Albertsons IPO: Amerikas zweitgrößte Supermarktkette will an die Börse

Albertsons Companies ist einer der größten Lebensmittelhändler der USA mit 2.260 Filialen in 34 Bundesstaaten und einem Jahresumsatz von über 60 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen betreibt 20 bekannte Supermarkt-Marken wie Albertsons, Safeway und Vons und beschäftigt rund 270.000 Mitarbeiter. Mit dem Ausbau des Omnichannel-Angebots und einem starken Eigenmarken-Portfolio will ACI seine führende Marktposition weiter ausbauen.
Overview
Albertsons Companies ist kein typisches Börsengang-Unternehmen. Keine Disruption, kein Hypewachstum, keine milliardenschwere Verlustgeschichte. Stattdessen: fast 81 Jahre Supermarkt, 60 Milliarden Dollar Jahresumsatz und ein Privatequity-Investor, der nach über einem Jahrzehnt endlich die Kasse machen will.
1939 eröffnete Joe Albertson seinen ersten Laden an der 16th and State Street in Boise, Idaho. Was als einzelner Supermarkt begann, ist heute durch dutzende Übernahmen und Fusionen zur zweitgrößten US-Supermarktkette gewachsen. Der entscheidende Schritt: die 2015 abgeschlossene Fusion mit Safeway. Seitdem betreibt das Unternehmen unter dem Holdingdach Albertsons Companies, Inc. (ACI) 20 bekannte Supermarkt-Marken quer durch die USA.
Jetzt soll ACI an die NYSE, unter dem Ticker-Symbol ACI. Das S-1 Filing wurde am 6. März 2020 eingereicht. Emissionspreis und Volumen stehen noch nicht fest. Was feststeht: Es ist kein Kapitalerhöhungs-IPO, bei dem frisches Geld in die Kasse fließt. Die Aktien werden von den bisherigen Eigentümern verkauft. Allen voran Cerberus Capital Management, der Private-Equity-Riese, der ACI seit 2006 kontrolliert.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
Den Chefposten bei Albertsons hat seit April 2019 Vivek Sankaran inne. Er kommt von PepsiCo, wo er als President and CEO der Foods North America Division tätig war. Sankaran bringt Consumer-Goods-Erfahrung aus einem anderen Winkel in den Supermarktsektor, was das Unternehmen bewusst als Stärke positioniert. Besondere Stimmrechtsklassen wie bei Tech-IPOs gibt es hier nicht. Standard-Aktienstruktur, klassischer Konzern.
CFO Bob Dimond und COO Susan Morris bilden das Kernteam aus erfahrenen Lebensmitteleinzelhandels-Managern, die laut S-1 jeweils mehr als 30 Jahre Branchenerfahrung mitbringen. Neu dazugekommen ist Chris Rupp als Chief Customer & Digital Officer mit Hintergrund aus Amazon und Microsoft. Geoff White leitet als Chief Merchandising Officer das strategisch wichtige Eigenmarken-Geschäft.
Cerberus Capital Management bleibt nach dem IPO der größte Einzelaktionär. Das Unternehmen wird nach der Transaktion weiterhin über Board-Mandate Einfluss auf ACI ausüben, solange Cerberus mehr als 5% der Anteile hält.
Branche
ACI operiert im 1,1 Billionen Dollar schweren US-amerikanischen Lebensmitteleinzelhandel. Ein riesiger, aber kein einfacher Markt. Die Margen sind dünn, der Wettbewerb ist intensiv und Amazon hat mit der Übernahme von Whole Foods 2017 klar signalisiert, dass auch der Grocery-Markt kein sicherer Hafen ist.
Zwischen 2014 und 2019 ist der US-Lebensmittelhandel um 29 Milliarden Dollar gewachsen, getrieben von Wirtschaftswachstum und einer Verschiebung hin zu Premium- und Bio-Produkten. Der Online-Anteil ist noch klein, ungefähr 5% des Gesamtmarkts, wächst aber schnell. Hier liegt für Albertsons sowohl die größte Chance als auch das größte Risiko.
Hauptwettbewerber sind Kroger (Marktführer), Walmart (mit Supercenters), Amazon Fresh, Costco und Target. In 66% der 121 Ballungsräume, in denen ACI aktiv ist, hält das Unternehmen Marktrang 1 oder 2. Das ist eine starke Ausgangslage, die aber aktiv verteidigt werden muss.
Produkte
Albertsons ist ein klassischer Full-Service-Supermarkt, kein Discounter und kein Spezialanbieter. Das Geschäftsmodell basiert auf einer breiten Produktpalette über mehrere Eigenmarken, ergänzt durch Pharmazie, Kraftstoff und digitale Services:
- •20 Supermarkt-Banners: Albertsons, Safeway, Vons, Pavilions, Randalls, Shaw's, Star Market, Tom Thumb, Jewel-Osco und weitere. Sieben der Marken sind über 100 Jahre alt, der Durchschnitt liegt bei 85 Jahren.
