Corsair Gaming IPO: Gaming-Ausrüster greift nach der Börse

Corsair Gaming ist ein weltweit führender Hersteller von High-Performance-Gaming-Zubehör, Komponenten und Systemen für Gamer und Content Creator. Das Unternehmen aus Fremont, Kalifornien, hat seit 1994 über 190 Millionen Produkte in mehr als 75 Länder geliefert und erzielte 2019 einen Umsatz von 1,1 Milliarden US-Dollar. Mit Marken wie Elgato, Origin PC und SCUF Gaming deckt Corsair die gesamte Bandbreite vom Gaming-Headset bis zum Custom-PC ab.
Overview
Corsair Gaming ist eines der ältesten Namen in der Gaming-Hardware-Welt und geht jetzt an die Börse. Das Unternehmen hat seine S-1-Unterlagen bei der SEC eingereicht und plant die Erstnotiz an der Nasdaq Global Market unter dem Ticker-Symbol CRSR. Über einen konkreten Emissionspreis schweigt das S-1 noch, aber die Richtung ist klar.
Die Story hinter diesem IPO ist eigentlich eine Akquisitions-Story. 2017 kaufte die Private-Equity-Firma EagleTree Capital die Corsair-Aktivitäten für rund 550 Millionen US-Dollar auf. Seitdem hat das Unternehmen ordentlich zugekauft: Elgato (Streaming-Zubehör) kam 2018, Origin PC (Custom-Gaming-PCs) und SCUF Gaming (Performance-Controller) folgten 2019. Jetzt, drei Jahre nach dem Buyout, ist es Zeit für den Exit an der Börse.
Der Timing-Aspekt ist dabei nicht unwichtig. Die Corona-Pandemie hat dem Gaming-Hardware-Markt 2020 einen massiven Schub gegeben. Menschen sitzen zu Hause, spielen mehr, streamen mehr, upgraden ihre Setups. In der ersten Jahreshälfte 2020 hat Corsair bereits 688,9 Millionen US-Dollar Umsatz gemacht und dabei einen Nettogewinn von 23,8 Millionen US-Dollar erzielt. Das ist nach drei Jahren Verlust die erste schwarze Null, und Corsair nutzt genau diesen Moment für den Börsengang.
Management zum Zeitpunkt des IPOs
An der Spitze steht Mitgründer und CEO Andrew J. Paul, der Corsair seit den Anfangsjahren führt und das Unternehmen durch mehrere Marktzyklen gesteuert hat. Das S-1 nennt ihn explizit als zentrale Schlüsselperson, was auch ein Risikofaktor ist: Würde Paul das Unternehmen verlassen, wäre das ein ernstes Problem.
Als CFO fungiert Michael G. Potter, der auf der Cover Page des S-1 als offizieller Ansprechpartner gelistet ist. Das deutet darauf hin, dass die Finanzseite des Unternehmens unter seiner Verantwortung läuft und er den IPO-Prozess maßgeblich mitgestaltet.
Nach dem Börsengang bleibt EagleTree Capital der kontrollierende Aktionär mit mehr als 50 Prozent der Stimmrechte. Corsair wird damit offiziell zur "Controlled Company" unter den Nasdaq-Regeln, was bedeutet, dass bestimmte Corporate-Governance-Anforderungen nicht gelten: kein verpflichtend mehrheitlich unabhängiges Board, kein vollständig unabhängiges Compensation Committee. Das ist ein Punkt, den Anleger im Blick behalten sollten.
Branche
Der globale Markt für Gaming-PCs und Streaming-Zubehör hatte 2019 ein Volumen von rund 36 Milliarden US-Dollar, laut Zahlen des Marktforschers Jon Peddie Research. Treiber sind eSports, das Wachstum von Live-Streaming auf Plattformen wie Twitch und YouTube Gaming sowie eine stetig wachsende Zahl von PC-Gamern, die ihr Setup aufrüsten wollen. Allein auf Twitch und YouTube Gaming wurden 2019 über 12 Milliarden Live-Streaming-Stunden konsumiert.
Corsairs wichtigste Wettbewerber variieren je nach Produktkategorie. Im Peripherie-Segment kämpft Corsair vor allem gegen Logitech und Razer. Im PC-Komponenten-Bereich sind Cooler Master, NZXT und EVGA die Hauptkonkurrenten. Im Custom-PC-Segment trifft Corsair über seine Marke Origin PC auf Dell mit Alienware und HP mit Omen.
Das regulatorische Umfeld ist für Corsair vergleichsweise unkompliziert. Die größten Risiken kommen aus einer anderen Richtung: mögliche Handelsspannungen zwischen USA und China (die meisten Hersteller sind in Asien), Währungsschwankungen und die Abhängigkeit vom Einführungstakt neuer GPUs und CPUs von Nvidia und AMD. Wenn keine neue Hardware-Generation den Markt elektrisiert, kaufen Gamer auch keine neuen Systeme und Zubehör dazu.
