Joe Albertson, ein ehemaliger Bezirksleiter bei Safeway, eröffnete 1939 mit 12.500 Dollar Startkapital seinen ersten Supermarkt in Boise, Idaho. Die Idee war einfach: ein großes Sortiment, kostenlose Parkplätze und eine Geld-zurück-Garantie. Das Konzept ging auf. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Kette quer durch den Westen und Mittleren Westen der USA und ging 1959 an die Börse.
Der heutige Konzern entstand durch eine Reihe von Übernahmen und Umstrukturierungen. 2006 übernahm die Private-Equity-Gesellschaft Cerberus Capital Management rund 660 Albertsons-Filialen und baute daraus eine neue Gesellschaft auf. 2013 kaufte Cerberus für 3,3 Milliarden Dollar ehemalige Albertsons-Filialen von Supervalu zurück und vereinte die Marke wieder unter einem Dach. Die entscheidende Transaktion folgte 2015: Albertsons übernahm Safeway für rund 9,2 Milliarden Dollar und schuf damit die zweitgrößte Supermarktkette der USA mit mehr als 2.200 Filialen.
Der Hauptsitz liegt nach wie vor in Boise, Idaho. Albertsons beschäftigt rund 250.000 Mitarbeiter und betreibt Supermärkte unter mehr als 20 regionalen Marken, darunter Albertsons, Safeway, Vons, Jewel-Osco, Shaw's, Acme, Tom Thumb, Randalls und United Supermarkets.
Seit Mai 2025 führt Susan Morris Albertsons als CEO. Morris startete ihre Karriere vor fast 40 Jahren in einer Albertsons-Filiale in Denver und stieg über verschiedene Führungspositionen bis zur COO auf, bevor sie die Nachfolge von Vivek Sankaran antrat. Sankaran hatte das Unternehmen seit April 2019 geleitet. Vor Albertsons war er CEO von Frito-Lay North America, der Snack-Sparte von PepsiCo mit rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Unter seiner Führung trieb Albertsons die Digitalisierung voran und durchlief den gescheiterten Übernahmeversuch durch Kroger.
Sharon McCollam fungiert seit September 2021 als Präsidentin und CFO. McCollam war zuvor CFO bei Best Buy und gilt als Architektin der dortigen Omnichannel-Transformation. Bei Albertsons verantwortet sie neben den Finanzen auch IT, Lieferkette und Unternehmensstrategie. Den Vorsitz im Board of Directors hält Jim Donald, ein langjähriger Einzelhandelsmanager, der unter anderem CEO von Starbucks war.
Der US-Lebensmitteleinzelhandel ist ein Markt mit einem Volumen von über 1,5 Billionen Dollar, in dem die Margen traditionell niedrig sind und Größenvorteile über den Erfolg entscheiden. Walmart dominiert mit einem Marktanteil von rund 21 Prozent. Dahinter folgen Kroger mit knapp 9 Prozent, Costco mit rund 8,5 Prozent und Albertsons mit etwa 5 Prozent. Der Markt ist trotz der Größe der einzelnen Spieler vergleichsweise fragmentiert, mit Tausenden von regionalen Ketten, unabhängigen Händlern und Discountern.
Die Branche steht unter strukturellem Druck. Nicht-traditionelle Anbieter wie Walmart, Amazon, Costco und Dollar-Store-Ketten haben ihren Anteil am Lebensmittelgeschäft seit Jahren ausgebaut und machen mittlerweile mehr als 60 Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes aus. Gleichzeitig drängen Discounter wie Aldi und Lidl mit aggressiven Expansionsplänen in den Markt. Aldi will allein 2025 über 200 neue Filialen in den USA eröffnen.
Für traditionelle Supermarktketten wie Albertsons bedeutet das einen permanenten Preisdruck. Die Antworten darauf sind Eigenmarken, Kundenbindungsprogramme, digitale Bestellkanäle und das Apothekengeschäft. Lebensmittel-E-Commerce wächst weiter, macht aber nach wie vor nur einen einstelligen Prozentanteil des Gesamtmarktes aus. Der Großteil der Einkäufe findet weiterhin im stationären Handel statt.
Das Kerngeschäft von Albertsons ist der Verkauf von Lebensmitteln, Haushaltsartikeln und Drogerieartikeln über stationäre Supermärkte. Rund 50 Prozent des Umsatzes entfallen auf das Trockensortiment (Konserven, Tiefkühl, Molkereiprodukte, Haushaltswaren), etwa 32 Prozent auf Frischeprodukte wie Obst, Gemüse, Fleisch, Feinkost und Backwaren.
Das Apothekengeschäft hat sich zu einem wichtigen Umsatztreiber entwickelt und macht rund 11 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz. Albertsons betreibt über 1.700 Apotheken in seinen Filialen. Dazu kommen mehr als 400 Tankstellen und ein wachsendes digitales Geschäft. Die Online-Bestellungen (Lieferung und Abholung) wuchsen im Geschäftsjahr 2024 um mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Ein Differenzierungsmerkmal ist das Eigenmarkenportfolio, das unter dem Namen "Own Brands" firmiert und einen Umsatz von über 16 Milliarden Dollar generiert. Die größte Eigenmarke ist Signature Select mit mehr als 8.000 Produkten, von Tiefkühlpizza über Kaffee bis zu Papierwaren. Weitere Marken sind O Organics (Bio-Produkte), Lucerne (Molkereiprodukte), Open Nature (natürliche Lebensmittel), Primo Taglio (Feinkost) und Value Corner (Preiseinstieg). Albertsons betreibt außerdem ein Kundenbindungsprogramm namens "for U", das im Geschäftsjahr 2024 auf über 45 Millionen Mitglieder angewachsen ist.