SK hynix springt vier Tage nach dem Nasdaq-Debüt um 27 Prozent

Digitale Darstellung einer grün leuchtenden Platine mit zentralem Prozessorchip als Bezug zum Kurssprung von SK hynix nach dem Nasdaq-Debüt

Ein Kurssprung von 27 Prozent am vierten Handelstag

Asien🏭4 Min.15.07.2026

Der südkoreanische Speicherchip-Riese SK hynix (NASDAQ: SKHY) hat am Dienstag einen bemerkenswerten Handelstag hingelegt. Die Aktie schoss um 27,29 Prozent auf 193,92 Dollar nach oben und führte damit die Gewinnerliste der US-Börsen an. Erst am Freitag hatte der Konzern sein Debüt an der Nasdaq gefeiert, am Montag folgte ein Rücksetzer von gut 9 Prozent auf 152,35 Dollar. Der Dienstag machte diesen Dämpfer mehr als wett. Zum Handelsschluss stand der höchste Kurs seit dem Start in New York auf der Anzeigetafel.

SK hynix ist nach Samsung der zweitwertvollste Konzern Südkoreas und stellt Arbeitsspeicher, Flash-Speicher und vor allem High Bandwidth Memory her, kurz HBM. Diese gestapelten Hochleistungschips stecken in den KI-Beschleunigern von Nvidia und gelten derzeit als Flaschenhals des gesamten KI-Booms. Genau diese Position macht die Aktie für amerikanische Anleger so spannend.

Das größte US-Listing eines ausländischen Konzerns

Streng genommen war der Schritt nach New York kein klassischer Börsengang. Die Stammaktien von SK hynix notieren seit 1996 in Seoul (KRX: 000660), gegründet wurde das Unternehmen bereits 1983 als Hyundai Electronics. Neu ist der Verkauf von American Depositary Shares, also Hinterlegungsscheinen, die den Handel in Dollar ermöglichen. Vorher mussten US-Anleger auf dünn gehandelte OTC-Papiere ausweichen.

Die Dimension des Deals sucht ihresgleichen. SK hynix platzierte 177,9 Millionen dieser Anteilsscheine zu je 149 Dollar und sammelte damit rund 26,5 Milliarden Dollar ein. Kein ausländisches Unternehmen hat jemals mehr Kapital an einer US-Börse aufgenommen. Lediglich SpaceX hatte wenige Wochen zuvor bei seinem Rekord-IPO noch mehr Geld eingeworben.

Am ersten Handelstag eröffnete das Papier bei 170 Dollar, kletterte zeitweise auf 177 Dollar und schloss bei 168,01 Dollar. Gegenüber dem Ausgabepreis bedeutete das ein Plus von 13 Prozent. Die Marktkapitalisierung erreichte rund 1,27 Billionen Dollar, womit SK hynix auf Anhieb zu den elf wertvollsten börsennotierten Unternehmen der USA zählt. Nach den Gewinnmitnahmen vom Montag hatten manche Beobachter das Listing schon als überhitzt abgestempelt. Der Dienstag belehrte sie eines Besseren.

HBM als Herzstück des KI-Booms

Hinter dem Kurssprung steckt mehr als kurzfristige Zockerei. SK hynix kontrolliert nach Daten von Counterpoint Research rund 58 Prozent des weltweiten HBM-Marktes, Samsung und Micron teilen sich den Rest. Bei HBM werden acht bis zwölf hauchdünn geschliffene Speicherschichten übereinandergestapelt und direkt neben dem Grafikprozessor verbaut. Ohne diese Bauteile läuft kein moderner KI-Server, und einmal verlötet lassen sie sich nicht mehr austauschen.

Die Geschäftszahlen spiegeln diese Machtposition wider. Im ersten Quartal 2026 setzte SK hynix 34,5 Milliarden Dollar um, ein Plus von 199 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge lag bei außergewöhnlichen 79 Prozent, die operative Marge bei 72 Prozent. Für das Gesamtjahr erwarten die von LSEG befragten Analysten einen Umsatz von rund 235 Milliarden Dollar, nach etwa 65 Milliarden Dollar im Jahr 2025.

Dazu kommt die enge Bindung an Nvidia. Im Juni reiste Nvidia-Chef Jensen Huang persönlich nach Seoul, beide Konzerne verkündeten eine mehrjährige Technologiepartnerschaft. Medienberichten zufolge verhandelt SK hynix außerdem mit Google über einen Fünfjahresvertrag für Speicherchips. Konzernlenker Chey Tae-won sprach bei CNBC von einer enormen Nachfrage und rechnet damit, dass die Speicherknappheit bis über das Jahr 2030 hinaus anhält.

