Enfusion IPO: Die Fintech-Software, die Hedgefonds endlich ins 21. Jahrhundert bringt

Enfusion IPO: Die Fintech-Software, die Hedgefonds endlich ins 21. Jahrhundert bringt
Ticker: ENFN🌐Gründung: 1997Technologie💾

Overview

Enfusion geht im Oktober 2021 an die New York Stock Exchange und löst damit ein Problem, das die Finanzbranche seit Jahrzehnten kennt: Hedgefonds und Asset Manager jonglieren mit einem Flickenteppich aus veralteten, schlecht vernetzten Systemen. Portfolio-Management hier, Orderabwicklung dort, Buchhaltung irgendwo anders. Enfusion bietet seit über zwei Jahrzehnten die Alternative: eine einzige, cloud-native Plattform, die den gesamten Investitionszyklus von vorne bis hinten abdeckt.

Das Unternehmen wurde 1997 in Chicago von drei Software-Entwicklern gegründet, die zuvor selbst in Technologieteams großer Hedgefonds gearbeitet hatten. Sie wussten aus eigener Erfahrung, wie frustrierend fragmentierte Systeme sind, und bauten gezielt dagegen. Was damals mit einer simplen Idee begann, ist heute eine globale SaaS-Plattform mit 635 Kunden und Büros in New York, London, Dublin und vier Standorten in der APAC-Region.

Der Börsengang unter dem Ticker ENFN kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Cloud-Technologie in der Finanzbranche endgültig akzeptiert wird. Viele Investment Manager stehen jetzt vor der Entscheidung: Legacy-Systeme weiter flicken oder komplett auf eine moderne Lösung umsteigen. Enfusion will genau diese Wechselwilligen als Kunden gewinnen.

Management zum Zeitpunkt des IPOs

CEO Thomas Kim übernahm das Steuer im März 2020, mitten in den Beginn der COVID-19-Pandemie. Trotzdem hat Enfusion unter seiner Führung 266 neue Kunden gewonnen. Kim bringt einen klaren Fokus auf Wachstum und Kundenzentrierung mit, wie er es in seinem CEO-Brief im S-1 deutlich macht.

Die Stimmrechtsstruktur ist nach dem Börsengang zweigeteilt: Class A und Class B-Aktien haben jeweils eine Stimme pro Aktie, was im Vergleich zu vielen anderen Tech-IPOs ungewöhnlich fair ist. Allerdings behalten die Pre-IPO-Eigentümer nach dem Börsengang rund 83,4% der Stimmrechte, was bedeutet, dass neue Aktionäre vorerst wenig Einfluss auf Unternehmensentscheidungen haben. Das Konstrukt läuft über eine sogenannte Up-C-Struktur, bei der Enfusion, Inc. als Holdinggesellschaft fungiert, deren einziger wesentlicher Vermögenswert die Beteiligung an der operativen Enfusion Ltd. LLC ist.

Branche

Der globale Investment-Management-Markt ist riesig. Das verwaltete Vermögen (AUM) überstieg 2020 laut dem S-1 die Marke von 110 Billionen US-Dollar weltweit. PwC schätzt, dass AUM jährlich um rund 6% wächst, alternative Investments sogar um 8% pro Jahr.

Der Markt für Investment-Management-Software war 2020 laut IDC auf 11,5 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2024 auf 14,4 Milliarden Dollar anwachsen. Rechnet man internen IT-Spend und Hardware-Infrastruktur dazu, schätzt Enfusion sein adressierbares Marktpotenzial auf über 19 Milliarden Dollar.

Wettbewerber gibt es: Die klassischen Point-Solution-Anbieter, die einzelne Funktionen wie Order Management oder Risikosysteme abdecken, aber keine durchgängige Plattform bieten. Daneben gibt es über Akquisitionen zusammengewachsene Legacy-Systeme großer Anbieter. Enfusion positioniert sich als einziger Anbieter, der eine echte cloud-native End-to-End-Lösung mit einem einzigen Datensatz für alle Funktionen liefert.

Der regulatorische Druck auf Investment Manager steigt. Compliance-Anforderungen, Reporting-Pflichten und Investoren-Anforderungen wachsen. Das kommt Anbietern wie Enfusion zugute, weil es den Bedarf an integrierten, zuverlässigen Systemen erhöht.

