Overview
Zhang Junjie gründete Chagee im November 2017 in Kunming in der südchinesischen Provinz Yunnan. Sein Hintergrund ist ungewöhnlich für einen Tech- oder Konsumunternehmer. Zhang verlor früh seine Eltern, lebte mehrere Jahre auf der Straße und brachte sich erst mit 17 das Lesen und Schreiben selbst bei. Als Auszubildender in einem taiwanesischen Bubble-Tea-Laden sammelte er erste Erfahrungen in der Branche, später arbeitete er bei einem Roboterunternehmen in Shanghai. Mit dieser Mischung aus Branchenwissen und Managementerfahrung baute er Chagee um die Idee herum auf, traditionellen chinesischen Tee für eine junge urbane Zielgruppe neu zu inszenieren und ihn als Alternative zu Starbucks zu positionieren.
Die ersten vier Jahre verlief das Wachstum verhalten. Bis 2021 hatte Chagee weniger als 500 Filialen, und in der Branche galt die Marke als regionale Erscheinung aus Yunnan. Den eigentlichen Durchbruch brachte die Verlagerung des Hauptsitzes nach Chengdu, eine größere Finanzierungsrunde unter Beteiligung von XVC und Fosun und die Konzentration auf das Signature-Produkt Boyajuexian, einen Tee-Latte aus Jasmintee und Milch. 2023 verkaufte Chagee allein von diesem Produkt 230 Millionen Becher und eröffnete in einem Jahr mehr als 2.300 neue Filialen.
Heute betreibt Chagee weltweit mehrere Tausend Teehäuser, der Großteil davon in Festlandchina, ergänzt durch eine wachsende Präsenz in Malaysia, Singapur, Thailand, Indonesien und seit 2025 auch in den USA. Der operative Hauptsitz liegt in Shanghai, die Holdinggesellschaft ist auf den Kaimaninseln registriert. Mit dem Börsengang an der NASDAQ im April 2025 wurde Zhang Junjie im Alter von 30 Jahren zum Milliardär und einer der prominentesten jungen Unternehmer Chinas.
Management
Zhang Junjie führt Chagee seit der Gründung 2017 als CEO und Vorstandsvorsitzender. Über eine duale Aktienstruktur mit Klasse-B-Aktien, die jeweils zehn Stimmrechte tragen, kontrolliert er nach dem Börsengang rund 89 Prozent der Stimmrechte und damit faktisch sämtliche strategischen Entscheidungen. Sein Hintergrund unterscheidet sich deutlich vom typischen Profil eines US-gelisteten CEOs, da er nie eine reguläre Schul- oder Hochschulausbildung absolviert hat.
Die Finanzfunktion verantwortet seit Oktober 2024 Hongfei Huang, in der Branche bekannt unter dem Namen Aaron Huang. Huang war zuvor 28 Jahre bei McDonald's China tätig, davon mehrere Jahre als CFO mit Verantwortung für Finanzen, Lieferkette, Recht und Compliance. Seine Berufung wurde als deutliches Signal gewertet, dass Chagee sich operativ und strukturell auf den Börsengang und die internationale Skalierung vorbereitet. Auch andere Schlüsselpositionen besetzte Zhang in den Jahren vor dem IPO mit erfahrenen Managern aus Starbucks, Tims und weiteren großen Restaurantketten.
Finanzdaten
Branche
Chagee operiert im Markt für sogenannte New-Style-Tea-Drinks, einer Kategorie frisch zubereiteter Teegetränke, die in China binnen weniger Jahre vom Trend zur Massenkategorie geworden ist. Allein in China gibt es zehntausende Filialen verschiedener Ketten, und die Branche steht zunehmend unter Konsolidierungsdruck. International eröffnen chinesische Marken vor allem in Südostasien neue Standorte, da Wetterbedingungen, Konsumgewohnheiten und Akzeptanz chinesischer Marken dort günstig sind. Der Markt für spezialisierte Tee- und Kaffeeketten in Südostasien wurde zuletzt mit rund 4,7 Milliarden Dollar beziffert (Euromonitor).
Die Wettbewerbslandschaft ist klar segmentiert. Im Massenmarkt dominiert Mixue Bingcheng mit weltweit über 36.000 Filialen und einer aggressiven Niedrigpreisstrategie. Im Premiumsegment konkurriert Chagee vor allem mit Heytea und Nayuki, die ihre Markenführung stark über Designstores und limitierte Kollaborationen aufbauen. Hinzu kommen Kaffeeketten wie Luckin Coffee und Starbucks, die in China einen erheblichen Teil der Tagesbesuche im Bereich Heißgetränke abdecken. Chagee hebt sich durch ein bewusst schlankes Sortiment, einen Fokus auf reine Teebasis ohne Fruchtanteile und ein hocheffizientes Franchise-Modell ab.
Treiber der Branche sind das wachsende Interesse junger Konsumenten an gesundheitsbewusster Ernährung mit weniger Zucker, die Internationalisierung chinesischer Marken und die zunehmende Bedeutung digitaler Vertriebskanäle wie Mini-Apps und Liefer-Apps. Gegenwind kommt aus der Marktsättigung in den großen chinesischen Städten und einem zunehmenden Preiskampf, der die Margen vieler Anbieter unter Druck setzt.
Produkte und Services
Das Kernprodukt von Chagee sind Tee-Drinks auf Basis extrahierter Originalteeblätter, kombiniert mit Milch. Klassische Bubble-Tea-Elemente wie Tapioka-Perlen oder Fruchtsirupe spielen nur eine untergeordnete Rolle. Das Sortiment ist im Vergleich zu Wettbewerbern bewusst schmal gehalten. Die wenigen Hauptprodukte, allen voran der Tee-Latte Boyajuexian, machen einen großen Teil des Umsatzes aus. Diese Konzentration ermöglicht eine Lagerumschlagszeit von rund fünf Tagen sowie eine Zubereitungszeit pro Becher von wenigen Sekunden. Die Preise pro Getränk liegen zwischen 16 und 25 Yuan und damit klar im Premiumbereich des chinesischen Tee-Markts.
Der mit Abstand größte Anteil am Umsatz entfällt auf das Franchise-Geschäft. Chagee verkauft Rohstoffe, Verpackung, Equipment und weitere Materialien an seine Franchisepartner und vereinnahmt zusätzliche Gebühren. Eigenbetriebene Filialen machen nur einen kleinen Teil des Netzes aus, wachsen jedoch besonders schnell, vor allem in neuen Märkten wie den USA. Diese Mischung aus Asset-light-Franchise-Geschäft im chinesischen Kernmarkt und gezielten eigenbetriebenen Flagships im Ausland ist zentral für die Margen- und Wachstumsstory.
Ergänzt wird das Geschäft durch ein digitales Ökosystem aus Mini-Programmen, Mitgliederprogramm und Lieferdiensten. Mit über 170 Millionen registrierten Loyalty-Mitgliedern verfügt Chagee über eine der größten Datenbasen im chinesischen Tee-Markt. Zusätzlich verkauft das Unternehmen Tee-Sets, Verpackung und Lifestyle-Produkte als Teil seiner Markenstrategie, mit der es sich bewusst an der Café-Kultur westlicher Premium-Marken orientiert.
