Dutch Bros IPO: Der Drive-Thru-Kaffee, der Amerika stürmisch nimmt

Dutch Bros geht an die NYSE unter dem Ticker BROS. Drive-Thru-Kaffee aus Oregon, 471 Standorte, 33% Umsatzwachstum. Alle Infos zum IPO.

Overview

Dutch Bros geht im Sommer 2021 an die New York Stock Exchange und bringt damit ein Konzept an die Börse, das auf den ersten Blick simpel klingt: Kaffee aus dem Drive-Thru. Wer hinter die Zahlen schaut, sieht aber ein Unternehmen mit außergewöhnlicher Kultur, starken Wachstumskennzahlen und einem Playbook, das sich klar von Starbucks und McDonald's unterscheidet.

Die Geschichte beginnt 1992, als die Brüder Dane und Travis Börsma in Grants Pass, Oregon, mit einer doppelköpfigen Espressomaschine und einem Handwagen anfingen, Kaffee zu verkaufen. Was damals alles kostete, was sie hatten, ist heute ein Netz aus über 471 Drive-Thru-Shops in 11 US-Bundesstaaten mit mehr als 16.500 Mitarbeitern. Der Börsengang unter dem Ticker BROS soll dieses Wachstum mit frischem Kapital weiter beschleunigen.

Was diesen IPO besonders macht: Dutch Bros ist profitabel, wächst seit 14 Jahren mit positivem Same-Shop-Sales und hat eine Markentreue aufgebaut, die sich kaum kaufen lässt. In einer internen Studie aus 2020 kannten 77% der Befragten in bestehenden Märkten die Marke, obwohl das Unternehmen nur 4% des Umsatzes für Werbung ausgibt.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

An der Spitze des operativen Geschäfts steht CEO Joth Ricci, der seit über zwei Jahren bei Dutch Bros ist und zuvor 21 Jahre Erfahrung in der Kaffee- und Getränkebranche mitbrachte. CFO Charles Jemley kam im Januar 2020 dazu und hat fast drei Jahrzehnte Erfahrung bei Starbucks und Yum! Brands. Das restliche Führungsteam ist im Schnitt seit über 12 Jahren dabei.

Mitgründer Travis Börsma bleibt als Co-Founder und Executive Chairman das Gesicht des Unternehmens. Durch seine Beteiligung an Class-B-Aktien, die jeweils 10 Stimmrechte gewähren, behält er nach dem Börsengang die faktische Kontrolle über das Unternehmen. Der Finanzinvestor TSG Consumer Partners hält ebenfalls eine bedeutende Position und ist durch Class-C-Aktien mit je 3 Stimmrechten vertreten. Dutch Bros wird damit offiziell ein sogenanntes Controlled Company nach NYSE-Standards.

Branche

Der Markt, in dem Dutch Bros spielt, ist riesig und fragmentiert. Das Unternehmen sieht sich selbst im Schnittfeld aus drei Segmenten: dem rund 36 Milliarden Dollar schweren US-Kaffeemarkt, dem 36-Milliarden-Dollar-Conveniencestore-Markt und dem 239 Milliarden Dollar großen Quick-Service-Restaurant-Markt (QSR). Die Positionierung als schneller, persönlicher und günstig erreichbarer Drive-Thru macht Dutch Bros zu einem Angreifer in allen drei Kategorien gleichzeitig.

Größte Wettbewerber sind Starbucks im Premium-Coffee-Segment und klassische QSR-Ketten wie McDonald's und Dunkin'. Dutch Bros unterscheidet sich durch den reinen Drive-Thru-Fokus ohne Sitzplätze, den persönlichen Kundenkontakt durch sogenannte Broistas und ein Menü, das stark auf Individualisierung setzt. Regulatorisch gibt es kaum besondere Risiken, aber steigende Mindestlöhne und Rohstoffpreise für Arabica-Kaffee können die Margen unter Druck setzen.