Produkte
Corsair strukturiert sein Angebot in zwei Hauptkategorien, die durch zwei proprietäre Software-Plattformen verbunden werden:
- •Gaming-Peripherie (Gamer & Creator Peripherals): Tastaturen, Mäuse, Headsets und Performance-Controller unter der Corsair-Marke. Dazu Streaming-Zubehör wie Capture Cards, Stream Decks und Mikrofone unter der Elgato-Marke. Besonders Elgato hat sich bei Content Creators eine starke Fangemeinde aufgebaut.
- •Gaming-Komponenten und Systeme (Components & Systems): Netzteile (PSUs), Kühlsysteme (Liquid Cooling), Computer-Gehäuse und DRAM-Module. Dazu vorgefertigte und maßgefertigte Gaming-PCs über die Marke Origin PC sowie Performance-Controller über SCUF Gaming.
- •iCUE Software: Corsairs proprietäre Software-Plattform, die das gesamte Gaming-Ökosystem über eine einzige Oberfläche steuert. Performance-Tuning, RGB-Beleuchtung und System-Monitoring in einem Interface.
- •Elgato Streaming Suite: Die Software-Plattform für Content Creator, die alle Streaming-Produkte von Elgato koordiniert und die Produktionsqualität maximieren soll.
Bei den Marktanteilen (Stand Juni 2020, Trailing Twelve Months, Quelle: NPD Group) sieht das Bild beeindruckend aus: 53 Prozent bei Kühlsystemen, 42 Prozent bei PSUs, 54 Prozent bei High-Performance-Memory. Im Gaming-Peripherie-Segment hält Corsair 18,3 Prozent, was deutlich schwieriger zu verteidigen ist als die Komponenten-Dominanz.
Outlook
Corsairs Strategie ist klar: Marktführerschaft in den Kernkategorien verteidigen, gleichzeitig durch die Integration von Elgato, Origin und SCUF neue Wachstumsfelder erschließen. Das Direct-to-Consumer-Geschäft soll ausgebaut werden, denn der Löwenanteil läuft noch über Händler wie Amazon, Best Buy und MediaMarkt.
Der Weg in den asiatisch-pazifischen Raum ist explizit als langfristige Wachstumschance genannt. Corsair hat 2020 sein lokales Vertriebs- und Managementteam in der Region ausgebaut. Das ist eine kluge Priorität: Der asiatische Gaming-Markt ist riesig, und Corsair ist dort deutlich schwächer positioniert als in Amerika und Europa.
Die Profitabilität ist in H1 2020 erstmals nachgewiesen worden. Das ist aber kein Selbstläufer: Die Bruttomarge lag 2019 bei nur 20,4 Prozent, ein für Hardware-Unternehmen typisch niedriger Wert. Der Anstieg auf 26,7 Prozent in H1 2020 ist teilweise der Corona-Sonderkonjunktur geschuldet. Sobald diese nachlässt, wird es interessant sein zu sehen, ob Corsair die Marge halten kann.
Das größte strukturelle Risiko bleibt die Abhängigkeit von Amazon. 26,8 Prozent des Umsatzes in H1 2020 liefen über einen einzigen Händler. Wenn Amazon eigene Gaming-Hardware-Ambitionen entwickelt oder die Konditionen verschlechtert, trifft das Corsair empfindlich.
Details zum IPO
Corsair Gaming plant die Erstnotiz an der Nasdaq Global Market unter dem Ticker-Symbol CRSR. Emissionspreis und genaues Volumen sind im S-1 noch nicht festgelegt. Als Konsortialführer wurden Goldman Sachs & Co. LLC, Barclays, Credit Suisse und Macquarie Capital mandatiert.
Nach dem Börsengang bleibt EagleTree Capital mit über 50 Prozent der Stimmrechte der kontrollierende Aktionär. Corsair firmiert damit als "Controlled Company" unter den Nasdaq-Regeln und ist von bestimmten Corporate-Governance-Anforderungen befreit. Verkaufende Aktionäre sind ebenfalls Teil des Angebots, Corsair selbst wird jedoch einen Teil der Erlöse für Schuldenrückzahlung und allgemeine Unternehmenszwecke nutzen.
Bewertungskriterien
Marktführer in defensiven Hardware-Segmenten: 53% bei Cooling, 42% bei PSUs, 54% bei High-Performance-Memory
Erstmals profitabel: 23,8 Millionen US-Dollar Nettogewinn in H1 2020 nach drei Verlustjahren
Vollständiges Ökosystem aus Peripherie, Komponenten, PCs und Software verbindet Gamer langfristig an die Marke
Elgato als separates Wachstums-Asset im boomenden Creator-Economy-Segment
EagleTree Capital bleibt kontrollierender Aktionär mit 50%+ Stimmrechten, Corsair ist und bleibt "Controlled Company"
Extreme Abhängigkeit von Amazon: 26,8% des Gesamtumsatzes über einen einzigen Händler
Bruttomarge von 20 bis 27% lässt wenig Spielraum und ist stark von Hardware-Zyklen (GPU/CPU-Generationen) abhängig
Umsatzwachstum und Profitabilität in H1 2020 sind zu einem guten Teil Corona-Sondereffekte, die nicht nachhaltig sein müssen