich vor allem Stimmung. Wer langfristig denkt, nimmt die Verluste und die Bewertung genauso ernst wie die Schlagzeilen.
