Chagee IPO: Chinas größte Premium-Teekette geht an die Nasdaq

Chagee betreibt mit 6.440 Teehäusern die größte Premium-Tee-Kette in China. Das Unternehmen aus Shanghai erzielte 2024 einen Umsatz von 1,7 Milliarden US-Dollar und einen Nettogewinn von 344 Millionen US-Dollar. Mit dem Börsengang an der Nasdaq will Gründer Junjie Zhang die internationale Expansion finanzieren.
Overview
Was Starbucks für Kaffee geschafft hat, will Chagee jetzt für Tee schaffen. Genau das ist die Story hinter diesem Börsengang. Junjie Zhang gründete das Unternehmen 2017 in China unter dem Namen Bawang Chaji und sah, wie internationale Kaffeeketten seit den 1970ern eine ganze Trinkkultur weltweit etabliert haben. Sein Ziel: dasselbe mit Tee, dem ältesten Getränk Chinas, und mit modernen Technologien als Unterbau.
Chagee hat im März 2025 seine F-1-Unterlagen bei der SEC eingereicht und plant die Erstnotiz an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker CHA. Anleger kaufen dabei sogenannte ADSs, also American Depositary Shares, die jeweils mehrere Class A Ordinary Shares repräsentieren. Diese Konstruktion ist üblich für nicht-amerikanische Unternehmen, die in den USA an die Börse gehen.
Das ist auch deshalb wichtig zu wissen, weil Chagee formal kein chinesisches Unternehmen ist, sondern eine Holding mit Sitz auf den Cayman Islands. Operativ läuft aber alles über chinesische Tochtergesellschaften mit Hauptsitz in Shanghai. Anders als viele andere China-IPOs nutzt Chagee allerdings keine VIE-Struktur (Variable Interest Entity), sondern hält seine PRC-Töchter direkt über Singapur-Gesellschaften. Das ist ein wichtiger Unterschied, weil VIE-Strukturen rechtlich besonders fragil sind.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze von Chagee steht Gründer, Chairman und CEO Junjie Zhang, der das Unternehmen seit der Gründung 2017 führt. Er hält nach dem IPO sämtliche Class B Ordinary Shares, die jeweils zehn Stimmen haben (gegenüber einer Stimme pro Class A Share), und kontrolliert damit über die Hälfte der Stimmrechte. Damit qualifiziert sich Chagee als sogenannte "controlled company" nach Nasdaq-Regeln. Konkret heißt das: Das Unternehmen darf auf einige Governance-Standards verzichten, etwa eine mehrheitlich unabhängige Board-Besetzung oder unabhängige Vergütungsausschüsse.
Aus den uns vorliegenden Auszügen des F-1 lassen sich keine konkreten Namen weiterer Top-Manager wie CFO oder COO ableiten. Wir ergänzen diese Information, sobald wir das vollständige Management-Kapitel des Filings ausgewertet haben.
Branche
Der Markt für frisch zubereitete Tee-Getränke in China wächst schnell. Laut der vom Unternehmen beauftragten Marktstudie von iResearch ist das Volumen zwischen 2019 und 2024 von 102,2 Milliarden auf 272,7 Milliarden RMB gestiegen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 21,7 Prozent. Bis 2028 soll der Markt auf 426 Milliarden RMB anwachsen.
Besonders das Premium-Segment, in dem Chagee positioniert ist (Durchschnittspreis ab 17 RMB pro Becher), legt überproportional zu. Sein Anteil am gesamten Markt für frisch zubereitete Tee-Getränke ist von 10,9 Prozent in 2019 auf 25,9 Prozent in 2024 gestiegen und soll bis 2028 auf 31,7 Prozent klettern. Treiber sind höhere Konsumentenansprüche an Qualität, ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein und der zunehmende Lifestyle-Charakter von Premium-Tee.
Auch global bewegt sich viel. Der weltweite Markt für Tee-Getränke aller Art lag 2024 bei 467 Milliarden US-Dollar und soll bis 2028 auf 602 Milliarden steigen. Speziell der Markt für frisch zubereitete Tee-Getränke außerhalb Chinas soll sich auf 122 Milliarden US-Dollar beinahe verdoppeln. Chagee konkurriert in China mit anderen großen Marken wie HEYTEA, Nayuki Tea, Gu Ming und Mixue Bingcheng. Während Chagee klar im Premium-Segment spielt, decken einige Wettbewerber eher das mittlere bis untere Preisniveau ab.
Regulatorisch bewegt sich Chagee in einem komplexen Umfeld. Die chinesische Wertpapieraufsicht CSRC hat den Börsengang im März 2025 freigegeben. Trotzdem bleibt das politische und regulatorische Risiko hoch, vor allem mit Blick auf den Holding Foreign Companies Accountable Act (HFCAA), der ein Delisting in den USA erzwingen könnte, falls die PCAOB chinesische Wirtschaftsprüfer nicht prüfen darf.
Produkte
Chagee verfolgt eine bewusst schlanke Produktstrategie. Statt eine breite Speisekarte zu führen, konzentriert sich das Unternehmen auf wenige Kernprodukte mit hoher Wiedererkennung:
- •Signature Tea Lattes: 2024 entfielen rund 91 Prozent des chinesischen GMV auf diese Produktkategorie. Die drei meistverkauften Tee-Lattes machten allein 61 Prozent des chinesischen GMV aus.