Warum die Aktie ausgerechnet am Dienstag abhob

Mehrere Faktoren kamen zusammen. Die US-Inflationsdaten für Juni fielen schwächer aus als erwartet, was den gesamten Halbleitersektor beflügelte. Der Nasdaq Composite legte 0,9 Prozent zu und Chipwerte erholten sich breit von ihrem Ausverkauf am Vortag. Zusätzlich starteten am Dienstag die ersten Optionen auf die SKHY-Aktie, was neuen Anlegergruppen den Einstieg erleichtert.

Der wichtigste Treiber dürfte allerdings die Bewertung sein. Trotz Marktführerschaft im HBM-Geschäft wird SK hynix mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18 gehandelt, Micron dagegen mit etwa 20. Über 13 Jahre notierten die koreanischen Aktien im Schnitt sogar 35 Prozent unter der Bewertung des US-Rivalen, wie Analysten der HSBC errechnet haben. Fachleute sprechen vom Korea-Abschlag, weil internationalen Investoren der Zugang zur Börse in Seoul lange zu umständlich war. Das neue Listing räumt genau dieses Hindernis aus dem Weg.

Zusätzliche Fantasie liefert die Indexfrage. Die Nasdaq hat ihre Regeln gelockert, große Neuzugänge können schon nach 15 Handelstagen in den Nasdaq 100 aufsteigen. SpaceX hat es vorgemacht, SK hynix könnte folgen. Indexfonds müssten die Aktie dann automatisch kaufen. Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass Samsung ein eigenes US-Listing prüft. Der Schritt der Koreaner nach New York entwickelt sich damit zum Vorbild für eine ganze Branche.

Zwischen Rekordwachstum und Achterbahn-Kursen

Wer den Wert beobachtet, sollte zwei Dinge auseinanderhalten. Operativ liefert SK hynix Zahlen, die selbst im heiß gelaufenen KI-Sektor herausstechen. Gleichzeitig zeigt die erste Handelswoche, wie nervös das Papier gehandelt wird. Plus 13 Prozent am Freitag, minus 9 Prozent am Montag, plus 27 Prozent am Dienstag. Solche Ausschläge sind bei frisch gelisteten Aktien üblich, verlangen aber starke Nerven.

Dazu kommt das Grundrisiko des Speichermarktes. Die Branche durchlief in der Vergangenheit brutale Zyklen, auf Knappheit folgte regelmäßig Überangebot mit Preisverfall. Bernstein und TrendForce erwarten außerdem, dass Samsung seinen HBM-Marktanteil von rund 27 Prozent im Vorjahr auf bis zu 37 Prozent in diesem Jahr ausbauen könnte. Der Vorsprung von SK hynix ist groß, aber nicht unangreifbar. Aus unserer Sicht bleibt die Aktie ein direkter Hebel auf den KI-Ausbau, mit allen Chancen und Risiken, die dazugehören. Wer nach einem Tagesplus von 27 Prozent einsteigt, zahlt einen spürbaren Aufschlag für die Aufholjagd der letzten Stunden.

Quartalszahlen und Indexentscheid als nächste Wegmarken

Ende Juli stehen voraussichtlich die Ergebnisse zum zweiten Quartal an. Der Markt wird genau prüfen, ob das Wachstumstempo von fast 200 Prozent Bestand hat und wie sich die HBM-Preise entwickeln. Danach rückt die mögliche Aufnahme in den Nasdaq 100 in den Fokus, die nach der neuen Schnellspur-Regel bereits im August erfolgen könnte.

Langfristig zählt der Kapazitätsausbau. SK hynix errichtet für 4 Milliarden Dollar ein Werk für fortgeschrittenes Chip-Packaging im US-Bundesstaat Indiana, das 2028 fertig werden soll. In Südkorea entsteht in Yongin ein Fabrikkomplex für rund 390 Milliarden Dollar. Das frische Geld aus dem Listing fließt genau in diese Projekte. Ob die Wette aufgeht, entscheidet sich daran, wie lange der Speicherhunger der KI-Rechenzentren anhält. Die erste Woche an der Nasdaq lässt zumindest erahnen, wie viel Bewegung in diesem Papier noch stecken dürfte.