- •Own Brands (Eigenmarken): 25,6% Umsatzanteil im dritten Quartal FY 2019. Das Portfolio reicht von der Einstiegsmarke Value Corner bis zur Premiumlinie Signature Reserve. Vier Eigenmarken (Lucerne, Signature Select, Signature Café, O Organics) erzielen jeweils mehr als 1 Milliarde Dollar Umsatz pro Jahr. Mehr als 11.000 verschiedene Produkte.
- •Pharmacy: Apotheken in zahlreichen Filialen als Frequenzbringer und Loyalitätstreiber.
- •Drive Up & Go: Curbside-Pickup-Service, bereits in rund 2.000 Filialen verfügbar. Expansion auf 1.400 weitere Standorte für Heimlieferung geplant.
- •just for U: Loyalitätsprogramm mit knapp 20 Millionen registrierten Haushalten. Kunden, die eCommerce nutzen, geben im Schnitt 28% mehr aus.
- •Kraftstoff: Eigene Tankstellen an vielen Standorten, kombiniert mit Reward-Programmen.
Outlook
Albertsons hat in den letzten Jahren bewiesen, dass der Turnaround nach der Safeway-Integration geglückt ist. Acht aufeinanderfolgende Quartale mit positivem Vergleichsflachwachstum (Identical Sales Growth) sprechen eine klare Sprache. Das Adjusted EBITDA stieg von 2,4 Milliarden Dollar in FY 2017 auf 2,7 Milliarden Dollar in FY 2018. Gleichzeitig wurde der Schuldenstand seit Ende FY 2017 um 2,9 Milliarden Dollar reduziert.
Die strategische Priorität ist klar: weniger Schulden, mehr Digital, höhere Eigenmarken-Penetration. Das Unternehmen hat sich ein Ziel von 1 Milliarde Dollar jährliche Produktivitätseinsparungen bis Ende FY 2022 gesetzt. Das klingt nach internem Kürzungsprogramm, ist aber hauptsächlich Effizienzgewinne durch bessere Systeme und Prozesse.
Der Zeitpunkt des S-1-Filings ist allerdings bemerkenswert: 6. März 2020. Zwei Wochen bevor COVID-19 die USA in eine Ausnahmesituation versetzte. Lebensmittelhändler gehören zu den wenigen Gewinnern einer Pandemie-Wirtschaft. Gleichzeitig bringt sie enorme operative Belastungen mit sich. Wie dieser IPO-Zeitplan sich weiterentwickelt, bleibt abzuwarten.
Mittelfristig wird entscheidend sein, wie gut ACI die eCommerce-Offensive umsetzt. Aktuell macht der Online-Kanal noch einen kleinen Teil des Umsatzes aus. Kroger und Walmart investieren massiv. Die Zeit läuft.
Details zum IPO
Albertsons Companies plant die Erstnotiz an der NYSE unter dem Ticker-Symbol ACI. Emissionspreis und genaues Volumen wurden im S-1 noch nicht festgelegt. Es handelt sich ausschließlich um einen Secondary-Offering-IPO: Alle Aktien werden von den bestehenden Eigentümern (Cerberus und weitere Sponsoren) verkauft. Frisches Kapital fließt nicht in das Unternehmen.
Als Konsortialführer wurden Goldman Sachs & Co. LLC und Morgan Stanley mandatiert. Cerberus Capital Management wird nach dem IPO noch erhebliche Anteile halten und bleibt über einen Aktionärsvertrag im Board verankert: Bei mehr als 20% Beteiligung hat Cerberus das Recht, vier Direktoren zu benennen.
Dies ist übrigens nicht Albertsons' erster IPO-Anlauf. Bereits 2015 hatte das Unternehmen eine Börsennotiz geplant und den Plan dann zurückgezogen. Der zweite Anlauf soll jetzt klappen.
Bewertungskriterien
#1 oder #2 Marktposition in 66% der bedienten Ballungsräume und über 80 Jahre Markenbindung
Solide Profitabilität: 131 Millionen Dollar Nettogewinn und 2,7 Milliarden Dollar Adjusted EBITDA in FY 2018
Starkes Eigenmarken-Portfolio mit 25,6% Umsatzanteil und vier Milliarden-Dollar-Marken als Margenhebel
Schuldenabbau von 2,9 Milliarden Dollar seit Ende FY 2017 zeigt finanzielle Disziplin
Reiner Secondary-IPO: Kein Geld geht ins Unternehmen, nur Cerberus verkauft seine Anteile
Dünne Margen im Lebensmitteleinzelhandel und intensiver Wettbewerb durch Walmart, Kroger und Amazon
Hohe Schuldenlast bleibt: Net Debt Ratio bei 3,0x trotz Abbau, Zinsbelastung drückt auf Ergebnis
Kaum Wachstumsphantasie: Umsatz wächst moderat, Online-Anteil noch sehr gering