Produkte

Enfusion bietet eine vollständig integrierte Plattform mit mehreren Kernmodulen:

  • Portfolio Management System (PMS): Echtzeit-Portfolioanalyse, vollständiges Investment Book of Record (IBOR) für Portfolio Manager und CIOs, Bewertungs- und Risikotools
  • Order and Execution Management System (OEMS): Elektronische Orderabwicklung für verschiedene Asset-Klassen, Compliance-Checks in Echtzeit, direkte Anbindung an hunderte Broker weltweit
  • Accounting/General Ledger System: Vollständiges Doppelte-Buchfuehrungs-System, automatische Buchung direkt aus dem PMS heraus, komplettes Accounting Book of Record (ABOR) in Echtzeit
  • Enfusion Analytics: Echtzeit-verbunden mit PMS und OEMS, Portfolio-Analyse über verschiedene Zeiträume, automatisierte individuelle Reports für interne und externe Stakeholder
  • Technology-Powered Services: Ausgelagerter Middle- und Back-Office-Betrieb, Reconciliations, Corporate Actions Processing, Trade-Break-Resolution durch Enfusion-Teams

Kunden sind vor allem Hedgefonds aller Groessen, Private-Equity-Fonds, Family Offices und institutionelle Asset Manager. Kein einzelner Kunde macht mehr als 3% des Umsatzes aus, die Top-10-Kunden zusammen rund 12%. Das ist eine gesunde Diversifikation.

Outlook

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Enfusion ist schon profitabel. 2020 lag die Net Income Margin bei 5,1%, der Adjusted EBITDA Margin bei 31,8%. Das ist in der SaaS-Welt keine Selbstverstaendlichkeit, besonders nicht fuer ein Unternehmen, das gleichzeitig stark waechst.

Die Annual Recurring Revenue (ARR, also der wiederkehrende Jahresumsatz) ist von 33,1 Millionen Dollar Ende 2017 auf 93,4 Millionen Dollar Ende 2020 gestiegen, ein jaehrliches Wachstum von 41,4%. Die Net Dollar Retention Rate von 120% zeigt, dass bestehende Kunden im Schnitt 20% mehr ausgeben als im Vorjahr. Neue Kunden kommen on top.

Die Strategie ist klar: Mehr Kunden gewinnen, bestehende Kunden dazu bringen, mehr Module zu nutzen, und geografisch in Europa, Lateinamerika und APAC expandieren. Enfusion plant 2021 noch Bueroberoeffnungen in China und Australien.

Das Risiko liegt hauptsaechlich darin, dass die Wachstumsrate sich verlangsamen koennte. Der Markt fuer Hedgefonds ist nicht unendlich, und gerade groessere institutionelle Manager sind zurueckhaltender bei Systemwechseln. Dazu kommt: Ein grosser Teil der Stimmrechte bleibt bei den Alt-Eigentuemern, was neue Investoren faktisch vom Einfluss ausschliesst.

Details zum IPO

Enfusion hat im S-1 einen Preisrahmen von 15 bis 17 US-Dollar je Aktie angegeben. Insgesamt werden 18.750.000 Aktien der Klasse A angeboten, davon 15.322.660 von Enfusion selbst und 3.427.340 von bestehenden Aktionaeren. Die Konsortialfuehrer sind Morgan Stanley und Goldman Sachs, unterstuetzt von BofA Securities und Credit Suisse.

Der geschaetzte Nettoemissioserloese fuer Enfusion betraegt rund 230,5 Millionen US-Dollar. Davon sollen rund 98,8 Millionen Dollar fuer die Rueckzahlung eines Kredits verwendet werden, 14,8 Millionen fuer Steuerverpflichtungen und rund 56,5 Millionen fuer allgemeine Unternehmenszwecke.

Die Aktienstruktur ist nach dem Borsengang zweigeteilt in Class A (oeffentlich handelbar) und Class B (gehalten von Pre-IPO-Eigentuemern, kein wirtschaftlicher Anteil aber Stimmrecht). Die Alt-Eigentuemer behalten nach dem IPO 83,4% der Stimmrechte. Cornerstone-Investoren aus den Reihen von Dragoneer Investment Group und ICONIQ Capital haben Interesse an bis zu 20% des Angebots signalisiert.

Bewertungskriterien

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98% wiederkehrende Abo-Einnahmen und eine Net Dollar Retention Rate von 120% zeigen ein extrem stabiles Geschaeftsmodell

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Bereits profitabel: 5% Net Income Margin und 32% Adjusted EBITDA Margin im Jahr 2020

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ARR-Wachstum von 41% CAGR zwischen 2017 und 2020 bei gleichzeitig niedrigem Churn von unter 1% (bereinigt)

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Einzige echte cloud-native End-to-End-Loesung im Investment-Management-Markt mit einer einzigen Datenbasis

Alt-Eigentuemer behalten 83,4% der Stimmrechte, neue Aktionaere haben faktisch keinen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen

Up-C-Holdingstruktur und Tax Receivable Agreement sind komplex und bevorteilen Pre-IPO-Eigentuemer steuerlich

Erwartet einen Stock-based Compensation Aufwand von rund 248,5 Millionen Dollar im Zusammenhang mit dem IPO, der das Ergebnis stark belasten wird

Kunden konzentrieren sich stark auf Hedgefonds, groessere institutionelle Manager sind schwieriger zu gewinnen und langsamer beim Systemwechsel