- •Eigene Extraktionstechnologie: Chagee nutzt automatisierte Tee-Maschinen, die das Unternehmen gemeinsam mit Lieferanten entwickelt. Das sorgt für gleichbleibende Qualität in jedem Teehaus.
- •"Five Things Online": Eine durchgehend digitalisierte Plattform, die Produktentwicklung, Kundenbeziehungen, Lieferkette, Store-Lifecycle und Bezahlung verknüpft. Die Daten fließen direkt zurück in die operative Steuerung der Teehäuser.
- •Mobile Mini Program: Eigenes WeChat-basiertes Bestell- und Mitgliedschaftssystem mit Millionen registrierter Nutzer.
- •Teehaus-Netzwerk: Zum Stichtag 31. Dezember 2024 betrieb Chagee 6.440 Teehäuser, davon 6.284 in 32 von 34 chinesischen Provinzen und 156 im Ausland (vor allem Südostasien). 6.271 davon werden von Franchise-Partnern betrieben, 169 sind Company-owned.
Die Skalierung lief in den letzten Jahren extrem schnell. Allein 2024 kamen rund 2.929 neue Teehäuser hinzu, ein Plus von 83 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Outlook
Anders als viele junge Wachstumsunternehmen ist Chagee bereits hochprofitabel. Der Nettoumsatz stieg 2024 auf 12,4 Milliarden RMB (1,7 Milliarden US-Dollar), ein Plus von 167 Prozent gegenüber 2023. Der Nettogewinn legte um 213 Prozent auf 2,5 Milliarden RMB (344 Millionen US-Dollar) zu. Auch die operativen Kennzahlen sind beeindruckend: Der durchschnittliche Monatsumsatz pro Teehaus in China stieg von 178.000 RMB in 2022 auf 512.000 RMB in 2024.
Mit den Erlösen aus dem Börsengang will Chagee in fünf Bereichen investieren: Ausbau des Teehaus-Netzwerks in China und im Ausland, Entwicklung neuer Produkte, Aufbau der internationalen Lieferkette, Investitionen in Technologie und allgemeine Unternehmensziele. Besonders die internationale Expansion ist spannend, weil Chagee dafür eigene Holdings in Singapur und Großbritannien gegründet hat.
Der entscheidende Punkt für Anleger: Wie nachhaltig ist diese Profitabilität? Chinas Tee-Markt ist hart umkämpft, und das Wachstum hängt stark vom Erfolg der Franchise-Partner ab. Auch das politische Risiko bleibt ein Thema, das man als westlicher Anleger nicht wegdiskutieren kann.
Details zum IPO (F-1 / ADS-Listing)
Chagee plant die Erstnotiz an der Nasdaq Global Select Market unter dem Ticker CHA. Statt klassischer Aktien werden ADSs ausgegeben, jede ADS repräsentiert eine bestimmte Zahl von Class A Ordinary Shares. Emissionspreis und Volumen wurden im F-1 noch nicht festgelegt. Vor dem IPO bestehen 168.865.901 Ordinary Shares (auf as-converted Basis).
Als Konsortialführer wurden Citigroup, Morgan Stanley und Deutsche Bank mandatiert, ergänzt durch Tiger Brokers, Futu, Valuable Capital und CICC. Die Dual-Class-Struktur sieht vor, dass Gründer Junjie Zhang über Class B Ordinary Shares mit zehnfacher Stimmkraft die Kontrolle behält. Class A Shares haben eine Stimme pro Anteil.
Wichtig für deutsche Anleger: Chagee ist ein Foreign Private Issuer. Das bedeutet weniger Berichtspflichten gegenüber der SEC als bei US-Unternehmen, keine quartalsweisen 10-Q Reports und schwächeren Anlegerschutz in einigen Bereichen. Außerdem besteht ein Delisting-Risiko durch den HFCAA, falls die PCAOB chinesische Wirtschaftsprüfer auf Dauer nicht inspizieren kann. Die Bilanzierung erfolgt nach U.S. GAAP, allerdings primär in RMB mit USD-Umrechnung zu einem Stichtagskurs.
Bewertungskriterien
Bereits profitabel: 2,5 Milliarden RMB Nettogewinn in 2024, ein Plus von 213 Prozent gegenüber dem Vorjahr
Marktführer im chinesischen Premium-Segment mit 6.440 Teehäusern und stärkstem Wachstum unter allen Ketten mit über 1.000 Stores
Hohe operative Effizienz: durchschnittlicher Monatsumsatz pro Teehaus stieg von 178.000 RMB (2022) auf 512.000 RMB (2024)
Großer und schnell wachsender Markt: Chinas Premium-Tee-Segment soll bis 2028 auf 167 Milliarden RMB wachsen
Hohes China-Risiko: PRC-Aufsicht, HFCAA-Delisting-Gefahr und Beschränkungen beim Cashtransfer aus China zur Holding
Dual-Class-Struktur gibt Gründer Junjie Zhang faktisch alleinige Kontrolle ("controlled company") mit Verzicht auf Governance-Standards
Foreign Private Issuer Status mit weniger Transparenz und Berichtspflichten als bei US-Unternehmen
Stark abhängig vom Franchise-Modell: 6.271 von 6.440 Teehäusern werden von externen Partnern betrieben