Produkte

Dutch Bros verkauft ausschließlich Getränke. Das Sortiment ist breit und stark auf Eigenmarken aufgebaut:

  • Espresso-Getränke: Heiße und kalte Varianten, darunter Klassiker wie Latte, Americano und Macchiato, aber auch zahlreiche Eigenkreationen
  • Cold Brew: Kaltaufgebrühter Kaffee in verschiedenen Varianten
  • Dutch Bros. Blue Rebel: Proprietärer Energy-Drink, der ausschließlich bei Dutch Bros erhältlich ist und als Basis vieler Nachmittagsgetränke dient
  • Smoothies und Lemonaden: Breites Sortiment für Nicht-Kaffeetrinker
  • Secret Menu: Inoffizielle Getränke, die nur Eingeweihte kennen und die das Markengefühl stärken
  • Private Reserve Coffee: 100% Arabica-Eigenröstung aus der hauseigenen Röstanlage in Grants Pass

Die durchschnittliche Transaktion liegt bei rund 7,50 US-Dollar. Mit einem systemweiten Jahresdurchsatz von 1,7 Millionen Dollar pro Shop (AUV) und einer Shop-Level-Contribution-Margin von 29% in 2020 erzielt Dutch Bros best-in-class-Kennzahlen für Drive-Thru-Konzepte.

Outlook

Dutch Bros befindet sich in einer klaren Wachstumsphase. Das Unternehmen hält langfristig mindestens 4.000 Standorte in den USA für realistisch, derzeit sind es 471. Mit einer starken Pipeline von rund 250 bereits identifizierten neuen Standorten und dem bewiesenen Erfolg in neuen Märkten wie Texas und Oklahoma ist der Expansionspfad glaubwürdig.

Der Weg zur weiteren Profitabilität läuft über operative Skaleneffekte. Viele der zentralen Infrastrukturinvestitionen sind abgeschlossen: ERP, Loyalty-App, Röstanlage, Logistik. Die variablen Kosten wachsen langsamer als der Umsatz. Gleichzeitig geht Dutch Bros ab 2017 nur noch mit eigenem Personal in neue Märkte, was die Qualität sichert, aber das Wachstumstempo begrenzt.

Das zentrale Risiko: Das Unternehmen ist geografisch stark im Westen der USA konzentriert. Der Erfolg in Texas und Oklahoma ist vielversprechend, aber noch früh. Zudem hatten über 80% des Umsatzes 2020 noch nichts mit dem östlichen US-Markt zu tun. Ob die "Dutch Luv"-Kultur auch dort trägt, bleibt zu zeigen.

Details zum IPO

Dutch Bros hat im S-1 einen Preisrahmen noch nicht festgelegt, plant aber die Erstnotiz an der NYSE unter dem Ticker BROS. Das maximale Emissionsvolumen wurde mit 100 Millionen US-Dollar angegeben, wobei die Underwriter eine Mehrzuteilungsoption erhalten. Die Erlöse sollen teilweise zur Rückzahlung von Kreditlinien genutzt werden, der Rest fließt in allgemeine Unternehmenszwecke und neue Shop-Eröffnungen.

Als Konsortialführer wurden BofA Securities, J.P. Morgan und Jefferies mandatiert, unterstützt durch Barclays, Piper Sandler, Baird und William Blair. Co-Manager sind Cowen, Stifel und mehrere kleinere Hauser.

Die Aktienstruktur ist komplex: Vier Aktiengattungen (Class A bis D) mit unterschiedlichen Stimmrechten. Class A hat 1 Stimme, Class B (Co-Founder) hat 10 Stimmen, Class C und D (Sponsor und Pre-IPO-Inhaber) haben je 3 Stimmen. Das Konstrukt läuft über eine sogenannte Up-C-Struktur, bei der Dutch Bros Inc. als Holdinggesellschaft fungiert und alle operativen Aktivitäten durch Dutch Bros OpCo laufen. Neue Aktionäre erhalten Class-A-Aktien und damit eine vergleichsweise schwache Stimmrechtsposition.

Bewertungskriterien

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14 Jahre in Folge positives Same-Shop-Sales-Wachstum, auch durch COVID-19 und Waldbrände hindurch

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Systemweite AUVs von 1,7 Millionen Dollar und 29% Shop-Level-Contribution-Margin gehören zu den besten in der Branche

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Langfristiges Potenzial für 4.000 Standorte in den USA bei aktuell 471 Shops

Vier-Klassen-Aktienstruktur mit Up-C-Holdingkonstrukt bevorteilt Co-Founder und Sponsor erheblich gegenüber neuen Investoren

Starke geografische Konzentration im Westen der USA, Erfolg im Rest des Landes noch unbewiesen

Identifizierte Material Weakness in der internen Finanzkontrolle zum Zeitpunkt des Börsengangs